Kirchenödenhart wiederbesucht

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Eine einmalige Rettungsaktion für die Kirche „Maria Magdalena“ von Kirchenödenhart

Amerikaner im Truppenübungsplatz Hohenfels als Denkmalpfleger

Von Paul Böhm

Nicht weit von Schmidmühlen und Emhof liegt im Truppenübungsplatz Hohenfels das verlassene Kirchdorf Kirchenödenhart. Der ehemalige Hofmarksitz und das Geschlecht der Ettenharder, Ministerialen der Grafen von Hohenburg, fanden ihre ersten urkundlichen Erwähnungen im 12. und 13.Jahrhundert. Bekannte Hofmarksherren in Kirchenödenhart waren die Muracher, Joachim von Bertholdshofen, Christoph von Gleißenthal, die Herren von Wispeck, derer von Nothaft, die Bertholdshofener sowie die Familien Löbl und Fachenbach. Das Schloß befand sich seit 1821 in bäuerlichem Besitz. Es kam dann immer mehr und mehr herunter, da die bäuerlichen Besitzer das Geld für die aufwendigen Renovierungen nicht mehr aufbringen konnten. Bei der Ablösung im Jahre 1937 wurde bereits ein ziemlich verwahrloster Eindruck in den Bestandsaufnahmen dokumentiert. Letzter Schloßbesitzer, in der Umgangssprache auch der „Schlosserer vo‘ Enhoard“ genannt, war der Bauer Josef Achhammer.

Bei der ersten Ablösung des Truppenübungsplatzes Hohenfels im Jahre 1937-1938 wurde die damals eigenständige Gemeinde Kirchenödenhart mit 138 Einwohnern vollständig geräumt. Im Zuge der Wiederbesiedelung nach dem 2. Weltkrieg hatten 78 Menschen, meist Ostflüchtlinge, vorübergehend eine neue Heimat gefunden, die sie bereits im Herbst 1951 mit der Wiederinbetriebnahme des Truppenübungsplatzes erneut verlassen mussten. Die wenigen Jahre nach dem 2. Weltkrieg war Kirchenödenhart der Großgemeinde Nainhof zugegliedert.

Zur Kirche nach Dietldorf, zur Schule nach Emhof 

Seit urdenklicher Zeit gehörte das Dorf zur Pfarrei ins fünf Kilometer entfernte Dietldorf. Bis 1904 gingen die Kinder nach Dietldorf zur Schule, dann ins knapp vier Kilometer entfernte Emhof. Wirtschaftlich war Kirchenödenhart nach Schmidmühlen hin ausgerichtet, weil dort damals schon die lebensnotwendigen Versorgungseinrichtungen vorhanden waren.

Der Dietldorfer Kirchenpfleger und Stadtrat Josef Pritschet erinnert sich gerne an seine Kinderzeit, wie er als Ministrant zusammen mit Pfarrer Franz Xaver Schmid einmal im Monat am Sonntagnachmittag zum Gottesdienst nach Kirchenödenhart gegangen war, denn für jeden Gang nach Kirchenödenhart gab es damals schon 50 Pfennig Taschengeld vom Pfarrer.

Nur bei Übungsbetrieb ist wieder Leben auf der Dorfstraße. Schwere Militärfahrzeuge Brausen in Richtung Geishof und Matzhausen vorbei. Eine dichte Staubwolke zeichnet weithin sichtbar die Spur der Panzerstraße nach, dann ist es wieder still, denn der Ort ist seit dem Spätherbst 1951 verwaist. Nur der Kirchturm steht jetzt wieder stolz, vielleicht etwas einsam als Wahrzeichen des ehemaligen Dorfes in der Kulturlandschaft von einst.

Vom Oberen und vom Unteren Dorf sieht man nicht mehr viel. Nur noch verwilderte Obstbäume und einige, dazwischen gelagerte Häuserruinen und Kellerlöcher erinnern an das Dorf mit seinen 33 Hausnummern. Ganz verschwunden ist das im Jahre 1565 von Jörg Hektor von Wispeck erbaute Kirchenödenharter Schloß, ein stattlicher dreigeschossiger Bau mit vier Ecktürmen. An das Schloßareal und den Hofmarksitz erinnern lediglich überwucherte Bruchsteinmauerreste, mächtige Lindenbäume und die jetzt betonierte Fassung eines etwa sechzig Meter tief gewesenen Ziehbrunnens aus der Zeit derer von Wispeck. Das Wasser holte man bis zur Ablösung mit einer Kettenwinde in eisernen Schöpfkübeln nach oben. Während ein Kübel heraufgekurbelt wurde, ging der andere leer nach unten. Das Vieh tränkte man aus Dorfhüllen im Oberen und im Unteren Dorf. In ganz trockenen Zeiten mußte man das Wasser mit Kuh- und Ochsengespannen, später mit Pferdefuhrwerken aus der Lauterach in Schmidmühlen oder der Vils in Emhof nach Kirchenödenhart karren. Im Dorf gab es keine weiteren Brunnen, nur Zisternen, die mit Dachwasser gespeist wurden. In den heißen Sommermonaten sprachen die Dorfbewohner auch vom „lebendigen Wasser“, weil man in den Zisternen allerlei Getier, von Wasserflöhen bis hin zu Fröschen und Schlangen finden konnte.

Schloss Kirchenoedenhardt

Die Geschichte der Filialkirche „Maria Magdalena“

Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche datiert aus dem Jahr 1050. Im Jahr 1591 bauten die Kirchenödenharter ihre bereits 1543 abgebrannte Kirche wieder auf. Ursprünglich stand diese im Westen des romanischen Turmes. Der Neubau erfolgte an dessen Ostseite, vermutlich, um die Kirche aus dem Schloßhof herauszulösen. 1903 war der letzte Umbau der Kirche. Hierbei wanderte der Altar vom Ostende der Kirche wieder in den alten Chor im Erdgeschoß des Turmes und zwar an dessen Westwand. Den Übergang vom Kirchenschiff zum Turm bildete ein spitzer Bogen wie er auch heute noch ansatzweise zu erkennen ist. In ihrem Innern beherbergte die Kirche ein Choraltärchen mit einem beachtenswerten, seltenen Renaissanceaufbau in weißem Kalkstein aus der Zeit um 1590. Das Mittelfeld der dreiteiligen Altartafel enthielt das Relief der Verklärung Christi. An der Predella befand sich ein Relief mit den Figuren des knienden Stifters H.J. von Pertolzhofen und seiner Frau Anna aus dem Hammerherrengeschlecht der Sauerzapf mit ihrem Wappen.

Heute findet man den Kirchenödenharter Altar als Seitenaltar in der Kirche St.Jakobus in Emhof. Das Wahrzeichen des Ortes ist bis heute die romanische Kirchenruine St. Maria Magdalena mit ihrem 15 Meter hohen Kirchturm geblieben. Der Dachstuhl war im Winter 2002 in sich zusammengebrochen und mit dem zweiten Kirchenturmgewölbe eingestürzt. Das massive Kreuzgewölbe des stubenhohen Altarchores war seitdem durch Niederschläge, Schuttauflagen und Frostsprengung stark substanzbedroht. Die Mauern des seit Jahrzehnten offenen Kirchenschiffes sind teilweise eingefallen. Übende amerikanische Truppen nutzten den Altarraum als geschützte Feuerstelle. Insgesamt drohte akute Einsturz- und Unfallgefahr der „Halloween Church“, wie sie jetzt von den amerikanischen Soldaten humorig, aber respektvoll genannt wird.

Eine einmalige Rettungsaktion für die „Halloween Church“ von Kirchenödenhart! 

In einer wohl einmaligen Rettungsaktion haben sich die amerikanischen Streitkräfte in Hohenfels mit ihren Kommandeuren, Colonel Mike H. Davis (Combat Maneuver Training Center, CMTC) und Lieutenant Colonel David M. Witty (282. Base Support Bataillon) zusammen mit dem Leiter der Umweltabteilung des Truppenübungsplatzes Dr. Albert Böhm, Diplom-Geograph Bernhard Weber und Dr. Markus Perpeet vom Bundesforstamt dafür eingesetzt, diese, zu den letzten halbwegs noch erhaltenen Kirchenruinen im Truppenübungsplatz Hohenfels zu sichern.

Im Jahr 1998 war zwischen Weihnachten und Dreikönig der Lutzmannsteiner Kirchturm zusammengefallen. Einzig und allein erhalten ist noch auf dem Gelände des gesamten Truppenübungsplatzes der Kirchturm von St. Bartholomäus in Unterschmiedheim, einer ehemaligen Wegkapelle, die zur Pfarrei Hörmannsdorf zählte, sowie das Mauerwerk der Dorfkirche St. Ägid von Bergheim bei Schmidmühlen und St. Ursula von Weidenhüll, einer Nebenkirche der Pfarrei Allersburg im westlichen Teil des Truppenübungsplatzes. Nur noch die Grundmauern sind bei den Kirchen in Pielenhofen, Griffenwang und Kircheneidenfeld zu finden.

Sowohl Bernhard Weber von amerikanischer Seite, als auch Dr. Markus Perpeet vom Bundesforstamt wollen mit dieser Sicherungsmaßnahme denkmalschützerische, aber auch landschafts- und naturschützerische Elemente und Sicherheit für die übenden Soldaten gleichermaßen in Einklang bringen. Das Kirchenareal in Kirchenödenhart, wie auch der Umgriff der Lutzmannsteiner Kirche und anderer Ortszentren sind schon seit Jahren aus dem Übungsbetrieb herausgenommen.  

 Die alten Dorfstrukturen zu erhalten, ist das Ziel der Amerikaner in Hohenfels 

Etwa 90000 Euro haben die Amerikaner für den Erhalt des Kirchturmes und des Kirchenschiffes ausgegeben. Zu den ausgeführten Sicherungsmaßnahmen zählen das Aufbetonieren eines Ringankers, ein komplett neuer Dachstuhl, der Einbau und das Sichern der Zwischenböden, das Verpressen von schadhaftem Mauerwerk, Wasserableitung und Drainage, das Freischneiden und die Sicherung von Restmauerteilen des Kirchenschiffes. Ein Großteil der Arbeiten konnte noch im Spätherbst 2003 abgeschlossen werden. Am 2. August 2004 erklärten die amerikanischen Dienststellen im Rahmen einer kleinen Feierstunde die Sicherungsmaßnahme für beendet. Von einer „Good News Story“ sprach Lieutenant Colonel Steven Heber’t von Seiten der amerikanischen Streitkräfte in Hohenfels. Er bezeichnete die Kirche „Maria Magdalena“ als eine Realität, der man sich von allen Seiten mit Respekt stellt. Wenn die Amerikaner von der „Halloween Church“ sprechen, bekundet es Achtung und Respekt vor den Relikten der einstigen Kulturlandschaft inmitten des Übungsgeländes. Eine Good News Story, deren verbindender Charakter weit über die Grenzen des Übungsplatzes hinausreicht.

Ein neues Sommerquartier für die große Hufeisennase

Ziel der Kirchturmsanierung in Kirchenödenhart ist es nach langjährigen Recherchen vom Leiter des Bundesforstamtes Dr. Markus Perpeet aus Schmidmühlen, einer vom Aussterben bedrohten Fledermausart, der großen Hufeisennase ein neues Sommerquartier anzubieten. Am Rande des Truppenübungsplatzes, in Hohenburg, befindet sich auch die letzte bekannte Wochenstube dieser seltenen Nachtjäger.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist die Existenz des Truppenübungsplatzes mit seinem Insektenreichtum der wesentliche Grund für das bisherige Überleben der großen Hufeisennase in der Region, recherchierte Dr. Markus Perpeet vom Bundesforstamt in einer von ihm erstellten Studie. Kirchenödenhart liegt zwar etwas abseits von den bisher bekannten Winter- und Sommerquartieren, doch es könnte davon ausgegangen werden, dass der Kirchturm als vielleicht ehemaliges Quartier innerhalb der bestehenden Population nicht mehr fortgesetzt werden konnte.

Es kann aber auch davon ausgegangen werden, dass in der Vergangenheit die geräumigen, vielfach gekammerten Hopfenspeicherböden der Ackerbürgerhäuser, wie sie in Schmidmühlen und Hohenburg zu finden sind, Wochenstuben der Großen Hufeisennase und anderer Fledermausarten waren. Somit dürfte Kirchenödenhart noch in die engere ständige Wahl für Sommerquartiere fallen, recherchierte der Leiter des Bundesforstamtes, zumal die Attraktivität des möglichen Sommerquartiers durch entsprechende Landschaftsgestaltung, wie randlinienreiche Strukturen aus Feldgehölzen, lockeren Wäldern und buchtigen Gebüschen bestmöglich gestaltet werden kann.

Für das Dachgebälk des Kirchenturmes wurde Kernholz ohne künstliche Imprägnierungen verwendet, Dampfsperren und Isolierungen fehlen. Lattungen und Verbretterungen wurden mit unbehandeltem Fichtenholz ausgeführt. Als Bedachung wurden Tonziegel gewählt.

Kirchenödenhart renoviert Graustufen #1

Für jede Geschoßebene gibt es nur einen offenen Einflug, um Zugluft im Sommerquartier zu vermeiden. Soweit möglich soll auch der unmittelbare Ortschaftsbereich in der Sommerzeit von militärischen Übungen ausgenommen werden.

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© Die Oberpfalz, Laßleben-Verlag, Kallmünz / 5 2005

Hofmark und Hammer Rohrbach

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Von Hans Nikol

Der Ort Rohrbach ist sehr alt und wird bereits im 9. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Später gehörte er zum Herrschaftsbereich der Markgrafen von Hohenburg. Nach dem tragischen Ende der letzten Markgrafen von Hohenburg-Vohburg in Sizilien, fielen, gemäß einer im Jahre 1242 getroffenen Vereinbarung, der Ort und eine im 12. Jahrhundert dort erbaute Burg an den Bischof von Regensburg. Nach einem längeren Streit mit den Wittelsbachern wurde dann Rohrbach 1272 endgültig ein bischöflich regensburgisches Lehengut. Wenig später schon dürfte der dortige Eisenhammer entstanden sein; denn laut dem Salbuch der bayerischen Herzöge vom Jahr 1326 zinste dem officium Thurndorf neben den Hämmern Neuhaus, Pegnitz und Leidersdorf auch der Hammer Rohrbach, der demnach zu den ältesten der Oberpfalz gezählt werden kann. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts besaß ihn der Hammermeister Ulrich von Rohrbach, der auch Bürger von Amberg war. Am 19. Januar 1370 schlossen die Witwe Alheit und ihre Söhne Rüger, Jörg und Steffan, alle Bürger zu Amberg“, mit Wilhelm dem Runtinger, Großkaufmann von Regensburg einen Lieferungsvertrag für ein größeres Quantum Eisen ab.

Wie aus diesem Vertrag hervorzugehen scheint, war der Hammer zuerst ein Schienhammer, der aber später in einen Blechhammer umgewandelt worden sein muß. Denn im Jahr 1445 kaufte Hans Pachmann von Amberg diesen Blechhammer mit der Bedingung, daß er ihn als Schienhammer umbauen darf. Demgemäß verlieh am 25. 6. 1445 Bischof Friedrich von Regensburg an Hanns Pachmann „ .. . zu Erbrecht den Plechhammer und Hammerstatt, sowie die Müll zu Rohrbach an dem Pach gelegen, damit er einen Schienhammer daraus pauen und machen mag. Ferner das Lehen, welches Jorg Hammermeister inne gehabt, endlich einen Acker und ein Tagwerk Wiesmad, welche der Pewtler besaß. Dazu soll ihm werden das nötige Wasser ober- und unterhalb des Hammers ohne Schädigung der Nachbarn und das nötige Brenn-, Zimmer- und Geschirrholz aus den bischöflichen Wäldern … „. Pachmann baute den Hammer um, doch behielt er ihn nicht lange, denn bereits 1457 erscheint Conrad Knorr als Hammermeister in Rohrbach. In diesem Jahr nämlich verkaufte Ulrich Consentzer, Fischer zu Rohrbach, ihm sein Erbrecht und sonstige Gerechtigkeit am Fischlehen und Fischwasser zu Rohrbach, deren Eigentum dem Bischof von Regensburg zustand.

Conrad Knorr kam 1479 in große finanzielle Schwierigkeiten und mußte sich mit seiner Ehefrau und seinem Sohn Hans verpflichten, für ein Darlehen von 350 fl. dem Hans Aschatzhauser, Bürger und Großhändler zu Regensburg, bis zur Rückzahlung alles Eisen, welches sie in ihrem Hammer zu Rohrbach schmieden, ihm anzubieten und zu geben. Als Sicherheit stellten sie ihre Hammergerechtigkeit und das Fischlehen zu Rohrbach zum Unterpfand.

Nach Conrads Tod 1481 folgte ihm sein Sohn Hans im Besitz des Hammers, doch auch unter ihm wurde die finanzielle Lage nicht besser. Als er 1495 starb, übernahmen sein Sohn Heinrich und sein Schwager Jacob Sunlewtner den Hammer, aber auch sie kamen auf keinen grünen Zweig, sondern sie hatten dauernd mit Schulden zu kämpfen. Beider Nachfolger wurde um 1510 Konrad Knorr, der Sohn von Heinrich Knorr. Unter ihm wuchsen die Schulden derart an, daß der Hammer auf die Gant kam. Nach einer Aufstellung von 1519 betrugen seine Schulden einschließlich des Heiratsguts seiner Frau Magdalena 2 847 fl. 6 ß und 1 Pfg. Unter den zahlreichen Gläubigern wird auch ein Salman, Jude von Zedlitz, mit einer Forderung von 223 fl. für ein Darlehen aufgeführt, ferner Joachim von Pertolzhofen zu Traidendorf mit 400 fl. und 100 fl . für Zinsen, Jobst Knorr 250 fl., Jorg Plech von Amberg 354 fl., und andere. Konrad Knorr war kurz vorher ( 1519) gestorben, und nach einer Anordnung des Pfalzgrafen Johann, Administrator von Regensburg, wurde sein hinterlassenes Gut im Beisein von Johann Landtsberger, Hauspfleger und Hans Drollhofer, Geschworener des Rats zu Hohenburg, wie folgt aufgenommen und abgeschätzt:

10 Kühe in den Ställen

5 Zugpferde

5 Wägen

item in der hinteren Kammer auf dem Fletz 4 Betten mit Zugehörung

item in einer Kammer bei der Stuben 2 Betten, eins mit dem Himmel und ein anderes

An Eisen:

Schieneisen 7 112 Pfd. und 2 Schien

abpogenes Werkeisen 13 ß 12 Schien

Radeisen 14 ß Schien und 17 Schien

Gadereisen 25 Schien

10 abpogene Radschien

Gesamtwert geschätzt auf 308 fl . 16 ß 10 Pfg. Flüssige Mittel waren nicht vorhanden. In einer Gläubigerversammlung am Pfinztag nach Judica 1520 wurde der Hammer zum Kauf angeboten, aber zunächst vergeblich. Jedoch einigte man sich freiwillig, alle Forderungen um die Hälfte zu ermäßigen, so daß sich nach 3 Jahren endlich ein Käufer fand.

Am Pfinztag nach Convers. Pauli 1523 kauften Hans Pleyer, Hammermeister zu Schönhofen und Barbara seine eheliche Hausfrau den Hammer, Mühle und Fischwasser samt allen Zugehörungen an Kohlen, Bälgen, Erz, Eisenzeug und Mühlstein, soweit auf dem Hammer liegend, auch allen stehenden Hölzern mit allem Grund und Boden, wie es Conrad Knorr seel. verlassen hat. Auf Befehl des Pfalzgrafen Johannsen, Administrator des Stifts Regensburg, an Pfleger und Kastner zu Hohenburg, Hans Nothafft zum Lutzmannstein und Bartlmes Stegen als Verkäufer, samt Jobst Knorr, Hammermeister zu Hohenburg, als verordnetem Vormund der Kinder des verstorbenen Conrad Knorr, wurde dem Verkauf zugestimmt. Als Spruchleute genannt: Leonhard Grueber, Pfarrer zu Rohrbach, Heinrich Moller, Hammermeister zu Heitzenhofen, Hans Thuner, Bürger zu Regensburg. Der Kaufpreis war 1 550 fl., zahlbar mit jährlich 150 fl. von Lichtmeß 1524 an. (Siegel von Bartlmes Stegen und Wolfgang Moller von Heitzenhofen.)

