Die Pest im Chamer Umland

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Von Günther Rinck

Josef Lukas schreibt 1862 in seiner Chronik der Stadt und Pfarrei Cham: Anno 1713 herrschte im bayerischen Walde eine schreckliche Pest, welche in Cham allein den dritten Teil der Einwohner hinraffte. Im Armenhaus starben die Leute ganz verlassen. Als sich wieder einmal ein Mensch hineinwagte, fand er nur Leichen darinnen und ein lebendes Kindlein an der toten Brust seiner Mutter“. Nichts konnte den Schrecken und das Grauen besser kennzeichnen, wie dieser kurze Bericht.

Daß die Pest bereits früher immer wieder ausbrach und Tausende hinwegraffte, ist allgemein bekannt. Auch im Chamer Bezirk war dies so. Genauere Angaben über das Massensterben finden wir jedoch erst aus der Zeit der Schwedenkriege. Mit dem Eindringen der schwedischen Truppen im Spätjahr 1633 flammte auch die Pest wieder von neuem auf. Besonders im darauffolgenden Jahr grassierte die Seuche im hiesigen Bereich außerordentlich stark. 1634 starben in Stallwang vom 1. Januar bis 20. April 128 Menschen. Im April allein waren es 53 Tote, die teils durch die Schweden, größtenteils aber durch die Pest umkamen.

Am 16. Juli 1634 starb die Gerichtsschreibersgattin Maria Jakobe Krauß in Cham, zusammen mit zwei Söhnen und vier Töchtern. Der Pfarrer von Stamsried notierte 1635 in das Pfarrbuch: „Denn als der Schwedenkönig 1634 in die Oberpfalz eindrang verachteten sie, was sie in einigen Jahren in der katholischen Lehre sich erworben hatten, indem sie zur früheren falschen verurteilten Häresie mehr geneigt waren, als zur katholischen Wahrheit. Daher verachteten sie die hl. Sakramente, gingen zugrunde mit der Mehrheit. Endlich auch deshalb, weil unsere Soldaten herumschweifend alle grausam behandelten, so daß zur Unterstützung der Kranken sich niemand mehr von der Stadt auf das Land hinauswagte. Als aber die Pestkrankheit aufhörte und die schreckliche Kriegszeit endete, wurden die Pfarrer vom Bischof von Regensburg beauftragt, alle Verstorbenen aufzuschreiben und zugleich anzugeben, wie viele noch lebten.“

In jenen Jahren kam in der Stadt Cham fast die Hälfte der Bevölkerung ums Leben, größtenteils durch die Pest. In Chammünster erinnert noch heute eine Grabplatte an den Stadtarzt von Cham Johann Salmansperger, gestorben im November 1653, von dem es heißt: „hier und in der Umgebung gegen die schrecklich wütende Pest und anderer grausamer Krankheiten 21 Jahre hindurch glückliche Kuren machte“. Ähnlich hoch wie in Cham war die Sterblichkeit auch in den umliegenden Orten. In Brennberg starben in jenen Jahren 800 Personen, in dem kleinen Frauenzell sogar 200 und in Waldmünchen ebenfalls 200.

Im Jahre 1902 wurde in Sattelbogen auf der nordöstlichen Seite der jetzigen Kirche eine Reihe von Gräbern mit gut erhaltenen Skeletten aufgefunden. Die Toten lagen in willkürlicher Anordnung und ohne jede Beigabe, alle jedoch mit über der Brust gekreuzten Armen. Coop. Schmid, der dies im Jahre 1904 berichtete, war der Annahme, daß es sich um einen Pestfriedhof aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges handelt. Es sei auffallend, daß die Skelette, nicht nach kirchlicher Sitte gegen Osten, sondern an ein und demselben Platz manchmal sogar in entgegengesetzter Richtung nebeneinander liegen.

Das Jahr 1713 war ein ausgesprochenes Pestjahr. Wenn Lukas davon berichtet, daß in Cham allein ein Drittel der Einwohner starb, dann kann man daraus abnehmen, daß es in den umliegenden Orten ähnlich aussah. Aus diesem Jahr datiert die große Verehrung des heiligen Sebastian, des Pestpatrons. Im September des gleichen Jahres mußten zwei Kinder von dem zur Pfarrei Wiesenfelden gehörenden Weiler Bainstraich nach Wetzelsberg übergeführt werden, „weil dort die Pest grassiert und der Weg dorthin gesperrt ist“.

Wenige Jahre später trat die Pest wieder auf. Der „schwarze Tod“ forderte 1740 in Sattelpeilnstein 25 Menschen. Eingeschleppt wurde die Seuche durch Soldaten. In den Jahren 1741 Starben in Sattelpeilnstein 25 und 1742 26 Personen an der Pest, während die Durchschnittszahl der Toten dieser Pfarrei in jener Zeit bei 7-8 Sterbefällen lag.

Ähnlich verhält es sich mit der Pfarrei Loizendorf, die jährlich ca. 30 Sterbefälle zu verzeichnen hatte. Im Jahr 1741 starben 56 und im darauffolgenden Jahr sogar 81 Menschen. In Sattelbogen waren es 1742 allein 10 Tote, die an der Dysenterie (Ruhr) ums Leben kamen. Auch in Schorndorf steigt die Zahl der Toten in jenen Jahren sprungartig an. 1742 sind dort 79 Tote eingetragen, von denen mindestens ein Drittel an der Pest gestorben sind. Die Durchschnittszahl der Pesttoten in der Pfarrei Untertraubenbach betrage 10 Personen.

Große Verdienste um die Pestkranken und um die Toten erwarben sich die Franziskanerpatres von Cham. Sie übernahmen die Bestattung der vielen, zum Teil schon verwesenden Leichen. Im Nekrolog des Klosters heißt es 1742: Die Patres Hofreiter, Sießmayr und Sonnleitner starben „bei der in Cham herrschenden Seuche in Ausübung ihres Berufes angesteckt als Opfer der Nächstenliebe“. Von Pater Chrysanthus Rosa heißt es: „der in Ausübung seines Berufes als ein Opfer des Gehorsams sein Leben einbüßte“.

Totentanz

1771 flammte die Pest wieder auf und diesmal so stark wie selten zuvor. In Schorndorf starben allein an der Pest in jenen Jahren durchschnittlich 50 Personen. 1772 wird als besonders schweres Pestjahr genannt. In Loizendorf werden 65 Pesttote gezahlt, in Schorndorf sogar 139, in Sattelpeilnstein 37 und in Untertraubenbach 17. Im darauffolgenden Jahr ging die Pest etwas zurück und ein Chronist schreibt: „Dieses Jahr (1772) war besonders merkwürdig wegen des unglaublichen Dahinsterbens der Menschen, als das gefährliche Faulfieber wütete“. Bald wußte man nicht mehr, wohin man die Toten beerdigen sollte. Es entstanden Massengräber, die allgemein als Pestfriedhöfe bezeichnet werden und die man hin und wieder im Bayerischen Wald noch findet, wie zum Beispiel am Haidstein. Wohl aus der Pestzeit hat sich auch noch jener Brauch erhalten, nach dem am 20. Januar, dem Sebastianitag, der Hausvater morgens einen Wacholderzweig anzündet und mit dem brennenden Wedel das ganze Haus beräuchert. Dadurch soll das Haus vor Unglück, besonders vor jeder Seuche und Krankheit bewahrt werden.

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Das ehemalige Adelsgeschlecht der Fuchssteiner

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Das ehemalige Adelsgeschlecht der Fuchssteiner

Von Anton Dollacker

 

Fünf Kilometer westlich von Amberg liegt das malerische Dorf Fuchsstein mit seiner uralten Linde.

Der Schullerhof am Südwestlichen Ende dieser Ortschaft fällt schon durch die ungewöhnliche Bauart des Wohnhauses auf und es sollen mehrere auf dessen Vorderseite gemalte Wappen übertüncht sein. Aber auch noch andere Umstände sprechen dafür, daß er der ehemalige „Hof zum Fuchsstein“ d.i. der hier zu suchende Stammsitz der Fuchssteiner ist, die im 16. Jahrhundert in der Oberpfalz eine große Rolle spielten.

Über die frühere Geschichte dieses Geschlechtes weiß man nur wenig. Anscheinend kam es schon bald zu Wohlstand, weil im Jahr 1343 Heinrich der Fuchssteiner als Patrizier von Amberg erscheint.

Vermutlich war Eberhard von Fuchsstein, der 1384 als Richter der Landgrafen zu Leuchtenberg auftritt, sein Sohn.

1454 wird ein Hans Fuchssteiner zu Glaubendorf als Schiedsrichter genannt, der 1461 auf seinem leuchtenbergischen Lehensgut Glaubendorf das Hofmarksrecht erhielt. Offenbar ist er derselbe, der 1485 auch das bayerische Lehensgut Prebrunn besaß, 1487 Stadtschultheiß von Regensburg und 1493 Landrichter zu Burglengenfeld wurde und gleichzeitig vom bayerischen Herzog Albrecht zur Belohnung seiner Dienste das Burglehen Kalmberg (jetzt Kollenburg bei Viechtach) erhielt. Er scheint 1584 gestorben zu sein.

Sein Sohn Dr. Sebastian von Fuchsstein zu Kalmberg folgte ihm damals im Lehensbesitz von Kalmberg nach. Dieser war Rechtsanwalt in Kaufbeuren und tat sich dort als Anhänger und Verbreiter der neuen evangelischen Lehre hervor. Während des Bauernkrieges von 1525 gewann er als Wanderredner großen Einfluß auf das oberschwäbische Landvolk, weshalb er als „der Bauern Advokat“ verschrieen war. Er heiratete eine reiche Patrizierwitwe von Kaufbeuren, starb aber kinderlos 1528 oder kurz vorher, weil in diesem Jahr das Lehen Kalmberg an seine Brüder Hans und Sigmund überging.

Der andere Sohn des Regensburger Schultheißen Wolfgang von Fuchsstein zu Ebermannsdorf, war Landrichter in Amberg und schon 1499 Besitzer des kurpfälzischen Lehens Ebermannsdorf (Bez. A. Amberg), er besaß als weitere Lehen je einen Hof in Utting und in Speckmannshof und zwei Drittel des Zehents daselbst und zu Fuchsstein sowie als freies Eigentum den Familienstammsitz in Fuchsstein, der damals natürlich schon längst in Erbpacht gegeben war. Er hatte drei Söhne, wurde aber, als er anscheinend um 1524 starb, nur von einem derselben überlebt.

Dieser, Dr. Johann von Fuchsstein zu Ebermannsdorf, war äußerst begabt und geschickt und hochgelehrt, aber auch ränkevoll und bestechlich.

Er gewann die Gunst des Pfalzgrafen Friedrich, der für seinen Bruder den Kurfürsten Ludwig in der Oberen Pfalz regierte, und wurde sein Kanzler. Als dann Pfalzgraf Friedrich als kaiserlicher Statthalter beim damaligen Reichsregiment zu Nürnberg verschwenderisch lebte und deshalb in arge Geldverlegenheit kam, vermittelte er den Abschluß eines Vertrages mit den Nürnbergern, wonach diese die von ihnen schon seit dem bayerischen Erbfolgekriege besetzten Ämter Lauf und Hersbruck der Kurpfalz um ein Schandgeld erkauften. Dieses für die Kurpfalz sehr unvorteilhafte Geschäft brachte zwar unserem Fuchssteiner seitens der Nürnberger ein stattliches Geldgeschenk ein, er machte sich aber dadurch im Lande sehr unbeliebt.

Hinzu kam, daß er als eifriger Lutheraner die Verschwörung der Reichsritterschaft unter Franz von Sickingen gegen die Fürsten begünstigte, indem er seinen Herrn Friedrich über ihren wahren Zweck hinwegzutäuschen suchte und ihn deswegen sogar mit seinen Mündeln, den Neuburgischen Pfalzgrafen Philipp und Ottheinrich, in Händel verwickeln wollte.

Der Fuchssteiner #1

Federzeichnung von A. Reich

Als nun seine Untreue zufällig an den Tag kam, wurde er an Fastnacht 1523 als politischer Gefangener in den vorderen Turm des Amberger Schlosses, der seitdem im Volksmund „der Fuchssteiner“ heißt, gesperrt. Darin mußte er mehrere Monate schmachten bis Pfalzgraf Friedrich auf Fürbitte von 30 Adeligen sich seiner erbarmte und ihn gegen das Versprechen, künftig das Land zu meiden, freigab.

Vier Tage darauf traf in Amberg ein Befehl des Kurfürsten Ludwig ein, den Fuchssteiner nur ja in Haft zu behalten, da man in der soeben eroberten Ebernburg einen ihn bloßstellenden Brief von ihm an Franz von Sickingen gefunden habe, jedoch der Vogel war schon ausgeflogen.

Sein plötzlicher Sturz trug dem ehemaligen Kanzler natürlich überall Spott und Verachtung ein. Er trieb sich zunächst unstet herum und besaß sogar die Frechheit, dem ihm feindlichen Domkapitel zu Regensburg mit Verwüstung der fürstbischöflichen Landgüter zu drohen.

1524 lächelte ihm noch einmal das Glück, indem ihn der durch den schwäbischen Bund und seinem Land vertriebene Herzog Ulrich von Württemberg zu seinem Kanzler ernannte. Er hielt aber bei Ulrich nicht lange aus, sondern trat, als dessen Sohn mehr Aussichten zu haben schien, zu diesem über, um nun gegen Ulrich zu arbeiten.

Als dann 1533 Ulrich in sein Land zurückkehren konnte, wurde der Fuchssteiner Brotlos und suchte nun wieder bei ihm unterzukommen. Allein Ulrich warf ihn in den Kerker und lieferte ihn – anscheinend wegen früher begangener Missetaten – an das Hochstift Regensburg aus, wo er im Bischofshof als gänzlich mittelloser Gefangener starb. Noch an Ostern 1535 hatte er laut eines von ihm ohne Ortsangabe ausgestellten Kaufbriefes seine schon 1524 verpfändeten Güter in Fuchsstein und Speckmannshof verkauft, im Sommer 1536 aber war er, wie aus einer Akte des Amberger Staatsarchivs (Oberpf. Adm. Nr. 3672) hervorgeht, bereits tot.

In der betreffenden Urkunde spricht Pfalzgraf Friedrich von seinem „lieben, getreuen Johann von Fuchssteiner Ritter und Doktor“, so daß er diesem nach seinem Tode nicht mehr gezürnt haben kann. Auffallenderweise waren auch die nach dem Ableben des Vaters Wolfgang erledigten kurpfälzischen Lehen mit Ausnahme von Ebermannsdorf, das schon 1530 in andere Hände kam, nicht eingezogen worden, obwohl sie der landesflüchtige Erzkanzler nicht antreten konnte.

Dr. Johann von Fuchsstein  war mit einer Edlen von Zant verheiratet, hinterließ aber keine Nachkommen. Seine Brüder, von denen nichts näheres bekannt ist, hatten schon vor dem Vater das Zeitliche gesegnet und seine Schwester war in ein Kloster gegangen.

Um 1517 besaß ein Konrad von Fuchsstein die Burg Ebenhofen bei Kaufbeuren, 1524 erscheint in einer Urkunde  Sigmund Fuchssteiner zu Ebermannsdorf der 1555 zu Vohenstrauß starb und 1553 heiratete ein Salomon Fuchssteiner die Witwe des Landsaßen Tetzel aus Lauterhofen. Letzterer war ein Sohn des Vorherbesagten Sigmund von Fuchsstein und stritt sich mit seinen minderjährigen Brüdern Hans und Jörg um die bayerischen Lehen (Kalmberg?) des Geschlechtes.

Bald darauf muß das Geschlecht der Fuchssteiner ausgestorben sein, da ich weitere Nachrichten darüber nicht ermitteln konnte.

Sein Wappen waren nach Hefners „Stammbuch des deutschen Adels“ zwei eckig gezogene goldene Balken (Sparren?) im schwarzen Feld

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© Die Oberpfalz“, 1925

 

Eiszeitjäger bei Kallmünz

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Von Herbert Lindner

Haupträume des Menschen der Altsteinzeit waren der Donauraum und die Fränkische Alb. Im Bereich der Naab kannte man bisher nur eine einzige Fundstelle an der mittleren Vils bei Ensdorf. Nunmehr glückte es, bei Kallmünz einen zweiten Siedlungsplatz der früheren Steinzeit aufzudecken. Davon berichtet unser Beitrag.

Vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege eingeladen zur Besichtigung der Ausgrabungsarbeiten am alten Ungarnwall auf dem Burgberg bei Kallmünz am Zusammenfluß von Naab und Vils geriet ich zum ersten mal im Herbst 1957 in diese Landschaftlich so überaus reizvolle Ecke der Oberpfalz. Entzückt stand ich vor den steilen Klippen aus Jurakalk, die sich dort über Fluß und Städtchen erheben. Eine Erinnerung wurde wach: Sahen nicht die weltberühmten Täler der Dordogne und Vezere in Südfrankreich ganz ähnlich aus.

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Jene Täler, welche die Hauptstadt der Eiszeitjäger getauft wurden und deren wichtigste und interessanteste Höhlen und Freilandrastplätze ich 1953 auf einer wunderbaren Steinzeit-Exkursion unter der Führung der Professoren L. Zotz und G. Freund aus Erlangen kennengelernt hatte. Sollte diese so paläolithisch anmutende Landschaft hier an der Naab etwa ebenfalls den Eiszeitjäger gesehen haben, so wie jene Täler Südfrankreichs?

Der Gedanke ließ mich nicht los und verstärkte sich noch als ich die farbenbunte Herbstflora der Klippen und Berghänge erblickte und alsbald feststellen konnte, daß hier in einträchtigem Beieinander – trotz des späten Jahres – sowohl mediterrane als auch pontische Florenelemente in reicher Fülle blühten. (mediterran = zum Mittelmeer gehörig; pontisch = aus den Steppen vom Schwarzen Meer herkommend.)

Da fand sich noch eine verspätete blaublühende Pflanze vom ausdauernden Lattich (Lactura perennis), tiefblau grüßte der gefranste Enzian (Gentiana ciliata) daneben die Quirlsalbei (Salvia verticillata) und auf einem kleinen Ackerstück fand ich die Spiegelblume (Legiousia speculum), hellgrünlichblauen Schwarzkümmel Nigella arvensis) mit prachtvoll geformter Blüte. Schwefelgelb leuchteten die Polster des niedrigen Berg-Steinkrauts (alyssum montanum) daneben die zierliche weißgelbe Rachenblüte des Berggamanders (Teuricum montanum)  im Verein mit einer rosaroten Schwester, dem gemeinen Gamander (Teuricum chamaedrys). Die bunte Kronenwicke (Coronilla varia), die rheinische Flockenblume (Centaurea rhenana), der deutsche Ziest (Stachys rectus) und der rötliche Hauswaldmeister (Asperula cynanchica) waren nicht die letzten dieser Kinder einer südlichen Sonne und dazwischen gab es eine Wahrhaft bunte Fülle unserer heimischen Kalkflora.

Man wanderte umher wie in einem riesengroßen Steingarten. Eins ergab sich aber sich bei dieser Schau mit Gewißheit: Das Lokalklima dieser Hänge und Klippen war mild und günstig, bevorzugt vor vielen anderen Gegenden und durchaus zu vergleichen mit dem der nach Süden, der Sonne entgegen, fallenden Hänge an der Donau im Regensburger Raum. Wohl  mußte ich mir sagen, daß ich hier schwerlich auf Spuren des Neandertalers treffen würde, der schon vor Beginn der letzten Eiszeit die großen Flußtäler bevorzugt hatte. Aber es bestand doch vielleicht die Hoffnung, den jüngsten Altmenschen der letzten Eiszeit, der uns im Äußeren schon durchaus glich, noch in seinen Hinterlassenschaften anzutreffen. Denn schon im Jahre 1933 hatte der Ansbacher Forscher Carl Gumpert noch weiter nördlich an der Vils bei Ensdorf, an der Steinbergwand unter einem Schutzdach aus Fels zuunterst der dort aufgedeckten Schichten die Reste solcher späten Eiszeitjäger gefunden. Darüber lagen in regelmäßiger Schichtenfolge, die Steinwerkzeuge des Menschen der mittleren Steinzeit, der frühen Nacheiszeit also und lange vor Beginn des Ackerbaus.