Im gleichen Jahr 1523 heiratete Magdalena, die Witwe Conrad Knorrs in 2. Ehe den Jacob Behagen von Adeltzhausen, Pfleger zu Laaber, der nun ihre Ansprüche an den Käufer des Hammers vertrat. Sie forderte ihr Heiratsgut mit Widerlage, zusammen 600 fl., und die Hälfte des Inventars, ferner das Vatergut für ihr Kind. Man einigte sich mit Pleyer dahingehend, daß Magdalena die Hälfte des Inventars beziehungsweise 154 fl. 3 ß 6 Pfg., einen Teil ihres Heiratsgutes und für ihr Kind 232 fl . als Vatergut innerhalb der festgesetzten Frist von 10 Jahren erhalten solle. Hans Pleyer hielt die vereinbarten Zahlungstermine ein, anscheinend florierte das Hammerwerk zufriedenstellend. Er betrieb am Anfang auch ein kleines Eisenbergwerk auf dem „Arzberg“ bei Rohrbach und zahlte in 25 Wochen des Jahres 1524 dem Arztknappen Walthoffer und seinem Knecht zusammen 24 fl. 5 ß, ferner den Bauern für Holzfahren und dem Schmied für Arbeiten und für Eisen, Kerzen und Bretter auf dem „Arztberg“ 3 fl. 1 ß und 14½  Pfg.

Am Abend Maria Magdalena 1533 meldet Pleyer nach Regensburg wegen Abrechnung Hammer Rohrbach betreffend „ … hab bezahlt und ist die Kaufsumme umb solchen Hammer gewest 1 550 fl.

  1. hab ich bezahlt Joachim von Pertolzhofen 400 fl.
  2. Herrn Bischof zu Regensburg 100 fl.
  3. Linhard Maler, Bürger zu Amberg 160 fl.
  4. 4.Hans von Daxberg für Salmann Juden 100 fl
  5. Jobst Knorrn, Hammermeister zu Hohenburg 400 fl.
  6. Jörg und Erhard Plech, Bürger zu Amberg 160 fl.
  7. zu verzinsen an der Mess Barbara Altar zum Thumb
  8. 10 G von Jacob Behaim wegen 200 fl.
  9. zu verzinsen zu der Mess gein Amberg dem Modler gehörig
  10. mit 8 fl. Ablösung 160 fl.
  11. den Kolern an ihren Schulden am Hammer Rohrbach lt. Register 61 fl.

dazu 3 ß 11 Pfg.

Summa summarum 1 740 fl. 3 ß 11 Pfg.

Hofmark Rohrbach

Am 9. Dezember 1533 verkaufte der Bischof Johann von Regensburg, da es seit langen Jahren zwischen den Bischöfen von Regensburg und den pfälzischen Fürsten wegen Rohrbach zu Zerwürfnissen gekommen war, dieses an die Pfalzgrafen Ottheinrich und Philipp von Neuburg. Da diese aber dauernd in Geldnöten waren, konnte man mit einem baldigen Weiterverkauf an einen zahlungskräftigen Käufer rechnen. Den Hammer betrieb im Jahr 1536 der Hammermeister Leonhard Winkelmann. 1545 kam dann der Verkauf der Hofmark Rohrbach samt dem Hammer, den Gütern zu Dallackenried, mit allen übrigen Zugehörungen, Zehnten, Rechten usw. an Wolfgang Sauerzapf, Hammermeister zu Lauf „ … zur Ablegung des Gemeinen Lands Schulden . . . “ zustande. Der Kaufpreis von 1 820 fl. kann als verhältnismäßig niedrig angesehen werden.

Wolfgang Sauerzapf war ein wagemutiger und weitsichtiger Unternehmer, der bereits mehrere Hammerwerke in seinen Besitz gebracht hatte. Er ging sofort daran, den Hammer instand zu setzen und zu verbessern, auch die Hofmarksgebäude baute er aus, vor allem die Brauerei, sehr zum Ärger der umliegenden Städte und Märkte, die sich darüber bei der Regierung beschwerten. Wie seine Vorfahren war auch er ein erfahrener Eisengroßhändler, der sein Eisen, zeitweise mit eigenen Schiffen, auf der Vils und Naab nach Regensburg und von da auf der Donau nach Ulm an Abnehmer in Schwaben, Elsaß und der Schweiz lieferte. Er besaß auch Eisenerzgruben bei Amberg und spielte überhaupt eine maßgebliche Rolle in der oberpfälzischen Eisenindustrie. Nachdem er Rohrbach, seinen Wünschen entsprechend, hergerichtet hatte, verlegte er dorthin seinen ständigen Wohnsitz. Er war verheiratet mit Beatrix von Baumgarten (Tochter von Heinrich v. Baumgarten, Bürgermeister von Amberg, und Salome geb. Giesser). Sein Vater war der Hammerwerksbesitzer und Eisengroßhändler Paul Sauerzapf, Bürgermeister von Amberg, seine Mutter Anna, Tochter des Großkaufmanns Sebald Hornung von Nürnberg.

Seine Großeltern waren: Jacob Sauerzapf, Großunternehmer und Bürgermeister von Sulzbach, und Helene geb. Holzschuher aus dem berühmten Nürnberger Patriziergeschlecht.

Der glücklichen Ehe entsprossen acht Kinder, fünf Söhne und drei Töchter, allen hinterließ er ein reiches Erbe. Hofmark und Hammer Rohrbach übergab er seinem Sohn Wolfgang II„ seine übrigen Hammerwerke und Güter verteilte er an die anderen Söhne. Er starb am 10. Januar 1561 im Alter von 72 Jahren, seine Gattin Beatrix am 7. 3. 1561, 74jährig. Beide wurden in der kleinen Kirche von Rohrbach beigesetzt. Ein schönes, gut erhaltenes Epitaph erhält ihr Andenken.

Die Inschrift lautet: ‚

„Ao. Do. 1561 am Freitag nach Erhardi am 10. Monatstag Januarii um 9 Uhr vormittags starb der Ed! und vest Wolfgang Sauerzapf zu Rohrbach und Lauff seines Alters 72 Jahr, dem Gott genad. Ao. Do. 1561 am Freitag nach Reminiscere, den 7. Monatstag Martii umb 10 vormittags starb die Ed! und Tugendhaffte Fraw Beatrix Sauerzapf, gebohrne Baumgartnerin, seine eheliche Hausfrau, ihres Alters 74 Jahr, der Gott genad.“

Wolfgang II war ebenfalls ein erfolgreicher Unternehmer und Geschäftsmann, der ein beträchtliches Vermögen ansammeln konnte. Um das Jahr 1545 ging er die Ehe ein mit Anna Pötschner, deren Vater Anton hieß, ihre Mutter war eine geborne von Scharffenberg, ihre väterliche Großmutter eine geb. von Reischach. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor, von denen der Sohn Hans Melchior und die Tochter Margarethe am Leben blieben. Nach 17jähriger Ehe starb Anna Sauerzapf am 12. 2. 1562, und Wolfgang heiratete in zweiter Ehe Anna, die Tochter des Regensburger Bürgers Hans Hueber. Diese schenkte ihm drei Kinder, die aber alle jung starben. Das Verhältnis zwischen ihr und den Kindern aus erster Ehe scheint nicht besonders herzlich gewesen zu sein, deshalb errichtete Wolfgang, um nach seinem Tod einen Streit in der Familie zu verhindern und um seine zweite Frau zu schützen, am 12. 6. 1568 ein Testament mit folgenden Hauptbestimmungen:

Er wünsche sein Begräbnis in der Kirche zu Rohrbach, dann vermachte er:

  1. 100 fl. zu der Pfarr Rohrbach, mit 5 °/o zu verzinsen
  2. den armen Leuten im Siechenkobel zu Kallmünz 50 fl. mit 2 1/ 2 fl. zu verzinsen.
  3. seinen drei Brüdern Hans, Lienhard und wieder Hans je einen silbernen Becher oder je 200 fl.
  4. seines verstorbenen Bruders Heinrich (zu Schönhofen) Kindern einen silbernen Becher oder 200 fl.
  5. seiner verstorbenen Schwester, der Alkoferin Kind, einen silbernen Becher oder 20 fl.
  6. mit seiner verstorbenen ersten Frau Anna geb. Pötschnerin zwei Kinder erzeugt, mit Namen Hans Melchior und Margarethe, welche noch am Leben sind, diese erhalten nach seinem Tod das zugebrachte mütterliche Gut und aus dem unverteilten Gut 1 200 fl.
  1. der jetzigen Frau Anna geb. Hueber die Halskleider, Ketten, Ringe, Silbergeschirr, Truhen, Bett und was dazu gehört.
  1. Seine Wehr erhält der Sohn Hans Melchior.
  2. Was nach seinem Tod vorhanden ist, liegend oder fahrend, soll seiner jetzigen Hausfrau überlassen werden.
  3. Daß nach seinem Tod seine jetzige Hausfrau auf den Gütern verbleiben darf.

Siegelzeugen: Johann Bernhard Rehlinger zu Münchhausen und Aigelsbadi, fürstl. pfalzgräfl. Rat, Landrichter und Pfleger zu Burglengenfeld, Leonhard Sauerzapf zu Oberviehhausen, Kastner zu Kelheim, sein lieber Bruder, Wolff Teuffl zu Pirkensee, Forstmeister und Bastian Wolff, Castner zu Burglengenfeld.

Wolfgang II starb am 14. 6. 1570 und wurde neben seiner ersten Frau in der Kirche zu Rohrbach beigesetzt. Ein roter Marmorstein, jetzt am Leichenhaus vor der Kirche angebracht, hat neben den beiderseitigen Wappen folgende Inschrift:

Ao. Do. 1570, den 14. Monatstag Juni starb der Edl und Vest Wolfgang Sauerzapf zu Rohrbach, dem Gott genad.

Ao. Do. 1562, den 12. Monatstag Februarii starb die Edl und Tugendhaffte Hausfrau Anna geborne Pötschnerin, seine eheliche Hausfrau, der Gott genad. 

Kaum hatte Wolfgang die Augen geschlossen, fochten die Vormünder seiner Kinder erster Ehe (Joachim von Pertolzhofen und Heinrich Portner von und zu Theuern) das Testament an. Die Witwe wandte sich dagegen mit einem Schreiben an die Regierung um Beistand und Hilfe. Diese wird wohl einen Vergleich herbeigeführt haben, da die Kinder im Verhältnis zu ihrer Stiefmutter nach dem Testament benachteiligt gewesen wären, weil das hinterlassene Barvermögen bedeutend war.  

Hans Melchior, Wolfgangs II einziger Sohn, übernahm, nachdem er sein Studium an der Universität Ingolstadt (immatr. 1580) abgeschlossen und die Volljährigkeit erreicht hatte, sein väterliches Erbe und erfüllte die Lehenspflicht 1584.

Wie schon angedeutet, muß sein Vater ein beträchtliches Barvermögen hinterlassen haben, denn in den Jahren 1577 und 1579 entlehnte die Stadt Sulzbach von den Vormündern die ansehnliche Summe von 5 000 fl. zu 5 % Zins. Sulzbach war schon damals stark verschuldet, und als nach einiger Zeit keine Zinsen mehr bezahlt wurden, ging Hans Melchior klagbar gegen die Stadt vor, leider ohne Erfolg, sie war zahlungsunfähig. Noch 40 Jahre später forderten seine Söhne, sogar unter Anrufung des Kaisers, vergeblich die Rückzahlung.

1585 erbte er von seinem Onkel Hans Pötschner, dem Bruder seiner Mutter, der ledig verstorben war, drei Güter in Reichertshofen, Wiefelsbach und Wangen.

Im Jahr 1586 ließ er das noch stehende Hammerschloß in Rohrbach errichten. In den Kunstdenkmälern Bayerns (Oberpfalz Band V) heißt es darüber: „Das noch erhaltene Hammerschloß unten im Dorf, jetzt im Besitz eines Bauern, stammt von 1586. Spätgotischer, dreistöckiger Bau mit über Eck vorspringendem erkerartigem Anbau. Eingang stumpfspitzbogig, Fenster rechteckig mit vorspringenden Sohlbänken. Unter dem Gesims doppelter Zahnfries. Am Sturz des Fensters im zweiten Obergeschoß des über Eck gestellten Anbaues die Jahreszahl 1586.“

Das Hammerwerk betrieb er, wie seine Eltern und Voreltern, mit Eifer und Erfolg. Im übrigen war er eifersüchtig darauf bedacht, nichts von seinen Rechten oder Besitzungen preiszugeben, manche Prozesse weisen daraufhin. So beschwerte sich einmal der Bürgermeister und Rat von Kallmünz beim Fürsten von Neuburg, Sauerzapf habe in seiner Hofmark Rohrbach eine neue Beckenstatt errichtet, was wider die Marktgerechtigkeit gehe. Anscheinend wurde den Bäckern in Kallmünz dadurch Konkurrenz gemacht. 1599/1600 wird er verklagt, weil er angeblich dem Filialkirchlein 0in Rohrbach 10 Tagwerk Holzwachs und dazu gehörige Felder, auch 2 von den 3 zur Mesnerei gehörigen Feldern entzogen haben soll. Er aber erklärte, er könne nie eines je in Rohrbach anwesenden Pfarrers gedenken, wohl aber sei ein Pfarrhaus da, das er selbst mit schweren Kosten wieder erbaut habe. Mit dem Hochstift Regensburg hatte er wegen eines strittigen Lämmerzinses Klage, ebenso mit dem Forstmeister von Burglengenfeld. wegen 22 fl. 5 ß Stockraumgeld. Auch mit einigen seiner Hintersassen hatte er kleine Streithändel.

Im Rathaus zu Kallmünz befindet sich eine Holztafel mit den Wappen von 20 adeligen Landsassen jenes Landbezirks, darunter auch das seine mit dem Wahlspruch: Post nubila Phöbus („nach Regen folgt Sonnenschein“).

Seine Schwester Margarethe heiratete in erster Ehe Lorenz von Plassenberg, der nach kurzer Ehe 1584 starb. Darnach ging sie mit David Kastner von Unterschnaittenbach eine zweite Ehe ein (am 31. 5. 1586), nach dessen Tod 1590 heiratete sie im

gleichen Jahr in dritter Ehe dessen Bruder Hans Wilhelm, den sie auch überlebte, denn er starb 1620. Fünf Jahre später 1625 brach im Hammer Unterschnaittenbach ein plötzlicher Brand aus, bei dem sie und ihre Tochter Eva Maria sich nicht mehr retten konnten und ums Leben kamen.

Hans Melchior war verheiratet mit Margarethe Anna, Tochter des Balthasar Mendl von Steinfels zu Lintach und der Anna geb. von Merolzheim, Witwe des Johann von Mistelbach. Er starb bereits 1604 und hinterließ drei unmündige Kinder: Wolf Dominicus, Hans Albrecht und Maria Katharina, die laut Heiratsurkunde vom 27. 2. 1610 Hans Leonhard von Kemnath, Sohn des Wolf von Kemnath zu Hohenkemnath heiratete. Hans Melchiors Witwe wandte sich am 13. 1. 1606 mit einem Schreiben an den Fürsten zu Neuburg und erbat wegen des schwierigen Hauswesens für ihre Söhne Vormünder. Als solche wurden daraufhin Sebastian Wolf von Pertolzhofen auf Traidendorf und Wolf Heinrich Sauerzapf von Schönhofen bestellt. Es scheint aber, daß die Erziehung der beiden Söhne Schwierigkeiten machte, es fehlte eben die strenge Zucht des Vaters. Besonders der ältere, Wolf Dominicus, begann ein flottes Leben zu führen, dem sich dann auch der jüngere, Hans Albrecht, anschloß. Doch die Vormünder griffen dagegen nicht energisch ein. Bald war das beträchtliche Vermögen aufgebraucht, und ihre leichtfertigen Mündel begannen Schulden aufzunehmen, ja sie befaßten sich sogar mit dem Gedanken, Rohrbach zu verkaufen. Doch da griff die Regierung ein. Ohne vorherige Benachrichtigung schickte sie zur Prüfung der Verhältnisse eine Kommission nach Rohrbach, deren Bericht an das Amt Burglengenfeld noch vorhanden ist. Den Vormündern wurde scharfer Tadel ausgesprochen, Wolf Dominicus, schon volljährig, wurde streng ermahnt, eine bessere Wirtschaft einzuführen, und dem jüngeren Hans Albrecht wurde nahe gelegt, bei seiner Jugend noch in Herrendienste zu gehen, um etwas zu lernen, bevor es zu spät sei. Doch es war bereits zu spät, denn 2 Jahre später – 1618 – brach der 30jährige Krieg aus, der in seinem Verlauf auch für die Rohrbacher Linie schwere Drangsale und Schädigungen brachte. Inzwischen war auch Hans Albrecht mündig geworden, und es wurde die Frage akut, welcher von beiden Rohrbach, Hofmark und Hammer übernehmen sollte. Da aber keiner in der Lage war, den mit 15 000 fl. veranschlagten Besitz zu übernehmen und dem anderen die Hälfte auszuzahlen, entschlossen sie sich, nachdem sie eine zeitlang alles gemeinsam verwaltet hatten und dabei in Streit gekommen waren, zu teilen. Es blieb ja schließlich nichts anderes übrig, denn Bargeld war nicht vorhanden, wohl aber hohe Verschuldung. Zwar hofften sie noch, das Darlehen von 5 000 fl. an die Stadt Sulzbach, das schon ihr Vater 1589 – vergeblich durch Klage eintreiben wollte, realisieren zu können, und reichten neuerdings Klage ein, da die bis dahin aufgelaufenen Zinsen bereits die Hauptsumme überstiegen. Doch Sulzbach gab lediglich eine abweisende Antwort. Nunmehr wandten sie sich am 6. 6. 1623 mit einer Petition an den Kaiser Ferdinand II. unter genauer Angabe der von der Stadt Sulzbach ausgestellten Schuldscheine etc. Doch Bürgermeister und Rat von Sulzbach antworteten nur ablehnend und ärgerlich auf die von den Sauerzapf angeblich „übel fundierten Anforderungen“. Das war nun allerdings eine andere Reaktion als vor 45 Jahren, damals hatten die Ratsmitglieder aus Freude beim Darlehensempfang ein Weingelage veranstaltet. Wie die Sache ausging, ist nicht bekannt, doch ist anzunehmen, daß nichts dabei herauskam.

1624 wurde zwischen den Brüdern ein Teilungsvertrag abgeschlossen, demzufolge Wolf Dominicus den Hammer behielt und einen entsprechenden Teil der Landwirtschaft und der anderen Güter und Hans Albrecht die andere Hälfte übernahm. Das  Schloß bewohnten sie gemeinsam, so konnte jeder seinen Teil nach Gedünken bewirtschaften.

Hans Albrecht hatte inzwischen geheiratet. Am 28. 5. 1620 gab ihm Katharina Elisabeth, Tochter des Philipp Walter Drechsel auf Deufstetten und Wischenhofen, Ober und Unterpfraundorf und Schrotzhofen ihr Jawort, ihre Mutter war Katharina geb. von Stenzing.

Wolf Dominicus hatte schon vorher eine Bernerin von Pettendorf geheiratet. Wie das Schloß in Rohrbach damals ausgesehen hat, finden wir in einem Anschlag der Hofmark vom Jahr 1628 mit den Zugehörungen, wie sie bis dahin die Brüder  Sauerzapf genützt und genossen hatten:

„Der Oberhof – der jetzt öd steht – die Felder, die Hans Albrecht perirt. 1. Das Schloß mit 6 Stuben, 1 Fletz, 7 Kammern, 2 Küchen. 2 Getreideböden. 2 Gewölbe, 1 Keller, 2 Städl, das Mühlhaus, 2 Roß-Stallungen, sowie andere Vieh- und Schweinestallungen. Alles mit einer Mauer umgeben.