(In Bayern hat die Forschung mit Sicherheit vier Eiszeiten festgestellt, zwischen denen warme Zwischeneiszeiten eingeschaltet waren. Die letzte Eiszeit, die Würm-Eiszeit begann vor 120 000 Jahren.)

Es hieß nun also nach den Spuren solcher letzten Eiszeitjäger zu suchen. Worauf war nun dabei zu achten? Es ist ja wohl allgemein bekannt, daß in der Eiszeit (der Altsteinzeit) und noch in der Mittel- und Jungsteinzeit bis etwa zum Jahre 2000  vor Christi Geburt der Mensch unserer Gegenden kein Metall kannte. Er war genötigt seine Werkzeuge und Waffen – Speer, Schleuder, Pfeil und Bogen – aus Holz, aus Horn oder aus Knochen herzustellen. Um aber diese Materialien bearbeiten zu können, brauchte er scharfe, harte Werkzeuge, und diese schlug er sich aus geeigneten Steinen, Daher spricht man ja von Steinzeit.

Ein solcher geeigneter Stein ist nun in den Kalkfelsen an der Naab reichlich vorhanden, es ist der dem Feuerstein so ähnliche Hornstein. Er bricht muschelig und sehr scharfrandig, verwittert kaum und ist doch spröde genug, um durch kunstvolle, kurze und schwache Schläge die gewünschte Form anzunehmen. Wenn man nun weiß, daß es schon in jenen uralten Tagen eine Art Mode gab, die sich allerdings weniger nach dem Zierbedürfnis als vielmehr nach den jeweiligen Notwendigkeit richtete, und daß somit jede einzelne Kulturperiode einen eigenen nur ihr eigentümlichen Formenschatz entwickelt hat, dann ist der Kenner imstande, aus einer Anzahl von Steingeräten den Kulturabschnitt und die ungefähre Zeitstufe zu bestimmen.

Es war bei meinem Herumwandern auf dem Bergplateau Abend geworden, der volle Mond ging im Osten auf und überglänzte die Trümmer der alten Burg mit Märchenlicht. An sich war es also an der Zeit, die Suche einzustellen um nach Hause zu gehen. Aber da kam mir ein besonderer Umstand zu Hilfe. Die Steingeräte der Eiszeitjäger zeichnet nämlich sehr oft, wenigstens im Freilande, eine auffällige Eigenart aus, die jüngeren Geräten fehlt. Sie haben oft an ihrer Oberfläche eine Porzellanweiße Farbe, die sogenannte Patina, angenommen. Sie ist wahrscheinlich eine Wirkung der Energiereichen kosmischen Höhenstrahlung und wird vom Kalkboden offensichtlich gefördert. Jedenfalls ist für die Entstehung von Patina auf einem Hornsteingerät ein Zeitraum von mehreren tausend Jahren erforderlich. Deshalb sind die Steingeräte der Jungsteinzeit die man etwas vom Jahr 4000 vor Christus rechnen kann, regelmäßig noch unpatiniert. Kurz und gut, auf dem Heimwege leuchteten mir auf einer kahlen Fläche einige schneeweiße kleine Steinchen entgegen. Ich hob sie auf – und die Entdeckung des Eiszeitjägerplatzes von Kallmünz war gemacht.

Natürlich wurde am folgenden Tag die Suche fortgesetzt. Nun beteiligte sich sofort Dr. Stroh, Konservator vom Landesamt für Denkmalpflege in Regensburg und ihm glückte dann auch die Auffindung einer etwas schwächer patinierten und den Formen nach wohl auch jüngere Gruppe von Steingeräten, unscheinbare Reste, und doch einzigartige, immer nur einmal vorhandene, unersetzliche und wissenschaftlich kostbare Dokumente aus der ältesten Geschichte unserer Oberpfalz. Es fanden sich mehrere Fundanhäufungsstellen und zwar durchweg längs der Steilabbrüche zur Naab hin, keine dagegen entlang der Vilsstrecke. Möglicherweise hängt dies mit dem Schutz vor den vorherrschenden Westwinden zusammen, den der nach Osten sich senkende Hang zur Naab hin bot.

Betrachten wir nun eine Auswahl der gefundenen Geräte. Da fallen zunächst die kleinen Ausmaße auf; unsere Abbildungen zeigen sie in natürlicher Größe. Man faßt sie als Mikrolithik zusammen. Sie weist auf eine Spätstufe der Altsteinzeit hin, denn in der Mittelsteinzeit geht diese Kleinheit der Steingeräte ins Extrem. Alsdann ist es eine bestimmte Anzahl von Formen, die der Wissenschaft als „Leitformen“ bekannt sind., die hier auftritt. Da ist das längliche und zylindrische Kernstück von dem ringsherum lange, schmale Klingenspäne abgelöst worden sind, deren  Negative jetzt die Oberfläche des übriggebliebenen Steinkerns bilden. Solche Steinkerne sind für die letzte Kultur der Eiszeit des Magdalenien charakteristisch. Ebenso bezeichnend dafür sind die dünnen, schmalen Klingen (Messerchen), die von dem Kern abgelöst wurden. Weiterhin wird diese Kulturstufe bestätigt von der Fülle der Stichel; dies sind Geräte mit einer schmalen, scharfen Querschneide, die einem Stemmeisen gleicht und von denen man annimmt, daß sie zum Schnitzen und Kerben von Horn- und Knochengeräten gedient haben. Sicher waren sie ehemals irgendwie handlich gefaßt (geschäftet) aber der organische Stoff der Fassung, Horn oder Knochen oder Holz, ist vergangen; geblieben ist nur der Stein. Einer dieser Stichel ist an seinem unteren Ende zu einem sogenannten Kratzer schwachbogig zugearbeitet.

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Besonders kennzeichnend ist der Polygonstichel, ein Vieleckstichel also; dies Gerät mutet für unsere Gruppe altertümlich an und hatte seine Blütezeit schon in der vorhergegangenen Periode des Spätaurignacien. Die schräge Zurichtung, die sogenannten Retuschen, ist gleichfalls dem Magdalenien eigentümlich, ebenso wie die hohlmeißelartige Überarbeitung des Endes der kurzen Schmalklinge. Im übrigen erblicken wir urtümliche Pfeilspitzen und Lanzenspitzen eine dickere Breitklinge unbekannten Zwecks und einen zu breiter Nase ausgearbeiteten Kernhobel, der wohl zum Abschaben und säubern der Innenseite von Tierfellen diente. Einige kleine Geräte waren aus den Quarzkieseln der Naab geschlagen. Die einfachen Umrißlinien unter den Gerätezeichnungen stellen den Querschnitt der Geräte dar. Wir können diese Gruppe der weißpatinierten Geräte unbedenklich in den großen Kreis der europäischen Magdalenienkulturen aus dem letzten Abschnitt der letzten Eiszeit einreihen. An Hand einiger weniger Altersbestimmungen solcher Magdalenienkulturen mit Hilfe der kernphysikalischen „Radio-Karbon“-Methode wären sie auf die Zeit zwischen 10 000 und 9000 vor Christus anzusetzen, wobei für Kallmünz dies Alter noch nicht ganz endgültig gesichert ist.

Betrachten wir nun die schwächer, etwa graublau patinierte Gruppe. Hier zeigen sich wieder einige andere, abweichende formenkundliche Züge. Da liegt zunächst ein einziger später Eckstichel vor. Die langen, schmalen Messerklingen sind zwar auch vorhanden, aber daneben erscheint ein kleiner Ovalschaber, sowie ein us einer kurzen dicken Klinge gefertigter Ringsumschaber ganz ähnlichen Charakters. Die Zeichnung in Abb. 13 zeigt ganz rechts die Konstruktion der linksseitigen Schaber-„Retuschen“, die Zeichnung ganz links unten die „Schaberstirn“ des Geräts. Ausschlaggebend für die Beurteilung dieser erst durch wenige Geräte gekennzeichneten Gruppe ist aber die winzige dreieckige Spitze. solche geometrisch geformten winzigen Kleingeräte, die sogenannten Mikrolithen, sind eine Eigentümlichkeit der nacheiszeitlichen Kulturen der Mittelsteinzeit, wie sie beispielsweise Carl Gumpert bei seinen Grabungen an der Steinbergwand bei Ensdorf gefunden hat. Wir befinden uns mit dieser, wegen der Fundarmut noch nicht endgültig zu bestimmenden Gruppe bereits in einem Abschnitt der Nacheiszeit, also um das Jahr 8000 vor Christus herum oder etwas später. Es ist möglich, daß die, wie man sagt, „epipaläolithischen“ Formen, der Nach-Magdalenien-Kultur, einen gewissen Zusammenhang mit den beiden anderen Fundgruppen in der südöstlichen Oberpfalz aufweist mit der von mir im Becken von Cham und mit den noch unveröffentlichten, bei Roding von Benefiziat Angerer in Pösing angetroffenen Steinzeitfunden. Beide rechnet man vorläufig der frühesten Stufe der Mittelsteinzeit in Bayern zu.

Wenn wir zum Schlusse noch etwas vom „kulturellen Leben“ im Magdalenien erfahren wollen, so brauchen wir nur an die wunderschönen Höhlenmalereien in Westeuropa zu denken. Aber schon die Steinwerkzeuge verraten in ihrer Zweckmäßigkeit trotz des primitiven Materials Hornstein ein technisches Denken und eine handwerkliche Fertigkeit, die von der unseren nicht allzusehr verschieden ist.

Ein neues Blatt aus uralter Vergangenheit der Oberpfalz haben wir miteinander gelesen. Möge es das Interesse an so alt Vergangenem hervorrufen, denn daß wir noch so wenig von der oberpfälzischen Vorgeschichte wissen, beruht zum größten Teil auf die Nichtbeachtung ihrer unscheinbaren Reste.

Herbert Lindner, 1959

Mittelalterliche Justiz in Rötz

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Von Johann Paulus

Wo früher der Galgen stand, auf dem Galgenberg südlich von Rötz, bestellen heute Rötzer Landwirte die Felder. Das Gelände ist noch so ziemlich im Eigentum der Stadt und am Fuße des Hügels gegen Norden zu liegt die große Sandgrube, die heute Sand für Rötz und die ganze Umgebung liefert. Die ältere Generation von uns erinnert sich, daß die Überreste des Galgens noch um die Jahrhundertwende zu sehen waren. Das Gelände bis zur Gemeindegrenze nach Alletsried und Bernried und bis zur Stadt stand im Eigentum der Stadt Rötz.

Viel Blut und viele Abscheulichkeiten mußte der Galgenberg durch die Eigenarten der mittelalterlichen Justiz sehen und erleben. Auf ihm befand sich das Hochgericht oder der Galgen, der aus vier gemauerten Säulen bestand, auf denen eichene Querbalken ruhten. Die Strafe des Hängens galt als einer der abscheulichsten, wohl schon deshalb, weil man manchmal die Gehängten am Galgen verwesen ließ, den Vorübergehenden zum Schrecken und Mahnung, den Raben zur Freude. Der unheimliche Schauder, der die Galgenstätte auf die Bevölkerung der ganzen Umgebung ausübte, kam insbesondere dadurch zum Ausdruck, daß für Neuherstellung oder notwendig gewordene Reparatur des Hochgerichts kein Handwerksmann sich gebrauchen lassen wollte. Es wurden deshalb zu solchen Arbeiten immer die ganzen Handwerkszünfte zwangsweise aufgeboten. In Rötz kam dieser Fall im Jahre 1679 vor. Zur Erneuerung des Gebälks wurden sämtliche im Amt Rötz vorhandenen Zimmerleute, 34 an der Zahl, zusammengerufen.

Der Maurermeister Wagner besorgte mit sämtlichen Gesellen den Abbruch des alten und die Aufführung des neuen Mauerwerks. Die Kosten von 45 Gulden wurden aus der Pflegeamtskasse bestritten. Auf dem Galgenberge fanden ursprünglich auch die Hinrichtungen durch das Schwert statt, während sie später auf dem Marktplatz vollzogen wurden. Nachweislich wurden in Rötz von 1589 bis 1700 sieben Verbrecher hingerichtet, darunter sechs mit dem Schwert und einer durch den Strang und zwar: Max Schottenhammel am 22. Dezember 1589 wegen Diebstahls durch das Schwert; Georg Merl am 2. Mai 1595 wegen Mordes durch das Schwert;  Magdalena Zierer am 7. Oktober 1604 wegen Kindstötung durch das Schwert; Hans Stangl am 28. September 1627 wegen „zwiefacher Ehe“ durch das Schwert; Wolfgang Mühlbauer 1676 wegen Notzucht durch das Schwert; Magdalena Kulzer wegen zweimaligen Kindsmordes durch das Schwert am 20. Dezember 1690; Christoph Reith am 4. Juli 1700 wegen Diebstahls durch den Strang.

Der Vollzug dieser Todesstrafen oblag dem Scharfrichter zu Amberg. Bis zum 16. Jahrhundert ist in Rötz selbst ein Scharfrichter gesessen. Ein tragisches Ende nahm der Dieb Max Schottenhammel, der die Qualen der Todesstrafe zweimal empfinden mußte. Seine Hinrichtung war auf den 17. Oktober 1589 bestimmt. Schottenhammel war auf seinen letzten Gang vorbereitet, auch der Scharfrichter war bereit, seines Amtes zu walten. Da aber der Ankläger nicht erschien, konnte die Todesstrafe nicht vollzogen werden, weshalb die Hinrichtung auf den 30. Oktober verschoben wurde. Die Exekution nahm diesmal ihren Gang und der Verurteilte hing bereits mit dem Tode ringend am Galgen, als die junge Magd Maria Thonstein den Mut faßte, den armen Sünder vom Stricke abzuschneiden. Dieser wurde nun bis auf weiteren Bescheid wieder ins Gefängnis verbracht, wo er sich nach einiger Zeit wieder erholte. Eine Begnadigung wurde ihm jedoch nicht zuteil, sondern er wurde auf Grund nochmaliger Verurteilung am 22. Dezember 1589 durch das Schwert hingerichtet.

Die im Jahre 1690 wegen zweifachen Kindesmordes zum Tode verurteilte Magdalena Kulzer erhielt vor der Hinrichtung durch das Schwert einen „Zwick mit einer glühenden Zange“. Die breite Zange mit großen Greifern wurde eigens angefertigt, wozu das ganze Schmiedehandwerk in Rötz aufgeboten wurde. Nach der Pflegeamtsrechnung vom Jahre 1589 wurden bei der Hinrichtung Schottenhammels folgende Ausgaben gemachte: 5 fl einem Tagewerker von Rötz, Mathesen Bosl, der Schottenhammel drei Monate lang Tag und Nacht bewachen mußte. 19 fl zwei Schilling dem Amtsknecht Michl Pern für 19 Wochen „Atzgeld“; 1 fl etlichen Amtsuntertanen ,“zu vertrinkhen geben, als gedachter Schottenhammel zu verhaft  gebracht“; 2 fl 1 Schilling „dem richter und ambtknecht alten Gebrauch nachsolichen gefanglich einzunehmen“; 1 fl 2 Schilling vor der Schranne aufzuschlagen und wieder abzubrechen; 1 Schilling 22 1/2 Pfg. zu geben für den toten Körper von der Richtstatt zu nehmen und zum Friedhof zu tragen; 1 fl für fünf Maß Wein, welche von den Weißbäckern zu Rötz an den zwei Richttagen genommen wurden; 2 Schilling den Totengräbern für das Grabmachen. Der Scharfrichter erhielt 9 fl.

Zur Aburteilung der übrigen strafbaren Handlungen der Amtsuntertanen zu Rötz, die entweder eine geringere Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe zur Folge hatten, war das Pflegegericht zuständig. Das Richteramt in diesem Sinne war nicht besonders schwierig und wurde, wenn nicht der Pfleger selbst diese Funktion mit versah, auch nur mit Leuten aus dem Bürgerstande versehen. 1408 war Ulrich Prucker Richter zu Rötz. Im Jahre 1626 bewarb sich Georg Fröhlich, Bürger von Leuchtenberg um die Richterstelle in Rötz. Als er aber vernahm, daß er außer der Kost bei dem Pfleger nichts weiter als 20 fl jährlich Besoldung von diesem erhalten werde, bat er die Regierung, weil er „mit Weib und Kindern behafft und ihm die gemelte geringe Bestallung anzunemmen underthennigst schwer fallen“ würde, ihn vom Antritte seines Dienstes zu entheben.

Diese Zustände in der Rechtspflege dauerten noch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.  Mit dem Beginn einer humaneren Zeitrichtung hat man zunächst jene barbarischen Maßnahmen fallen lassen und die Tortur abgeschafft. Nach Aufhebung des Pflegeamts und nachmaligen Landgerichts Rötz wurden Todesurteile daselbst nicht mehr vollzogen, und das alte Hochgericht auf dem Galgenberg zerfiel.

Aus dem Urbarbuch der Hofmark Lintach

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Aus dem Urbarbuch der Hofmark Lintach

Von Rudolf Gerstenhöfer

Die Bauern der früheren Zeit waren nur in geringer Zahl wirklich freie Besitzer ihres Hofes; der Boden war zum größten Teil in den Händen der sogenannten Grundherren, nämlich der Adeligen, der Stifte oder der Klöster. Von diesen wurde er gegen Entrichtung gewisser Abgaben (Gilt und Zehent) zur Nutznießung überlassen. Aus diesen heute ungewöhnlichen Verhältnissen heraus sind auch die Rechte der Grundherren zu verstehen, denen meist noch die niedere (Patrimonial-)Gerichtsbarkeit zustand. Für Lintach sind wir über die Grundbarkeitsverhältnisse des 16. Jahrhunderts durch ein aufschlußreiches Aktenstück im Staatsarchiv Amberg näher unterrichtet.

Das Urbarbuch (Urbar = veraltet für Ertrag, Zinsgut, Einkünfte, Steuer) der Hofmark Lintach ist im Jahre 1585 erstellt und wahrscheinlich eine Zusammenstellung der Grundherrschaft selbst, denn eine gewisse Einseitigkeit der Betonung der Rechte des Grundherrn spricht überall heraus und zugleich eine auffallende Rigorosität im Fordern des Rechts, das jegliche Rücksichtnahme auf die Untertanen vermissen läßt. Fast abstoßend wirkt heute die Absatz für Absatz angeführte Strafandrohung und besonders deren ungewöhnliche Höhe. Doch müssen diese Feststellungen aus dem Geist und der Auffassung dieser Zeit verstanden werden.

Scharwerk (Dienstleistungen der Untertanen) ist im Urbarbuch noch unbegrenzt gefordert. Schafzucht war den Leuten bisher verboten, wird nunmehr gnädig eingeräumt, mit dem Aufgebot, sich hierin gänzlich den Anordnungen der Herrschaft zu fügen. Bis ins Kleinste ist das „Leistungsverzeichnis“ aufgestellt, auch das Entgelt ist in jedem Falle geregelt: Käse und Bier, Bier und Brot, Käse und Brot, Essen und Trinken oder Geldentschädigung bei eigener Kost.

Also hören wir, was die Lintacher Untertanen damals an den Grundherrn zu leisten hatten!