  1. Hammergerechtigkeit – denselben wieder aufzubauen und zu betreiben. 3. 1 ein Keller im Kellerhaus, kann man 7-8 Bräu Bier einlagern. Onera (Lasten): Gewöhnlicher Ritterdienst mit einem Pferd. Summe der Schätzung: 16 016 fl. 55 xr. Kallmünz, den 23. und 24. 10. 1628.“

Damals um 1628 war demnach der Hammer durch Kriegseinwirkung bereits zerstört und lag öde. Um die gleiche Zeit brachte die vom neuen Kurfürsten Maximilian von Bayern befohlene Durchführung der Gegenreformation in der ihm vom Kaiser überlassenen Oberpfalz auch für die Inhaber der Hofmark Rohrbach schwere Sorgen. Maximilian forderte von allen Bewohnern innerhalb bestimmter Frist Rückkehr zur katholischen Konfession. Wer dem nicht folgen wollte, mußte die Heimat verlassen, seine Besitzungen verkaufen, oder durch Katholiken verwalten lassen, bis ein Verkauf möglich war. Vor diese harte Entscheidung war nun auch die evangelische Rohrbacher Linie gestellt. Zwar gehörte Dorf Rohrbach zur Jungpfalz (Pfalz-Neuburg), aber Maximilians Schwager dort, Wolfgang Wilhelm, hatte nach eigener Konversion und Regierungsübernahme seit 1614 den evangelischen Kult eingeengt und ab 1617 verboten. Der jungpfälzische Nordgau um Burglengenfeld war demnach bereits 1617 rekatholisiert bis auf die Landsassenfamilien. Ihnen setzte die Obrigkeit nach dem militärischen Sieg der Liga von 1625 an zu und zwang ebenso Sulzbach, Vohenstrauß und Hilpoltstein samt Gemeinschaftsamt Parkstein-Weiden zur zeitgemäßen „Accomodation“. Hans Albrecht, schon früher standhaft mit seiner Erklärung, abgegeben 1621 „ . . . In weltlichen Dingen bestimme die Obrigkeit, allein über die Seel und Seligkeit nicht“, blieb evangelisch, verließ die Heimat 1628 und ließ sich in Regensburg als geschätzter Beisitzer (Mieter) nieder. Wolf Dominicus zögerte, trat dann aber doch über und behielt so den Besitz. Der große Schuldenstand nahm leider nicht ab, und Verwandte konnten nicht mehr, wie bisher, mit Darlehen beispringen, infolge eigener Notlage. Um so drängender wurden aber jetzt die Gläubiger, selbst kleine, früher nicht ins Gewicht fallende Verpflichtungen wurden nun zu drückenden und gefährlichen Schulden. Da waren z.B. die auf Rohrbach ruhenden jährlichen Zinsen für die vacierende Meßverwaltung in Amberg, aus früheren Stiftungen herrührend, von jährlich 20 fl., die nun nicht mehr bezahlt werden konnten. Scharfe Mahnungen seitens der Meßverwaltung ergingen immer wieder, doch sie waren erfolglos, Wolf Dominicus konnte selbst kleinste Summen nicht bezahlen. Am 4. 12. 1632 schreibt er auf erneute Mahnungen wegen vierjähriger Zinsrückstände an die Meßverwaltung: „Es wäre ihm nichts lieber gewesen, als dieser Aufforderung nachzukommen, aber es sei genügsam bekannt, was im vergangenen Sommer durch das hin und her ziehende Kriegsvolk an der hiesigen Gegend durch öftere Ausplünderung geschehen sei, daß sie über die Maßen hart heimgesucht worden und alles dermaßen verderbt sei, von Haus und Hof fort nach Callmüntz flüchten mußten, wo sie noch seien. Er sehe keine Möglichkeit, eine solche Summe Geld aufzutreiben, zumal nicht geerntet werden konnte. Er bitte um Geduld bis der liebe Gott eine bessere Zeit schicke.“

Doch Wolf Dominicus kehrte nicht mehr nach Rohrbach zurück, 1636 starb er in Kallmünz.

Nun wandte sich Regierungssekretär Stüber in Amberg wegen der rückständigen Zinsen an Hans Albrecht und drohte, dessen Besitzanteil mit Arrest belegen zu lassen, wenn er nicht zahle. Dieser aber schrieb zurück, daß er von der Erbschaft seines  Bruders nichts angenommen habe und die Forderung aus diesem Grund zurückweisen müsse. Die Amberger Regierung forderte nun für einen Restbetrag 7 fl. 4 kr. und 8 fl. Unkosten als seinen Anteil. Er war anscheinend nach dem Tod seines Bruders von Regensburg für kurze Zeit nach Rohrbach gekommen und hielt sich in dortiger Gegend etwas auf, kehrte aber bald nach Regensburg zurück. Die Zinsrückstände für die Amberger Meßstiftungen sollten einst seinem Sohn noch teuer zu stehen kommen. Der Besitzanteil des Wolf Dominicus wurde nach dem Krieg 1658 vergantet.

In Regensburg ging es Hans Albrecht von Anfang an nicht gut, da ihm nur geringe Geldmittel zur Verfügung standen und das Leben in der großen Stadt in diesen Kriegszeiten teuer war. Vielleicht erhielt er in den ersten Jahren, als Rohrbach noch nicht öd und verlassen war, hin und wieder von seinen Hintersassen bzw. Pächtern kleine Geldbeträge oder auch Lebensmittel, aber das hörte ab 1632 auf, als Rohrbach gebrandschatzt und von den Bewohnern verlassen war. Seine Frau wird manches Schmuckstück verkauft haben, um der dringendsten Not abzuhelfen. Ein, wenn auch schwacher Hoffnungsschimmer verblieb ihm allerdings. Er hatte nämlich eine hohe Hypothek auf dem Gut Hohenkemnath stehen und hoffte, ratenweise hiervon etwas für seinen Lebensunterhalt herausholen zu können. Seine Schwester Maria Catharina war seit 1610 mit Hans Leonhard von Kemnath zu Hohenkemnath verheiratet gewesen. 1630 verkaufte dieser das Gut an seinen Bruder Wolf Philipp, der Anna Maria Sauerzapf aus der Schönhofener Linie zur Frau hatte. Aber schon drei Jahre später waren beide Brüder (an der Pest) verstorben. Wolf Philipp hinterließ einen Knaben, Wolf Wilhelm, zu dessen Vormündern Sebastian Wolf Portner von Theuern zu Haselmühl und Sigmund Georg von Finsterweihling bestimmt wurden.

Die Witwe lebte zwar mit ihrem Kind auf dem Gut, aber die finanziellen Verhältnisse waren unerquicklich. Die Aktiva (Wert des Gutes mit allen Zugehörungen) wurden auf S 667 fl. geschätzt, die Schulden betrugen 6 896 fl. Hans Albrecht war Hauptgläubiger mit der Forderung von 3 075 fl. zuzüglich angefallener Zinsen. Es wurde vereinbart, daß die Schuldsumme in Raten bezahlt werden sollte. Termine wurden festgelegt, aber nie eingehalten, da das Gut kurz darauf völlig ausgeplündert wurde. Hans Albrecht versuchte immer wieder von Regensburg aus, durch dringliche Ersuchen an das Amberger Gericht wenigstens einen Teil seines Guthabens herauszuholen, da er bittere Not litt. Das Gericht bemühte sich auch, dem nachzukommen, und richtete in den Jahren 1636 bis 1638 an die Vormünder wiederholt die dringliche Aufforderung, den Sauerzapf endlich zu befriedigen, aber sie lehnten stets mit dem Hinweis auf fehlende Geldmittel und die derzeitige Unmöglichkeit, etwas zu verkaufen, ab.

Inzwischen hatte sich die Witwe wieder verheiratet mit Heinrich Schott von Amberg; dies war Anlaß zu einem neuerlichen Vergleich. Sie wollte das Landsassengut mit sämtlichen Lehen etc. übernehmen und an Hans Albrecht in Raten zahlen. Er bewilligte einen Zinsnachlaß und war mit einer jährlichen Ratenzahlung von je 300 fl. zu Lichtmeß einverstanden, so daß die Hauptsumme in 11 Jahren getilgt worden wäre. Doch auch diese neue Abmachung wurde nicht eingehalten, selbst die dringlichsten Mahnschreiben hatten keinen Erfolg. In jenen Jahren heißt es in einem Bericht über die Lage der Landsassen im Landgericht Burglengenfeld (im Jahr 1644): „Nr. 33 Rohrbach ödt. Hans Albrecht zu Rohrbach bei 44 Jahren, schlechten Verstandes und Vermögens, lutherisch, hält sich in Regensburg auf, genießt seiner Güter nicht … „.

Frau Schott ließ das Gut in den 12 Jahren ihres Besitzes gänzlich herunterkommen und bezahlte nichts; der Besitz kam schließlich auf die Gant. Am 29. 11. 1649 war in einem Prioritätsurteil vom Gericht dem Hans Albrecht die dritte Stelle zugewiesen worden. Wieder vergingen Jahre, inzwischen war Endres Haller von Hallerstein durch Kauf in den Besitz des Hohenkemnather Gutes gekommen. Am 7. 10. 1655 richtete Hans Albrecht einen eindringlichen Brief an das Amberger Gericht, er leide höchste Not an Speise und Kleidung, der Winter stehe vor der Tür, er habe in Regensburg Schulden und die Gläubiger ließen ihm keine Ruhe, auch seinem Hauswirt sei er die Miete schuldig. Der jetzige Besitzer Endres Haller solle ihm eine Abschlagszahlung auf sein Guthaben (zwei vereinbarte Zahlungsfristen von 633 und 654 fl. sei er schuldig geblieben) sofort wenigstens 100 Reichstaler zahlen. Nach einer beigefügten Aufstellung bezifferte er sein Guthaben ohne Berücksichtigung der Zinsen auf 3 350 fl.

Leider blieb auch dieser Schrei aus tiefster Not erfolglos. Nach wenigen Jahren verkaufte Haller das Gut an Johann Benjamin Hopfner, Mitglied des Rats zu Amberg. Mit diesem wurde 1657 ein neues Zahlungsabkommen geschlossen, und er scheint auch einen Teil bezahlt zu haben, doch hielt auch er die weiteren Termine nicht ein, 1659 hatte Hans Albrecht noch eine Forderung von 1 996 Gulden. Da keine weiteren Zahlungen erfolgten, mußte er 1662 auch gegen Hopfner klagbar vorgehen und in einem Schreiben an das Gericht schilderte er seine äußerste Notlage in bitteren Worten. Nunmehr waren 14 Jahre seit dem Westfälischen Friedensschluß vergangen, und er lebte immer noch in Regensburg, da Rohrbach weiterhin vollkommen verödet lag, und ein Ende seines Prozesses war auch noch nicht abzusehen.

Die Regierung in Neuburg begann nun, sich um die Wiederherstellung geordneter Verhältnisse im Lande zu kümmern. Am 7. 2. 1660 schrieb sie an den Landrichter zu Burglengenfeld wegen Wiederaufrichtung und „Bemeierung“ des Gutes Rohrbach.

Zu diesem Zweck solle man sich an Hans Albrecht Sauerzapf wenden, wegen Herausgabe des Salbuches, um die Besitzverhältnisse feststellen zu können. Der Landrichter berichtete, daß das Gut seit 30 Jahren gänzlich öd liege, sich zur Verbesserung wohl Hintersassen einfinden würden, aber sehr notwendig sei ein Salbuch oder Manual, da niemand die Grundstücksgrenzen kenne, noch wisse, wem der Grund und Boden gehöre. Man habe sich deshalb schon an Hans Albrecht Sauerzapf nach Regensburg gewendet, dieser habe aber die Bücher nicht herausgegeben. Daraufhin ließ die Regierung an Hans Albrecht den gemessenen Befehl ergehen, die Salbücher sofort herauszugeben. Am 5. Oktober 1662 antwortete dieser auf das Schreiben der Regierung: Landrichter Wolf Wilhelm von Servy habe sich über ihn beklagt, weil er sich angeblich weigere, das zur Hofmark Rohrbach gehörige Salbuch oder Manual herauszugeben. Es wundere ihn, daß besagter Landrichter mit dieser Sache die Regierung belästige, da er doch genau die Ursachen kenne, warum er die geforderten  Bücher nicht liefern könne. Man habe sich über ihn sogar beim Herrn Kammerer und Rat der Stadt Regensburg beklagt, und er sei oft deswegen vernommen worden. Aber er könne nur aufs neue wiederholen, daß er die Bücher nicht habe. Sein verstorbener Bruder Wolf Dominicus habe alle documenta und acta und anderes über das Gut Rohrbach in Händen gehabt. Nach dessen Tod habe er sich wegen der Salbücher an dessen Witwe gewandt. Diese habe daraufhin nachgesucht, aber nur den Kaufbrief vom 15. 1. 1554 an seinen Ahn Wolf Sauerzapf gefunden und ihm geschickt. W o die anderen Akten, Salbuch, Manual u. a. hingekommen, wisse er nicht. Wer wisse es? Vielleicht seien sie aus Sicherheitsgründen von seinem Bruder eingemauert worden oder sie seien im vergangenen Krieg verbrannt. Er habe jedenfalls trotz eifrigen Nachforschens nichts erfahren können.

Die Regierung teilte dies dem Landrichter mit, der es mit untertänigster „Reverenz“ bestätigte. Dann berichtete er, daß bereits acht Untertanen nach Rohrbach hingezogen seien und erst kürzlich wieder ein Müller gekommen sei und die Mühle erkauft  habe, hoffentlich kämen noch mehr Leute. Aber es erschrecke sie, daß niemand wisse oder erfahren könne, was für Acker und Wiesen zu den erkauften Höfen gehörten. Er wisse nicht, was für Grundstücke den Leuten zugewiesen werden sollten, oder solle eine neue Aufteilung des Grund und Boden vorgenommen werden? Es müßten doch auch die herrschaftlichen Schuldigkeiten gereicht werden. Die Regierung schlägt vor, die ältesten Männer bzw. Einwohner zu vernehmen; eine Neuverteilung des Bodens lehnte sie ab.

Hans Albrecht erlebte weder das Ende seines Prozesses noch konnte er für dauernd nach Rohrbach zurückkehren . 1665 starb er in Regensburg, wo er auch begraben wurde.

Seine Witwe Catharina Elisabeth und sein Sohn Daniel kehrten nach Instandsetzung des Schlosses nach Rohrbach zurück. Zunächst hatte man alle Hände voll zu tun, um wenigstens notdürftig die größten Schäden des Krieges zu beseitigen. Fast alle Gebäude des Dorfes mußten von Grund auf neu errichtet, die Mühle neu erstellt, die Grundstücke gerodet und zum Anbau instandgesetzt werden. Zuchtvieh und Saatgut mußte unter großen Schwierigkeiten beschafft werden. Daniel, der in der Verbannung geboren war und in seinem bisherigen Leben nichts als Not und Entbehrung kennen gelernt hatte, mußte auch in Rohrbach um die notdürftigsten Dinge kämpfen; er war aber an das harte Leben nun schon gewöhnt. Natürlich ließ es sich dabei nicht vermeiden, daß es Streit und harte Worte, auch Prozesse mit Hintersassen und Nachbarn u. a. auch mit dem Kloster Pielenhofen gab. Doch langsam kehrte wieder Ordnung ein, und die Verhältnisse besserten sich. Aber da rührten sich auch die alten Gläubiger wieder, die noch Forderungen aus dem Gantverfahren über den Besitz des Wolf Dominicus vom 5. 6. 1658 hatten. Wollte Daniel das Ganze in seinen Besitz bringen, mußte er sich mit ihnen vergleichen. Da war zunächst die Forderung der Meßstiftung in Amberg, die durch die in vierzig Jahren unbezahlten Zinsen zu einer großen Summe angewachsen war. Ferner forderten die Vettern von Schönhofen und andere ihr Guthaben. Durch den Landrichter von Burglengenfeld Wolf Wilhelm von Servy Freiherrn von Steppberg und durch Mithilfe und Vermittlung ihres Nachbarn, des Besitzers von Dietldorf, Johann Ernst von Rautenstein, Neuburgischer Gesandter in Regensburg, schlossen Daniel und seine Mutter Catharina Elisabeth am 26. 5. 1667 einen Vergleich mit den Gläubigern. Die Gesamtschulden an die Meßverwaltung in Amberg, für die drei hinterlassenen Töchter des Wolf Heinrich Sauerzapf von Schönhofen und für das fürstliche Kastenamt in Burglengenfeld wurden auf 1 225 fl. 15 kr. abgehandelt und durch Abtretung umfangreicher Grundstücke abgegolten. In Ausführung des Vergleichs wurden anschließend dem Bevollmächtigten Herrn von Rautenstein übergeben: Das Dorf Dallackenrieth mit vier Untertanen, die Hälfte der sog. Frauenwiesen, das Fischwasser samt Wörth darinnen und einer drei Tagwerk großen Wiese, sowie als Hauptstück Wald und Gründe bei Langenrieth, die früher die Sauerzapf vom Kloster Ensdorf gekauft hatten, etwa 125 Tagwerk groß. Der Vertrag, geschlossen am 13. 4. 1666, war am 28. 4. 1667 ratifiziert worden, damit waren, allerdings unter großen Opfern, die drückendsten Schulden beseitigt, und nun begannen wieder bessere Zeiten für die Hofmark Rohrbach. Daniels Mutter Catharina Elisabeth, eine tatkräftige Frau, hatte großen Anteil an der Besserung der Verhältnisse in Rohrbach, vor allem auch durch eine ansehnliche Erbschaft aus ihrem Elternhaus, und ihr Sohn Daniel erhielt hernach sogar noch ein Gut in Oberpfraundorf samt einer Tafern.

Den Prozeß gegen Johann Benjamin Hopfner trieb Daniel nach dem Tod seines Vaters energisch weiter. Am 10. 1. 1667 drohte Hopfner vom Gericht die Execution, doch das Verfahren zog sich weiter in die Länge infolge neuer Komplikationen. Der hinterlassene Sohn Wolf Philipps von Kemnath, Wolf Wilhelm, war bewogen worden, in den Jesuitenorden einzutreten, und hatte sein väterliches und mütterliches Erbgut in Hohenkemnath dem Orden zugeschrieben. Die Kemnather hatten freieigene Lehen im Besitz, die bisher nicht dem Vermögen zugerechnet worden waren. Schon Daniels Vater hatte versucht, diese als Zahlung zu übernehmen. Zunächst hatten auch die Jesuiten diesen Vorschlag gemacht, doch später zogen sie ihn wieder zurück mit dem Vorgeben, „solch freieigene Lehen seien Kemnathische Stammlehen und Fideikommnisse, so nit Künden zur Bezahlung des Erblassers Schulden weder erkannt noch gezogen werden . . . „.

Nach langem Hin und Her ersuchte Daniel am 29. 1. 1674 das Gericht um Festlegung eines neuen Termins wegen Einbringung eines neuen Schriftsatzes. Nun endlich, nach weiteren zwei Jahren, wurde der mehr als 40 Jahre dauernde Prozeß durch einen gütlichen Vergleich zwischen Daniel und dem Jesuitenorden beigelegt. Das Hofgericht in München bestätigte ihn am 12. 5. 1677 „ … wie vernommen, daß ihr euch miteinander extraindicialiter wegen des Hohen-Kemnather Lehen mit Zuziehung teils Befreunder, in der Güte auf einen beständigen verglichen, also haben wir Euch davor kein Bedenken, sondern lassen es dabei bewenden . . . „.

Um 1680 befand sich Rohrbach wieder in verhältnismäßig gutem Zustand, Daniel ließ in den Jahren 1680 bis 1684 auch die Kirche wieder vollständig renovieren und würdig herrichten. Aus jener Zeit stammt auch die heute noch erhaltene flache Holzdecke mit quadratischen Feldern und Rosetten. Als er 1683 heiratete, ließ er in der Mitte, in reicher kunstvoller Schnitzerei, sein und seiner Gemahlin Elisabeth Caritas Stettner von Grabenhof, verw. von Hofer, Wappen anbringen. Keine Kirche der näheren und weiteren Umgebung kann ein ähnliches Kunstwerk aufweisen, das noch heute jeden Besucher des kleinen Kirchleins in Rohrbach entzückt.

Die Gattin schenkte ihm mehrere Kinder: 1687 wurde der Stammhalter Carl Ferdinand geboren, er sollte der letzte der Rohrbacher Linie werden. Von den Töchtern Eva Elisabeth geb. 1689 und Catharina Justina geb. 1695 heiratete die erstere einen Freiherrn von Westerstetten, der 1722 in Mömpelgard starb.

Johann Daniel segnete 1704 das Zeitliche und wurde, trotzdem er evangelisch geblieben war, in der (katholischen) Kirche begraben, gleich seinen Vorfahren. Die rigorosen Bestimmungen Wolfgang Wilhelms von Neuburg waren also wieder etwas gemildert worden. Seine Witwe folgte ihm erst nach neun Jahren und wurde zuerst im Friedhof von Schmidmühlen begraben, dann aber auf wiederholte Bitten der Angehörigen durch Licenz des bischöflichen Konsistoriums in Regensburg in der Kirche zu Rohrbach an der Seite ihres Gatten beigesetzt. Im Kirchenbuch der kath. Pfarrei Dietldorf heißt es dazu: „Rohrbach. Defuncta D. Elisabetha Caritas Sauerzapfin de Rohrbach. Nata de Stettner, prius conjugata de Hoffer, begraben im Friedhof Schmiedmühlen, uti prius, dann durch Licenz des bischöfl. Konsistoriums in Regensburg wegen wiederholter Bitten der Angehörigen in der Kirche in Rohrbach an der Seite ihres Gemahls begraben worden … „.

Ehewappen Sauerzapf von Hans Nikol

Das reichgeschmückte Ehewappen des Daniel Sauerzapf und seiner Gattin an der Holzdecke der Kirche von Rohrbach.