Brennholz und Stangen fahren, Acker, Wiesen und Weiher einzäunen. Kalkfahren und –löschen, Sand und Steine zum Bau fahren; wenn in Lintach selbst Kalk gebrannt wird, dazu helfen; Brenn-, Back- und Bauholz hauen, handlangen bei Bauarbeiten, Wege einbetten, die Weiher instandhalten. Beim Bierbrauen Malz in die Mühle fahren und holen, Bier auf die Kühle und in den Keller tragen, Mist fahren, Botengänge bei Tag und Nacht. Alle Arbeiten, die mit dem Getreide, Heu, Kraut, Flachs und den Rüben zusammenhängen, bis alles an Ort und Stelle ist. Mithelfen beim Fischen, Waschen, Decken der Städel mit Stroh, Bäume aussägen, Waldarbeiten verrichten, Obst abladen und viele andere Verrichtungen. Es gab fast nichts, das nicht aufgeführt und zu leisten gewesen wäre.

Je 5 Häuser durften zusammen einen Backofen haben, aber keiner selber einen eigenen auf seinem Hof. Strafe: 10 Pfd. Pfennige und Einschlagen unbeschadet der Strafe. Außerhalb der Hofmark durfte die Gemeinde drei Backöfen auf ihre Kosten haben zum Flachs- und Obstdörren. Wer den Flachs daheim einschob und erwischt wurde, der kam darum. Der Metzger, der das Handwerk treibt, darf jährlich hundert Schafe weiden; von jedem Rindvieh, das er schlachtet, muß er Zunge und Nieren der Herrschaft geben, bei Unterlassung Strafe von 10 fl. Die Herrschaft hatte auch das Kaufsvorrecht auf das Fleisch, dann kamen erst die Lintacher und nach ihnen die Auswärtigen. Die Untertanen haben bei Strafe zuerst dem hiesigen Metzger das Vieh anzufeilen, sonst 5 fl zu zahlen. Auswärtiges Vieh darf der Metzger nur bei Tag hereintreiben; alle Schafmagen muß er für die Weidebenützung der Herrschaft abliefern. Jeder Wirt muß der Herrschaft um einen Heller billiger liefern. Streit und Unzucht hat er anzuzeigen, über 9 Uhr darf er nicht spielen lassen und auch kein Bier aus dem Haus geben, desgleichen am Sonntag vor der Predigt nicht spielen lassen oder Bier verkaufen, widrigenfalls 5 f l Strafe. Die Lebensmittelschau geschah durch die Viertelmeister der Gemeinde. Ohne Bewilligung durfte der Wirt keine Hochzeit zur Ausspeisung annehmen; Wirt und Bräutigam waren verpflichtet, der Herrschaft eine gesottene Henne, zwei Stücke Fleisch, sechs Wecken, ein Viertel Wein oder zwei Viertel Bier zu geben, um 8 Uhr mußte jede Hochzeit ins Schloß geschickt werden.

Niemand durfte ohne Wissen der Herrschaft seinen Sohn oder seine Tochter verdingen oder selbst Dienstboten dingen, Strafe bei Nichtbeachtung 5 Pfd. Pfennige. Wenn Gänse oder Schweine Schaden machten, sollte man sie durch den Amtsknecht eintun, den Schaden besichtigen oder, wenn nötig, durch den Gemeinmeister schätzen lassen, dann bezahlen oder vergleichen. Für das Eintun erhält der Amtsknecht 14 Pfg., die Herrschaft einen halben Gulden, bei Großvieh entsprechend mehr.

Der Hofmarksherr hat das Recht, alle Handwerksleute für sich selber zu halten. Wer in den Turm oder das Eisen eingezogen wurde, hat entsprechend zu zahlen. Die Feuerschau ist peinlich geregelt, von der Strafe bei Mängeln hat die Herrschaft den Nutzen, gewöhnlich 1 f l . Nichts, vom Vieh herab bis zum Ei, darf ohne Vorkaufsrecht des Herrn veräußert werden. Die Gebäude sollen in gutem Zustand gehalten und jährlich besichtigt werden, ebenso die Brunnen; bei den Höfen müssen Leitern bereitliegen. Jagen, Schlingen- oder Fallenstellen ist streng verboten; wer erwischt wird, zahlt 15 f l . Dafür „dürfen“ die Untertanen des Grundherrn Jagdgefolge und Treiber machen, so oft hiezu durch den Amtsknecht geboten wird, bei Tag und bei Nacht. Die Jagdhunde vom Schloß müssen sie zu Hause an Ketten halten, die Jungen aufziehen.

Am Freitag muß im Sommer in der Frühe vor der Sonne das Getreide gerührt werden, als Lohn erhalten sie die Suppe. Damit sie das Vieh in dem herrschaftlichen Wald oder Schlag hüten dürfen, müssen sie ackern, sonst wird die Weide verboten. Alle Jahre soll gemarkt werden (Flurvermessung), wo irrig, sind Marksteine zu setzen. Der Gemeindediener ist auch Ortspolizist und hat seine Aufgabe genau zu nehmen. Am Erchtag (= Dienstag) und Freitag müssen die Weiber die Küh- und Sauställe, sowie die Hühnerkobel vom Schloß misten, den Hof, die Gewölbe und Keller kehren, die Stuben waschen und für das herrschaftliche Baden das Wasser schöpfen.

Dem Mesner und dem Hirten ist pünktlich der Lohn zu geben. Das Rechts- und Ordnungswesen ist genau geregelt. Die Gemeinde hat auf ihre Kosten einen Schweineschneider zu halten, der alles Vieh zu schneiden hat; für die Herrschaft darf er es billiger machen, und zwar um Bier, Käse und Brot. Alljährlich am letzten Weihnachtsfeiertag ist im Schloß das große „Generalkapitel“.

Da müssen die Bauern zusammenkommen, jeder erhält einen Weihnachtswecken im Werte von 42 Pfg., die Köhler einen solchen für 32 Pfg. Dann bekommen sie zu essen und trinken und aus dem Salbuch wird vorgelesen, wie es altes Herkommen ist. Auch die auswärtigen Untertanen sind scharwerkspflichtig, aber ihre Leistungen sind meist in Geld umgewandelt, und zwar nach „Tagespreisen“! Die Kirchweih ist in Lintach am Sonntag vor Bartholomä gewesen. Das Standgeld betrug pro Kramer 2 Pfg., für Musik und Pfeifer hat der Wirt aufzukommen. Ein Staatsverbrechen war Zehentbetrug an der Herrschaft oder dem Pfarrer; die darauf gesetzte Strafe war Ausweisung aus dem Herrschaftsgebiet.

Von Ostern bis Kathrein war scharfe Nachtwache befohlen, je 4 Mann abwechselnd. Der Feuerschutz war gut organisiert. Bei Sturm oder Alarm hat alles sofort auf dem Platz vor dem Schloß zu erscheinen; bei einer Feuersbrunst haben immer 8 Mann das Schloß zu hüten. Bei Brandschäden in anderen Dörfern durften sie nicht ohne Vorwissen der Herrschaft dorthin laufen. Gotteslästerung, Fluchen und Schmähung wurden streng bestraft. Zu- und Abziehen war nicht ganz leicht, kostete vor allem Genehmigung und Geld. Nachts in ein anderes Haus zu gehen, war nur mit Laterne erlaubt. Übertretungen konnten sogar in den Turm führen, bei Wasser und Brot.

Das Dreschen im Stadel bei Licht, Strohschneiden und das Strohabladen oder dergleichen Verrichtungen waren strafbar. Die Nachbarn waren bei Strafe zur Anzeige verpflichtet. Zu große Freundschaft konnte 10 fl kosten. Rockenstuben waren wegen Gefahr der Unzucht verboten. Jeder mußte sein Gesinde nachts daheim behalten; bei Nichtbefolgung gab es 1 fl Strafe. Der Kuhhirt hatte an die Herrschaft zu leisten:1 Schilling und 12 Pfg. Steckengeld, 1 Fastnachthenne und 3 Tage Scharwerk; desgleichen der Schafhirt. Wer neu aufgenommen wurde, hatte Schutzgeld zu zahlen und wie die Köhler Scharwerk zu leisten.

Für den Fall einer notwendigen Landesverteidigung mußte jeder seine Kriegsausrüstung haben und, wenn aufgerufen wurde, zur Stelle sein. Alle Hofmarksuntertanen zusammen hatten für den Grundherrn einen Reisewagen zu stellen und instandzuhalten, nämlich mit aller Ausrüstung, 4 guten Pferden und 2 tauglichen Knechten, damit alles zur Verfügung stünde, wenn die Herrschaft dessen bedurfte. Wegen der bestimmt zu weit gehenden Forderungen des Grundherrn — es war Baltasar Mendel, seit 1553 der erste Inhaber aus der Linie der Mendel von Steinfels — und übermäßiger Beanspruchung der Untertanen durch Scharwerk erhoben diese Klagen.

Beide Teile wurden daher nach Amberg beschieden und angehört, die Dokumente eingesehen, aber keine befriedigende Entscheidung erzielt. Darauf wurde die Sache der kurfürstlichen Regierung vorgelegt, die dann endgültig entschied.

Die Regelung im sogenannten Mendel’schen Originalvertrag des Jahres 1589 umfaßte folgende Punkte:

1. Scharwerk. Mendel behauptete wohl, unbegrenzt Scharwerksrecht zu haben und wollte sich auf eine Festlegung von einer bestimmten Anzahl von Tagen nicht einlassen. Trotzdem wurde festgesetzt: Die, welche Pferde oder eine Menath ( = Gespann, zu menen = Vieh treiben, menede = Fuhrwerk) haben, 9 Tage Scharwerk, 5 bis 6 Stunden heugen, für 3 Ferttlein aufs Getreide gehe und 6 Tage Spanndienste; die Weiber müssen 6 Tage mit der Hand arbeiten. Die Köbler und Söldner, die keine Menath haben, leisten 12 Tage Scharwerk, ihre Weiber 6 Tage. Jede Bäuerin und Söldnerin hatte 2 Pfd. Flachs oder Werg zu spinnen.

Wenn Mendel die Arbeit nicht brauchte, konnte er statt ihrer Entgelt verlangen. Mann und Weib sollten nicht zu gleicher Zeit für Scharwerk verlangt werden. Das Hasenjagen sollte in obiger Tagzahl nicht inbegriffen sein, doch sollten sie nicht über Gebühr damit beschwert werden. Jeder sollte zur rechten Zeit an die Arbeit gehen, früh, wenn die Sonne aufging, oder Mittag um 1 Uhr; mittags durfte er um 11 Uhr, abends, wenn die Sonne unterging, heimgehen oder heimfahren. Alle sollten treu und fleißig arbeiten, wie für sich selbst. Wenn sie wegen der Witterung oder sonstiger Hinderung nicht den ganzen Tag arbeiten konnten, mußten sie am nächsten „witterlichen“ Tag das Fehlende vollbringen. Über dieses festgesetzte Maß hinaus sollten sie mit Scharwerk nicht weiter angefochten sein, damit sie auch ihrer eigenen Arbeit nachgehen könnten. Wenn Mendel weiteres Scharwerk brauchte, sollten sie es leisten, aber Mendel müßte sie bezahlen. Die „Tarife“ waren genau festgesetzt, um weiteren Streit hintanzuhalten.

Für Scharwerk bekamen sie das Essen und zu trinken. Bei der Verteilung der Arbeit sollte auf die Leistungsfähigkeit von Mensch und Vieh Rücksicht genommen werden. Die von Mendel dazu (also nachträglich) gekauften Grundstücke sollten nicht unter die Scharwerkspflicht fallen.

2. Weiher, Wiese, Holz. Mendel und seine Vorgänger hatten sich auch die Nutznießung eines der Kirche gehörigen Weihers, des Kirchenholzes und einer Kirchenwiese angeeignet. Diese hatte er nach Klärung der Rechtslage zurückgegeben. Anscheinend hatte Mendel dafür den Wein zum Abendmahl gegeben; dafür soll nun die Kirche aufkommen.

3. Holzmangel. Auch wegen Verweigerung des notdürftigen Holzes, woran in Lintach jederzeit Mangel gewesen, war gegen Mendel Klage geführt worden. Dies wurde nun dahin entschieden, daß Mendel das nicht schuldig sei, sondern, daß sie Holz aus dem gemeindlichen Wald erhielten. Aus gutem Willen soll er im Notfall aushelfen, wenn sie die Scharwerk getreulich verrichten, und ihnen gegen einen gebührlichen Waldzins etliche Klafter geben. Das dürre Holz dürften sie aufklauben und heimtragen.

4. Überwinterung und Ziehung der Schafe und Koppen. Gegen Nutznießung des Düngers und eine gebührliche Zahlung hatten die Untertanen die Schafe des Grundherrn zu überwintern und die Lämmer aufzuziehen. Obwohl das nicht hergebracht war, wurde doch diese Regelung getroffen.

5. Aufteilung des Getreides. Getreide und andere Viktualien waren zuerst dem Junker gegen gleiche Bezahlung wie in der Stadt Amberg anzufeilen. Erst wenn er die Produkte nicht haben wollte, durften sie diese auf dem Wochenmarkt in Amberg bringen, sonst aber nirgends .anders verkaufen, umgekehrt soll auch der Mendel, wenn sie Giltgetreide in Geld ablösen, sie nicht übernehmen.

6. Schreib- und Federgeld. Die Tarife für Schreibgebühren in Klage- und Rechtssachen sollen ohne Erhöhung bei der bisherigen Höhe gelassen werden.

7. Bier. Klagen waren auch geführt worden, daß Mendel dem Wirte schlechtes Bier liefere. Auch das wird beigelegt. Mendel hat richtiges Bier zu liefern. Der Wirt soll an der Maß einen Heller verdienen und eine entsprechende Dreingabe für die Hefe erhalten. Wenn ihm Mendel kein Bier liefere, könne er dieses von auswärts beziehen und um den gebräuchlichen Preis ausschenken.

8. Die Uhr belangend. Für das Uhraufziehen und –richten soll ein Bauer zwei, ein Köbler einen Laib Brot dem Mesner geben. Für die Unterhaltung der Uhr soll das Gotteshaus aufkommen.

9. Käse, Herbst- und Fastnachthennen. Es soll bei der alten Regelung bleiben, nach der die Untertanen dem Herrn alljährlich einen Käse, eine Herbst- und eine Fastnachthenne geben, oder, falls Mendel das wolle, den festgesetzten Preis dafür erlegen, und zwar 10 bzw. 21 oder 28 Pfg.

Nachdem so die umstrittenen Punkte geregelt sind, soll zwischen dem Hofmarksherrn und den Untertanen wieder Fried herrschen. Amberg, den 18. 11. 1589.

So sehen wir an einem typischen Beispiel der Heimat, daß es gar nicht so leicht war, alle Ansprüche des Grundherrn zu erfüllen. Erst im 19. Jahrhundert setzte mit der Säkularisation der Abbau dieses Wirtschaftssystems ein. Stück für Stück der alten Dominialherrschaft wurde nun beseitigt: 1803, 1825, 1832/34, 1848 und 1876 wurden nacheinander die Verordnungen erlassen, die den Bauernstand zum völlig freien Besitzer der Scholle machten.

Quelle: Pfarrchronik v. Lintach angelegt v. Expositus Joh. Leitl 1938.

(Aus: Die Oberpfalz, 1978)

Die Sage vom Schloßfräulein in Hohenfels

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Die Sage vom Schloßfräulein in Hohenfels
Von Georg Hofmann

In der Hohenfelser Gegend ist die Sage vom Schloßfräulein von Hohenfels weit bekannt. Das Fräulein soll sich, um der Schändung durch die Schweden zu entgehen, von dem Turm des Schlosses hinabgestürzt haben. Daß aber solche Sagen nicht immer erfunden sind, sondern einen wahren geschichtlichen Hintergrund haben, beweist das Sterbebuch der Pfarrei Hohenfels.

Im Jahre 1632 finden sich folgende Eintragungen, auf die der Verfasser zufällig bei der Durchsicht des Buches gestoßen ist: „In Christo obiit der ersame und weise Herr Leonhardt Widtel, purgermeister allhie zu Hohenfels, dem die gottlosen Landsknecht das Leben genommen, wie Hohenfels ausgeraubt ist worden, geschehen den 6. Julie 1632.

Cathrin holerin eodem die gebeste Purgerin allhie, durch die Soldaten von dem leben khomen.

Item ein junges mensch mit namen Anna, Maria langes seliger allhie eheliche dochter, die ist vom Schloß herundter gesprungen.

Hans Wirt, purger und peck alhie zu Hohenfels ist von den Landsknechten mit Streichen über den Kopf geschlagen worden, in die 5 Wochen hernach gestorben, dem Gott genedig sei, geschehen den 6. August 1632.“

Das Fräulein von Hohenfels war Anna-Marie Langer zwar kein „Schloßfräulein“ zu dem es die Sage gemacht hat, sondern ein wahrscheinlich im Schloß bedienstetes Mädchen, dem der Vater frühzeitig gestorben ist und das auch vor einiger Zeit die Mutter verloren hatte, drum ohne Schutz in der Welt stand, aber doch auf ihre jungfäuliche Ehre so viel hielt, daß sie lieber den Tod vom Turm herab wählte, als die Entehrung durch die rohen schwedischen Soldaten. Es ist begreiflich, daß ihre Tat bei dem Volk Bewunderung erregte und sie durch die Sage unsterblich geworden ist. Es ist auch schon in einer Art Ballade ihre Tat besungen worden, doch dem Schreiber ist die Fundstelle dieses Gedichtes entfallen.

Anna Marie Langer war die Tochter von Vorfahren des königlich-bayerischen Geheimrats, Obermedizinalrats und Universitätsprofessors Dr. von Ringseis, der 1785 in Schwarzhofen geboren wurde. Er erzählte seinen Töchtern häufig, daß seine Mutter bei ihren Großeltern erzogen wurde und in deren Verwandtschaft die Geschichte des Burgfräuleins von Generation zu Generation weitergegeben wurde. In seiner im Jahr 1909 von seiner Tochter Bettina herausgegebenen Biographie finden wir den Hinweis: „Eine nahe Verwandte der Großmutter hatte zu Hohenfels in der Oberpfalz, von fremden Soldaten verfolgt, sich ihrer Gewalt entzogen, daß sie sich aus einem Fenster des Schlosses in die Tiefe gestürzt und so den Tod gefunden.“

Interessant ist was das Sterbebuch von 1637—1662 als Einleitung bringt:

„NB! Sindt zwar in diesem Jahr (1637) viel Leut gestorben sonderlich auf den Dörfern, welche aber wegen Unsicherheit und Kriegsgefahr nit alhero zum Gottsacker haben können gebracht werden, sondern hin und wieder in die Gärten, unter die Zäun und auffs frye Veld sind begraben worden.“

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Die Verpfändung Wolfseggs

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Die Verpfändung Wolfseggs

Von Josef Seidler

Dem berühmten bayerischen Kanzler Dr. Leonhard von Eck — 1508 mit Wolfsegg belehnt und 1550 gestorben — folgte im Besitz sein einziger Sohn Oswald von Eck nach, welcher 1550 damit belehnt wurde. Oswald von Eck war Altertumsforscher und Münzkenner und hatte auf Randeck einen bedeutenden Schatz von kostbaren Büchern und Handschriften gesammelt. Sein großer Reichtum an Schlössern und Hofmarken aber zerstob in alle Winde. Über ihn sagt Hund (III. 288): „hat ein großes Gut zusammengebracht, aber es ist durch ihn nicht wohl gehaust, in 10 oder 12 Jahren, was sein Vater in 40 Jahren erobert, wiederum anworden, ob es sein oder des Guts Schuld, weiß Gott, derhalben er mit seinem Weib und Kindern fast alle seine Güter 1564 abgetreten, damit die Gläubiger bezahlt, dazumal Eisenhofen, Schnittbach, Aspach, Haunstett, Randeck und anderes mehr verkauft worden. Er ist darauf Pfalzgraf Wolfgangs Landrichter zu Burglengenfeld geworden. Nachmalen wiederum nach Kelheim gezogen; † 1573, 50 Jahre alt.“

Oswald von Eck, Erbmarschall des Hochstiftes Regensburg, verpfändete auch die Hofmark Wolfsegg mit Holzheim 1) im Jahre 1560 an Hans Thumer (III.) zu Zeitlarn und Bruckberg, Pfleger in Regenstauf. 2)

Der Verpfändungsbrief lautet stark gekürzt: 3)

„Ich Oswald von Egkh auf Randeck und Eisenhofen — gebe kund, daß ich — dem edlen und Vesten Hannsen Thumer zu Zeidldorn und Bruckberg, Regunda seiner Hausfrauen und all ihren Erben 240 fl. in Mainz gemeiner Landswährung als jährlichen ablösigen Zins – von und aus meinem Schloß und Sitze, auch den zweien Hofmarken Wolfsegg und Holzheim, allen Oberkeiten, Wildbannen, Fischweiden, Zu– und Eingehörungen, Zinsen, Nutzen – das alles verkauft und pfandlich verschafft habe und ihr Recht redliches Unter– und Fürpfand heißen und sein solle. Darumb er mir hier ausgereicht und bezahlt hat 4000 fl. Rheinisch in Mainz, die ich also hiermit empfangen und in andern meinen Nutz gewendet hab. Demnach will ich und meine Erben die 240 fl. Jährliches Geld dem Thumer — oder wer diesen Brief mit ihrem guten Willen innehat, nun hinfür jedes Jahr auf S. Michaelstag unverzögentlich gen Regensburg in die Stadt reichen. — Wo ich oder meine Erben aber — die Zinsung jährlich nicht reichen — so hat Thumer ganze Macht und erlangtes Recht, umb alle Ausständ, verfallene Gült, Hauptgut und Schäden die obgenannte Fürpfand laut ihrer über solche verpfändete Güter überantworteten Salbücher und Stiftregister – anzugreifen, innzuhaben, zu nutzen, zu verkaufen, zu versetzen oder zu verganten als ihr eigenschaftlich Gut mit oder ohne Gerichtshilf –so lang, bis sie des Hauptgutes, Interesses und Schadens habhaft geworden sind. – Ich will auch Thumer von Reis Steuer und aller gemeiner Landsbeschwer freihalten und entheben, wie es beim Kauf und jährliche Verzinsung Recht und Gewohnheit ist. Ich will auch die Unterpfand samt der selben Zugehörigen außer ihres Wissens und guter Verwilligung ferner nicht versetzen, verkümmern, noch weiter beladen. — Thumer hat für sich und seine Erben — den guten Willen getan, daß ich und meine Nachkommen von ihnen die 240 fl. Jährl. Zins wohl ablösen und wiederkaufen mögen. — Solche Ablösungen sollen ich und meine Erben allwegen ein halb Jahr vor der Zinszeit aufschreiben alsdann zu S. Michaelstag darnach die 4000 fl. Hauptgut samt der verfallnen Zinsung geben und zurückzahlen. Wann Thumer oder seine Erben die Hauptsumme — nimmer liegen lassen wollen, sollen sie gleichfalls ein halb Jahr vor S. Michaelstag abkünden. — Des zur wahren Urkund habe ich Oswaldt von Ekgh mein eigen anhängend Insigel zu End dieses Briefs fürgedruckt und mich mit eigner Hand unterschrieben. Gegeben auf Sonntag den 29. September 1560 an S. Michel des heil. Erzengelstag.

Wolfsegg sml

Zeichnung von Hans Laßleben

Wie damals üblich entspann sich auch um das Pfand Wolfsegg ein langwieriger Streit. Der erste S. Michelstag war vorübergegangen ohne erfolgte Zinszahlung. So sah sich Hans Thumer genötigt zuerst seinen Richter, dann den Boten Niklaus zweimal und Leonhart von Bruckberg 4) mit Briefen nach Kelheim zu senden. Jeder aber wurde von Herrn Ecken ungebührlich abgewiesen. Für einen Gang wurden 4 Patzen (je 4 Kr.) Botenlohn gereicht. Nun sandte Thumer seinen Richter am Osterfeiertag 1562 gen Kelheim mit dem Befehl den schuldigen Zins ernstlich mit Drohung der fürstlichen Obrigkeit einzufordern. Der Richter verzehrte mit dem Rosse 40 Kr., wurde aber von Herrn von Eck abgewiesen mit der Vertröstung, daß er nach kurzer Frist noch bezahle. Danach schickte Thumer den Boten Wilhelm und hierauf auch obgenannten Leonhart von Bruckberg zweimal gen Kelheim und einmal nach Eisenhofen, wodurch 1 fl. 20 Kr. Besoldung entstanden Nachdem in der Güte auch späterhin nichts half, war Thumer gezwungen, die Sache durch fünf aufeinanderfolgende Boten der hochlöblich Pfalzgräfischen Regierung zu Neuburg anhängig zu machen. Von den in der Regierung um 40 Kr. Ausgestellten vier fürstlichen Befehlen wurde ein jeder in Sonderheit Herrn Oswald von Eck zugestellt. Es konnte jedoch nichts Fruchtbares erreicht werden. Nach weiterem Hin und Her von Laufboten zwischen Lengenfeld, Zeitlarn und Neuburg machte sich Thumer endlich selbst „von seinem Sitz zu Bruckberg in Bayern, allda er denn dazumal gehaust“ und reiste nach Regenstauf zur Tagung, wohin auch von Eck erscheinen sollte, der aber in letzter Minute „anderer Geschäfte halber“ absagte. Das verursachte dem Thumer neben den erbetenen Beiständern nur unnütze Kosten und Zehrung.

Inzwischen war der zweite S. Michelstag vergangen. Drei Verhandlungen wurden in Burgengenfeld angesetzt, welche Herr von Eck alle ungehorsamst versäumte, während die Beiständer beim Wirte Hansen Jäger einkehrten und unserem Thumer durch Trunk und Speise über 27 fl. Unkosten bereiteten. Auf der zu Neuburg vor den fürstlichen Anwälten und Räten gegen Herrn Eck gehaltenen Tagung sind Hansen Thumer, bis er die Tagung zustande gebracht und ohne Erscheinen des Gegners, vollendet hatte, an Reisekosten, Prokuratoren- und Botenlohn, für Befehle und Rezesse in der fürstlichen Kanzlei 39 fl. 52 Kr. Aufgelaufen. Kurz und gut, es wurden über 30 Boten vergeblich hin- und hergeschickt, es waren 6 Verhandlungen und an unvermeidlichen Kosten hatte Thumer 129 fl. ausgelegt.

Laut Pfandverschreibung hatte Thumer nun das Recht, das Pfand Wolfsegg anzugreifen. Am 11. Mai 1563 erfolgte der fürstliche Einsatz, d. h. die Einkünfte aus dem Unterpfand Wolfsegg wurden Hans Thumer vom Landrichter zugesprochen. Am gleichen Tag lief ein Landbote von Burglengenfeld nach Wolfsegg zum Burghüter und verkündete, daß alle Wolfseggischen Untertanen ihrer vorigen alten Pflicht mit deren sie Herrn Ecken verwandt gewesen, enthoben seien und von nun an den Thumer ihre Gülten reichen müßten.

Der Pfandschilling aus der Hofmark Wolfsegg betrug laut Stiftregister 81 fl. an Pfenniggülten und 13 Schaff Getreide, welche Thumer zu je 4 fl. anschlug, zusammen also 133 fl. Diese jährlichen Einkünfte reichten demnach — nach Thumers Berechnung — an den vertraglichen Zins von 240 fl. nicht hin. Außerdem berechnete Thumer aus dem Minderaufkommen, den ausständigen Zinsen, den Unkosten 5% Verzugszinsen. Mehr hatte er in jedem Jahr seines Inhabers (1563 – 1570) den Pfandschilling Wolfsegg mit 20 fl. zu steuern, vom Hof zu Stetten jährlich 1 fl. 7½ Kr. und wegen aller Freistiften jährlich 5 fl. Als Landsteuer abgeben müssen. Zudem verbaute Thumer am Schloß Wolfsegg 130 fl. 3 Kr., kurzum, die anfängliche Schuld von 4000 Gulden wuchs innerhalb von 11 Jahren auf 6147 fl. 29 Kr. an. Zwar hatte sich Thumer 1565 unter Vorlage des Rechnungsberichtes bei Pfalzgraf Wolfgang selbst beschwert und diesen um gnädige Hilfe gebeten; 1568 schickte er sogar einen Boten zum Reichstag nach Augsburg, wo der Fürst weilte; allein auch dieses Unternehmen blieb ohne Erfolg.

Die Fehden zwischen den hohen Herren spielten sich früher wie schon immer auf Kosten der armen Leute ab. Thumer konnte wie in der Verpfändungsurkunde steht“… dazu alle Eckschen Untertanen an Leib und Gütern aufhalten, nötigen, belegen und sich damit bepfunden, vergnügen und vergewissern so lang viel und genug, bis ihm alle Ausstände … ganze Begnuegung beschehen ist.“ Der Fleisch Michl, welcher Burghüter des Herrn von Eck zu Wolfsegg war und den die Leute den „Eckl Michl“ nannten gab zu Protokoll, wie sich der Thumer schadlos hielt:

„Item die Untertanen hat er all gehöhert; hatte einer 1 fl. gegeben, so jetzt 2 fl. (für Scharwerk).

„Item auf den Zehent 2 Schaff mehr an aller Leut Getreid.

„Mehr hat er den Köblern, einen wie den andern, ein Schankgeld von 8 Groschen auferlegt; er wolle dies verleiden, bald solches nit geschehen ist.

„Mehr muß von den Bauern Pfund Schmalz und von den Köblern jeder 2 Pfund Schmalz geben.

„Item einer Wittfrau zu Holzheim, Mäumel Görging genannt, 1 fl. für das Zimmerrecht abgenommen;

„Item hat Michl Ellmauer ½ Schaf Korn und ein ½ Schaff Haber mehr zu geben, ebenso der Pegal von Pettenhof 2 Schaff Korn.

„Mehr der Bauer aus einer Holzwiesen von Hirmstetten 2 Taler.

„Mehr geben 2 Bauern von Wolmsbach 1½ Taler für ihre Garben.

„Mehr hat er 2 Bauern von Hohenwart zu Wolfsegg ins Gefängnis eingelegt, sie sollten für die Garbe dritthalbe geben, es will aber ein jeder nicht mehr denn samt der Fastnachthenne geben; sie sind das nicht schuldig.

„Der Wolfschmied aus einer Wiesen auf dem Weiher gibt 1 fl.

„Mehr mußte der Innenmannn von Wolfsegg einen Neubruch, daran ein halb Schaff Korn gesät, dem Thumer abtreten

„Zwei Vogelherd gaben 1 Taler und im übrigen 80 Vögel.

„Mehr der Frauen (Mollerin) von einer Wiesen in Heizenhofen 2 Synch Eisen (9 fl.) zugelegt“ Mehr hat er den Ampmann von 5 Viertl Dienst-Korn ein Viertl abgezogen.

„Mehr hat er demselben eine Forstwiese und einen Acker von seinem Dienst genommen und Gersten daran gesät (2 Schaff).

„Mehr hat er den Weiher ausgefischt und ganz zu seinen Händen genommen.

„Mehr hat Thumer einen Brand gemacht und 2 Schaff Gerste daran gesät.

„Mehr hat er einen großen Schlag mit seinen Untertanen niederhauen lassen: so läßt er den Wald ganz verderben.

„Vom Forst in der Kerben hat Thumer auch das Holz abgehaut und ungeahndet heimgeführt.

„Mehr hat er dem Lorenz Ziegler zu Regensburg bei 500 Klafter Holz zu kaufen gegeben. Die Klafter um 5 Kreuzer.

„Item der Bauer von Stetten mußte ½ Schaff Korn mehr reichen; die Gerste in der Brache hat Thumer genommen. Ebenso 10 Metz Äpfel und Birn; 100 Eier, 5 Hennen, 4 Pfd. Schmalz hat er fürder alles mehr zu geben. Den Bauern hat er umb 80 fl. gebracht und gar vertrieben“

Im Stiftbuch lesen wir bei dem selben Bauern: „Ist zu dem Herrn gekommen, verabschiedt“. Ohne Loszettel durfte Niemand den Wohnsitz verändern. Der Weglaß oder Abzug mußte erkauft werden. So heißt es weiter: „Wolf Randl von Stetten, Abzug geben müssen 1 fl. und 1 Kalb.“ Wer die Lasten nicht tragen wollte, mußte er den Hof aufgeben.

„Mehr hat Thumer den Bauern von Käfersdorf (Lienhart Perger) in das Gefängnis zu Wolfsegg gehabt und ihm mehr Gült auferlegen wollen.“ 25 Jahre später (1596) wird bei einer Kaufbriefkontrolle der nähere Sachverhalt erzählt: „Der Schwenk von Sachsenhofen zeigt an, daß das Schloß Wolfsegg jährlich 4 fl. gen Pielenhofen geben müsse; dies hätt der Thumer den Käferbauern wollen auferlegen, der Käferbauer wollte das nicht tun, sondern ist vom Hof gelaufen; hernach hat der Thumer die Gulden auf sein Schwenkenhof gelegt; hiergegen gibt der Thumer ihm jährlich ein Fuder Holz und 24 Bäum“.

Den verlassenen Hof erwarb 1570 Hans Trexl. Dieser mußte das Gut neu bestehen, d. h. 1 Fünfzehntel des Gutswertes bezahlen. Thumer forderte aber „übermäßiges Aufzuggeld, nämlich 12 Gulden“.

Auf dem Pettenhof bei Laaber, zur Herrschaft Wolfsegg gehörig, zinste Lienhart Pegel nach altem Herkommen 1 Gulden Stift und 1 Schaff Korn. Thumer steigerte ihn um 2 Schaff, Das Weitere entnehmen wir dem Stiftbuch: „Der Pettenhof ist auf 6 Jahre verlassen und die Zinsung steht längst aus. Auch der neue Inhaber des Pettenhofes Georg Hinterhager lamentierte 1596 dem Landrichter: „Ich habe den Hof dem alten Hans Thumer selig vor 18 Jahren abgekauft für 200 Gulden, er hat mir aber das Gut hernach geteilt und dem Hans Merl auch halb gelassen. Nun gibt jeder von seinem halben Teil ein Schaff Getreide, jeder 1 fl. 15 Kr. Zins und Scharwerk auf 1 Wagen.“ Manche Bauern verließen also den Boden, der ihnen weder Freiheit noch Hoffnung ermöglichte.

Der eigentliche Herr von Wolfsegg ist in dieser Fehde immer noch Oswald v. Eck zu Eisenhofen, wenn auch Thumer die Pfandschaft auf seine Art nutzte. Es liefen immer noch Boten mit Schreiben hin und her. Allein Oswald von Eck betrachtete voll des Hochmutes den Hansen Thumer als Gegenstand seines Mutwillens. Endlich schrieb er an den Gerichtsschreiber Michael Thony zu Burglengenfeld, dato Ingolstadt den 21. Jan. 1571: …

Sonder guter Freund! … Erstlich die Thumersche Festsetzung belangend: Wiewohl mir nichts lieber, denn daß ich aus dieser Handlung wäre, aber weil der Termin zu Schmidmühlen und nit zu Kallmünz, auch auf den 25. Jänner schon festgesetzt ist, so könnt ihr selbst erachten, daß mir und meinen Freuden solchen Weg zu bestehen unmöglich. Bitt derohalben ihr wollet auf meine Kosten diese Festsetzung (den Termin) abschreiben und einen anderen Tag ungefähr um Fastnacht ansetzen. Die Brief an mich müssen immer auf der Achsenpost umbfahren (befördert) werden. … Was weiter des Gantrechtes halber erfolgt, sei bei den Göttern. Das ich aber sollte der kleineren Personen nachgehen, dessen wird mich niemand bereden; denn sie sind mir zu wenig darzu und Gloriam meam non dabo, 5) aus einem Schmerlaib kann ich keinen Marzepan machen. Befördere die Wolfseggsche Handlung dahin, daß ein peremptorischer Weg angesetzt werde und mir auch bei eignem Boden meine Bezahlung zukommt. Damit was euch dienstlich lieb ist.

Den nächsten Tag verreiste v. Eck nach München. Außerdienstlich schrieb er an Thony noch dazu: „Das Richter- und Fischmeisteramt hab ich auch längst heimgesagt und derhalben zu Schmidmühlen inniglich Glück darzugegeben; denn ich zum Dienst soviel nit bedarf als zum Abdanken.

Am 5. März 1572 war endlich im Rathaus zu Kallmünz die entscheidende Verhandlung in dem elfjährigen Streit. Johann Görg von Gleißenthal zu Emhof, Prälat von Speinshart und der Obern Pfalz Kurfürstlicher Rat war der Obmann. Auf Ecks Seiten standen Michael Thony und Leonhard Sauerzapf als Unterhändler. Für Thumer sprachen Hans Joachim von Bertlzhof (Pertolzhofen) zu Traidendorf und Johann Gering, Magister und Schultheiß zu Regensburg.

Nach langwierigem Wortgefecht wurde zunächst folgendes zu Protokoll gebracht:

Die Hauptsumme ist anfänglich 4000 Gulden gewesen. Davon sind ausständig die Jahresgülten von anno 61 und 62. 1563 hat Thumer vom Gut Wolfsegg die erste Stift eingenommen und bisher genutzt. Dermal sind wenig Erbrechter sondern meist Freistifter gewesen; trotzdem hat Thumer die Erb zum Teil verkauft —, die Freistifter wie auch die Erbrechter in Gült und Zinsen gesteigert, wie denn gen Thumer mehr als eine Klag bei der Obrigkeit fürgekommen. Item sind auch nit wenig Handlohn von den veränderten Gütern genommen und nicht ein wenig Anzahl Holz zu Bauern und Brennen verhauen und sonst wegvergeben worden. Anders wieder, daß Thumer das Schaff Getreid mit nur 4 fl. angeschlagen, während es doch mehr Zeit anher doch 10 fl. galt.

Oswald von Eck drang also kräftig darauf, das wahre Einkommen Thumers aus dem Fürpfand in Betracht zu ziehen. Er spricht:

Dagegen bitt ich zu rechnen, was Thumer diese Jahre her an Getreide, Wiesmat, Verkauf von Holz Auf- und Abzüg. Geldtrafen, Steigerung – genossen und wie viel er über diese 4000 fl. bringt. Dann bitt ich es, das Gut Wolfsegg, ihm zu verkaufen um gutes Geld angeschlagen wie üblich. Das Gut Wolfsegg ist mir um 5000 fl. in der Steuer angeschlagen und mit 50 fl. von mir versteuert worden.

Thumer hatte mehr aus dem Pfand gezogen als ihm gebührte. Da es nunmehr um den Kauf der Hofmark Wolfsegg ging verlangte von Eck über die Schuldsumme von 4000 fl. sogar noch 1500 fl. Aufgeld. Doch wurde darum, laut Protokoll, heftig hin und her gehandelt, bis es zwischen 600 und 800 fl. verbleibt. Die Handlung hatte sich „erstoßen.“ Die Thumerschen Beiständer zeigten nämlich an, „das ihr Prinzipal so wild, daß er weder 500 fl. noch 1000 bewilligen wolle, sondern wolle viel lieber die 4000 fl. Schuldsumme und die liquidierten Unkosten nehmen und er weigere sich, nicht das wenigste darüber hinauszugeben, da er sonst keinen Pfennig oder Nutzen auf diesen Gütern hätte.