 Carl Ferdinand war beim Tod seines Vaters noch minderjährig und konnte daher erst am 14. 6. 1713 die Lehenspflicht ablegen. Nach dem Tod seiner Mutter hatte er keine näheren Verwandten mehr. Seine unverehelichte Tante Susanna, Schwester seines Vaters, schenkte ihm laut Urkunde vom 25. 3. 1706 ihr väterliches und mütterliches Erbgut von 1 800 fl. Nach einem Vertrag vom 10. 8. 1683 hatte ihr Bruder Daniel ihr versprochen, diese Summe und die anfallenden Zinsen zu bezahlen, doch war dies nie geschehen. Bald nach der Schenkung war sie verstorben.

Carl Ferdinand blieb unverheiratet, er war ein gewissenhafter, ruhiger und friedfertiger Mann, der in seinem Gutsbezirk und in der ganzen Umgebung bei allen beliebt war. Der katholische Pfarrer Geyer schreibt über ihn, daß er, obwohl Protestant, doch die kath. Kirchenrechnung äußerst gewissenhaft führte und bereitwillig durchführte, was notwendig war. Im übrigen verbrachte er wohl jedes Jahr mehrere Monate in Regensburg, wo er in der Glockengasse zwei Häuser besaß.

Als er sich den siebziger Jahren näherte, machte er sich Gedanken, wem er seine Besitzungen und sein Vermögen hinterlassen bzw. wie er es verteilen sollte. Er selbst war ja Junggeselle und hatte nur weit entfernte Verwandte, deshalb überlegte er sich lange, welche er bedenken sollte. Immer wieder fertigte er neue Entwürfe für sein Testament, bis er es endlich am 22. 12. 1754 eigenhändig geschrieben fertigstellte und beim Rat der freien Reichsstadt Regensburg niederlegte. Neben verschiedenen Legaten, vor allem einer Leibrente für die schon 40 Jahre in seinen Diensten stehende Haushälterin Maria Katharina Dancelin, bestimmte er sieben Erben, die zu gleichen Teilen seine Hinterlassenschaft erben sollten: 1. Johann Christoph von Stettner zu Grabenhofen, 2. Johann Carl Gottfried von Stettner zu Grabenhofen, 3. Johann Christoph Wilhelm von Sauerzapf auf Burggrub, 4. Ferdinand Hektor von Fischbach zu Schmiedmühlen, 5. Frau Auguste Sophie verw. von Kesslau geb. Stettner von Grabenhofen, 6. Frau Wilhelmine Sophie von Keppler geb. Stettner von Grabenhofen genannt Pautz und 7. Frau Clara Henrica von Göhler geb. Stettner von Grabenhofen.

Weiter bestimmte er, daß jeder Erbe, der Streit oder Klage beginne, seines Erbes verlustig gehen und sein Anteil auf die anderen verteilt werden solle.

Am 2. Mai 1761 jedoch nahm er dieses Testament wieder zurück, wie er schrieb „aus unvermuteten und dringenden Ursachen notwendiger Änderung halber“. Welche Gründe ihn dazu bewogen haben, läßt sich heute nicht mehr feststellen. Aber er kam nicht mehr dazu, eine neues Testament zu errichten; fast genau ein Jahr später am 7. Mai 1762 machte ein Schlaganfall seinem Leben ein plötzliches Ende.

Das Erbschaftsgericht ließ zunächst seine gesamte Hinterlassenschaft aufnehmen und ein Inventarverzeichnis  anfertigen, dem wir folgendes entnehmen:

An Immobilien (außer dem Gut Rohrbach) zwey frey, lauter eigene in der Glockengasse zu Regensburg gelegene aneinanderstoßende Behausungen geschätzt 2.000 fl.

An Barschaft: Genaue Aufstellung der verschiedenen Münzsorten Summa 1 420 fl. 34 1/ 4 kr

An Pretiosen (13 Stück)

An Silbergeschmeide (28 Stück)

An Kleider (30 Stück)

Leinen (39 Stück)

Betten (11 Stück)

feine Meublen (26 Stück)

Porzellan und Glas (12 Stück)

1 silberner Degen

1 Muskete

1 Paar Pistolen

An Küchengerät:

Zinn (21 Stück)

Messing (13 Stück)

Kupfer (10 Stück)

Eisen, Blech usw.

An Sessel, Tische, Kästen und Bettstätten

Flachs

Wagen

Bücher und Landkarten (45 Stück)

An Aktiv-Schulden (Außenstände) (Wert wurde geschätzt)

  1. i. Aktiva Gesamt, ohne das Gut Rohrbach gerechnet 5686 fl. 8kr. 1/4 ch

Passiva:

Die Beerdigungs- und Trauerkosten, Arzt, Apotheker

und Lohn insgesamt

Verzeichnis der Papiere resp. Schriften: 11 Positionen.

235 fl. 35 kr

269 fl. 20 kr 2 1/ 4 ch

82 fl. 9 kr

177 fl. 52 kr 2 ch

80 fl. 35 kr

47 fl. 53 kr

11 fl. 45 kr

14 fl.

30 kr

2 fl.

49 fl. 51 kr

20 fl. 50 kr 3 ch

91 fl. 34 kr 3 ch

116 fl. 43 kr 3 ch

45 fl. 53 kr

55 fl. 55 kr

51 fl. 40 kr

38 fl. 43 kr

1 041 fl. 20 kr

5 686 fl. 8 kr 1/ 4 ch

727 fl. 47 kr

(In der Aufstellung der Beerdigungskosten ist u. a. enthalten eine Quittung des Hof- und Stadtapothekers Johann Conrad Gladbach über 3 fl. 24 kr. 8 1/2 Pfg. für balsamische, wohlriechende Kräuter zum Sterbekissen.)

Die finanzielle Lage des letzten Sauerzapf auf Rohrbach war also in bester Ordnung. Das Erbschaftsgericht erklärte nun nach Aufnahme und Feststellung der gesamten Hinterlassenschaft das zurückgezogene, aber noch vorhandene Testament für ungültig und sprach den Intestaterben (d. h. Erben in gesetzlicher Folge), nämlich seinen mütterlichen Verwandten, den Stettnern von Grabenhof, die Erbschaft zu. Dagegen erhoben aber die übrigen Verwandten Einspruch mit der Begründung, daß das von Carl Ferdinand eigenhändig ausgestellte Testament noch vorhanden und demnach gültig sei.

Diesen Einspruch wies die Regierung von Pfalz-Neuburg mit Bescheid vom 8. 7. 1762 zurück. Darauf wurde am 11. 8. 1762 durch den Legationssekretär in Regensburg, Herrn von Brentano an Johann Carl Gottfried von Stettner zu Grabenhof,

Administrator der Sauerzapf’schen Verlassenschaft, das Inventurverzeichnis und der Schlüssel übergeben.

Damit waren jedoch die anderen Verwandten noch nicht zufrieden, auch die von Carl Ferdinand im Testament nicht bedachten Basen Maria Anna von Drechsel auf Deufstetten, Maria Theresia von Drechsel auf Deuf– und Bergstetten sowie Maria Josepha von Drechsel auf Deufstetten stellten Forderungen und behaupteten das ganze Sauerzapfische Vermögen stamme von der Großmutter ihres Vetters, die eine geborene von Drechsel war.

Unter Federführung Ferdinand Hektors von Vischbach führten die von der Erbschaft ausgeschlossenen Verwandten einen langjährigen Prozeß, doch ohne Erfolg. Die tatsächlichen Erben wurden: Oberst Johann Christoph Stettner von Grabenhofen,

Johann und Gottfried Stettner von Grabenhofen und der herzogl. Württembergische General Ludwig August Wilhelm von Phul als Mandant im Namen seiner Schwiegermutter der verwitweten Obristin von Kässlau, geborene Stettnerin von Grabenhofen.

Infolge des sich lange hinziehenden Erbschaftsprozesses konnten sie erst 1775 die Lehenspflicht erfüllen, aber schon am 7. 10. 1779 verkauften sie das Gut an Obristleutnant von Andrian, einschließlich aller Zugehörungen um 28 800 fl., wovon die

Hälfte sofort bezahlt werden mußte. Dieser behielt Rohrbach jedoch nur 5 Jahre und verkaufte es 1784 an den Reichsedlen Joseph von Axthalb, der bereits das nahe Traidendorf besaß. Ihm bereitete die Regierung kaum ein Jahr später eine böse Überraschung. Mit einem Schreiben vom 19. 7. 1785 forderte sie das Kastenamt Burglengenfeld auf, den Erbbestandszehent zu Rohrbach sofort einzuziehen und den sogenannten Erbbestand hierüber aufzuheben. Weiter wird aufgetragen, sofort von Axthalb den Erbbestandsbrief abzufordern. Daß der Zehent nicht unbedeutend war, geht aus dem Zehentbüchl der Hofmark Rohrbach für das Jahr 1784 hervor. Er betrug: Weizen 20 Metzen, Korn 20 Metzen, Gerste 15 Metzen und Hafer 15 Metzen,

Grünzehent insges. 3 fl.

Von Axthalb erhob dagegen Einspruch und verwies dabei auf den Kaufbrief aus dem Jahr 1554, wonach Herzog Ottheinrich dem Wolfgang Sauerzapf die Hofmark Rohrbach samt Zehent verkauft habe, was aus dem genannten Kaufbrief unzweifelhaft hervorgehe. In dem langen, mehr als 20 Jahre dauernden Prozeß mit der Regierung unterlag von Axthalb schließlich im Jahr 1806 in letzter Instanz.

Nach Axthalb wechselte das Gut noch einige Male den Besitzer und wurde schlußendlich zertrümmert.

Die Erinnerung an den guten Hofmarksherrn Carl Ferdinand, den letzten Sauerzapf, war in Rohrbach und Umgebung noch im Anfang des vergangenen Jahrhunderts lebendig.


Quellenangabe: HVO. Bd. 38 S. 198 ff. Mon. Boica Bd. 35 a, S. 603. – Runtingerbuch von Franz Bastian 3. Bd„ S. 11. – H.St.A.Mü. Ger. Urk. Hohenburg fasc. 9 Nr. 106, fasc. 10 Nr. 118, fasc. 11 Nr. 147, fasc. 12 Nr. 148 und 164. – H .St.A.Mü. Oberpf. Ger. Urk. Wetterfeld 13 a. – St.A. Amb. Bestand: Neuburger Abgabe 1912 Nr. 1325. – St.A.Amb. Neuburger Abgabe 1911 Nr. 13110 und 14595. – St.A.Amb. Sulzbach, Stadt- und Landgericht Nr. 393. – St.A.Amb. Amt Hirschau fasc. 94 Nr. 58. – St.A.Amb. Bestand Pfalz Neuburg NORDGAU Nr. 611 und 614. – St.A.Amb. Sulzbacher Akten Nr. 4900. – St.A.Amb. Neuburger Abgabe 1911 Nr. 14098. – St.A. Amb. Admin. A Zug I Nr. 200 Stiftsbriefe. – St.A.Amb. Admin. A Zug I Abtlg. XVII b. Nr. 2042. – St.A.Amb. Bestand Pfalz Neuburg NORDGAU Nr. 612 – StadtA. Regensburg AAO Nr. 152, 214, 215, 373. – St.A.Amb. Neuburger Abgabe 1911 Nr. 14778 – St.A.Amb. Administr. Nr. 852. – St.A.Amb. Administr. A Zug 1 Abtlg. XVII b. Nr. 2042 u. 2048. – St.A.Amb. Pfalz Neuburg NORDGAU Nr. 628. – H .St.A.Mü. Sign. Personen Select Sauerzapf Cart. 364.

© Die Oberpfalz, Laßleben Verlag, Kallmünz

 

Das könnten auch deine Ahnen gewesen sein …

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(Kleines Namenbüchlein für Schmidmühlen 1565)
Von Dr. Hans Ammon

Erst 1649 — ein Jahr nach dem Friedensschluß zu Münster und Osnabrück — beginnen die erhaltenen Kirchenbücher im schönen Markt Schmidmühlen; natürlich waren auch vorher Kirchenbücher dort, aber der lange Krieg, das häufige Feuer der Lehmholzstrohhäuser haben wohl auch dort manches Buch u. a. verzehrt. Wir haben einen herzhaften Bericht des Mesners im Markt Burgbernheim an der Frankenhöhe aus dem dreißigjährigen Krieg, darin er das Wüten der Soldaten um die Kirchenbücher beschreibt: er wollte sie retten, sie aber brauchten sie als Futterpapier für ihre mächtigen Gewehre. Und wie üblich siegte der starke Mann auch dort! So mags an vielen Orten Deutschlands von Böhmen bis zu den Niederlanden, von Tirol bis zur Ostsee (gehörte alles zum alten Reich!) gegangen sein, und viele Kirchenbücher verschwanden, wie der Gottseibeiuns im Feuer und Rauch!

Es gibt aber auch für Schmidmühlen ältere Papiere, Akten genannt, welche dann und wann Namen der Bewohner vor 1649 bezeugen. Ein solches haben wir vor uns aus dem Jahre 1565.

Da schreiben im Jahre 1565 die zwei Zech- oder Kirchenpröbste für S. Gilg, Unsere Frauenkapelle und die Bruderschaftsmesse zu Schmidmühlen getreu und gewissenhaft Einnahmen und Ausgaben nieder und setzen deutlich und fest die zinsenden Leute fest, gemäß ihrer Weise nach Bargeld, Wachs- und Getreidegülten geordnet. Wir entnehmen dem freundlichen Heftchen wertvolle Familiennamen aus Schmidmühlen und seiner näheren Umgebung. Ich setze sie alphabetisch — zur leichteren Findung und Verwendung der Heimatfreunde:

Schmidmühler Familien 1565:
Bayr Jakob; Brieff Bernhard; Bruederl Matthes; Buckenlaib Erhard, Hans und
Michel; Camerer . . . ; Dorffner Hans und Jorg; Frueman Lienhard; Götz Hans, Wirt; Hartl Lorenz; Helffer Matthes; Hiltersdorfer Hans (da er Zins von der Fleischbank zahlt, wird er Metzger sein!); Holler Bastian; Kolb Wolfgang (Schmied); Krerer Kaspar, Küfer; Küeffer Peter; Müllner Ulrich; Nagel Augustin, Lederer; Peck Ulrich; Pürckl Veit; Pürtzer Wolf; Rat Matthes; Riethamer Friedrich; Röhl Matthes; Rottenwaldt Benedikt; Schmidhamer Jorg, Zechprobst; Schuster Lorenz; Tracht Lienhard, Bäcker; Vischer Bastian; Vogl Lienhard, Hammermeister; Waldauer Hans (dasselbe wie bei Hiltersdorfer); Zenefass (?) Hans, Zechprobst; Zwicker Michl (fürs Geläut: „unsers Herrn Angst“).

Aus der Umgebung Schmidmühlens:
Bergheim: Dobner Utz. — Emhof: Holler Hans. — Enselwang: Herman Hans. —
Harschhof: Purnickel. — Vilswörth: Altman Wolf. — Waltersheim: Huml Hans.
Hingewiesen darf dabei werden auf erwähnte Berufe: Bäcker, Hammermeister,
Küfer, Lederer, Metzger, Schmied. — Nebenamtlich im Kirchendienst die beiden Zechpröbste, denen wir das Heftchen verdanken!

Für die Flurbenennung sei angemerkt: am Weg auf Bergheim; am Brunlaterberg; Capfacker; in der Eng; im Entzenthal; im Heidersbucherthal; Harschhofer Leid; Hockenacker; gen Hohenburg; am Nichtersweg; Rigelsleiten; überm Ruck; Acker genannt Suessman; an der Wasserschlide oberhalb des Marktes. Ich muß es den verehrten Einwohnern Schmidmühlens überlassen, hier die richtigen Namen einzusetzen. Jedermann schrieb damals, wie er wollte, und dazu einmal so, einmal anders.

Zur Erhebung der Zinsen:
Sie wurden nach alter Pflicht und nach altem Recht gereicht: von Äckern, Gärten, Wiesen; von Haus und Hofstatt; vom Keller, wohl Sonderkeller (nicht der unterm Haus); von der Wehr beim Haus oder bei der Wiese. Es sind meist Schilling– und Pfennigbeträge, selten Gulden (Sachwert: Pfennig = 2 Eier; Schilling = 30 Pfennig = 60 Eier; Gulden = 7 Schilling = 420 Eier). Auffällig sind die noch vorhandenen Zinsen zum Angstläuten am Donnerstag oder Freitag und die große Abgabe von 3 Gulden von Altman in Vilswöhr „zum ewigen Licht“. Hat man diesen Lichtzins beibehalten, dürfte man auch entsprechende Verwendung des Geldzinses vermuten; doch fehlen Nachrichten hierüber.

Die größte Abgabe hatte der kurpfälzische Pfleger von Hohenfels zu leisten: 6 Viertel Korn und 6 Viertel Haber, Hohenfelser Maß. Bei den Geldzinsen insgesamt zählt man: 19 fl 5 Schilling 20 Pfennig und die Getreidegült aus Hohenfels. Bei den Ausgaben hat man Oblaten, Wein, Glockenöl, Uhrenöl, Seifen (Sayffen!) zum Altartuchwaschen, Schmiedereparaturen an Zapfen und Schild der mittleren Glocke,  Rechnungsschreiber (Schulmeister), Verzehr bei der Rechnungsabhörung und den großen Posten der Besoldung für den Schulmeister, nämlich 20 fl, angesetzt, insgesamt: 21 fl 6 Schilling 29 Pfennig 1 Heller. Dabei übertrifft also Ausgabe die Einnahme um 2 fl 1 Schilling 9 Pfennig 1 Heller (d. h. um den Sachwert eines Schweines).

Jedenfalls wird mancher Ahne heutiger Geschlechter in Schmidmühlen und anderswo unter der kleinen Liste verborgen sein. Würde man zwischen 1565 und 1649 noch mehr solcher Listen finden, könnte man die große Familiennamenlücke 1565 —1649 schließen.

Also auf, ihr Heimatfreunde, zum fröhlichen Ahnen- und Aktenstudium!

Quelle: Staatsarchiv Amberg, Neuburger Abgabe 1911, Nr. 13127.

„.. ernstlich anzuhalten, die Predigten zu Lutzmannstein zu besuchen …“

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 Kleine Kulturbilder aus der Reformationszeit

Von Dr. Hans Ammon

Es gibt Orte, die eigentümliche Namen tragen und die Forschung damit herausfordern. Zu ihnen gehört Judeneidenfeld, ein Filialort zum jungpfälzischen Kirchort  Lutzmannstein, (heute Truppenübungsplatz Hohenfels) seit Oktober 1951 abgesiedelt und der Zerstörung preisgegeben.

Als ich 1945 als einsamer Heimwanderer – von Regensburg her – über Schmidheim vorbeikam oder durchkam – ich weiß es nicht mehr – da wunderte ich mich trotz der zwei Soldatendienstjahren – und die zum Teil im großen Stall bei Pferden, Kühen, Ochsen, Lämmern, Ziegen Oberitaliens! – angewöhnten Sturheit über den Ortsnamen Judeneidenfeld. Und daneben (Südwestlich) lag Kircheneidenfeld. Ich wanderte am Abend noch bis Lutzmannstein (es waren 35 km Tagesmarsch gewesen!) und hatte es da schon wieder aus Müdigkeit vergessen. Jahre später, als ich „motorisiert“ wurde, besuchte ich die einsame Gegend meiner pfingstlichen Wanderschaft, fand aber niemanden, der mir den Namen Judeneidenfeld erklärte. Erst als ich – immer nebenbei lange vor Tagesanbruch oder spät in der Nacht – die vielen Aktensendungen aus Neuburg, Amberg, Regensburg und Nürnberg durcheilte, stieß ich auf einen Akt des Amberger Staatsarchivs.

Dieser Akt – leider nur eine Kurzzusammenstellung der Velburger Akten mit Kurzangaben! – enthält unter dem Datum des 26. Januars 1601 den fürstlichen (Neuburger) Befehl, die Juden als euernfeldische Untertanen (in Judeneidenfeld) ernstlich anzuhalten, die Predigten und andere Kirchenactus zu Lutzmannstein zu besuchen. – Das ist die Kurzangabe, der Akt selber ist noch nicht wieder aufgefunden. Aber wir können daraus doch allerlei entnehmen:

  1. a) Damals – im 16. und 17. Jahrhundert – schrieb und sagte man: Euernfeld, nicht Eidenfeld, Vielleicht weiß einer der Leser, wann diese Änderung eingetreten ist. Ich selber vermute, daß es erst im vorigen Jahrhundert bei der großen Sprachordnung der Gebrüder Grimm und ihrer staatlichen Nachfolger geschehen ist, bin aber für Sachkundige Belehrung sehr dankbar.
  1. b) Die Neuburger Regierung wußte also von angesiedelten Juden im stillen Juratal zwischen Hohenfels und Lutzmannstein. Es wäre uns eine ehrliche Freude, von Sachkundigen erfahren zu können, wann Juden dort angesiedelt wurden, woher sie kamen, welchen Berufen sie nachgingen!
  1. c) Man zwang sie zwar nicht zum Übertritt, aber man wollte ihnen als Untertanen – das ist eigens vermerkt – doch das evangelische Kirchenwesen nahebringen und nichts versäumen, um auch ihnen die Wahrheit des Evangeliums anzubieten. Deshalb der landesfürstliche Befehl! Deshalb die Zumutung!

Nun wird man aus gewissen Gründen heute – in der Hochmoderne- auch diesen Befehl und diese Zumutung an Andersgläubige ganz empfindlich ablehnen, wohl mit Recht. Aber das steht ja hier nicht zur Debatte; wir können 1970 ff. die Jahre vor uns nicht auslöschen und andere dafür einsetzen. Was uns interessiert neben dem siedlungsgeschichtlichen Judeneidenfeld, neben der Wortänderung Eurfeld-Eidenfeld, ist doch die damals – 1601 – bestehende Gewißheit der Kirchen– und Hofräte und des frommen Fürsten Philipp Ludwig, durch schlichte Darlegung und Belehrung auch Jesu Volksgenossen, wenn auch späterer Zeit, zur Überzeugung des Petrus und Johannes, des Paulus und Stephanus u.a. bewegen zu können: Jesus von Nazareth ist der Christus Israels. Es wäre sinnig und aufschlußreich, würde man zum fürstlichen Befehl 1601 auch die Ausführung wissen: a) bei den angesprochenen und geforderten Juden des kleinen Örtchens im Juratal; b) bei den evangelischen Pfarrern im (ehemals) schönen Lutzmannstein!

Vielleicht geben die Kirchenbücher Lutzmannsteins Aufschluß über „Bekehrungen“, über judenchristliche Trauungen, Kinder, Erben. Aber wo sind sie, diese Kirchenbücher des ausgesiedelten und abgesiedelten Dörfchens und seiner Pfarre? Es drängt den stillen Forscher auch, den jüdischen Fußstapfen in Eidenfeld durch die Jahrhunderte nachzugehen und festzustellen: Wie lange seid ihr dort gewesen? Wann ist der letzte abgewandert.

So rührt eine kleine Kurznachricht den nachdenklichen Forscher sehr an; denn Jesu Volk ist Juda, ist Israel in der ganzen Zeit und Welt. Und an ihm hat sich Judas, Israels Volksgeschick am stärksten entschieden – nicht an den langen und weiten Wanderungen durch die Völkerwelt – nicht am heutigen modernen Israel der Rückwanderung und Eroberung! So wird die kurze Nachricht über den fürstlichen Befehl an die wenigen Juden Eidenfelds im einsamen Juratal bei Lutzmannstein und zugleich über die christliche Mission an Israel doch bedeutsam für den, der gelernt hat, in die Zeiten nicht aus Sensationslust und Neugier zu schauen, sondern „amore et studio elucidandae veritatis“, d. h. aus Liebe und Eifer, die Wahrheit an den Tag zu bringen! Meine Bitte an Wissende: können Sie weiterhelfen in dieser Sache?

Bitte, tun Sie es!


(Aus: „Die Oberpfalz“, 1972, Laßleben Verlag, Kallmünz)

Hohenburg auf dem Nordgau

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Von Wilhelm Volkert

Es mögen wohl nicht allzuviele Oberpfälzer sein, die den abseits aller großen Verkehrswege gelegenen Markt Hohenburg an der Lauterach wirklich vom Ansehen her kennen. Wer im Lauterach– oder Vilstal, in Neumarkt oder Parsberg zu Hause ist, der kam dort wohl schon vorbei; aber von der südlichen oder gar der nördlichen Oberpfalz führt der Weg den Besucher nur selten nach Hohenburg, das am längsten die uralte Bezeichnung „auf dem Nordgau“ führte. Die reiche Geschichte von Burg, Herrschaft und Markt Hohenburg vom hohen Mittelalter bis in unsere Tage ist ein besonders interessantes Stück oberpfälzischer Heimatkunde.

Die Hohenburger

Die Burg — noch heute thront die imposante Ruine über dem Marktflecken — ist namengebend geworden für die bürgerliche Siedlung an der Lauterach; sie ist wohl einige Jahrhunderte früher als diese entstanden. Aus der Zeit um 1100 erscheint der Name zum ersten Mal in der urkundlichen Überlieferung als Zuname für einen Grafen „Ernestus“. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann man aber die Generationenreihe der Hohenburger noch um ein Jahrhundert weiter zurück verfolgen und den Grafen Ernst, der um die Jahrtausendwende in einer Traditionsnotiz des Regensburger Klosters St. Emmeram erscheint, als den ältesten bekannten Vertreter dieses Geschlechts bezeichnen1.

Hohenburg klein

Aus der Besitzgeschichte der frühen Hohenburger darf man schließen, daß bereits in der Zeit vor dem Jahre 1000 die Burg als Heimstatt eines mächtigen Geschlechts errichtet worden ist. Die Einzelheiten der frühen Hohenburger Genealogie können wir hier übergehen; wichtig für die ganze weitere Geschichte der Herrschaft ist der sich um die Mitte des 12. Jahrhunderts anbahnende Einfluß der Regensburger Bischöfe als weltliche Landesherren in Hohenburg. Aus dem Jahr 1142 besitzen wir eine Urkunde, durch die der „comes Ernestus de Hohenburc“ und sein Bruder das Schloß in die Hand Bischof Heinrichs von Regensburg für den Fall übergeben, daß sie ohne Erben sterben sollten. Beide waren damals unvermählt und kinderlos.

Am Regensburger Bischofshof mag man es sehr bedauert haben, daß der jüngere der beiden sich doch verehelichte und einen Sohn hinterließ, den Grafen Friedrich den Jüngeren von Hohenburg, der auch verheiratet war, aber keine Kinder besaß. Er starb etwa um 1200, aber seine Witwe Mathilde verstand es, den Besitz dem Regensburger Bischof vorzuenthalten und das ganze Gut ihrem Gemahl zweiter Ehe, dem Grafen Diepold von Vohburg, zuzubringen. Das war im Jahr 1210. Nun herrsch­ten fast ein halbes Jahrhundert die unter dem Namen der Diepoldinger2 bekannten Grafen über Hohenburg und nannten sich auch danach. Die wenigste Zeit mögen sie tatsächlich auf der nordgauischen Burg gehaust haben; denn ihre größte Rolle spielten sie im 13. Jahrhundert in der kaiserlichen Politik und in der Verwaltung der staufischen Interessen in Italien. Und über diesen Aufgaben gingen sie auch zugrunde.

In Bayern mußten sich die Diepoldinger, die von ihrem großen Besitz in der Mark Cham auch den Titel „Markgrafen“ führten und sich daher in späterer Zeit den Titel „Markgrafen von Hohenburg“ zulegten, von den mächtig aufstrebenden Wit­telsbachern verdrängen lassen.

Dem Wittelsbacher Herzog Ludwig I. gelang es nämlich 1204 mit Hilfe etwas fragwürdiger Rechtstitel die wichtigsten Teile des alten bedeutenden diepoldingischen Gutes um Cham und um Vohburg an der Donau an sich zu reißen, als damals die ältere Linie des Geschlechts ausstarb. Der jüngere Zweig, in den nun die verwitwete Gräfin von Hohenburg einheiratete, konnte im wesentlichen nur den Besitz um Nabburg in der mittleren Oberpfalz retten, zu dem nun Hohenburg eine willkommene Bereicherung bot. Die Rechte des Bischofs von Regensburg auf das Hohenburger Erbe schrumpften schließlich auf die Anerkennung der Oberlehensherrschaft zusammen; das brachte dem Bischof im Augenblick zwar keinen großen Gewinn, aber für die folgende Zeit sollte es doch ein äußerst wichtiger Rechtstitel werden.

Die Auseinandersetzung zwischen den Wittelsbachern und den Diepoldingern, bei der die nordgauischen Grafen unterlagen, führt uns mitten hinein in die große Verfassungsumwälzung des 12. und 13. Jahrhunderts, als sich nämlich der alte sog. Personenverbandsstaat wandelte zum sog. Territorialstaat. Personenverbandsstaat besagt: Alle Untergebenen eines Herrschers müssen mit diesem durch persönliche Bindungen in Beziehung stehen; der Staat ist eine Ansammlung von Personen und Personenverbänden.

Etwas ganz anderes ist der neue Territorialstaat, in dem der „Dominus terrae“, der Landesherr, seine Rechte über einen bestimmten Landstrich, ein Territorium, geltend macht. Dieser Aufbau der Territorialstaaten vollzog sich im alten deutschen Reich in den Ländern, nicht etwa in einem zentralistisch vom Kaiser beherrschten Territorium. Die Landesfürsten wurden zu den tragenden Säulen der alten Reichsverfassung.

Die alten Hochadelsgeschlechter, zu denen die Diepoldinger ebenso wie die Hohenburger und Wittelsbacher gehörten, lagen nun im 12. und 13. Jahrhundert in einem scharfen Wettrennen um die besten Landstücke, die es zu kaufen, zu erben oder auf andere Weise durch Recht oder auch durch Gewalt zu gewinnen gab. In diesem Wettlauf kamen die Diepoldinger-Hohenburger gegenüber den bayerischen Herzögen, saßen, völlig ins Hintertreffen; vielleicht gerade auch deshalb, weil sie sich so intensiv in der staufischen Politik in Italien engagiert hatten.

Eine Gestalt ans der Reihe der Hohenburger, den letzten Vertreter dieses Geschlechts, der so recht der Prototyp eines hochadligen kaiserlichen Vasallen ist, wollen wir uns noch vor Augen führen, ehe wir die Schicksale der Herrschaft auf den Nordgau weiter verfolgen: Berthold, den Markgrafen von Hohenburg. Zuerst begegnet er 1232 im Dienst Kaiser Friedrichs II.; er tat sich besonders in dessen Kämpfen gegen die Lombarden und die Kurie hervor und stieg zu den höchsten Ämtern im sizilianischen Königreich auf. Der materielle Lohn blieb auch nicht aus; er wurde Graf von Montescaglioso, Ascoli und Castro und erwarb die Baronien Monteforte und Arienzo (östlich von Neapel). Weitere Bindungen an das Südreich der Hohenstaufen brachte seine Heirat mit Isolde, der Tochter des italienischen Markgrafen Manfred Lancia, einer Schwester der Bianca Lancia, der Mutter von Friedrichs II. illegitimen Sohn Manfred. Nach des Kaisers Tod (1250) war Berthold, zum Generalkapitän und Testamentsvollstrecker aufgestiegen, die treibende Kraft bei der Erhaltung der staufischen Herrschaft in Unteritalien; er wurde engster Vertrauter König Konrads IV.

Aber die Spaltung in die Parteien der Guelfen und Ghibellinen, die Spannungen zwischen den legitimen und den illegitimen Nachkommen Friedrichs II. mußten die exponierte Stellung Bertholds untergraben. Die Fronten wechselten schnell: Berthold stand 1254/55 auf der päpstlichen Seite, aber die militärischen Unternehmungen, die er im Auftrag Innozenz IV. und Alexanders IV. unternahm, verliefen nicht glücklich. In die Gefangenschaft Manfreds, seines früheren Schützlings, geraten, starb er 1256 wahrscheinlich eines gewaltsamen Todes. Seine Brüder teilten das Schicksal mit ihm, den reichen italienischen Besitz eigneten sich die Lancia an.

Berthold von Hohenburg hatte Beziehungen zu Moses ben Salomen, dem berühmten Gelehrten von Salerno; als „Markgraf von Hohenburg“ verzeichnet ihn die Weingartner Liederhandschrift in der Reihe der bekannten Minnesänger. Er gehörte zu den bedeutenden Trägern des reichen Kulturlehens am Hofe Friedrichs II. Erschütternd ist sein Lied, das aus dem letzten Lebensjahr stammt: 

Lamentatio Bertholdi in carcere. 

Dives eram quondam, pauper modo, quid miser egi,

Carmina qui quondam studio florente peregi.

 Illis temporibus mihi sors successit amene.

Ecce mihi lacere dictant scribende camene.3

Hohenburgs Lage

Nun, da die Situation abgegrenzt ist, in die die Grafen von Hohenburg und ihre Nachfolger, die diepoldingischen Markgrafen, gestellt waren, wollen wir einen Blick auf die geschichtliche Entwicklung in der Landschaft Hohenburgs selbst werfen4.

Es ist bekannt, daß die Bajuwaren von Südosten her in mehreren Wellen ihren Siedlungsraum zwischen Isar, Inn und Donau im 5. nachchristlichen Jahrhundert erreichten, daß der Regensburger Raum zum frühesten bajuwarischen Siedelgebiet gehörte. Vom Donaugebiet aus gingen die Vorstöße weiter nach Nordost (das Regental aufwärts), nach Nord und nach Nordwest. Bis in das 8. Jahrhundert, in die beginnende Karolingerzeit war im Nordgau eine Linie erreicht, die etwa in der Höhe des Vilsecker Gebietes quer durch die heutige Oberpfalz verlief. Wir besitzen leider nur sehr wenige Quellen für das frühmittelalterliche Geschehen in unserem Land. Aber eines der wenigen Dokumente läßt wichtige Schlüsse für die Geschichte des Hohenburger Raumes zu. Es handelt sich um das sog. Diedenhofer Kapitulare Kaiser Karls des Großen von 805.

Karl der Große plante in diesen Jahren Feldzüge gegen die wendischen Tschechen in Böhmen. Um zu verhindern, daß seine Gegner Waffen aus dem eigenen karolingischen Reich bekämen, erließ er ein Verbot, über eine bestimmte Linie hinaus militärische Geräte an die östlichen Nachbarn zu verkaufen. Damit nun die Kaufleute genau wüßten, wo es mit dem Waffenhandel zu Ende sei, wurde in der Urkunde eine Linie quer von Nordwest nach Südost am Ostsaum des alten Reiches entlang gezogen und zur Sperrlinie erklärt. Diese Linie folgte der uralten Handelsstraße vom Königshof Forchheim an der Regnitz, über Fürth, Hersbruck, Lauterhofen in der Richtung des Lauterach–, des Vils– und Naabtals entlang nach Regensburg, zur alten Donaumetropole.

An dieser wichtigen Handelsstraße, in der Mitte zwischen Regensburg und dem Gebiet, da später die bedeutende Reichsstadt Nürnberg entstehen und blühen sollte, lag Hohenburg, durch seine natürliche Lage auf einem das Lauterachtal beherrschenden Bergkegel geradezu prädestiniert, zum Kontroll- und Sperrpunkt für Verkehr und Handel zu werden.

Das bischöflich regensburgische Territorium Hohenburg.

Die geistlichen Reichsfürsten — in erster Linie die Inhaber der alten Bistümer — waren nicht wenig daran interessiert, sich eigene Territorien, die Hochstifte, aufzubauen. In diesem Bestreben schnitt der Regensburger Bischof schlecht ab, der in unmittelbarer Nähe seiner Residenz nur die unterhalb der Stadt gelegenen Ämter Wörth und Donaustauf gewinnen konnte. So kam es um die Mitte des 13. Jahrhunderts für den Bischof sehr gelegen, daß er beim Aussterben der Diepoldinger-Hohenburger alte lehensherrliche Rechte auf deren Herrschaft im Nordgau vorbringen konnte5. Die schon erwähnten Abmachungen aus dem 12. Jahrhundert hatten die Oberlehensherrschaft Regensburgs begründet. 1242 beispielsweise mußte Berthold, der letzte Hohenburger, sich bequemen, die Herrschaft von Regensburg als Lehen zu empfangen. Als nun in den 1250er Jahren die Familie ausgestorben war, fiel Hohenburg als erledigtes Lehen an das Hochstift zurück. Es wurde nun nicht mehr als Lehen ausgegeben, sondern durch jeder Zeit absetzbare bischöfliche Beamte verwaltet.

Bei der fürstbischöflichen Landeshoheit blieb es nun bis zum Ende des alten römischen Reiches Deutscher Nation zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Daran änderte sich auch nichts, als der bayerische Herzog Ludwig von Ingolstadt zu Beginn des 15. Jahrhunderts die Herrschaft als Pfand vom Bischof erwarb. Regensburg konnte die Pfandschaft wieder auslösen und damit eindeutig Herr im Hause bleiben.

Das Ende der bischöflichen Herrschaft

Das Ende der bischöflichen Reichsherrschaft zeichnete sich 1803 ab6. Der nach dem Lunéviller Frieden (1801) errichtete Reichsdeputationshauptschluß brachte die Reichsfürsten, denen noch eine kurze Frist weltlicher Herrschaft blieb, war der Erzbischof von Mainz. Ihn konnte man als den „Coronator“ des Kaisers auch in der letzten Stunde des alten Reiches nicht entbehren. Darum erhielt er ein Fürstentum angewiesen; denn Mainz auf dem linken Rheinufer war schon jahrelang von den französischen Revolutionstruppen besetzt. Der Sitz des Erzbischofs wurde nach Re­gensburg übertragen. Die mediatisierte Reichsstadt Regensburg als Ort des Reichstags, das Gebiet des früheren Fürstbischofs — darunter auch die Herrschaft Hohenburg —, die Reichsstadt Wetzlar, als Sitz des Reichskammergerichts, und das früher mainzische Fürstentum Aschaffenburg bildeten das Territorium des Fürstprimas, wie man den höchsten geistlichen Funktionär des Reiches nun nannte. So waltete also seit 1803 ein „fürstprimatischer“ Landrichter seines Amtes in Hohenburg.

Die Stellung Carl von Dalbergs, des Fürstprimas, war jedoch zu sehr mit Napoleons Einfluß in den Landen rechts des Rheins verbunden, als daß er politisch dessen Sturz hätte überdauern können. 1810 mußte er als Folge des österreichisch-französi­schen Krieges Regensburg an Bayern abtreten; es blieb ihm noch das Großherzog­tum Frankfurt. Doch dauerte diese Herrlichkeit nur bis 1814.

So war also nach dieser letzten Station geistlicher Herrschaft unter Dalberg Hohenburg 1810 zum Königreich Bayern gekommen. Trotz der Proteste der Hohenburger Bürger hob der neue Landesherr das Pflegamt auf und teilte das Gebiet dem Landgericht Parsberg zu. 1826 wurden davon die Gemeinden Hausen, Allersburg und Thonhausen abgetrennt und dem Landgericht Kastl zugewiesen (seit 1862 Bezirksamt Neumarkt i. d. Opf.), so daß also auch die alte Einheit der Gebietsorganisation beseitigt war.

Der Umfang der Hohenburger Herrschaft

Einen guten Überblick über den Umkreis der Herrschaft um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert vermittelt uns die „Tabella chronologica et topographica des bischöflichen Pflegamts Hohenburg“ aus dem großartigen Kartenwerk des berühmten Geographen Christoph Vogel, Pastor von Regenstauf7. Danach lagen folgende Ort­schaften innerhalb der Hohenburger Grenze: Schloß und Markt Hohenburg mit den Kirchen St. Jakob, St. Leonhard, St. Sebastian und St. Salvator, die Hammermühle und Stettkirchen (LK Parsberg); Adertshausen, Allertshofen, Altenmühl (abgegangen, an der Lauterach; LK Parsberg); Enslwang8†, Haidensbuch†, Schwend (LK Parsberg);† Waltersheim9† (Gemeinde Bergheim, LK Burglengenfeld);† Frabertshofen†, Deinfeld†, Raversdorf†, Viehhausen†, Weidenhüll†, Willertsheim (LK Parsberg)† Griffenwang†, Adererstall, Ober- und Unterkeitenthal†, Schauerstein (LK Parsberg)†, Allersburg, Malsbach (LK Neumarkt i. d. Opf.); Ransbach9, Ödenwöhr, Stetten (LK Neumarkt i. d. Opf.); Hausen, Heimhof, Reinbrunn, Flügelsbuch, Heinzhof (?) (LK Neumarkt i. d. Opf.); Aicha (Gemeinde Winkl, LK Neumarkt i. d. Opf.); Thonhausen, Lammerthal, Berghausen, Darsberg, Wollenzhofen (LK Neumarkt i. d. Opf.); Zant9 (LK Amberg); Eigentshofen9, Eglhofen9 (Gemeinde Garsdorf, LK Amberg); Mendorferbuch, Köstl (LK Amberg).

Angrenzer waren im Westen und Norden die Ämter Pfaffenhofen und Amberg, im Osten Rieden, Burglengenfeld und Kallmünz, im Süden und Westen Hohenfels und Lutzmannstein.