So ließ zum Schlusse der Herr Prälat und Obmann die Erkenntnis und den Spruch ergehen, „daß der von Eck dem Thumer für alle Ding geben soll 4700 fl., doch in alle Weg und Gutheißen des Landesfürsten.

Hans Thumer zu Zeitlarn und Bruckberg starb 10 Tage nach dieser Verhandlung am 15. März 1572. 6)

Oswald von Eck folgte ihm im Jahr 1573 im Tode nach.

Dadurch kam es, daß 1573 die Güter Holzheim und Wolfsegg noch unter den Hinterbliebenen der beiden Verstorbenen strittig wurden. Es erging Beschwerde des Fiskus beim Lehengericht gegen die Erben des Hans Thumer wegen unrechtsmäßigen Besitzes der ritterbaren Hofmark Wolfsegg. Der „Kauf von Wolfsegg ist aber scheinbar mit fürstlicher Bewilligung doch erfolgt; denn der neue Herr der Hofmark Wolfsegg Hans Thumer (IV.) tat am 25. Und 26. Januar 1574 Lehen– und Landsassenpflicht. Die Wolfsegger Untertanen jedoch hatten Hans Thumer selig noch lange nachhaltig im Gedächtnis, wie aus den Urkunden von 1620 hervorgeht, die Beschwerden hatten nichts geholfen. Die Erhöhungen der Beschwernisse verblieben auch fürderhin in ihren Stiftsbriefen.

___________________________________________

1) Leon. V. Eck hatte 1541 von Jörg von Raidenbuch (Raitenbuch) 6 Gütlein in der benachbarten Hofmark Holzheim gekauft. Erst 1618 erhielt diese A. G. Silbermann um 1000 fl. von Herzog Philipp Ludwig verliehen. Somit war Holzheim 77 Jahre mit Wolfsegg verbunden.

2) Thumer entstammte einem reichen Bürgergeschlecht, das erst in Nürnberg, dann in Regensburg auftrat und 1616 erlosch.

3) St. Archiv Amberg. Neub. Ertr. 13465

4) Bruckberg südlich der Donau zwischen Landshut und Moosburg gelegen. Hans Thumer hatte 1558 den Sitz Bruckberg von Wolf Judt erkauft.

5) „Meinen Ruhm gebe ich andern nicht.“

6) Die Ehefrau Radegund, eine geb. Reichlin von Meldeckh † 6. Februar 1587 in Bruckberg, wo sie auch begraben ist.

(„Die Oberpfalz“, 1938)

Nachrichtendienst im 30jährigen Krieg

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Eine schwarze Liste über die Anhänger des Kurfürsten Friedrichs V. von der Pfalz vom 26. Dezember 1623

Von Generalmajor a. D. Dollacker

Friedrich V., der „Winterkönig“, hatte nach der Schlacht am Weißen Berge Böhmen verloren und war über Breslau, Küstrin, Wolfenbüttel zu seinem Onkel Moritz von Oranien, dem Generalstatthalter der Niederlande geflüchtet. Am 22 Januar 1621 sprach der Kaiser über ihn, den Fürsten Christian zu Anhalt, den Markgrafen von Jägerndorf und Mansfeld die Acht aus, am 25. September 1621 nahm Maximilian von Bayern Cam ein, am 8. Oktober besetzte er Amberg und nahm die Oberpfalz im Namen des Kaisers in Verwaltung. Am 22. September 1622 fiel Heidelberg in die Hände Tillys. Friedrich V. gab die Hoffnung auf den Wiedererwerb nicht auf und fand außer dem in seinem Solde stehenden Grafen von Mansfeld noch viele treu ergebene Anhänger, die für seine Sache kämpften, so vor allem den Prinzen Christian von Braunschweig, der „Halberstädter“ genannt, den Markgrafen von Jägerndorf, den Markgrafen von Baden-Durlach, den Siebenbürgenfürsten Bethlen Gabor, ferner eine große Zahl von Beamten und zur politischen Verwendung geeigneten Personen, die sich ihm zur Verfügung stellten.

Aufschluß über sie gibt eine „Lista und Verzeichnus deren correspondenten und heimblichen Kundschafter, welche mit dem Pf. noch auf die heutige Stundt auß den Reichsstädten, item auß Böhmen, Mähren, Österreich, Ober– und Unterpfalz, Brandenburg, Niedersächsischen Kreuß etc. zu höchstem präfudicio ihrer Kaiserl. Majestät und zu erweckhung neuer Unruhen im Reich nicht nur vor sich selbst correspondiren sondern auch des Mansfelds, Halberstädters, Gabors, Jägerndorfers und anderer öffentlichen Ächter, türkische und ander unchristliche praktickhen, so vil an ihnen. Äußerigsten Vermögens befördern helfen.“

Die Liste ist als Nr. 871 der Dreißigjährigen Kriegsakten im Staatsarchiv Amberg niedergelegt, vom 29. Dezember 1623 datiert, trägt aber keine Unterschrift. Sie ist offenbar ein Auszug aus dem „Extrakt deß schwarzen registers am Kaiserlichen Hoff“, der ebenfalls ohne Unterschrift und ohne Datum in Londorp, II. Teil S. 725 ff. enthalten ist. Sie bringt verschiedenes, was in dem Extrakt nicht steht.

1.) Johann Joachim von Ruesdorf war 1589 geboren. Sein Vater Hans Georg war als Protestant aus Niederbayern in die Oberpfalz gezogen und wurde Pfleger zu Murach. Hans Georgs Frau war eine geborene Pelkofer und hatte von ihrer Schwester Cordula Teufel das Gut Eigelsberg bei Oberviechtach gekauft. Johann Joachim studierte mit 2 Brüdern am Pädagogium in Amberg, kam 1607 auf die Universität in Heidelberg, begleitete Friedrich V. bei seiner Brautwerbung nach England, machte 1613 – 15 Reisen nach England und in andere Europäische Staaten, wurde 1616 Rat am obersten Gerichtshof in Heidelberg und bald darauf Mitglied des Staatsrates. Als Friedrich V. Anfang November 1619 die Regierung in Prag antrat, blieb er in Heidelberg, wo sich Gustav Adolf einfand. Ruesdorf suchte ihn für das böhmische Unternehmen und für eine Heirat mit einer Tochter Friedrich IV. zu gewinnen, ohne jedoch einen Erfolg zu erzielen. Im Januar 1620 reiste er mit dem Stiftshauptmann von Waldsassen, dem Grafen Achatius zu Dohna, zu Jakob I. nach England, dann nach Paris und Holland. Nach der Achterklärung Friedrich V. wies er in einer Schrift deren Rechtsungültigkeit nach. Dann wirkte er als Gesandter in London 5 Jahre durch Wort und Schrift auf die öffentliche Meinung ein, fand jedoch einen Gegner im Staatsmann Buckingham, der seine Abberufung durchsetzte. Während dieser Zeit hat sich Ruesdorf vom Juli 1621 – 10. Juli 1622 beim englischen Gesandten in Wien unter dem Vorgeben, daß er im Dienste des englischen Königs stehe aufgehalten. Er hat über die Vorgänge in Wien wöchentlich nach Heidelberg, Stuttgart, an die Witwe Friedrichs IV., an Friedrich V., an den Statthalter Johann in Heidelberg, an den ehemaligen Statthalter der Oberpfalz, Fürst Christian zu Anhalt, und an die Räte in Heidelberg berichtet, stand mit den aufrührerischen Ungarn, mit dem Siebenbürgenfürsten Bethlen Gabor, dem Markgrafen von Jägerndorf, mit dem Grafen Thurn, besonders aber mit dem Magnaten Budiani, bei dem er während der Friedensverhandlungen 1622 einige mal in Ungarn war, in Verbindung. Die Liste beschuldigt ihn, in Ungarn, Böhmen und Österreich Unruhen anzustiften und bezeichnet ihn als einen äußerst gefährlichen Feind des Kaisers und Maximilians von Bayern.

Die letzten 13 Jahre seines Lebens verbrachte er im Haag, von wo er zu verschiedenen politischen Aufträgen verwendet wurde. Dort starb er am 20. August 1640 und wurde in der Hauptkirche begraben.

Ein Bruder, Georg Philipp, stand 1625 in dänischen Diensten, ein zweiter Bruder, Georg Balthasar, war 1625 in Hamburg. Eine Schwester war Hofdame bei der Kurfürstin von Brandenburg, die eine Schwester Friedrichs V. war. Sie heiratete 1525 einen Oberst von Gürnitz.

2.) Johann Bosch Dr. Jur., ehemaliger Hofrat und Oberschultheiß zu Heidelberg, hat sich einige Zeit in Nürnberg aufgehalten und den Briefwechsel Friedrichs V. mit Mansfeld, Bethlen Gabor, dem Markgrafen von Jägerndorf , dem Thurn und anderen besorgt. Er hat den pfälzischen Gesandten, die heimlich nach Nürnberg kamen, Geld verschafft, wechselte Briefe mit dem Amberger Kanzler Dr. Petsch und dem dortigen Regimentsrat Dr. Heber und ist oft nach Heilbronn, Speyer, Straßburg, Stuttgart, Frankfurt gereist. Er half die goldenen Schlüssel, die Friedrich V. auf der Flucht nach Breslau versetzt hatte, in Nürnberg zu „vertuschen.“ Eine Bewerbung am Reichskammergericht in Speyer, wo er für Friedrich V. wirken wollte, gelang ihm nicht. 1623 gab er sich für einen englischen Residenten aus und erreichte, daß man ihm in Heidelberg und in der ganzen Pfalz duldete. *1) Er hat am 6. April 1623 einig Schreiben, die zwischen Kursachsen und Kurmainz gewechselt wurde, „expraktiziert“ und die durch den Backofen und Frankfurter Postmeister Johann von der Bürgden an Friedrich V. gelangen lassen. Die im Solde Friedrichs stehenden Oberst Merven und General de Beer wollten in kurzer Zeit Heidelberg und Mannheim angreifen und hatten in beiden Städten Kundschafter, die unter Anleitung des Dr. Bosch alle für dieses Unternehmen in Frage kommenden Verhältnisse erkundeten. „Man solle Bosch verhaften und ihn über die Verhandlungen mit den Türken, mit Bethlen Gabor, dem Grafen Thurn, Moritz von Oranien, dem Auerbacher Landrichter von Schlammersdorf, Kanzler Dr. Petsch, den Herren Ölhafen, Remb, Tuchelin in Nürnberg, mit Camerarius, Ruesdorf, Plessen, mit England, Holland, Dänemark, Schweden, Konstantinopel, Venedig, Savoyen, Graubünden und Siebenbürgen „auf ernstlich zusprechen“ (Tortur?).

3.) In Berlin hielten sich auf; der ehemalige böhmische Oberkanzler Ruppa. Die Böhmen Berka und Müller (Vizekanzler), Graf Achatius zu Dohna , der bis 1619 Verbindungsmann zwischen den böhmischen Ständen und Friedrich V. war. Sie suchten eine Heirat zwischen Friedrichs Bruder Ludwig Philipp und einer sächsischen Prinzessin zu vermitteln, was auch Brandenburg in der Hoffnung begünstigte, Sachsen von Österreich zu trennen. Jülich wieder für Brandenburg zu gewinnen und den Neuburger Teil von Jülich dem Sachsen Kurfürsten von Sachsen einzuräumen. Diesem wurde auch der Besitz der Lausitz zugesichert.

4.) Dr. Ludwig Camerarius war ein Sohn des berühmten Nürnberger Arztes Dr. Joachim Camerarius, der 1596 den in Amberg erkrankten Vater Friedrichs behandelte. Er war am 22. Januar 1573 in Nürnberg geboren, trat nach dem Besuch mehrerer Universitäten in Deutschland und Italien 1598 in die Dienste Friedrichs IV., wurde 1603 Mitglied des Oberrats und bald der tätigste Diplomat in Heidelberg. Er erhielt 1613 die Prälatur Des Klosters Reichenbach in der Oberpfalz, wurde 1626 schwedischer Rat, 1629 schwedischer Gesandter bei den Generalstaaten. 1645 zog er sich von den Geschäften nach Gröningen zurück. Als die Pfalz wieder den Erben Friedrichs V. zurückgegeben wurde, siedelte er im Juni 1651 nach Heidelberg über, wo er im Oktober 1651 starb.

Camerarius war lange Zeit in Dänemark, dann in Bremen, bemühte sich 1623, den König von Dänemark in den Krieg zu ziehen. Er hatte bei den Regierungsgeschäften fast aller Höfe die Finger im Spiel, erhielt von dort Berichte, „concipirte, revidirte, accomodirte die meisten memoralia, Gutachten und Vorschläge.“ Er wollte den Kaiser nicht nur aus seinen Erblanden und Königreichen, sondern sogar aus Deutschland verjagen, Friedrich V. die böhmische und auch die deutsche Krone wieder verschaffen, sollte es auch mit Hilfe der Türken und Tataren geschehen. Er wollt das Reich in neue „Turbas“ und so zu seiner schlesischen „Vicecancellaria“ gelangen.

5: Backofen war früher Kellermeister in Weinheim, hatte Güter in der unteren Pfalz, hielt sich 1623 in Frankfurt auf, wo er mit Dr. Bosch beim Postmeister von der Bürgden, mit Dr. Haßmann in Heidelberg und mit Lingelsheim, der in Straßburg lebte, gegen den Kaiser arbeitete.*2) Gabriel Lingelsheim war seit 1594 Pfleger in Heimburg in der Oberpfalz, sein Vater war Lehrer Friedrichs IV.) Backofen hatte schon vor der Ächtung Friedrichs mit kalvinischen „Meutmachern“ (Aufrührern) in Böhmen, Österreich, Jülich, Aachen, Mühlheim, Worms und Heidenheim zusammengearbeitet. Backofen schrieb in einem Bericht, daß de Beer wegen der Übergabe von Mannheim um 10 000 Taler gestraft wurde, die der Garnison in Frankenthal überwiesen worden seien. Sekretär Erckenbrecht, der während der Belagerung in Mannheim gewesen sei, habe sie in Delft (Holland) empfangen. Backofen schrieb ferner, daß er einen Bruder in Heidelberg habe, der Dr. der Rechte sei und mit einem Haßmann dauernd an ihn berichte. Der Heidelberger Hofrichter Andreas Paul habe von London an Backofen geschrieben, England sei bis auf den letzten Blutstropfen entschlossen, sich an Bayern zu rächen, der König habe geschworen, nicht zu ruhen, bis er den Bayern von Land und Leuten getrieben habe. Backofen hat dies von Frankfurt nach Württemberg und Baden weiter berichtet. Da Backofen die meisten englischen Berichte übermittelte, solle man ihn und den Frankfurter Postmeister überwachen. Die Berichte könnte man in die Hand bekommen, wenn sie sein Diener zum Postmeister trage.

6.) Dr. Haßmann sei nicht der geringste der in Deutschland verbliebenen Rädelsführer, hetze in „Traktätlein“ anonym gegen den Kaiser, was aus seiner Handschrift und den Heidelberger Akten erwiesen sei. Er sei an dem pfälzischen Unwesen stark beteiligt gewesen, habe nach der Anhaltischen Geheimen Kanzlei und den Heidelberger Akten zur Zeit des Interregnums 1612 und 1619, dann in Sachen der Achterklärung intrigiert, gegen den Kaiser und seine Rechtsprechung schimpfliche Berichte verfaßt. Nach der Auflösung der Union hetze er gegen den Kaiser und suche eine neue Union zu gründen. Vom Markgrafen von Kulmbach lasse er sich als Kundschafter gegen Kursachsen gebrauchen. Er halte zu Camerarius, der seine Schwester zur Frau habe.

7.) Hofrichter Andreas Paul wurde wiederholt zu politischen Sendungen verwendet, so im Januar 1619 und im Sommer 1621 nach Wien, von wo aus er im Oktober 1621 mit dem englischen Gesandten Lord Digby zu Mansfeld nach Neumarkt reiste. Mansfeld stand damals durch Maximilian mit dem Kaiser wegen seines Übertritts in kaiserliche Dienste in Unterhandlung. Sein Bruder Karl Paul war Hof– und Bundespfennigmeister. Beide haben in Heidelberg viele Briefe hinterlassen, deren Aufzählung nach der Versicherung des Verfassers der „schwarzen Liste“ viel zu weit führen würde. In dem bösen Willen gäben beide dem Camerarius und dem Ruesdorf nichts nach, doch seien diese ihnen an List und Betrug überlegen. Aus den in Heidelberg an diese vier „Catilinis“ gefundenen Schreiben gehe folgendes hervor: Andreas Paul habe 1621 die Aussöhnung zwischen dem Kaiser und Friedrich V. hintertrieben, als Lord Digby sie in Wien schon nahezu bewirkt habe. Die gleiche Rolle habe er 1622 in Brüssel gespielt, wo er als Vertreter Friedrichs V. den Verhandlungen beigewohnt habe. Durch die Vorspiegelung, daß der Friede nur durch die kaiserlichen und spanischen Gesandten hintertrieben würde, glaubte er den englischen König zum Eintritt in den Krieg zu können. Wie gut es Paul mit dem englischen König meine, gehe daraus hervor, daß er ihn als Atheisten, Gotteslästerer, Ehebrecher und Wortbrüchigen bezeichnete, was aus der Handschrift des Tschernembl hervorgeht. *3) ein Konrad Paul wurde nach dem Prager Fenstersturz von Anhalt zur Berichterstattung nach Prag gesandt.

8.) Lingelsheim in Straßburg und der ehemalige Hofgerichtsrat Spina in Heidelberg schrieben gegen den Kaiser und die Achterklärung Friedrichs. Sekretär Moritz stand im persönlichen Dienste Friedrichs. Er begleitete Friedrich nach der Schlacht am Weißen Berge auf seiner Flucht nach Holland 1622 kam er mit einem Auftrag Friedrichs, kehrte aber bald ohne besondere Nachrichten nach Holland zurück. 1623 war er in Heilbronn wechselte Briefe mit Württemberg und anderen deutschen Fürsten und Ständen; alle Umtriebe der Vertrauensleute Friedrichs V. berichtete er durch eigene Boten an Lingelsheim nach Straßburg, an den Agenten Brederode der Niederlande, an den Prinzen Moritz von Oranien , an den Halberstädter, an Mansfeld und an Friedrich selbst. *4)

9.) Oberst Balthasar von Schlammersdorf auf Hopfenohe, Wolf von Wildenstein, Landmarschall Fuchs von Winklarn und der Landrichter von der Grün in Waldeck, ein Bruder des Heidelberger Kanzlers, arbeiteten zusammen. Wenn der Halberstädter und Mansfeld sich vereinigt hätten und durch Böhmen auf Amberg marschieren würden, dann solle das von Schlammersdorf im Geheimen geworbenen Kriegsvolk an der Grenze der Oberpfalz zu ihnen stoßen und mit Munition versehen werden. Schlammersdorf sollte dann die Huldigung der Ritter und Stände auf Friedrich V. vornehmen und die Gelder der Regierung der Landschaft und Stadt Amberg beschlagnahmen. Die Böhmen sollten zu Pferd und zu Fuß, aus dem Sazener, Ellbogener und Pilsener Kreis in die Oberpfalz einfallen, deren Landbewohner dann angeblich in die mit bayerischen Garnisonen belegten Orte flüchten, dort nachts die Bayern überfallen und sie in Forma einer Sizilianischen Vesper niederhauen“ sollten. *5)

10.) An diesen Machenschaften haben sich auch Kanzler Dr. Petsch und Rat Dr. Heber der Amberger Regierung beteiligt. Petsch war 1565 geboren, kam 1600 als Rat von Heidelberg an die Amberger Regierung und war mit einer Tochter des Amberger Theologen Dr. Wigand Spanheim verheiratet. *6) nach einem in Heidelberg gefundenen Schreiben des Pflegers von Waldeck beabsichtigte Petsch 1622 aus dem Amt zu scheiden, blieb jedoch, als aufmerksam gemacht wurde, daß er Friedrich viel mehr nützen könne, wenn er im Amt bliebe. E r wurde ständig überwacht, so als er im März 1623 in Nürnberg mit dem englischen Rittmeister Horri verhandelte. Im Jahre 1625 wurde er entlassen und im Schloß in Arrest gesetzt 1628 war er noch in Amberg, 1643 ist von seiner Witwe die Rede. Dr. Heber wurde 1617 Regimentsrat, heiratete eine Schwester des Heimburger Pflegers Lingelsheim, wurde 1626 entlassen und zog nach Nürnberg. Sein Vater war Bürgermeister von Neumarkt. Petsch und Heber haben dauernd mit Schlammersdorf brieflich verkehrt.