Die Burg Hohenburg

Mittelpunkt der Reichsherrschaft war die heute in Ruinen liegende Burg10. Man kann für die Zeit vor der Jahrtausendwende damit rechnen, daß der Burgberg be­festigt war. Aber leider wissen wir nichts Genaues über die hochmittelalterlichen Befestigungen dort. Als im frühen 15. Jahrhundert die Oberpfalz unter den Einfällen der Hussiten zu leiden hatte, wurde auch das Hohenburger Schloß wieder instandgesetzt. Aber eindeutige Baunachrichten besitzen wir erst aus dem 16. Jahrhundert. Daraus ist zu schließen: Die Anlage der heute noch sichtbaren Burg geht im wesentlichen auf die Baumaßnahmen dieser Zeit zurück, wobei damals wesentlich ältere Bauteile bei der Neugestaltung verwendet wurden. Eine recht instruktive Baubeschreibung ist aus dem Jahr 1680 überliefert: „Das Schloß liegt auf hohem,, felsigem Berg, ist im Triangel gebaut, wovon aber eine Seite samt daran gestandenem festem Turm durch ein Ungewitter in die Luft gesprengt wurde, welche Seite zwar dermalen noch offen, aber mit einer dreifachen ineinander geschlossenen Bastei versehen und also vor Gefahr verwahrt ist. Ist drei Gaden hoch, hat zwei Säle und verschiedene Zimmer, wovon aber die wenigsten dermalen ausgebaut sind. Weiter befinden sich dort schöne Stallungen und Städel, was alles mit einer hohen wohlbefestigten Mauer umfangen ist“.

Noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts stand das Schloß in dieser Form. Als aber 1810 Hohenburg zum Königreich Bayern kam, hatte der Fiskus kein Interesse an der kostspieligen Erhaltung des Baues, der zu keinem praktischen Zweck dienen konnte. Daß das Schloß auch vorher nur sehr wenig bewohnt wurde, mag besonders mit der großen Schwierigkeit der Wasserversorgung zusammenhängen. Man hat zwar einmal die Anlage eines Brunnens versucht und auch einen zwanzig Klafter tiefen Schacht ausgehoben, ohne aber auf Wasser zu stoßen. So war man ganz auf die Zufuhr und auf das in Zisternen gesammelte Regenwasser angewiesen.

Die kgl. bayerische Verwaltung verkaufte darum 1812 die Burg um einige hundert Gulden an Hohenburger Bürger, die dort billig die Steine für Neubauten im Markt holten. Um die Wende unseres Jahrhunderts waren nur mehr einige Ruinenstümpfe vorhanden, die schließlich vor dem ersten Weltkrieg die Gemeinde Hohenburg kaufte und auch einiges zur Konservierung tat. Jetzt gehört die Ruine zum Sperrgebiet des Truppenübungsplatzes Hohenfels und darf von Zivilisten nicht mehr betreten werden.

Ruine Hohenburg gen West

Der Markt Hohenburg

Der Markt Hohenburg ist eine planmäßige Gründung, wie man schon aus dem Studium des Katasterplanes sehen kann. Urkundlich wird er erst im 14. Jahrhundert genannt; doch es darf als sicher gelten, daß bereits im 13. Jahrhundert noch unter den Markgrafen von Hohenburg eine bürgerliche Siedlung zu Füßen des Schloßberges entstanden war11.

Grundlage der rechtlichen Sonderentwicklung dieser Ansiedlung waren die Markt­privilegien. Durch die Erlaubnis zum Abhalten von Jahr– und Wochenmärkten wurde die Existenz der Handwerk– und Kaufmannschaft treibenden Bürger gesichert. Der militärische Charakter einer solchen Marktgründung — das gilt gleichermaßen wie bei den Städten — zeigt sich im Befestigungsrecht, der Erlaubnis, die Siedlung mit Mauern samt Türmen und Toren zu umgeben. Auf verschiedenen älteren Ansichten ist die Befestigung Hohenburgs deutlich zu erkennen; geringe Reste haben sich bis heute erhalten.

Das dritte wesentliche Merkmal eines Marktes wie einer Stadt ist das der eigenen Verfassung, die die Siedlung zu einem besonderen Gerichtsbezirk mit speziellen Statuten und mit Selbstverwaltung der Bürger macht, wodurch Markt und Stadt aus den umliegenden ländlichen Gebieten herausgehoben werden.

Auch dies ist für Hohenburg aus den Geschichtsquellen festzustellen. Es gab einen Rat, dessen Mitglieder aus dem Schöffenkollegium des Marktgerichts hervorgegangen sind. Polizeiliche Anordnungsbefugnisse, die Sorge für Ruhe und Ordnung, die Aufsicht über Handel und Gewerbe bildeten den wesentlichsten Aufgabenbereich des Rates im Markt Hohenburg. Die sog. Vierer — ein Ausschuß von vier Bürgern aus den vier Marktvierteln — hatten besondere Funktionen; sie hohen die Steuern und das Ungeld ein, führten die Feuerschau durch, beaufsichtigten das Bauwesen, achteten auf die Lebensmittel und stellten den Hirten auf. Später, als ihre Zahl auf sechs erhöht war, mußten sie auch die Rechnung der Marktkammer überwachen. Schließlich gab es noch besondere Viertelmeister für militärische Aufgaben der Markt– Schloß– und Landesverteidigung.

Die Bürgerschaft war geteilt in die zwei Gruppen der angesessenen Bürger mit Hausbesitz im Markt und der Inwohner, die nur zu Miete wohnten. Erstere waren vollberechtigte Mitglieder des Marktes mit aktivem und passivem Wahlrecht, letztere hatten kein Wahlrecht und waren dazu auch noch von Handel und Gewerbe ausgeschlossen. Wirtschaftliche Vorteile besaßen die Bürger in der Teilhabe am Kom­munbrauhaus, sie durften gewisse Jagd- und Fischrechte ausüben und hatten Holzrechte in den herrschaftlichen Waldungen.‘

Zwar saß der bischöfliche Pfleger in nächster Nachbarschaft auf dem Schloß, seit dem 16. Jahrhundert sogar unten im Markt im Pfleghof, der sich kaum eine Gelegenheit entgehen ließ, der Selbständigkeit der Bürger entgegen zu wirken. Aber grundsätzlich ist doch festzuhalten, daß die kommunale Selbstverwaltung einen Grad erreicht hatte, der es den Bürgern erlaubte, eine eigene Stellung gegenüber der Beamtenwillkür einzunehmen und in manchem ihre eigenen Absichten durchzusetzen.

Die Zuständigkeit des Rates durchlöcherte also den geschlossenen Hoheitsbereich des landesherrlichen Beamten in gewissen Sparten der unteren Justiz und Verwal­tung. In ähnlicher Weise war dies auch bei den Hofmarken der Fall.

Die Hofmarken

Die drei Edelsitze Frabertshofen, Adertshausen12 und Schauerstein erwarb das Hochstift Regensburg im 16. Jahrhundert von den dortigen Grundherren. Diese, die Hager und Scharffenberger, waren damals so verschuldet, daß es dem Bischof und dem Domkapitel von Regensburg nicht schwerfiel, die drei Güter zu erwerben.

Nicht so einfach war die Lage jedoch in den drei nördlich der Lauterach gelegenen Hofmarken Mendorferbuch, Allersburg und Heimhof. Denn hier bestand nicht nur das Spannungsverhältnis zwischen dem Landesherrn und den adligen Hofmarksbesitzern, sondern hier schalteten sich auch die benachbarten kurpfälzischen und pfalz-neuburgischen Beamten von Amberg, Rieden und Burglengenfeld ein, um Einfluß auf das Hochstiftsgebiet zu gewinnen. Kurpfalz versuchte dies auf lehenrechtliche Art. Das zeigt besonders deutlich das Beispiel von Schloß und Hofmark Heimhof13 im Hausener Tal.

Im Bereich des Hohenburger Gebietes war dort im 14. Jahrhundert das Schloß auf Grund und Boden des Klosters Kastl errichtet worden. Der Abt hatte diesen dem Schloßherrn zu Lehen verliehen. In der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde nun das Kloster Kastl von Kurpfalz säkularisiert; der der neuen Lehre anhängende Kurfürst zog den reichen Klosterbesitz ein. Damit war eine willkommene Gelegenheit gegeben, in den Bereich des Regensburger Bischofs hineinzuregieren. Als um 1600 das Ge­schlecht der Ettlinger als das der Heimhofer Schloßherren ausgestorben war, setzte Kurpfalz einen neuen Lehensmann ein, einen besonderen Günstling des kurpfälzischen Hofes, Michael von Löfen. Dieser war strenger Kalvinist, wodurch manch konfessionelle Streitigkeit im Nordteil der Hohenburger Herrschaft entstand. 1606 schließlich sah es so aus, als ob zwischen Amberg und Regensburg ein Ausgleich im Streit um Heimhof gefunden werden könnte. Die Unterhändler hatten sich schon auf einen Vertragstext geeinigt, mit dem der Bischof gegen gewisse Zugeständnisse auf die Landeshoheit über Heimhof verzichtete. Aber der Vertrag wurde nie ratifiziert, so daß es im 17. und 18. Jahrhundert immer wieder zu mehr oder weniger scharfen Auseinandersetzungen über die dortigen Rechte kam.

In den beiden anderen Hofmarken, Allersburg14 und Mendorferbuch15, zeigt sich bei den unendlichen Reibereien zwischen dem Bischof und dem Pfalzneuburger Fürsten, wie die adligen Besitzer der Güter versuchten, im Streit der beiden mächtigen Nachbarn die Rolle der lachenden Dritten zu spielen. So wollte in der Mitte Untertan des Pfalzgrafen sein, als der bischöfliche Beamte von Hohenburg die Steuer eintrieb. Lichau kam deswegen ins Hohenburger Schloßgefängnis. Darauf rückte gleich der Burglengenfelder Landrichter an und befreite Lichau aus der Haft. Als aber dann der Landrichter seinerseits die Steuer kassieren wollte, berief sich der Baron bei seiner Zahlungsverweigerung auf seine Zugehörigkeit zum Hochstift Regensburg. So kam er auch noch in das Burglengenfelder Gefängnis.

Die kirchlichen Verhältnisse

In dem ältesten Pfarreienverzeichnis der Diözese Regensburg von 1286 erscheinen für unser Gebiet die Pfarrsitze Allersburg, Adertshausen, Hausen und Griffenwang. Letztere Kirche wurde schon im 14. Jahrhundert Filiale von Allersburg.

Wir haben es hier mit sog. Urpfarreien zu tun, deren Einrichtung ohne Zweifel bis auf die früheste Zeit der Christianisierung kurz nach der Landnahme der Bajuwaren zurückgeht. Zum Sprengel von Allersburg gehört auch heute noch der Markt Hohenburg. Der dortige Expositus ist Hilfsgeistlicher des Allersburger Pfarrers. Dies rührt eben daher, daß bei der Abgrenzung der Pfarrsprengel der Markt Hohenburg noch nicht bestand16.

Die Reformation spielte in diesem von einem geistlichen Landesherrn beherrschten Territorium naturgemäß keine Rolle. Natürlich gab es mit den benachbarten pfälzischen Orten und deren geistlicher Obrigkeit Differenzen, als in der Kurpfalz und in Pfalz-Neuburg die lutherische und später die kalvinische Lehre Eingang gefunden hatten.

Eine Folge der konfessionellen Spaltung sehen wir heute noch darin, daß der Pfarrer von Allersburg Dekan für die Pfarreien der alten Herrschaft Hohenburg ist. Im hohen Mittelalter hatte das ganze Gebiet zum Dekanat Schwandorf gehört. Als dann jedoch die oberpfälzischen Kirchen der Reformation zufielen, bestellte der Bischof von Regensburg den Allersburger Pfarrer zum Dechanten über die katholisch gebliebenen Pfarreien. Bei dieser Einrichtung blieb es auch, als nach 1628 die kur-pfalz-bayerischen Orte wieder zur katholischen Lehre zurückkamen.

Der Bischof von Regensburg besaß lange Zeit auch Schloß und Hofmark Hohenburg am Inn (LK Wasserburg). Deshalb benutzte die bischöfliche Kanzlei bis zum Jahr 1810 zur Bezeichnung unseres Hohenburg den Zusatz „auf dem Nordgau“. Dadurch blieb dieser uralte Landschaftsname bis zur Neuzeit auch im Zusammenhang einer politisch-staatlichen Bildung lebendig.

Dem Herrschaftsbereich der alten Hohenburger, wie er sich unter der bischöflichen Hoheit bis ins 19. Jahrhundert erhalten hatte, war es nicht beschieden, wenigstens in der modernen Form von Verwaltungs- oder Gerichtsgrenzen an die Vergangenheit zu erinnern, ja nicht einmal alle seine Siedlungen konnten ihr Dasein bis in unsere Tage retten. Denn alle auf den Höhen südlich der Lauterach gelegenen Orte mußten in den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts geräumt werden, als dort der Hohenfelser Truppenübungsplatz entstand — eine bedrückende und betrübliche Nachbar­schaft die auch das Wirtschaftsleben des Marktes hemmt und beeinträchtigt. Die jüngste Entwicklung dieses Landstrichs sollte Anlaß sein, der reichen Vergangenheit des Hohenburger Gebiets zu gedenken. Dazu möchte diese historische Skizze anregen.


  1. Th. Ried, Genealogisch-diplomatische Geschichte der Grafen von Hohenburg, Markgrafen auf dem Nordgau (1812); ders., Zweyte Abhandlung über die Grafen von Hohenburg, Markgrafen auf dem Nordgau (1813); ders., Geschichte der Grafen von Hohenburg (Historische Abhandlungen der bayer. Akademie der Wissenschaften 14, 2 ff.); N. Erb, Die Reichsherrschaft Hohenburg auf dem Nordgau, in: VO 38 (1884) 121—227; F. Janner, Geschichte der Bischöfe von Regensburg 3 Bände (1883—1886); F. Spörer, Geschichtlicher Führer durch Hohenburg und die nächste Umgebung (1935); ders., Heimatgeschichtlicher Führer durch den Kreis Parsberg in der Oberpfalz (1949); H. Dachs, Das Marktrecht von Hohenburg auf dem Nordgau, in: VO 84 (1934) 3—86; Kunstdenkmäler von Bayern, Bezirksamt Parsberg (1906) 115—128; A. Sieghardt, Oberpfalz (1958) 120ff.; Handbuch der historischen Stätten Deutschlands 7, Bayern (1961) 290 f.; H. Graf Waldburg-Wolfegg. Vom Nordreich der Hohenstaufen (1961) 122 ff. — Die Traditionen des Klosters St. Emmeram s. in Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte, Neue Folge 8 (1943) 221 Nr. 266; 232 Nr. 290; 235 Nr. 295 f.; 236 ff. Nr. 298 f.
  2. Uber die Diepoldinger vgl. M. Doeberl, Regesten und Urkunden zur Geschichte der Di­poldinger Markgrafen (1893); ders., Berthold von Vohburg-Hohenburg, der letzte Vorkämpfer deutscher Herrschaft im Königreich Sizilien, in: Deutsche Zeitschrift für Geschichte. 12 (1896) 201—278; K. Trotter, Die Grafen von Vohburg, in: Genealogisches Handbuch zur baier.-österr. Geschichte (hg. von O. Dungern) 1 (1931) 52 ff.; J. M. Bauer, Berthold von Hohenburg, in: Unbekanntes Bayern 3 (1959) 7—16; Allgemeine deutsche Biographie 50 (1905) 440 f.; Neue deutsche Biographie 2 (1955) 158; 3 (1957) 653 f.; G. Widenbauer, Der tragische Untergang der Markgrafen von Hohenburg auf Sizilien 1256/57, in: Oberpfalz 44 (1956) 191 ff., 2411, 260 ff., 275-280, 311-314.
  3. Klagelied Bertholds im Kerker. Reich war ich einst, nun aber verarmt, was habe ich Unglücklicher vollbracht? Der ich Gesänge mit glühendem Eifer vollendet. Auf jene Zeiten folgte das harte Schicksal; siehe, jetzt geben mir nur die gefesselten Musen Stoff für meine Lieder.
  4. H. Dachs, Der Umfang der kolonisatorischen Erschließung der Oberpfalz bis zum Ausgang der Agilolfingerzeit, in: VC 86 (1936) 159—178; E. Herrmann, Das Diedenhofer Capitulare Karls des Großen, in: Oberpfälzer Heimat 6 (1961) 15—22.
  5. Handbuch der historischen Stätten Deutschlands 7, Bayern (1961) 135 f., 787; Kunstdenk­mäler von Bayern, Bezirksamt Stadtamhof (1914) 37—68; ebd., Bezirksamt Regensburg (1910) 177—203.
  6. G. Schwaiger, Die altbayerischen Bistümer Freising, Passau und Regensburg zwischen Säkularisation und Konkordat 1803—1817 (Münchner theologische Studien 13, 1959) 245 ff.; ders.. Das dalbergische Fürstentum Regensburg (1803—1810), in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 23 (1960) 42—65. Literatur über Karl von Dalberg s. bei Rainer Wohlfeil, Untersuchungen zur Geschichte des Rheinbundes 1806—1813, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 108 (1960) 87.
  7. Allgemeines Staatsarchiv München, Gericht Hohenburg Lit. 3; Plansammlung 3598, 3693; vgl. auch Staatsarchiv Amberg, Plansammlung 256; A. Scherl, Die pfalzneuburgische Landes­aufnahme unter Philipp Ludwig, hi: Archivalische Zeitschrift 56 (1960) 101 (mit Kartenab­bildungen).
  8. Die mit einem Kreuz (f) bezeichneten Ortschaften mußten 1938/39 bei der Anlage des Truppenübungsplatzes Hohenfels von der Bevölkerung geräumt werden; vgl. dazu Mitteilungen für die Archivpflege in Bayern 7 (1961) 62 ff.
  9. Die Grenze lief durch die Orte Waltersheim, Ransbach, Zant, Eigentshofen und Eglhofen, von denen jeweils nur einige Anwesen nach Hohenburg gehörten.
  10. Kunstdenkmäler von Bayern, BA Parsberg 122 ff.; VO 38, 216.
  11. S. hierzu vor allem Dachs, VO 84
  12. N. Erb, Adertshausen in der Oberpfalz, in: VO 14 (1850) 217—256; Kunstdenkmäler von Bayern, BA Parsberg 22.
  13. N. Erb, Geschichte des Landsassengutes Heimhof, in: VO 17 (1856) 437—494; B. Ebhardt, Burg Heimhof (1928); Kunstdenkmäler von Bayern, Bezirksamt Neumarkt i. d. Opf. (1909) 125—133; Sieghardt 106 ff.; Handbuch der historischen Stätten Deutschlands 7, Bayern (1961) 262 f. — Vertrag von 1606: Staatsarchiv Amberg, Amt Amberg-Lan Fasz. 656.
  14. N. Erb, Allersburg in der Oberpfalz, in: VO 10 (1846) 293—343; Kunstdenkmäler von Bayern, BA Neumarkt i. d. Opf. 75—82.
  15. VO 38, 146—159.
  16. W. Fink, Ein altes Pfarreienverzeichnis des Bistums Regensburg aus dem Jahr 1286, in: 15. Jahresbericht des Vereins zur Erforschung der Regensburger Diözesangeschichte (1953) 5—30; J. B. Lehner, Ein Pfarreienverzeichnis des Bistums Regensburg aus dem Jahr 1326, in: ebd. 2 (1927) 24—36; Matrikel der Diözese Regensburg (1916) 15, 103—107; Schematismus der Geistlichkeit des Bistums Regensburg für das Jahr 1961 S. 18.

(© Die Oberpfalz, 1962, S. 159 ff.)

Erasmus Grasser, ein Bildhauer der Spätgotik

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Erasmus Grasser, ein Bildhauer der Spätgotik — ein Oberpfälzer

Von Clement Schinhammer

Das künstlerische Wirken des Bildhauers Erasmus Grasser vollzog sich nur in München, weshalb er gerne von den Münchnern als eingeborener Künstler betrachtet werden möchte. Doch Grasser war, was wohl mit Sicherheit angenommen werden darf, von Geburt ein Oberpfälzer. In einer Urkunde aus dem Jahr 1508 im Münchner Stadtarchiv sagt er selbst: „Ich Erasm. Grasser der Pildhauer von Schmidmülln Burger zu München“. Da aus dieser Zeit nur ein Ort „Schmidmülln“ bekannt ist, kann es sich nur um den Marktflecken Schmidmühlen in der Oberpfalz am Zusammenfluß von Lauterach und Vils handeln.