11.) Oberst Peblis war Schotte von Geburt, kämpfte 1610 im Jülicher Erbfolgekriegs als Oberstleutnant unter Oberst Graf Otto zu Solms im Elsaß gegen Erzherzog Leopold, von 1618 ab unter Mansfeld, bis dieser 1626 starb. Im Jahre 1633 stand er noch in pfälzischen Diensten. Er sollte beidem nächtlichen Überfall auf die bayerischen Garnisonen in der Oberpfalz den Oberbefehl führen und beim Anmarsch Mansfelds und der Ermordung der bayerischen Garnisonen aus den aufrührerischen Untertanen Abteilungen bilden und einen Teil nach Waidhaus führen, wo sie Wolf von Wildenstein übernehmen würde. Ein zweiter Teil sollte wegen des angrenzenden Bistums Eichstätt nach Neumarkt kommen, ein dritter in Sallern dem dortigen Richter Haller unterstellt werden. Wegen der Nachbarschaft von Bayern sollte ein vierter Teil mit der dem Rittmeister Hundt unterstellten Ritterschaft nach Cham gelegt werden. Der Rest des Mansfeldischen Volks war nach Auerbach bestimmt. *7)

12.) Landmarschall Fuchs sorgte in München im Einverständnis mit dem dortigen Rat für Waffen und Munition, deren Kosten die oberpfälzische Landschaft trug. Mansfelds Faktor, der neben dem Kaufmann Andrä Lempa unter der „Goldenen Gans“ wohnte, schloß den Vertrag ab. Kanzler Dr. Petsch, die Räte Dr. Heber und Dr. Ulrich standen deswegen durch den Faktor Mansfelds seit langer Zeit mit den Herren Ölhafen, Remb und Tuchelin in Nürnberg in Schriftwechsel.

13.) Nach diesem Schreiben stellten Imhof, Ölhafen und Asymus Schlauerbach, der stark Handel nach Österreich trieb, zur Verbergung der Waffen und Munition ihre Lustgärten und Lusthäuser zur Verfügung. Nachts sollten sie zu den Geuders nach Heroldsberg und von dort „unvermerkt“ in die Oberpfalz verbracht werden.

14.) Sobald der Siebenbürgenfürst Bethlen Gabor mit den Türken und Tataren nach Böhmen, Mansfeld in die Oberpfalz komme sollte der Aufstand in Böhmen und in der Oberpfalz ausbrechen. Hierüber wurden Vereinbarungen zwischen Prag und den in Berlin weilenden ehemaligen böhmischen Direktoren Ruppa, Berka und Müller getroffen. Die Leitung im Ellbogener, Saazer und Pilsener Kreis hatten die Schirndinger übernommen, deren „Examinierung“ empfohlen wird. Von der Oberpfalz wollte Mansfeld sich mit dem ganzen Heer nach Bayern wenden. Die Niederlage des Halberstädters bei Stadtlohn am 22. August 1623 habe die verhindert.

15.) Marquis Spinola hatte mit den Protestanten im Namen des Kaisers zu Mainz vereinbart, daß sie der Union entsagen und keine neue eingehen. Dem entgegen strebten der Markgraf von Durlach und andere protestantische Fürsten eine neue Union an. Oberst Fuchs versuchte hierzu den Markgrafen von Ansbach, den ehemaligen Landrichter von Amberg Graf Reinhard zu Solms und Reichsstädte zu gewinnen, die das ganze finanzieren sollten. Zum General dieser neuen Union war der Markgraf von Durlach ausersehen. Graf zu Solms, der die Geroldseckischen Güter an sich bringen wollte, und dies mit den Ansprüchen seiner Frau begründete, habe sich zum Generalleutnant, Oberst Fuchs zum Feldmarschall „aufgeworfen.“

16.) Wenn Mansfeld nach dem Aufstand in Böhmen und in der Oberpfalz in Bayern einfalle, Bethlen Gabor mit den Türken und Tataren auf Prag marschiere, sollte der Markgraf von Durlach mit seinem Heer in die Stifte Würzburg und Bamberg einrücken. Aus dem Schreiben Ruppas, Berkas, Müllers und des Freiherrn von Tschernembl an Friedrich V. sei zu ersehen, daß die Stieber, Rotenhan und Marschalken sich zu diesem Überfall erboten hätten. Man solle sie festnehmen, um durch sie noch andere“ dergleichen Gesellen“ zu erfahren.

17.) Außer den Schirndingern, die den Aufstand im Elbogener, Saazer und Pilsener Kreis übernommen hatten, haben Ruppa, Berka und Müller von Berlin aus mit dem in Prag in der Altstadt wohnenden Kapitän Schliff dahin verhandelt, daß er den Aufstand in Prag und in den Kreisen Leitmeritz und Außig übernimmt in der gleichen Weise, wie dies die ehemaligen Prager Appellationsräte Heckelshofen und David Rohr durch ihre Schreiben in Schlesien versucht hätten als Ruppa, Berka und Müller aus Böhmen vertrieben wurden.

18.) Frhr. von Tschernembl hat unter den Kaisern Rudolf II. und Mathias von Oberösterreich aus mit dem Amberger Statthalter Fürst Christian zu Anhalt korrespondiert, war im Sommer 1620 Kriegsrat in Prag, flüchtete nach der Schlacht am Weißen Berge nach Amberg und, als er sich hier nicht mehr sicher fühlte, nach Vaihingen in Württemberg. Als Friedrich V. 1622 aus Holland nach Mannheim kam, hielt er sich in Heidelberg auf, wo man viele Schreiben an ihn fand, der Anschrift an „den von Windeck“ lautete. 1623 wurden solche Schreiben aus Holland und Bremen durch den jungen Geigenkofer und den Hofmeister Tschernembls, der ein Eilenbeck war, und sich in Linz aufhielt, übermittelt. Er wäre wohl leicht „zu ertappen.“

19.) Zur Überwachen seien die Schreiben Bethlen Gabors an den Paladin Thurzo und an Tschernembl, (etliche Schreiben an diesen wurden in Heidelberg gefunden), an den von Hofkirchen, den Jägerndorfer und an Thurn. Ruesdorf habe mitten in Wien diesen Briefwechsel lange Zeit geleitet und über Nürnberg unter den Geschäftsbriefen der Kaufleute Calandrin, Schlaurbach, Gering, Forstenhäuser und Dr. Bosch befördert. Die orientalische Hilfe sollte durch die Übertragung der Kronen von Polen, Ungarn und Böhmen an Bethlen Gabor belohnt werden. Zu diesem Zweck hätte sich Thurn mit Generalvollmacht Friedrich V. nach Konstantinopel begeben, um die Türken zur Hilfeleistung für Gabor zu bewegen. Camerarius hätte schon im Oktober 1619 von Prag nach Heidelberg berichtet, daß Gabor zur Krone Ungarns auch Österreich legen wolle. Camerarius meinte aber, daß man Österreich viel mehr an Friedrich V. als den Inhaber der Krone Böhmens überlassen solle. Gioul Battista Foscarini wäre von dem verstorbenen Fra Pauolo Servita abhängig, sei viel im Friaulischen Kriege gebraucht worden, und habe von ihm Rat und Hilfe erhalten. Er habe erst neulich empfohlen, man solle Gabor, so lange er gegen Österreich kämpfe, mit monatlich 20.000 Kronen unterstützen *8).

20.) Savoyen sei bestrebt, in der Veltinischen Frage Frankreich ins Spiel zu bringen und damit Österreich in Italien zu binden *9). Es wurde darin von Moritz von Oranien, Venedig und Mansfeld unterstützt. Dieser versuche von Frankreich Geld zur Unterhaltung seines Heeres herauszupressen und habe den Oberst Peck, einem Schweizer, der unter Mansfeld in Pilsen eine Kompanie, dann in Frankenthal ein Regiment hatte, zum Herzog von Savoyen gesandt, um ihn über Mansfelds Werbungen und seine Bündnisse mit den nördlichen Staaten u berichten. Peck müsse bei seinen Reisen nach und von Savoyen das österreichische Gebiet bei Basel berühren. Man solle ihn dort erwarten und verhaften, man werde dann die Verhandlungen in Erfahrung bringen, die Mansfeld mit den auswärtigen Fürsten führe. Peck sei leicht zu erkennen, da er die Schweizer Mundart spreche, und von mittlerer Gestalt sei., ein pockennarbiges Gesicht und einen weißen, dünnen Bart habe.

21.) Samuel Weiß, ein geborener Berner, wurde 1622 von Mansfeld zum Direktor des Kriegsrates ernannt. Er soll die unkatholischen Schweizer veranlassen, bei Frankreich eine Unternehmung gegen Spanien zu beantragen. Er hat eine Verteidigungsschrift für Mansfeld verfaßt und wurde von diesem nach der Übergabe von Pilsen nach Frankreich gesandt um den vornehmsten Räten die Gefahren vor Augen zu führen, in die Frankreich bei Unterlassung einer Unternehmung gegen Spanien gerate. Mit dem gleichen Auftrag sandte Friedrich V. den Grafen zu Dohna zum französischen König. In einer Denkschrift für Dohna hatte Camerarius diese Gefahren ausgeführt und betont, welche Verbindungen Heinrich IV. mit der Kurpfalz unterhalten habe, ehe er katholisch wurde. Durch diese sei er zur ruhigen Nachfolge der Krone gelangt.

22.) der ehemalige Mansfelder Gouverneur von Hagenau, Graf von Löwenstein, bemühte sich, Venedig, Frankreich und Savoyen zum Einfall in spanisches Gebiet in Italien zu bewegen. Die solle anläßlich der Veltinischen Diversion in dem Zeitpunkt erfolgen, wenn der Aufstand in Böhmen, der Oberpfalz, Österreich, Schlesien, Mähren und Ungarn ausbreche, wenn Mansfeld sich mit dem Halberstädter vereinige, die Tataren nach Polen, die Türken unter Gabor in das Reichsgebiet kommen würde. Prinz Moritz von Oranien solle die spanischen und neuburger Garnisonen aus dem Lande Jülich vertreiben, die Venezianer sollten in Friaul angreifen, und was sie vorher gegen Gradiska versucht, bei dieser günstigen Gelegenheit nicht „verschlafen“. Sie sollten die Türken, wenn diese im Golf erscheinen und Neapel on Apulien her angreifen, unterstützen. Das Endziel sei: das Haus Österreich ganz aus Deutschland zu verjagen, die katholischen Stifte den Protestantischen Fürsten ganz auszuliefern und das Spiel, das Friedrich V. aufgegeben, von neuem anzufangen.

23.) Friedrich V. habe durch Bethlen Gabor, Thurn und Moritz von Oranien in Konstantinopel erreicht, was man kürzlich in Mähren zum äußersten Verderben verspürt habe. *10) Gabor und Berndorfer geständen, daß der Friede zu Ödenburg 1622 nur in der Absicht geschlossen worden sei, den Kaiser und die Liga in Sicherheit zu wiegen und an Kriegsvolk und Geld zu schwächen. Ein weiterer Grund sei gewesen, daß damals in Konstantinopel „alles über und über gegangen“, daß die ungarischen Stände mit Bethlen Gabor unzufrieden gewesen seien und sich von ihm trennen wollten. Gabor wolle, wie den Kaiser so auch die Ungarn sicher machen, verblenden und die gut kaiserlich Gesinnten ausrotten. Tschernembl habe dies gebilligt. Man müsse die Neutralen und die Unionstände „wiederum bei den Haren in das Spiel ziehen, oder wie Camerarius sage, durch entgegengesetzte Wirkungen zum Ziel du zur Wiederaufnahme des Kampfes bringen. Sie würden dann von selbst mit dem Kopf hinansetzen, wie zur Zeit Caroli V. geschehen“.

24.) Bethlen Gabor hatte für den Sommer 1623 für seinen Bruder, für den Jägerndorfer, Thurn und Hofkirchen folgendes angeordnet: sie sollten zu der Zeit, in der die Tataren und Moskowiter in Polen einfallen, der Halberstädter mit Mansfeld ins Reich eindringen, die neue Union und Neutralen sich öffentlich für Friedrich V. erklären würden, mit dem ungarischen Heer in das Herzogtum Oppeln und Ratibor marschieren, die Grenzen gegen Polen besetzen und auf Prag vorgehen solle. Gabor wolle Ungarn, Österreich und die windischen Lande besetzen. Venedig solle für seine Auslagen mit einigen angrenzenden Gebieten entschädigt werden.

25.) Damit die Türken nicht den Eindruck gewinnen, daß Gabor, die Sache allein betriebe, wurde Graf Thurn nach Konstantinopel gesandt. Er hatte von Friedrich V. und den ausgewanderten böhmischen, mährischen und oberschlesischen Rebellen Generalvollmacht zu erklären, daß alle Abmachungen Gabors mit der Türkei und Friedrich V. und den „ausgetretenen Ständen“ gebilligt würden, wogegen die Türkei baldigst die nötige Unterstützung senden sollten. Graf Thurn kam im November 1622 mit der zustimmenden Erklärung der Türken bei Bethlen Gabor an, worauf dieser, der Jägerndorfer und Ruesdorf zu Friedrich V. sandten, Ruesdorf traf im Januar 1623 im Haag ein berichtete Thurns Verhandlungen in Konstantinopel. Die im Sommer eingeleiteten Bewegungen Mansfelds und des Halberstädters wurden am 6. August 1623 durch dessen Niederlage bei Stadtlohn vereitelt.

26.) Die türkische Unterstützung sollte zu Land und zur See erfolgen. Bethlen Gabor und Mansfeld hatten Venedig ermahnt, mit ihrer Flotte zu verhindern, daß die spanische Armada Apulien, Zengg (südwestlich von Fiuma) oder Fiuma bedrohe, wenn die türkische Flotte in den Golf von Neapel einlaufe. Das türkische Landheer solle stets in der Nähe der mittelländischen Küste bleiben. Graf Thurn berichtete, daß in Griechenland bereits Anordnungen getroffen seien, den Türken schwere Artillerie mit Munition auf dem Mittelmeer zuzuführen, diese träfen an der Grenze die nötigen Vorbereitungen, bis Gabor das Feuer in Polen, den Aufstand in Böhmen und Österreich entfacht und den Kurfürsten von Bayern unterdrückt habe. Dann wolle Gabor mit einem Teil des ungarischen, mit dem ganzen Mansfeldischen und Halberstädtischen Heere auf Italien vorgehen, so daß gleichzeitig die türken, Venezianer, Mansfeld mit Savoyen und dem unkatholischen Teil der Schweiz Spanien in Italien angreifen. England wolle neutral bleiben, bis die Heirat vollzogen sei *11) und die Spanier die Pfalz wieder an Friedrich V. zurückgegeben hätten. Dann aber wolle England mit den Holländern die die Spanier in den Niederlanden angreifen und so beschäftigen, daß sie mit sich selbst genug zu tun hätten, geschweige denn, das Haus Österreich zu retten und gleichzeitig sich in Italien zu verteidigen.

27.) Die genannten Personen reisten nach dem Haag, nach Ungarn, Venedig, Savoyen, Frankreich, England, Dänemark, Schweden, Polen, bis in die Schweiz, nach Württemberg, Straßburg, Basel, Nürnberg, Wien, Berlin und in die übrigen Städte. Man solle auf sie, insbesondere auf den pfälzischen Falknermeister Phillip achtgeben; dieser handle angeblich mit Falken und vernähe wichtige Briefe, die man der Post oder kaufmännischen Geschäftsbriefen nicht anvertrauen wolle, in dem Handschuh, auf dem er die Falken trage. 1623 sei er auf dem Deputationstage in Regensburg gewesen und habe Schreiben von dort, von Ansbach und Stuttgart an Friedrich V. überbracht.

28.) Der englische Resident Trumbul habe in vielen Schreiben, in denen er sich mit „de la Fontaine“ oder mit „de la Haye“ unterzeichnete, wöchentlich nah Heidelberg berichtete und sich gehässig gegen den Kaiser ausgelassen. Der gleiche Geselle sei der Heidelberger Hofgerichtsrat Lemminger, der Ende 1621 zu Friedrich V. nach Prag gereist sei und über die Huldigung der Oberpfalz auf den Kaiser, die Stärke der dortigen Garnisonen, sowie darüber berichtet habe, wer von den Beamten im Amt verblieben sei, unter welchen Bedingungen und in welcher Absicht. Friedrich habe Lemminger zum Schein aus seinen Diensten entlassen, worauf sich dieser zu seinem Bruder, dem Regimentsrat in Amberg begeben habe. Beide Brüder *12 würden sich gut bayerisch „geberden“ und sich neben dem Kanzler Dr. Petsch, den Räten Dr. Ulrich und Dr. Heber zu keinem anderen Zweck in Amberg aufhalten, als um über alle Vorgänge in der Oberpfalz und im Reich auf dem Wege über Nürnberg an Friedrich V. zu berichten.

29.) Der Postmeister in Frankfurt habe durch Kanzleipersonen in Aschaffenburg den Schriftwechsel erfahren, den Kurfürst Maximilian von Mainz aus mit verschiedenen Fürsten gepflogen habe, und den Inhalt an Friedrich V., Mansfeld, den Halberstädter, an Moritz von Oranien, den Markgrafen von Durlach, den Landgrafen Moritz von Hessen, die Räte Faber, Paul in Stuttgart, Brederode in Straßburg, Camerarius in Bremen und an andere Feinde des Kaisers in Berlin, Prag, Nürnberg und anderen Orten mitgeteilt. Backofen, Dr. Bosch, Lingelsheim, Güfen und andere würden ihm Vorschub leisten. Er unterhalte auch vertrauliche Verbindungen mit dem Generalpostmeister in Brüssel und beziehe deshalb von der Union eine jährliche „Bestallung“. Er erfahre viel, weil er bei den Papisten Kredit habe und von diesen für einen Katholiken gehalten werde. Friedrich V. habe ihm eine goldene Kette und einen Gnadenpfennig geschenkt, behandle ihn, wie aus einem Schreiben an den Statthalter Pfalzgraf Johann und die Räte in Heidelberg hervorgehe, sehr aufmerksam und habe befohlen, ihn bei gute, Wille zu erhalten, da er ihm schon ansehnliche Dienste geleistet habe und noch leisten werde.

30.) Der Sekretär Erkenbrecht, Samuel Weiß und der von Berndorf seien zu beobachten. Erkenbrecht sei bei Mansfeld in Hagenau und nach dessen Abzug aus der unteren Pfalz ein Kommissär bei General de Beer zu Mannheim und Frankenthal gewesen und 1623 zu den pfälzischen Korrespondenten gereist. Dabei verändere er die Kleider und gebe sich bald für einen Franzosen, bald für einen Engländer aus. Er sei von Sinsheim in der unteren Pfalz gebürtig. Samuel Weiß sei in Bern geboren, von Mansfeld nach Savoyen, Frankreich, Holland und in andere Länder gesandt und zum Direktor des Mansfeldischen Kriegswesens ernannt worden. Die ganze Korrespondenz in Deutschland sei ihm unterstellt. Berndorf sei zu Gabor und nach Ungarn gesandt worden, um die türkische Hilfe zu befördern.

***

Aus der schwarzen Liste erfahren wir, daß die Agenten Friedrichs V. Verbindungen von Schweden bis Venedig und Turin, von London und Paris bis Konstantinopel unterhielten, um Friedrichs Sache, dem sie sehr ergeben waren, zu fördern. Andererseits beweist sie den vorzüglichen Nachrichtendienst, den die Gegenpartei eingerichtet hatte.

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1. Heidelberg war seit dem 19. September 1622 in den Händen Tillys

2. Gabriel Lingelsheim war seit 1594 Pfleger in Heimburg in der Oberpfalz, sein Vater war Lehrer Friedrichs IV.

3. Frhr von Tschernembl war Führer der Protestanten in Oberösterreich, flüchtete nach dem Einmarsch Maximilians in Oberösterreich in die Oberpfalz, dann nach Württemberg, Heidelberg und endlich nach Genf. er kam vor 1620 wiederholt zu Fürst Christian zu Anhalt nach Amberg.

4. Agent Brederode war möglicherweise ein Sohn des gleichnamigen Grafen, des Hauptes der verbündeten niederländischen Adeligen, der 1567 nach dem Mißlingen des Aufstandes sich nach Emden absetzte und 1568 im Schloß Harndorf bei Recklinghausen starb. – Der Halberstädter war Prinz Christian von Braunschweig. Er war 1599 geboren, wurde Administrator des Bistums Halberstadt, schwärmte für die Gemahlin Friedrichs V. und kämpfte für diesen gegen den Kaiser. Er wurde am 20. Juni 1622 von Tilly bei Höchst geschlagen, zog mit Mansfeld zu Moritz von Oranien, besiegte am 22. August 1622 die Spanier bei Fleurus, wo er den linken Arm verlor. Dann erschien er wieder in Westfalen, wurde von Tilly am 6. August 1623 bei Stadtlohn geschlagen, entkam wieder zu Moritz von Oranien, reiste nach England und trat in dänische Dienste, in denen er 1626 starb.

5, Schlammersdorf war 1610 Stallmeister in Anhaltischen Diensten, wurde 1615 Landrichter in Auerbach, erhielt 1621 unter Mansfeld ein Regiment z. F., stand 1624—26 als Oberst in dänischen Diensten, war 1631 Amtmann in Neustadt a. Aisch, wurde 1631 schwedischer General, trat 1632 in Nürnberger Dienste, maßte sich 1633 den Besitz von Neuhaus a, Pegnitz an, machte 1634 die Schlacht bei Nördlingen mit und starb 1637. Wolf von Wildenstein war bis 1621 Pfleger in Pleystein, betätigte sich dann in Werbungen für Friedrich V. trat 1628 in dänische, 1630 in schwedische Dienste, wurde am 10. März 1632 bei der Einnahme Bambergs durch Tilly gefangen, ausgetauscht und starb am 30. November 1632 in Naumburg, vermutlich an Wunden die er am 16. Bei Lützen erhalten hatte. Seine Frau war eine Schwester des Landmrschalls Fuchs von Winklarn. Fuchs Hans Friedrich von Wallenburg wurde 1619 Landmarschall, sandte 1622 von Nürnberg Kundschafter in die Oberpfalz, verkaufte 1628 bei Beginn der Gegenreformation Winklarn, Schönsee und andere Güter um 200.000 fl. An Herrn von Weichs, zog 1629 nach Regensburg; 1633 war er beim Feind. Seine erste Frau war eine geborene von Crailsheim. 1643 war er nicht mehr am Leben. Landrichter Phillipp Jakob von der Grün auf Weihersberg starb 1625 und hinterließ eine Witwe Sabina Elisabeth mit 8 Kindern.

6. Dessen Sohn Friedrich Spanheim wurde 1626 Professor der Philosophie in Genf, 1633 Rektor der dortigen Akademie.

7. Der Landsasse von Hundt auf Thumsenreuth kämpfte wie Peblis 1610 im Elsaß, trat 1631 in schwedische Dienste und starb 1637.

8. Gabor schloß jedoch am 18. November 1623 einen Waffenstillstand, dem nach langen Verhandlungen am 8. Mai 1624 der Friedensschluß flgte.

9. Österreich versuchte, sich durch die Besitznahme des Veltins eine bessere Verbindung zwischen Mailand und seinen deutschen Landen zu schaffen. Mit Unterstützung Frankreichs behauptete Graubünden das Veltlin.

10 Gabor unternahm im Herbst 1621 Beutezüge nach Mähren.

11. Der englische Kronprinz sollte mit einer Tochter Phillips III. von Spanien vermählt zu werden.

12. Sie stammten aus Kulmain in der Oberpfalz.

Geschichte von Lengenfeld

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Geschichte von Lengenfeld und seiner Schulorte

Von Franz Federhofer

Auf „Lengenfelder“ stoßen wir in der Geschichte schon im Jahre 1191. In diesem Jahr treten die Brüder Heinrich und Sifrid von Lengenfeld im Kloster Ensdorf als Zeugen auf und mit ihnen ihr adeliger Nachbar Wirnto von Plankenstein. Plankenstein liegt bei Deusmauer. Heute ist der Berg, der die noch schwach erkenntlichen Ruinen trägt, mit Hochwald bewachsen. Wieder 1240 wird unter den hohenfelsischen Dienstleuten ein Plebanus von Lengenvelt genannt. Zu dieser Zeit hatten die Hohenfelser die Herrschaft Helfenberg inne. Wieder wird Lengenfeld in der Geschichte erwähnt, als 1310 Albrecht von Frickenhofen dem Kloster Pielenhofen, eine Stiftung der Hohenfelser, ein Gut in Irnsing übergibt. Davon mußte das Kloster den Sundersiechen zu Lengenfeld unter Helfenberg 5 Schilling Pfennige reichen, die später auf 25 Kreuzer angesetzt wurden. Die Sundersiechen sind die wegen ihrer ansteckenden Krankheiten abgesonderten Kranken. Um 1371 saß Ludwig von Mendorferbuch als Helfenbergischer Vasall zu Lengenfeld. Seine Hube zu Umelsdorf verkaufte er an das Kloster Kastl. Im Jahre 1378 vermachten Konrad der Mendorfer und seine Söhne Ulrich und Heinrich ihre zu Lengenfeld unter Helfenberg gelegene Mühle dem Gotteshaus zu Allersburg zum ewigen Lichte. Der Pfarrer soll aus der Mühle 60 Pfennig zu einem Jahrtag erhalten. Er soll drei Messen für den Stifter und seine beiden Gemahlinnen Kunigund und Sophie und für Friedrich den Richter zu Hohenburg lesen. 1380 lernen wir Hans Geberstorfer zu Lengenfeld kennen. Er ist Inhaber des adeligen Sitzes dortselbst. 1380 kauft er en vierten Teil eines Gutes zu Mühlhausen bei Kastl. 1399 saß Werner der Kuttenauer zu Lengenfeld auf dem Edelsitz des Otto von Adertshausen. Nach dessen Tod im Jahr 1405 erhielt Heinrich der Döllwanger das Herrenhaus zu Herzogen-Lengfeld. 1409 verschaffte Kunigund die alte Smidin von Adel, zur Frühmesse in Lengenfeld eine Gült zu Krondorf.

Diese Frühmesse wurde wie die Pfarrei von den Helfenbergern gegründet. Die Frühmesse ging durch die Reformation zugrunde. Um 1412 finden wir wieder Hans den Geberstorfer zu Lengenfeld seßhaft. 1423 ist Werner Kuttenauer als Lehensmann des Abtes von St. Emmeram gemeldet. Der oben genannte Heinrich Döllwanger (Talbanger) erwarb 1407 auch das Schloß in Adertshausen. Als er 1427 starb brachte seine mit Mathes Scharfenberger verheiratete Tochter diesem die beiden Edelgüter zu. Zu Lengenfeld hatte der neue Gutsherr Beständner. 1431 treffen wir auf weitere Lengenfelder Familien, die dem Adel angehörten. Ruger der Rütlinger zu Lengenfeld war in diesem Jahr Bürge und Siegler für Hans Härtl von Günching. 1442 bestätigte Pfalzgraf Johann dem Stefan Lemmel von Lengenfeld die Burghut bei dem Schlosse, wie sie der Kuttenauer hatte. 1449 sagte Christoph Scharfenberger, der Sohn des Mathes, als Diener des Markgrafen von Brandenburg, der Stadt Nürnberg ab. Im Jahr 1453 teilten die Brüder Heinrich und Christoph von Scharfenberg die von ihrem Vater hinterlassenen Güter. Christoph erhielt den Sitz zu Lengenfeld. 1455 war Christoph Pfleger zu Hohenburg und kaufte dort vom Bruder den zum Schlosse Adertshausen gehörigen Hof Raversdorf, dann auch den Sitz Adertshausen um 350 fl. Christoph wurde später Kastner zu Nabburg und Richter zu Kastl. 1493 starb er.

Nach dieser Zeit treffen wir mehrere Besitzer zu Lengenfeld so die Bechel, die Itelhofer, die Rebhan, die Kastner und Hans Erlbeck. 1605 zahlte Kaspar Neumeier von Lengenfeld den Landsassenabtrag. Inzwischen hatte in Lengenfeld die Reformation Eingang gefunden. Von 1540 bis 1590 waren dort lutherische Pfarrer. 1591 zieht mit dem Pfarrer Andre Schütz der Kalvinismus in den Ort. 1625 kam Kaspar Schreiber als katholischer Pfarrer wieder nach Lengenfeld. Der Gutsbesitzer Hans Christoph Neumeier mußte als Kalvinist 1631 das Gut verlassen, bekam es aber bald wieder zurück, binnen 85 Jahren mußte Lengenfeld viermal den Glauben wechseln. 1633 brannten die Schweden das Dorf nieder, plünderten und zerstörten die Kirche und verjagten den katholischen Pfarrer. Erst nach 63 Jahren wurde die Kirche wieder aufgebaut. 1682 erhielt Johann Ludwig von Freudenberg den Edelsitz Lengenfeld zu Lehen, sein Nachfolger, der Herr von Hallerstein, verkaufte den Sitz zu Lengenfeld — seit 1380 pfälzisches Lehen — an die Grafen Tilly zu Helfenberg, die 1724 ausstarben. 1730 stiftete Katharina Gräfin von Montfort, geborene Tilly, zu Lengenfeld ein Benefizium mit Einkünften zu Altenburg und Dürn bei Breitenbrunn, nachdem die Schloßkaplanei zu Helfenberg eingegangen war, die durch Tilly 1640 gegründet worden war. — 1796 wurde Lengenfeld von den bei Deining geschlagenen Franzosen niedergebrannt. 1801 kam der adelige Sitz mit den Zehenten in Oberbuchfeld an die Brauerswitwe Iberl. Der Kaufpreis betrug 1500 fl. Die Herrschaft Pilsach hatte in Lengenfeld 2 Untertanen.

Als Pfarrer von Lengenfeld sind bekannt: 1470 Hans Swarn, Vikar, 1591 Andre Schütz, kalvinisch, 1610 Johann Burkart, kalv., 1615 Georg Urusius, kalv., 1625 Kaspar Schreiber, katholisch, 168 Elias Bulling, 1635 Georg Dorn, 1642 Magnus Dorn, 1651 Leonhard Krapler, 1668 Thomas Wirl, 1679 Peter Michl, 1694 Richard Schenk, 1711 Johann Weißer, 1712 Franz Xaver Kleinmeier, 1750 Johann Schaller, 1775 Michl Beer, 1801 Johann B. Auerbach, der die Impfung einführte, 1823 Georg Meier, 1829 Johann B. Sammüller, 1838 Christian Ibler, 1858 Leonhard Graf. Letzterer lieferte uns eine Geschichte der Grafschaft Helfenberg.

Harenzhofen. Westlich von Lengenfeld liegt das Dorf Harenzhofen. Es zählt 19 Häuser. Die Filialkirche zu St. Egidius wurde 193 erbaut. Hier lebte auf einem Gut ein adeliges Vasallengeschlecht der Herrschaft Helfenberg. Das Geschlecht der Harenzhofer begegnet uns urkundlich schon im 13. Jahrhundert. 13116 wird uns ein Heinrich der Hornungshover als Schultheiß zu Neumarkt gemeldet. Um die gleiche Zeit veräußerten die Braun von Rotenfels ihre Güter zu Harenzhofen an den Pfarrer Herrmann Kammerer zu Traunfeld. Damit wissen wir, daß Harenzhofen zu dieser Zeit schon ein größerer Ort war. 1346 stoßen wir auf Heinrich den Mairhover, der sich gleichfalls von Harungshoven schreibt. Als weitere Einwohner von Harenzhofen begegnen uns zu dieser Zeit Bolcholt und Ulrich der Propst, Helfenberger Vasallen. Harenzhofen begegnet uns auch unter dem Namen Harrlandshofen. Ein Heinrich Propst zu Harrungshofen wird uns 1349 beurkundet. Die Ehrenfelser zu Helfenberg hatten in Horrnungshofen Zehentpflichtige. 1373 verpfändete Hans der Ehrenfelser von Helfenberg den Zehent zu Harenzhofen dem Pfalzgrafen Rupprecht. Ein Gut zu Harenzhofen, das dem Konrad Schmid von Pilsach gehörte verkaufte dieser 1422 an Ludwig Reicharten, de des Herzog Johann zu Neumarkt Schreiber war. Nach Erbauung der Kirche soll der Ort eine Zeitlang den Namen Herrgottshofen getragen haben, vermutlich eine Änderung des Namens, den der böse Volksmund den Harenzhofern ob der vielen entstandenen Schwierigkeiten des Kirchenbaues beigegeben hat. — In der Nähe von Harenzhofen lag vor Zeiten der Amertshof.

Der Matzenhof, in der Pfarrei Günching gehörte zum Pflegamt Helfenberg. Der Matzenhof mit seinem umfassenden Besitz ist einer der ältesten Höfe der Gegend.

Ostermühle, liegt eine Viertelstunde südlich von Lengenfeld und ist aus neuerer Zeit. 1841 wurde die Mühle aus den Steinen der Schloßruine Helfenberg nahezu neu aufgebaut. Bei der Ostermühle erhebt sich der Herzogsberg. In der Nähe dieser Mühle lag vordem das Gut Kappenhart, die Hart genannt.

Ramersberg, liegt eine Viertelstunde südwestlich von Lengenfeld auf einer Anhöhe. Die Kirche ist St. Nikolaus geweiht. In Ramersberg befand sich ein Edelsitz, dessen Besitzer von Adel waren und sich Ramersberger nannten. Schon 1191 begegnet uns Pilgrim von Ramersberc als Zeuge in Ensdorf. 1230 finden wir Heinrich der Reminsperger bei einer Schenkung der Herren von Parsberg an das Kloster Ensdorf beurkundet. Wieder in einer Parsberger Urkunde begegnet uns ein Konrad von Reymarsberg und sein Bruder Ulrich im Jahr 1292. 11303 steht dieser Ulrich von Reymarsberg unter Parsbergischen Dienstleuten. Ramersberg gehörte demnach zum Parsberger Territorium. Dieser Ulrich hinterließ einen Sohn Ulrich von Reymarsberg. Dessen Witwe Geut die Reimarsbergerin verkauft 1336 mit Zustimmung ihres Sohnes Luipold ½ Pfund Heller aus ihrem Gut zu Leutenbach an das Kloster Seligenporten. Aman der Reumarsberger lebte um 1310 als adeliger Bürger zu Neumarkt. Einen Chunrad von Rämersberg treffen wir 1342 als Vasallen der Herren von Helfenberg. Chunrad führte den Titel Herr, war Ritter und hatte umfassende Besitzungen. 1343 fungierte er als Zeuge und 1365 vergleicht er sich mit dem Kloster Kastl wegen eines Baumgartens zu Pilsach. Noch 1368 siegelte Chunrad der Rämersberger von Calmüntz für Peter von Ehrenfels zu Helfenberg. 1398 schreibt sich ein Herr Friedrich des Rämersberger Geschlechtes „von Calmüntz.“ — Zu Ramersberg hatte das Kloster Waldsassen viele Zehentrechte. Der Ort war ehedem in 2 Pfarreien aufgeteilt. Der vormals Helfenbergische Teil gehörte in die Pfarrei Lengenfeld, und der zur Grafschaft Velburg gehörige Teil gehörte zu Oberweiling.

Der Schwaighof, ein Einödhof zu Füßen der Ruine Helfenberg, war ehedem der Herrschaftliche Viehhof. 1332 bestimmten die Herren von Ehrenfels zu Helfenberg: „daß auf dem Schwaighofe von den pesten ihrer Leute 8 Pfund Pfennige an arme Leute; die Conrad von Hohenfels mit Raub und Brand, mit Steuern oder Vanchnuzze (d. i. mit Erpressung oder Gefangenschaft) beschädigt hat, verteilt werden sollten.

Diese 8 Pfund Pfennige hatte das Dorf Lengenfeld bei Amberg zu leisten. — 1730 verkaufte Katharina Gräfin von Montfort den Schwaighof samt den Jägerhaus um 1500 fl.

Amertshof, hieß ehedem ein bei Harenzhofen gelegener Einödhof. Der Name hat sich in der Bezeichnung der Feldflur erhalten. Im 30jährigen Krieg wurde der Amertshof niedergebrannt und nicht wieder aufgebaut.

Gugghof, bei Lengenfeld erlitt das gleiche Schicksal. Zwar wurde der Gugghof im 30jährigen Krieg nicht von Grund auf zerstört, doch er wurde nicht mehr nach der Ausrottung der Besitzer verwaltet. Äcker und Waldbesitz wurden aufgeteilt.

Helfenberg Bei Lengenfeld erhebt sich der weithin sichtbare Schloßberg Helfenberg, der auf seinem Rücken weitläufige Überreste einer Burg zeigt. Der Unterbau ist noch erhalten und weist gewaltige Ausmaße auf. Zur Herrschaft Helfenberg gehörten: Lengenfeld, Harenzhofen, Deusmauer, Günching, Krondorf, Wiesenacker, Richthofen, Albertshofen, Prönsdorf, Bernla, Reichertswinn, Kirchenwinn zum Teil, Kleinalfalterbach, Hilzhofen, Habertshofen, Dürn, Lampertshofen, Ostermühl, Schafhof, Bogenhof, Richthof Matzenhof, Hennenhof, und Ollertshof, dann 4 Untertanen in St. Colomann, einer in Freischweibach, und 4 in Engelsberg. In früheren Zeiten bildete diese Herrschaft einen Teil der Grafschaft Velburg, deren letzter Inhaber, Graf Ulrich, 1198 die Veste und die Herrschaft Helfenberg dem Regensburger Bischof schenkte. Im Jahr 1198 trug Wirnto von Plankenstein Helfenberg zu Lehen. Wirnto war ein Verwandter des Grafen Ulrich und war Besitzer von Plankenstein. Der Plankensteiner trug einen bedeutenden Namen. Er fungierte als Zeuge im Kloster Ensdorf und begleitete 1224 seinen Herrn, den Bischof von Regensburg, nach Straubing, wo der Herzog von Bayern mit dem Bischof einen Vertrag abschloß. Nicht lange behielten die Regensburger Bischöfe Helfenberg. 1232 vertauscht Bischof Sigfried die Herrschaft Helfenberg gegen die Herrschaft Falkenstein an Conrad den Hohenfelser um ein Aufgeld von 100 Pfund Regensburger Pfennige.