Das Geburtsjahr des Erasmus Grasser ist unbekannt; doch nimmt man an, daß er um 1450 geboren ist. Um diese Zeit haben in Schmidmühlen auch tatsächlich Grasser gelebt. Es erscheint nämlich in den Amberger Gerichts– und Bürgerbüchern aus den Jahren 1448 und 1456 ein „Hans Grasser aus Schmidmülln“. Des weiteren ist im benachbarten Rieden an der Südseite der Pfarrkirche ein Grabstein mit folgender Inschrift erhalten: „Anno Domini 1505 starb am Sanct Sebastiani Tag die erbar Frau Barbara Hanauerin ein Hausfrau gebest dem erbar Hans Grasser von Schmidmüln der Gott genedig sei“. Es wäre also nicht ausgeschlossen, daß dieser Hans Grasser ein Verwandter oder gar der Vater des Erasmus Grasser gewesen sein könnte.

Über den Entwicklungsgang des Künstlers sind wir nur auf Vermutungen angewiesen. Es erscheint aber recht naheliegend, daß Erasmus Grasser die Ausbildung als Bildschnitzer in Amberg begonnen hat. War doch Amberg um diese Zeit die Hauptstadt und der Mittelpunkt des geistigen und künstlerischen Lebens der Oberpfalz gewesen. Die Innenausstattung von St. Georg war zu jener Zeit dem Abschluß nahe; während gleichzeitig durch den Kirchenbau von St. Martin den Bildschnitzern und Steinmetzen von denen damals verschiedene in Amberg ansässig waren, neue Arbeiten zufielen. Im Besonderen war Amberg für Schmidmühlen die nächstgelegene größere Stadt, mit der es ein reger Schiffsverkehr auf der Vils verband. Die oben erwähnten Beziehungen des Hans Grasser zu Amberg könnten ebenfalls die Vermutung — Erasmus Grasser habe in Amberg das Bildschnitzen gelernt — wahrscheinlich machen. Der Weg seiner Entwicklung dürfte Erasmus Grasser von Amberg nach Nürnberg geführt haben, wo um diese Zeit Veit Stoß, Adam Kraft, Peter Vischer als Meister der Bildhauerkunst wirkten. Über Bayern hinaus wird Grasser auf seiner Wanderschaft nicht gekommen sein.

Bereits 1474 erscheint der Name Erasmus Grasser in den Zunftakten der Stadt München. Die zweite Nachricht, die wir auf Erasmus Grasser beziehen dürfen, stammt aus dem darauffolgenden Jahr 1475. Die Zunft will damals den “Asm. Schnitzer“ nicht zum Meisterstück zulassen, um daß er „ein unfriedlicher, verworrener und arglistiger Knecht ist, wie er dickmannigen (d. i. häufig) bewiesen hat“.

Allein mit seinem Namen rang sich Grasser durch und so finden wir 1477 als einen Meister der schon so angesehen war, daß ihn Jörg Ganghofer, der Erbauer des alten Rathauses in München zur Ausschmückung des heute noch erhaltenen Tanzsaales beizog. Hier schuf nun Grasser sein erstes und zugleich größtes Werk und begründete damit seinen Ruhm schon am Beginn seines Schaffens.

Die bildnerische Ausschmückung des Saales durch Grasser sollte auf dem Zweck als Tanzsaal hinweisen. Ab 1480 schnitzte Grasser im Auftrag der Stadt München 16 Figuren von denen noch heute 10 Tänzerfiguren erhalten sind, die wir als die „Maruskatänzer“ bewundern.

Moriska 1

Der Maruska — eigentlich besser Moruskatanz — war ein Modetanz des 14. und 15. Jahrhunderts, der von den Morusken in Spanien ausging und sich dann über Frankreich, Niederlande, England und Deutschland ausbreitete. Die Grundidee dieses Tanzspieles war eigentlich ein wildbewegter, burlesker Tanzschritt um eine Jungfrau mit einem Ring, ein symbolisch-pantomimisches Werben um das Weib. Dieser Moruskatanz gibt uns einen Einblick in das Leben und Empfinden dieser Zeit, und seine Tanzart ist künstlerischer dargestellt wohl nie auf uns gekommen, als gerade durch diese mit außerordentlicher Qualität entworfenen Tänzerfiguren des Meisters Grasser.

Sechs seiner Figuren des zur Belustigung der Zuschauer aufgeführten Tanzspieles sind nicht mehr erhalten; es werden die Gestalten der Jungfrau, des eigentlichen Schalksnarren und der Musikanten gewesen sein, die ihren Platz wohl an der Brüstung der Musikempore hatten. Die zehn Maruskatänzer (auch als Narrenfiguren bezeichnet) stehen heute noch im Sprengwerk der Decke des alten Tanzsaales; sie können wohl nicht besser geschildert werden als mit den Worten des Kunsthistorikers Lill:

„Eine ganz tolle Galerie von karikaturenhaften Komödianten taucht da plötzlich aus den Nischen des Saalfrieses auf. Bucklige und Mohrenhafte, elegante Stutzer und tölpelhafte Bauern, beschränkt ängstliche Kleinbürger und Schneider und in tollster Lust gröhlende Fuhrleute, sie alle haschen nach Glück und Sinnenlust. Einer eilt in langgezogenen sehnigen Schritten dahin, ein anderer stampft den Boden, ein dritter macht fast einen Fußfall. Die Verrenkung der Glieder, die lächerliche Ausdruckskraft der Gesten, die Verzerrung der Mienen steigert das ganze ins Spukhafte und Groteske. Phantastische Gewänder verstärken die Erscheinung: bald enganliegende Hosen mit Wespentaillen, dann breitumwickelte Turbane, breitkrempige Hüte, fliegendes Lockenhaar mit gewundenem Schappel, ein Turban mit Feder, ein Bauernhut oder eine trichterförmige Mütze. Im wilden Drehen und Wiegen fliegen die unzähligen Glöckchen an Wams, Hosen und Mützen, flattern die langen Schärpen und Gewandzipfel.

Moriska 4

Einen der besten aus der Tänzerschaft wollen wir herausgreifen. Enge Hosen und Wams umschließen fest den Leib, doch zu wilden Ohrmuscheln blähen sich die Flügel der Ärmel auf, aus denen die prachtvoll charakterisierten Hände greifend und haschend hervorschnellen. In jäher tanzender Kniebeuge biegt sich der Körper nach rückwärts, wobei das optische Schwergewicht mit raffinierter Bewegung durch Kopf und Ärmelbauschen nach oben gelegt wird. Etwas Flatterndes und Huschendes kommt dadurch in die Figur. Hier oben grinst uns ein derb unflätiges Gesicht an, verlebt, in Leidenschaften gealtert, mit brutal derbem, zahnlosen Mund, weit vorgetriebener Knollennase, kleinen flackernden Augen, niedriger tierischer Stirne. Bekrönt wird dieses in seiner Gemeinheit doch wieder komisch wirkende Antlitz, weil etwas naturhaft Gutmütiges in ihm liegt, von einer hohen, doppelt geteilten Mütze, die an Fledermausflügel erinnert. Das Elementare, Wilde, leidenschaftlich Aufschäumende und Aufspritzende muß schon aus einem Temperament hervorgegangen sein, das tatsächlich in „unfriedliche, verworrene und arglistige“ Tiefen hinabreichte“.

Moriska 3

Es steht unwiderstehlich fest, daß die Bildner des Mittelalters Ähnliches an lebenstrotzender Heiterkeit und übersprudelnder Ausgelassenheit, an uneingeschränkter Beherrschung des menschlichen Körpers und Wiedergabe entfesselter Bewegung nicht an die Seite stellen können. Mehr als vier Jahrhunderte sind verflossen, seit Grasser diese von Lebenskraft überschäumenden  Tänzer schnitzte, die heute noch jeden Freud des Humors ergötzen und ein so herrliches Verständnis der Form, so seine Charakteristik, so prächtiges Studium von Natur und Leben zeigen, so daß schon ihretwegen allein Grassers Name in der Geschichte der Plastik ruhmreich genannt werden müßte.

Des weiteren stellte Grasser seine Kunst in den Dienst der Kirche und von dieser Seite gingen ihm so viel Aufträge zu, daß er bald kaum mehr in der Lange war, sie allein zu bewältigen, so mußte sich naturgemäß ein reger Werkstattbetrieb entwickeln. Das eingehende Studium Grasserscher Kunst, um die sich besonders Geheimrat Dr. Halm, Generaldirektor des Nationalmuseums in München, durch Herausgabe eines großen Spezialwerkes verdient gemacht hat, führt zu der Ausscheidung von beglaubigten, von stilistisch gesicherten Werken, von solchen aus seiner Schule und von solchen, die man ihm bisher wohl zudachte, die ihm aber nicht zuzusprechen sind.

Zu den beglaubigten Werken Grassers gehören außer den Moruskatänzern der Grabstein des Dekans Aresinger in der St. Peterskirche in München (wohl die feinste Arbeit des Künstlers), eine Beweinung Christi im Dom zu Freising, die Altarfiguren in Reichersdorf.

Von Werken die ihrer Kunstart nach Grasser zugeschrieben werden müssen, sind zu nennen: der figurenreiche Kreuzigungsaltar in Ramersdorf, die Madonna in Rottenbuch, die St. Peter-Figur in Dießen und St. Sigismund in Freising, ein Hausaltärchen, eine Nikolausfigur, eine Gottvaterfigur und die Pippinger Figuren im Nationalmuseum in München, das Pfingstfest in Leutstetten, endlich das Marmorgrabmonument Kaiser Ludwigs des Bayern sowie das Chorgestühl in der Frauenkirche in München.

Groß ist die Zahl der Grabdenkmäler und Heiligenfiguren, die Grassers Manier und Kunst verraten und also aus seiner Werkstatt und Schule hervorgegangen sein müssen.

Allerdings in der Art Grassers, nicht aber von seiner Hand sind die „Blutenburger Figuren“, deren Meister bisher noch nicht ermittelt werden konnte, der aber Grasser sehr nahe stand, wohl als Gehilfe und Mitarbeiter. Für gar keinen Fall darf man die Tänzerfiguren an der Brüstung des „Goldenen Dachls“ in Innsbruck zu Werken Grassers emporheben; sie sind viel zu roh und zu derb.

Wenn man noch in Erwägung zieht, daß Grasser als Baumeister bei Kirchenbauten, ferner beim Reichenhaller Salinenwerk tätig war, so muß sich die Bewunderung für sein vielseitiges Können noch mehr steigern.

Als Erasmus Grasser starb war er nach den Einträgen in den Steuerbüchern der „reichste Bürger der Stadt München“. Leider kennen wir seinen Todestag nicht; doch wissen wir sicher, daß er 1518 im April oder Mai gestorben ist.

Der Geburtsort Grassers Schmidmühlen will zum Andenken an seinen größten Sohn den Hauptplatz vor der Kirche „Erasmus-Grasser-Platz“ nennen.

Von der Kunstgeschichte muß für immer Erasmus Grasser als der kraftvolle Bildhauer und als einer der überragenden Meister der deutschen Kunst in der Spätgotik genannt werden.

Aus: Die Oberpfalz, 1929

Österreich entstand auf einer Wiese bei Barbing

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Von Martin Staudacher

Gäbe es für Staaten Geburtsurkunden wie für Einzelpersonen, müßte für unseren Nachbarn Österreich die Gemeinde Barbing am Stadtrand von Regensburg als Geburtsort eingetragen werden, als Geburtstag der 8. September 1156. Und so hat sich das ganze zugetragen:

Als Kaiser Barbarossa 1155 mit neu gefestigter Autorität von seinem Italienzug heimgekehrt war, ging er daran, eine Angelegenheit zu ordnen, deren Erledigung er schon aus politischen Gründen nicht mehr länger anstehen lassen konnte: Im Dezember 1138 war Heinrich dem Stolzen — dem von Kaiser Lothar designierten Nachfolger auf dem deutschen Königsthron — von der staufischen Partei auch Bayern abgesprochen und im Frühjahr drauf dem babenbergischen Markgrafen Luitpold IV. übertragen worden.

Als nach dem Tode Konrads II. dessen Neffe Friedrich I. zum deutschen König gewählt wurde, war dieser schon wegen der erhofften Unterstützung durch die Welfen bereit, auf deren Forderung nach Rückgabe Bayerns einzugehen. Der neue König wußte nur zu gut, daß er seine Vorstellungen vom staufischen Reichsgedanken nur dann verwirklichen konnte, wenn es ihm gelang, in Deutschland wieder den inneren Frieden herzustellen.

Da aber Heinrich Jasomirgott — seit dem Tod seines Bruders Luitpold Markgraf von Österreich — alle anberaumten Verhandlungen boykottierte, sprach Barbarossa dem Welfen im Juni 1154 zu Goslar sein ihm angestammtes Erbe auch ohne den Konsens des Babenbergers zu und wies ihn im Oktober 1155 in Regensburg in sein Herzogtum ein. Das hinderte Jasomirgott freilich nicht, sich nach wie vor als „dux Bavariae et marchio Austriae (bayerischer Herzog und Markgraf von Österreich) zu bezeichnen.

Militärische Aktionen gegen Heinrich Jasomirgott konnte Barbarossa wegen der zahlreichen außenpolitischen Verbindungen des Babenbergers nicht unternehmen. Nachdem aber neue Verhandlungen Anfang Juni 1156 in der Nähe Regensburgs zufriedenstellend verlaufen waren, beschloß Barbarossa die getroffenen Abmachungen bis zu dem auf den 13. Oktober nach Regensburg einberufenen (später aber vorverlegten) Hoftag zu realisieren.

Am 8. September 1156 war es dann so weit. Als Verhandlungsort war nicht die alte bayerische Hauptstadt Regenburg gewählt worden – man befürchtete anscheinend politische Komplikationen –, sondern eine Wiese beim Dorf Barbing (pratum Barbingen), einige Meilen außerhalb der Stadt.

Aus ähnlichem Grunde läßt übrigens auch der babenbergerfreundliche Dichter des Nibelungenliedes die Burgunderkönige die Stadt Regenburg in großem Bogen umgehen und erst wieder bei Pledelingen (Plattling) die Donau erreichen.

Die Rückgabe Bayerns an Heinrich den Löwen und die Übergabe des Herzogtums Österreich an den Babenberger wurde in einem hochfeierlichen Zeremoniell möglicherweise vor der heute noch bestehenden Kreuzhofkirche vollzogen. Heinrich Jasomirgott überreichte Barbarossa sieben Fahnen, die das Herzogtum Bayern symbolisierten; der Kaiser gab daraufhin die Fahnen an Heinrich den Löwen weiter, der zwei davon an den Kaiser zurückgab.

Während Herzog Wladislaw von Böhmen die von den Fürsten gebilligte Entscheidung des Kaisers verkündete, die Ostmark mit drei Grafschaften als selbständiges Herzogtum Heinrich Jasomirgott und seiner griechischen Gemahlin Theodora als Lehen zu übertragen, gab Barbarossa dem Babenberger zwei Fahnen zurück.

Österreich wurde in Barbing mit außergewöhnlichen Vorrechten ausgestattet: das neue Herzogtum sollte auch in weiblicher Linie erblich sein, für den Fall, daß Heinrich und Theodora kinderlos blieben, durften sie selber ihren Nachfolger bestimmen (sog. ius affectandi); dem Reich gegenüber war der Babenberger nur gehalten Hof– und Reichstage zu besuchen; an Feldzügen brauchte er sich nur dann zu beteiligen, wenn sie in Österreich benachbarte Länder gingen; außerdem erhielt der Babenberger in seinem Land die volle Gerichtsbarkeit. Die Urkunde über diese Vereinbarungen – das sog. „Privilegium minus“ – wurde am 17. September 1156 ausgestellt.

Achtzehn Reichsfürsten werden von den Chronisten als Zeugen dieses Geschehens angeführt: unter anderem Pilgrim der Patriarch von Aquileja, Eberhard der Erzbischof von Salzburg, die Bischöfe von Freising, Passau, Bamberg, Brixen, Regensburg und Trient.

Barbarossa soll diesen Kongreß von Barbing als den schönsten Erfolg seines Lebens bezeichnet haben. Bayern freilich hatte damit endgültig seine Ostmark verloren. Nach der Abtrennung Kärntens (976) war es der zweite große Aderlaß in der Geschichte, von dem es sich nicht mehr vollends erholen sollte.

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Alte Maße und Gewichte

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Von J.E. Fischer

Fragt man einen oberpfälzischen Bauern nach der Größe seines Grundbesitzes,dann gibt er diesen bestimmt nach „Tagwerken“ und „Dezimalen“ an. (1Tgw. = 1/3 ha oder 3333 qm) und nicht nach ha und ar, wie er im Grundbuch eingetragen ist. Seinen Brennholzbedarf berechnet er nach „Klafter“oder „Ster“, aber niemals nach Kubikmeter. Von der Größe dieses Raummaßes haben die wenigsten eine richtige Vorstellung.Wie wäre es sonst zu erklären, daß in Michelsneukirchen (Landkreis Roding) ein Gütler eine auf 300 Mark gewertete Kuh nach „Kubik“ verkaufte! Dieser ahnungslose Siebengescheite glaubte sogar ein einmalig gutes Geschäft gemacht zu haben, als er auf den Vorschlag eines gerissenen Viehhändlers einging, der ihm für „den Kubik“ 100 Mark bot. Daß er sich übertölpeln ließ, merkte er erst,als man aus Brettern rasch ein Kubikmeter improvisierte, in das man die zerteilte Kuh bequem verstauen konnte. Durch seine Unkenntnis vom Fassungsvermögen eines Kubikmeters kam um dieselbe Zeit auch ein Geflügelaufkäufer zu Schaden. Er wettete um einen „Eimer“ Bier (62,2 l), daß er in 2 Tagen einen „Kubik“ Gockerl beschaffen könne. Natürlich verlor er die Wette. Wie sollte er auch in so kurzer Zeit, als es weit und breit noch keine Geflügelfarmen gab, 1000 „Mistkratzer“ hernehmen! So viele faßt nämlich 1 cbm. Wer es nicht glaubt, probiere es einmal selber aus! Daß die beiden Geschädigten für Spott nicht zu sorgen brauchten, versteht sich von selber. Der unterblieb auch nicht, als sie angaben, sie wären bei Abschluß ihrer wohl einmaligen Geschäfte nicht mehr recht nüchtern gewesen.

Außer ha und cbm wurden 1872 im ganzen Deutschen Reiche auch noch hl, sowie völlig neue Münzen und Gewichte eingeführt, die alle auf dezimaler Grundlage beruhen. Die zäh am überkommenen hängende Bevölkerung gewöhnte sich aber nur sehr langsam an die neuen Werte und rechnete lange noch nach deren offizieller Einführung mit den alten Maßen und Münzbezeichnungen. Ja zum Teil tut sie dies da und dort heute noch. So kauft eine oberpfälzische Hausfrau ihren Sonntagsbraten nie nach kg und g, sondern immer noch so wie ihre Mutter und Großmutter nach Pfunden. Das „Pfund“ wurde übrigens erst 1937 abgeschafft. Anderes dagegen, das man früher stückweise handelte, so Schlacht– und Nutzvieh, sowie Enten und Gänse wird jetzt nur mehr nach dem Gewicht verkauft (Pferde und Zuchttiere ausgenommen).

Gewogen werden jetzt auch die sogen. „schüttbaren“ Dinge wie Obst und Getreide, die man vor Einführung der dezimalen Werte nur gemessen hatte und zwar nach „Scheffel“ (2,2 hl), „Metzen“ (1/16 Scheffel) und „Vierlingen“ (25 l). Als Kinder durften wir jedes Jahr einen „Vierling“ „Hennabirn“ und etwas später dasselbe Maß „Kornäpfel“ kaufen, da wir im eigenen Garten kein Frühobst hatten. In der „Fassion“ der oberpfälzischen Landlehrer waren die Abgaben an Roggen,die für das Läuten der Kirchenglocken auf den einzelnen Gehöften der Pfarrei lasteten, die „Läutgarben“ oder das sogen. „Läutkorn“, bis 1921 nach Metzen und Vierlingen angegeben. Bei Eiern dagegen blieb es beim stückweisen Verkauf, wie das auf dem Lande auch heute noch der Fall ist. Allerdings bekam man um die Jahrhundertwende für eine Mark noch einen „Schilling“ (30 Stück) und für 2 Mark ein ganzes „Schock“ (60 Stück). Das war die Zeit, da ein Paar junge Tauben 40 und die Maß Bier 20 Pfennig kostete. Ab und zu tauchen in der Umgangssprache auch noch frühere Bezeichnungen für Längenmaße auf. So kann es vorkommen, daß ein alter Mauerer oder Zimmermann von einem „Zollstock“ spricht, wenn er einen „Meterstab“ aus seiner Gesäßtasche zieht. Freilich messen auch diese Handwerker heute nicht mehr nach „Zoll“ (29 cm) und „Schuh“oder „Fuß“ (28–34 cm). Diese vom Körper genommenen Naturmaße gehören wie Fingerlänge, Handbreite, Handspanne, Fauststärke, Elle und Klafter (Abstand zwischen den ausgebreiteten Armen) der Vergangenheit an. Die Entfernung zwischen 2 Orten aber gibt man auf dem Lande immer noch nach Stunden an und nie nach Kilometern. Daher spricht man auch von „Stundensäulen“, womit man die auf den Staatsstraßen in Abständen von 5 km errichteten großen walzenförmigen „Kilometersteine“ meint.