Die Herrschaft Helfenberg grenzte an die Grafschaft Hohenburg. Bei diesem Verkauf erfolgten einige Zuteilungen von Orten und Ortshälften, was man in der späteren Festlegung der Diözesan- und Pfarrgrenzen noch als Richtung gebend verfolgen kann, wie die Zuteilung von Engelsberg, Richthofen, Albertshofen zur Regensburger Diözese, wie die Teilung des Ortes Prönsdorf in 2 Pfarreien und Diözesen. Der Bischof scheint deshalb Helfenberg den Hohenfelsern verkauft zu haben, weil er selber aus dem Hohenfelsischen Vasallengeschlecht „von Sallern“ stammte.

Wappen der Hohenfelser von Helfenberg

Das Hohenfelser Geschlecht war ein berühmtes, aber auch ein berüchtigtes Geschlecht. Schon 1249 stand anläßlich der Klostergründung Seligenporten durch Gottfried von Wolfstein und dessen Gemahlin Adelheid von Hohenfels Konrad von Hohenfels und sein Vasall Ruger von Helfenberg, der Sohn Wirntos von Plankenstein Zeuge. Im Jahr 1256 kam Helfenberg an die Ehrenfelser. Ein Zweig der Hohenfelser, dem bei der Teilung die Herrschaften Ehrenfels und Helfenberg zugefallen waren, nahm den Namen Ehrenfelser an. Wir finden ja häufig in jener Zeit, daß adelige Geschlechter je nach wechselnden Besitzungen auch ihren Namen wechselten. Nun spielt bei dieser Namengebung allerdings ein anderer Grund die größere Rolle als der Grund der Teilung. Es ist auffallend daß die beutende Feste Ehrenfels vor dem Jahr 1256 unter diesem Namen überhaupt nicht vorkommt. Da spielt folgendes Ereignis herein. Konrad III. von Hohenfels stand m Dienste des Bischofs Albert I. von Regensburg. Dieser Bischof lebte mit dem deutschen König Konrad in Feindschaft. Der Hohenfelser faßte nun den Entschluß — ob mit oder ohne Wissen des Bischofs ist unbekannt — den König, der im Dezember 1250 nach Regensburg gekommen war und im Kloster St. Emmeram Quartier genommen, zu ermorden. Mit 6 seiner Gesellen schlich er nun in das Schlafgemach und erstach — einen Diener des Königs, der die königliche Schlafstätte eingenommen hatte. Der Mörder floh aus der Stadt und seine Gesellen verbreiteten die Sage, der Hohenfelser sei auf der Flucht von einem Blitz getötet worden. Tatsächlich lebte der Hohenfelser sicher und ruhig bei der damals im deutschen Reich herrschenden Verwirrung auf einer der vielen Burgen seines Geschlechts. Nach dem 1254 erfolgten Ableben König Konrads gab es in Deutschland lange Zeit kein Reichsoberhaupt, so daß der Hohenfelser wieder im Land sich halten und als Herr von Ehrenfels zu Helfenberg und Ehrenfels wieder in Erscheinung treten konnte. Konrad der Ehrenfelser begegnet uns tatsächlich zwischen 1256 und 1286 sehr häufig in Urkunden. Für die Feste Helfenberg bestellte er eigenen praepositus oder einen Probst, als solcher uns um 1264 ein Gottfried praepositus von Helfenberg überliefert ist. Des Gottfried Nachkommen hatten lange Zeit dieses Amt inne. Sie nahmen deshalb sogar den Geschlechternamen Probst an, unter dem sie heute noch fortleben in Familien– sowie in Hausnamen. Als eine der letzten Funktionen des Konrad von Ehrenfels stellen wir fest, daß er am 30. Juli 1277 genehmigt, daß der zur Herrschaft Helfenberg gehörige Dienstmann Wirnto von Frickenhofen, dem Kloster Pielenhofen eine Schenkung mache. Unser Konrad (I.) starb 1286 und hinterließ als seine Söhne: Konrad den II., der uns später als Probst zu St. Johann zu Regensburg begegnet, ferner einen Sohn Heinrich (den I.) einen Sohn Konrad II., der Pfarrer in Wiesenacker war, und einen Sohn Konrad IV. den Jüngeren. Heinrich I. und Konrad der IV. begegnen uns in Urkunden von 1286—1317 und von 1288—1326. Am 21. Juni 1304 verkaufen die beiden Brüder Heinrich und Konrad der Jüngere von Ehrenfels dem Pfarrgotteshause zu Illschwang ein zur Herrschaft gehöriges Gut zu Nörtershofen (Natershofen) bei Lauterhofen. 1319 gibt ein Ulrich, Probst zu Helfenberg, dem Neumarkter Spital ein Gut in Waikenhofen. Sein Bruder Heinrich war Schultheiß zu Pfaffenhofen, deren dortige Feste Heinrich den Ehrenfelser für seine Dienste gegen Österreich (1313) im Jahre 1315 zugeteilt erhielt. Heinrich I. von Ehrenfels starb 1317 und hinterließ von einer unbekannten Gemahlin einen Sohn Heinrich II., einen Conrad V. und eine Hedwig, die als Klosterfrau in Pielenhofen lehrte. Conrad IV. ging unter die Raubritter und starb 1326 ohne Kinder. Heinrich II. begegnet uns von 1320—1349. 1320 ist er als Bürger zu Neumarkt beurkundet. Es war gebräuchlich, daß der Adel Bürgerrechte in Städten annahm, die von König Ludwig dem Bayern besonders bevorzugt waren. Von Helfenberg wird uns 1326 berichtet, daß Gottfried Pawaer aus den Frickenhofer Geschlecht auf Helfenberg saß und einen herzoglichen Hof in Altenveldorf zu Lehen trug. Heinrich selber am 20. Februar 1332 mehrere Güter der Herrschaft Helfenberg an Ulrich den Sinchinger (Gleich Günchinger). Im gleichen Jahre veräußerte Heinrich seine Stammburg Ehrenfels an Ludwig den Bayern und nahm hierauf seinen Wohnsitz auf Helfenberg. Am 11. November 1332 geben die beiden Brüder 8 Pfund Pfennige aus dem Dorfe Lengenfeld bei Amberg „nach ihrer Leute zu Helfenberg Rat“ an jene Personen zur Verteilung, die ihr verstorbener Vetter Conrad IV., der bekannte Raubritter mit Raub und prant, mit Steuren (Erpressungen) und Vanchnuzze geschädigt hat. 1333 begegnet uns Heinrich von Ehrenfels als bischöflicher Pfleger zu Hohenburg. Aus dem Verkauf der Feste Ehrenfels, aus der Abtretung von Gütern und aus der Annahme von Pflegerstellen ersehen wir, daß das so mächtige und reiche Geschlecht in Verarmung geriet. 1340 heißt Heinrich „zu Helfenberg gesessen“.

Nachmals begegnet uns als Helfenberger Burgvogt Ulrich der Frickenhofer, der am 16. April 1342 Güter zu einer ewigen Messe zum Kloster Seligenporten schenkt. Sein Her Heinrich von Ehrenfels begibt sich des Gerichts auf diesen Gütern. Am 13. April 1344 verleiht der Eichstätter Bischof Albrecht von Hohenfels dem Kloster Pielenhofen die in der Herrschaft Helfenberg gelegene Pfarrei Wiesenacker. Bisher stand dem gestrengen Ritter Heinrich von Ehrenfels, gesessen zu Helfenberg, das Patronat zu. Am 24. April verzichtet er auf dieses ihm zustehende Recht zu Gunsten des Klosters Pielenhofen, wozu auch seine Gemahlin Adelheid die Einwilligung gibt. Aus dieser Hergabe haben sich allerdings sehr bald Zwistigkeiten ergeben. Das Kloster hatte nämlich den Kirchensatz zurückgegeben, worauf Heinrich am 13. Mai 1345 nochmaligen Verzicht beurkundete und 300 Pfund Pfennige zu bezahlen versprach, so er die Schankung je anfechten würde. — Heinrich hinterließ 2 Söhne Peter und Johann. Johann heiratete 1358 Dorothea von Wolfstein, die ihm 1000 fl. zubrachte. Peter und Hans waren besonders dem Kloster Engelthal zugetan. 1359 eignen dem genannten Kloster 3 Teile des Zehents zu Weizenhofen. Zu dieser Zeit lebten Ulrich der Probst und Ernst der Kuttenauer als Ehrenfelsische Diener auf der Burg Helfenberg. Mit Kastl gerieten die Ehrenfelser zu Helfenberg des öfteren in Streit. Besonders heftig gestaltete sich dieser im Jahre 1364, als das Kloster Kastl und die Ehrenfelser bezüglich des Besitzes der Mitter– und Göhrenmühle zu Wiesenacker in Streit gerieten. In den folgenden Jahren scheinen die Ehrenfelser in weitere Bedrängnis gekommen zu sein. Am 11. November 1368 verkauften Peter von Ehrenfels und seine Gemahlin Ibilis ihren Hof zu Krondorf um 120 Pfund Heller. 1370 verkauft Hans der Ehrenfelser seinen Hof zu Allertshof bei Helfenberg. Am 15. August 1370 verpfändete er seinen Anteil sn der Feste Helfenberg nebst den Kirchensätzen zu Lengenfeld und Günching um 1046 Pfund Pfennige an den Pfalzgrafen. Da den Ehrenfelser die Verpfändung scheinbar nicht befriedigt hatte, trug er noch im gleichen Jahr noch seine Burg der Krone Böhmen auf und erhielt sie aus den Händen Königs Karl IV. als Lehen wieder zurück.

Böhmen brachte wenig Segen in den zerrütteten Haushalt der Ehrenfelser. So war Hans genötigt am 15. August 1373 seinen Teil an Helfenberg, nämlich den Hag, den Berg mit den Vorhöfen zu Helfenberg nebst dem Anteil an den Zugehörungen zu Guntzenhofen, Plankenstein, Heilsberg, ein Hof zu Neusezz (Neuseß), einen Teil an dem Hofe zu Bernlach, einem Hof zu Lengenfeld, den Zehentanteil zu Teysenpaur, Petzersberg, Harungshofen, die Vogtei zu Oberwiesenacker an den Pfalzgrafen zu verkaufen. Peter machte es wie sein Bruder Hans und verkaufte gleichfalls an den Pfalzgrafen seinen Anteil an den besagten Besitzungen. Hans starb alsbald. Der Pfalzgraf zahlte der Witwe Anna Marschalk von Bibrach für ihre Ansprüche 1000 fl, 1380 folgte auch Peter seinem Bruder im Tode nach. — Helfenberg wurde als Eigentum der Pfalzgrafen von Pflegern verwaltet. Als solche sind uns beurkundet: 1403 Conrad von Rohrenstadt, 1404 Erhard von Rohrenstadt, 1423 Conrad der Pöllinger, 1440 Wolf von Eglhofstein, 1446 Nikl Wiggelin, 1457 Georg der Pöllinger, 1496 Heinrich Hausner, 1500 Chrstoph von Haidenburg, 1511 Hans von Thanhausen, 1527 Wilhelm Hausner, 1530 Hans von Thanhausen, 1551 Hans von Thanhausen, 1565 Christoph von Freudenberg, 1590 Johann Carl von Botzheim, 1601 Andre Stockmann, 1620 Christoph von Bischofsheim, 1626 Johann Seitz, Pflegsverwalter. — Am 30. September 1630 kommt die Herrschaft Helfenberg an den Feldherrn Grafen Tilly. Kurfürst Max I. von Bayern belohnte die Verdienste des Grafen durch Übertragung der Herrschaften Breiteneck, Hohenfels und Helfenberg. Tilly selber war nie auf Helfenberg und hat das prächtige Schloß nur einmal aus der Ferne gesehen, als er von Neumarkt nach Amberg eilte. Am 30. April 1631 starb Tilly und sein Bruder Werner, der am 12. Februar 1635 zum Reichsgrafen erhoben wurde, trat das Erbe an. Dem Werner folgte 1651 Ernst Emmerich, diesem 1694 Ferdinand Lorenz von Tilly, der 1724 als der letzte seines Stammes starb. Seine Schwester Maria Anna Katherina brachte Helfenberg ihrem Gemahl dem Grafen von Montfort zu. Nach ihrem Tode — die Grabschrift bei den Karmeliten zu Straubing trägt als Todesjahr 1746 — 1744 fiel die Herrschaft den Freiherrlichen Vettern Xaver von Haslang und Georg Sigmund von Henneberg zu. Haslang nahm für seinen Anteil 25000 fl. Mit Kajetana von Hegnenberg erheiratete 1782 der Freiherr Xaver von Seibolsdorf die Herrschaft Helfenberg. 1793 löste der Bayerische Staat die Herrschaft um 67000 fl. ein und verkaufte das unter Tilly 1699 abgebrannte und in herrlicher Pracht wiederaufgebaute Schloß im Jahre 1807 um den Spottpreis von 2420 fl. auf Abbruch, eine unglaubliche tat des Bayerischen Staates. Am Abend vor dem zum Abbruch bestimmten Tag gab es auf dem Schloß ein großes Bankett mit Ball, von dem sich das Volk lange Zeit vieles zu erzählen wußte. Im Schloßhof stand das Bildnis des Feldherrn Tilly. Der Gerichtsbezirk Helfenberg wurde 1793 zum Gericht Pfaffenhofen gelegt.

Pfleger seit Tilly waren: 1640 Johann Friedrich Keilholz, 1665 Johann Meiller, 1675 Johann Panzer, dessen Erkrankung die Veranlassung zur Errichtung der Wallfahrt Habsberg gab, 1691 Johann Velhorn, 1718 Winter, dem Wirsing und Lang folgten. 1730 Kleber, 1749 Johann Kleber, 1768 Mathias Winter, 1769 Paul Knebel, 1772 Johann Neumeier, 1776 Michel Hellzart, 1790 Wilhelm Strasser.

Die Helfenberger führten als Wappenschild ein weißes Mittelschild in rotem Felde. Ihr Begräbnis hatten sie im Kloster Kastl. Die Ehrenfelser zu Helfenberg wurden im Kloster Pielenhofen begraben.

Wettlauf um den Malefizer

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Zur Martersäule vor Raitenbuch

Von Dr. Hans Ammon

 

Am 7. Oktober 1583 — lang, lang ist’s her! — war ein großer „Augenschein“ im kleinen Kirchdorf Rackendorf bei Parsberg angesetzt, um gewisse Zehntsachen für das Kirchlein S. Moritz zwischen den einzelnen Herrschaften an Ort und Stelle zu erkunden und zu schlichten.

Bei diesem „ Augenschein“ wurden elf Untertanen der verschiedenen Herren einvernommen, darunter auch der achtzigjährige Georg Kamerl (?).

Er gab zu Protokoll:

Sei nun bei achtzig Jahren und wohne in Dettenhofen unter der Velburger Herrschaft. Vor 55 Jahren (also 1528!) habe er zwei Jahre lang einen Zehnten im Bestand gehabt, weil er damals zu Rackendorf wohnte. Diesen Zehnten mußte er nach Willenhofen auf das geistliche Kastenhaus liefern. Georg Aichamer, der alte, sei damals Zehntprobst und Wirt in Willenhofen gewesen. Er selber wisse nun nicht mehr, wieviel sein Zehnt betragen habe. Doch sei ihm noch bewußt, daß der Zehnt nach dem Kirchlein S. Moritz gehörte und aufs Schloß Lupburg. Er sei in Raitenbuch geboren; dort habe eine Marter gestanden, und er habe noch von seinem Vater gehört, der erzählt habe: Wann eine Malefiz (böse Tat) sich begeben, seien zwei Boten (aus Raitenbuch), der eine auf 1 Stunde gen Velburg und der andere gen Hohenfels geschickt worden. Die Malefizperson wurde unterdes an die Säul (Marter) gebunden. Wer eher kommen (Herrschaft aus Velburg bzw. Hohenfels), hab sie (die Malefizperson) genommen . . . “

Martersäule Raitenbuch

 

Der Bericht des alten Mannes ist aufschlußreich. Das vielumstrittene Grenzgebiet — zwischen Kurpfalz/Hohenfels und Parsberg/Lupburg, auch Velburg/Wißbeck und Jungpfalz — hatte dort diese eigentümliche Regelung getroffen, und man sieht die Narrenkappe und hört die Narrenschellen dran bei diesem Wettlauf um den Malefizer, wie man noch im alten Frankenland sagt. Die wohl schönste Martersäule aus dem Mittelalter in jener Juragegend steht noch heute fast am gleichen Ort und Kreuzweg, nur ein paar Schritte von der nun asphaltierten Straße entfernt, etwas erhöht in einer Wiese vor Raitenbuch — 1420 errichtet am Kreuzweg Hohenfels/Lupburg und Beratzhausen/ Velburg. Die alte beliebte Darstellung des Herrn am Kreuz mit Maria, seiner Mutter, und Johannes, seinem Lieblingsjünger, in Stein gemeißelt und mit gotischer Schrift! versehen, erfreut auch heute den Wanderer und Fahrer; denn es ist ein Kleinod unter seinesgleichen und man denkt ans alte Flandernlied: „Manch Kreuz am Wegesrande erglüht im Abendrot!“

Aber der berichtete Wettlauf der beiden Herrschaftsboten hat ja nur Humor – grimmigen Humor! — für die Boten und Herrschaften und gaffenden Leute, nicht für den Malefizer am Marterl dort! „Wer eher kommen, hat ihn genommen!“ So berichtet der alte Mann, der seine acht Jahrzehnte ganz im tollen 16. Jahrhundert hat leben müssen. Ob er noch einen solchen Wettlauf miterlebt hat? Raitenbuch und die Mark seiner Herrschaft war ja nicht allzugroß, und Malefizer gabs wohl nicht gerade im Dutzend. Immerhin: man war im Wettlauf einig auch bei solcher bösen Sache! Freilich möchte man wissen, was der Mann am Kreuz — an der ersten Marter der Weltgeschichte und Christenheit — von solchem grimmigen Humor und Wettlauf zweier christlicher Herrschaften um die Aburteilung eines schuldigen Menschen — in seiner Erhöhung gedacht hat! War da nicht in einer bösen Weise seine eigene Passion unter Pontio Pilato, Hannas und Kaiphas und Herodes mitbetroffen und wiederholt?

Martersäule Detail

 

Er war ja an der ersten Martersäul gewesen . . . man lese nur wieder seine Passion im Zusammenhang, und er hing zwischen zwei Malefizern seines Volkes bis zuletzt. Und was er seinen wütenden Anklägern aus dem Hohen Rat bezeugte mit dem Kreuzeswort: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ galt das nicht auch hier beim grimmigen Wettlauf um Malefizer aus Raitenbuch und Umgebung?

Nun, auch dies ist vorbei, der Wettlauf um den Malefizer dort. Aber das Marterl steht standhaft, mahnend, beschwörend auch den Menschen von heute, am Kreuzweg dort im Juraland. Die Malefizer dort werden wie anderswo im Bayernland und Westdeutschland behandelt, ohne Eifersucht der Herrschaften, ohne grimmigen Wettlauf ums Vorrecht der Aburteilung! Auch das ist doch ein Fortschritt gegen früher. Und am meisten würde sich Raitenbuch und sein Umland und der Herr an der ersten Martersäule — nun erhöht über der grimmigen Menschenrede! — freuen, wenn die böse Malefiz überhaupt absterben und aussterben könnte in Herz und Hand der Menschen! Aber bis dahin laßt uns gemeinsam bitten und beten: „All Sünd hast Du getragen, sonst müßten wir verzagen! Erbarm Dich unser, o Jesu!“

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Quelle: Staatsarchiv Amberg, Neuburger Abgabe 1911, Nr. 12809.

Aus: „Die Oberpfalz“, 1971