Am raschesten gewöhnte sich die Bevölkerung an die neue dezimale Währung, die allerdings keine Zweimarkstücke kannte. Dafür aber gab es bis 1907 „Taler“ (= 3 Mark) und längere Zeit auch 25 Pfennigstücke und „Simmerl“ (20 Pfennigstücke aus dünnem Silber). An die letzteren erinnert in Michelsneukirchen heute noch der Hausname „Simmerlschuster“. Ein Vorgänger des jetzigen Hausbesitzers war Schuster und zugleich Gemeindediener. Als solcher hatte er bei den Eltern der Kinder nachzufragen, die manchmal bei schönem Wetter „hinter die Schule gingen“, d. h. diese schwänzten. Für diese Dienstleistung, die einen Vormittag beanspruchte, erhielt er ein „Simmerl“, was damals den Gegenwert für eine Maß Bier bedeutete.

Bier trank ein richtiger Altbayer, wie das auf dem Lande noch heute vielfach üblich ist, aus Maßkrügen, meist aus den sogenannten „Keferlohern“ (Maßkrüge ohne Deckel) und war er Stammgast, oft auch aus „Bitscherln“ (Holzgefäße, deren Namen sich wohl vom englischen „pitch“ = Pech, herleitet). Wer ein „Quartl“ bestellte, galt als „Preiß“. „Über die Gassn“ allerdings ließ man sich meist nur „3 Quartl“ holen. An Sonn– und Feiertagen genehmigt man sich wie eh und je, besonders im Winter, noch rasch vor dem Gottesdienst ein „Stamperl“ Schnaps, bei Hochzeiten wohl auch ein „Hascherl“ Wein, ja manchmal sogar „Schampus“. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, und die alten bayerischen Münzen, Maße und Gewichte sind restlos aus dem Geschäftsverkehr verschwunden. Die jüngere Generation kennt sie wahrscheinlich kaum mehr dem Namen nach. Erhalten aber bleiben sie in Liedern und volkstümlichen Redensarten. So muß der Taler wahrscheinlich auch noch bei Kind und Kindeskindern „von einem zum andern wandern“, und der Bau eines Hauses wird auch später noch einen „schönen Batzen Geld“ kosten, ja vielleicht sogar Schulden einbringen, die „auf Heller und Pfennig zurückbezahlt“ werden müssen. Es wird auch in der Zukunft so sein wie einst, daß „in der Not 100 Freunde auf ein Lot gehen“. Bräuchte man weniger, wäre das wirklich „eine pfundige Sache“.

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Die Geyer von Lauf und Laufenthal

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Die Geyer von Laufenthal bei Hemau und ihre Nachkommen 

 Von August Sieghardt

Zwischen Beratzhausen, Hemau und Laaber nahe dem rechten Ufer der Schwarzen Laber an einem bewaldeten Hang liegt das zumeist aus Fachwerkhäusern bestehende Laufenthal mit einer katholischen Kirche, die der heiligen Ottilia geweiht ist, und einem ehemaligen Edelsitz, der schon lange Zeit als Gasthaus dient. Dieses schlichte zweigeschossige Schlößchen, das sich inmitten dichter Baumgruppen malerisch an einen Anhang der kleinen Kirche schmiegt und keine architektonische Gliederung aufweist, stammt aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts und wurde von der adeligen Familie der Geyer von Etzenberg (Großetzenberg) und Laufenthal erbaut, anstelle des älteren Schlosses, das wie das neue, jetzige Schloß jahrhundertelang der Sitz einer Hofmark war. Ein Edelgeschlecht der Herren von Laufenthal ist urkundlich bereits zu Beginn des 12. Jahrhunderts nachgewiesen; da wird in einem Tauschvertrag zwischen Bischof Otto von Bamberg und dem Edlen Wernher von Haag, ein „Othnant de Lofenthal“ als Zeuge genannt. In einer am 2. August 1273 zu Hemau ausgestellten Urkunde bestätigt und verspricht Ritter Hadmar von Laaber dem Ritter Gottfried von Laufenthal, daß ihm seine Tochter Ophemia im Lehen nachfolgen soll, falls Gottfried ohne männliche Nachkommen stirbt. Zur späteren Hofmark Laufenthal gehörten auch die beiden Nachbardörfer Kollersried und Haag, sowie Beilnstein. Unter den Schloßherrn auf Laufenthal werden in der Frühzeit auch die Ritter von Sintzing (Sinzinger) genannt, ein „friedrich  sintzinger von Lauffenthal und Klafenberg“ (Klapfenberg) und sein Bruder Conrad Sintzinger haben wegen ihres wüsten Lebens, das an Raubritterei grenzte, ein schlechtes Andenken hinterlassen. Einer von diesen beiden Kumpanen „geistert“ manchmal auf dem Dachboden der Kirche zu Laufenthal umher, wo er, wie die Sage erzählt, Korn schaufeln muß, das er den Bauern weggenommen hat. Am Ende des 15. Jahrhunderts war die Hofmark Laufenthal Eigentum der Familie von Leitgeben; des „wolweisen Hans Leytgeben“ Ehegesponsin war um diese Zeit „fraw Amaley v. Leytgebin zu Lauffenthal“.

Was uns hier besonders interessiert, ist die adelige Familie der Herren Geyer auf Laufenthal. Diese Familie stammt aus Hemau und ist bürgerlicher Herkunft. Sie erscheint in der Hemauer Geschichte erstmals im Jahr 1477 mit Niklas Geyer, Bürger und des Rats daselbst. Die ununterbrochene Stammreihe beginnt mit Paulus Geyer, der von 1584—99 Bürgermeister von Hemau war. Unterm 11. Februar 1646 wurde zu Burglengenfeld vom päpstliche Protonotarius Johannes Longius ein Wappenbrief für Ulrich Geyer ausgestellt, der im Jahre 1600 geboren wurde und 1685 verstarb; er war Bäcker und Bürgermeister in Hemau, dann Hammermeister und Besitzer des Gutes Lauf bei Hohenfels. Dieser Wappenbrief galt auch für dessen Brüder Paulus und Hans Geyer. Im Jahr 1698 war der Hemauer Bürgermeistersohn Balthasar Geyer Inhaber der Taferne um „Goldenen Hirschen“ in Hemau. Er hat es weit gebracht, denn im genannten Jahr wurde er geadelt, so daß er sich stolz „Herr von Geyer“ nennen konnte. Als er das Schloßgut Laufenthal erwarb, lautete sein Name „Balthasar von Geyer auf Laufenthal“. Schmerzlich war ihm an der Verleihung des Adelsprädikats nur, daß er als Adeliger seine Wirtschaft in Hemau nicht mehr weiterbetreiben durfte, er wollte unbedingt nach wie vor der Hirschenwirt von Hemau bleiben, was ihm aber bei Strafandrohung verboten wurde. Wie das Schloß Laufenthal im 16. Jahrhundert ausgesehen hat, das vermittelt eine Miniaturansicht in Philipp Apians Bayerischen Landtafeln von 1568.

Die Familie der Herren v. Geyer teilte sich in zwei Linien: in die Linie zu Lauf und in die Linie zu Laufenthal. Als der Familie der Reichsadel verliehen wurde, hat man ihnen gestattet, die Namen ihrer Güter zu führen, sich also „von Lauf“ („zu Lauf“) und „von Laufenthal“ („zu Laufenthal“) zu nennen und zu schreiben. Die Reichsadelsverleihung datiert aus Wien vom 18. November 1707 und ist ausgestellt für die beiden Bürgermeistersöhne Ulrich v. Geyer (1656—1726). Besitzer des Hammergutes Lauf, und Balthasar (1664—1742), Gastwirt zum Goldenen Hirschen zu Hemau, dann Herr auf Laufenthal und Beilnstein. Das Wappen der Herren Geyer von Lauf und Laufenthal ist gevierteilt: Feld 1 und 4 zeigt in Blau auf einem grünen Berg einen flugbereiten natürlichen Geier, während die Felder 2 und 3 aus rotem und goldenem Grunde bestehen. Auf dem gekrönten Helm sieht man rechts blausilberne, links rotgoldene Decken, rechts eine natürliche Geierklaue, links einen blausilber geteilten Flügel.

Auf Schloß Laufenthal saßen die Herren v. Geyer als Hofmarksherren von 1698 bis 1793. Sie erbauten, wie schon eingangs gesagt, das Schloß daselbst neu. Als Stammvater der Linie Lauf gilt der Besitzer des Laufer Hammergutes Wolfgang Ulrich von Geyer zu Lauf, der 1694 geboren wurde und 1750 starb*. Stammvater der Linie zu Laufenthal war der 1707 geborene und 1788 verstorbene Joseph von Geyer, Herr auf Laufenthal und Beilnstein. In der Kirche zu Laufenthal, einem ursprünglich spätromanischen Bau, der Ende des 17. Jahrhunderts umgebaut wurde, dürfen wir die ehemalige Schloßkapelle erblicken. Diese war dem Benediktinerkloster Prüfening bei Regensburg zugeteilt. Der aus dem Ende des 17. Jahrhunderts stammende Hochaltar trägt neben dem Altarblatt St. Ottilia die Wappen der damaligen adeligen Schloßbesitzer, der Familien von Dalem und v. Labrique mit der Jahreszahl 1692. Die dem 17. und 18. Jahrhundert angehörenden wappenverzierten Grabsteine in der Kirche tragen die Namen des 1742 verstorbenen Balthasar Geyer auf Etzenberg, Lauffenthal und Paillnstein und seiner 1716 verstorbenen Gattin Eva, der 1793 verstorbenen Maria Anna v. Geyer, geborenen Freiin v. Quentell zu Schwandorf und des 1788 aus der Welt geschiedenen „fürst. pfalzbayer. Landstands zu Lauffenthal und Peyllenstein Joseph Michael v. Geyer“, ferner die Namen der 1706 verstorbenen Magdalena v. Dalem und des 1705 verstorbenen Schloßherrn Peter Wilhelm Aeckel Baron v. Dalem, Herrn zu Lauffnthal, Pailenstain, Collesrieth Verlayne und My, kurfürstl. bayer. Hauptmann zu Fuß. Auch die Glocke im Turm trägt das Wappen der Herren v. Dalem. In der Kirche befindet sich auch eine aus dem 15. Jahrhundert stammende gotische Sakramentsnische. — Die Kirche St. Maria in Lauf, eine Filialkirche der Pfarrei Hohenfels, ist zu Beginn des 18. Jahrhunderts von den Hammerwerksbesitzern v. Geyer zu Lauf errichtet worden. Sie weist keine besondere Sehenswürdigkeit auf, auch nicht die Kapelle in Beilstein (Pfarrei Beratzhausen), die ein Neubau vom Ende des 19. Jahrhunderts ist. — das nahe Kirchdorf Kollersried war ebenfalls Hofmarksitz; auch das dortige Schloß, ein einfacher zweigeschossiger Bau des 17. Jahrhunderts ohne architektonische Bedeutung, dient längst als Gasthaus. Die St. Jakobskirche, eine Nebenkirche von Hemau, ist aus einer romanischen Kapelle hervorgegangen, die später die Schloßkapelle wurde. Da diese im Jahr 1625 „dergestalt verwüstet war, daß sie einem Schweinestall mehr als einem Gotteshaus gleichsah“, hat sie der Hofmarksherr von Kollersried und Laufenthal Herr Simon de Labrique, ein Jahr später restauriert. Um das Jahr 1660 wurde sie durch Marquard Primus von Labrique umgebaut und vergrößert, es wurde eine Verbindung mit der später angebauten Kirche geschaffen, so daß nun die ursprüngliche Kapelle das Presbyterium der heutigen Kirche darstellt. In dieser Kirche befinden sich die Grabsteine des 1656 verstorbenen Simon v. Labrique auf Kollersried, Laufenthal, Beilnstein, Bergstetten und Burkheim, der 1717 verstorbenen Baronin Anna v. Dalem, geborene Diez v. Weidenberg zu Wildenau und der 1794 beerdigten Anna v. Pettenkofer. — Das südlich von Laaber liegende Großetzenberg gehörte einst ebenfalls zum Hofmarkbesitz der Herren von Geyer. Die teilweise noch romanische St. Johanneskirche, die nach ihrer Zerstörung im 30jährigen Krieg, wiederhergestellt wurde, beherbergt vier wappengeschmückte Grabsteine der „Herren v. Geyer auf Lauff und Etzenberg“, sie tragen die Namen des Franz Xaver († 1731), des Udalricus († 1726), der Maria Anna († 1733) und der Maria Antoneta v. Geyer († 1743). Das ehemalige Schloß Großetzenberg, ein ganz einfacher Bau, ist längst zu einem Bauernhof geworden. — Von dem erwähnten Gasthaus zum Goldenen Hirschen in Hemau, dem einstigen Besitz der Familie v. Geyer, wäre zu sagen, daß er einst die „Fürstentaferne“ genannt wurde, und daß seine Fassade zur Erinnerung an den Besuch zahlreicher Fürstlichkeiten während des bayerischen Erbfolgekrieges 1504 mit Fresken versehen war. Um 1910 wurde es abgebrochen.

Es dürfte interessieren, zu erfahren, daß das Geschlecht der Geyer zu Lauf und Laufenthal heute noch (1958) in den beiden Linien Lauf und Laufenthal besteht. Es wurde am 10. April  1872 im Königreich Bayern bei der Adelsklasse immatrikuliert, das bestätigt die Aufnahme der Familie in den Band VI des „Genealogischen Handbuches des in Bayern immatrikulierten Adels“, das die „Vereinigung des Adels in Bayern“ München im Jahr 1957 im Verlag Degener & Co. in Neustadt a. Aisch im Umfang von 600 Druckseiten herausgegeben hat. Von der Linie Lauf ist der am 1. Januar 1866 in Regensburg geborene Brandversicherungsamtmann Johann Heinrich v. Geyer zu Lauf am 30. Dezember 1937 in München gestorben. Seine 1869 in Regenburg geborene Schwester lebte in einem Altersheim in Bischofswiesen bei Berchtesgaden, sein 1929 verstorbener Bruder Bruno in Lübeck war Kapitän der Hamburg-Amerika-Linie. Die Nachkommen der Linie Laufenthal, die schon am 30. August 1809 im Königreich Bayern bei der Adelsklasse immatrikuliert wurde, haben sich in Baden niedergelassen und führten dort den Freiherrn Titel. Der 1867 verstorbene Freiherr Jakob von Geyer zu Lauf war großherzoglich badischer Oberst, der 1949 in Emmendingen verstorbene Freiherr Dr. med. Rudolf von Geyer zu Lauf war Facharzt: sein 1899 ebenfalls in Freiburg geborener Sohn Helmuth Freiherr von Geyer zu Lauf, Kunstmaler und Graphiker, leben (1958) in Freiburg im Breisgau. Die hier genannten Nachkommen des alten oberpfälzischen Geschlechts der Herren von Geyer zu Laufenthal und Lauf sind bürgerliche Ehen eingegangen.

 

* Ulrich Wolfgang von Geyer zu Lauf verehelichte sich 1717 mit Anna Maria Laßleben, Bürgers– und Metzgerstochter von Hohenfels.

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© Die Oberpfalz, 1958

Die Hammerwerkzeichen in der Oberpfalz

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Von Hans Wagner

Schon in frühester Zeit blühte in der Oberpfalz der Bergbau, besonders Eisen und Blei, aber auch Gold und Silber wurde gegraben. Bei Vilseck, Amberg, Sulzbach und hauptsächlich im Fichtelgebirge gewann man Eisenerze, die sich in sogenannten offenen Wind Öfen zu Schmiedeeisen verwandelten. Die Landesfürsten suchten die Eisenindustrie durch verschiedene Begünstigungen, als Abgabe von Kohlholz aus den fürstlichen Wäldern, Steuerfreiheit usw. zu heben, und durch Jahrhunderte waren die Erzeugnisse der oberpfälzischen Waffen und Eisenhämmer in allen Ländern bekannt und gesucht.

In der ersten Hammervereinigung vom Jahr 1387 werden 78 Hammerwerke verzeichnet, wohl ein Beweis für das Blühen der damaligen Eisenindustrie. Das Streben nur vorzügliche Werkzeuge, Waffen und sonstige Roherzeugnisse zu liefern, gab auch die Veranlassung, daß die einzelnen Hüttenherren zur Kennzeichnung des Ursprungs ihrer Fabrikate mit Hammerzeichen (Schlagmarken) versahen. Nachdem diese Zeichen lange Zeit keine Besprechung fanden. Dürfte es von Interesse sein, nach einer handschriftlichen statistischen Beschreibung der Oberpfalz um 1580 die Schlagmarken kennen zu lernen, umsomehr, als in Sammlungen sich vielleicht Stücke mit derartigen Zeichen noch vorfinden. Das Vorkommen gleicher Marken bei verschiedenen Hütten ist darauf zurückzuführen, daß ursprünglich ein Besitzer mehrere Hämmer sein Eigen nannte.

Die Blechhämmer führten keine Marken. Die Zeichen werden unterschieden je nachdem sie sich „aufm Ruck“ (auf dem Rücken) oder auf der Seite der Fabrikate befinden.

Seebarnhammer

 

Schinhämmer im Amberger Revier

Tieffenbach, sein Zeichen ist ein Hirschclaw in der Pann,

Schwarzeneck, führt Zeichen …  (unleserlich),

Menschendorf, ein Fischl aufm Ruck,

Stefling, Fischl in der Pann,

Pottenwöhr (Bodenwöhr), ein Leuchter in der Pann,

Fuchsberg, Fuchs in der Pann,

Woppenrieth, Rosenblatt,

Kaltenthal (im Amt Nabburg), Kippen in der Pann,

Untern Lauf, Renngaißl (Rehgeiß),

Hohenburg, Sengsten (Sense) in der Pann,

Mitterteinz, Weinmesser in der Pann,

Langenau, das Vischl in der Pann,

Pfreimdt, ein halber Mann in der Pann,

Holzhammer, Herz in der Pann,

Hesselmühl (Haselmühl), den Angel uffm Ruck,

Schnaittenbach, Aichl in der Pann,

Röthenbach, Aichl aufm Ruck,

Hellhammer, einfach Schlüssel in der Pann.

Schneeberg, Strall (Pfeil) in der Pann,

Schwarzenbach, den Helm in der Pann,

Unterteinz, Kamb (Kamm) in der Pann,

Neuenhaus, Polz (Bolz) in der Pann,

Gumpenhof, Polz aufm Ruck,

Traidendorf, Pflug in der Pann,

Rohrbach, Bischofsstab in der Pann,

Haizenhofen, Fahnen in der Pann,

Leidersdorf, Sittig in der Pann,

Kräblitz (Kröblitz), Kamp in der Pann,

Lückenrieth (bei Büchsenberg), Kleeblatt in der Pann,

Sebern (Seebarn), zweifacher Schlüssel in der Pann,

Vilswerth (Vilswörth), Kelch aufm Ruck,

Dietldorf, Hand in der Pann,

Loch, Hirschgehörn in der Pann,

Neuenmühl, Adler in der Pann,

Langenbruck, Schwert in der Pann,

Hellziechen, Birn in der Pann,

Ettmannsdorf, doppelte Feuerhaken,

Theuern, Flammen in der Pann,

Böhmischbruck, Strahl (Pfeil) aufm Ruck,

Rannen (Ranna), Amt Auerbach, ein Gehörn in der Pann,

Hütten, Dasch? in der Pann,

Steinfels, Schere in der Pann,

Wolfsbach, Ringl in der Pann,

Keibitz, Turm in der Pann,

Schönhofen, Renngaißl (Rehgeiß) aufm Ruck,

Fronberg, Brackenkopf in der Pann,

Pfrentsch, das Herz aufm Ruck,

Lucka (Amt Tännesberg), Pelikan in der Pann,

Schmidmühlen, Kelch in der Pann,

Riedenburg, Stern in der Pann,

Unter-Waldenrieth, Spannring (an der Zange) in der Pann,

Krebenstetten (Gröbenstädt), Bärnkopf in der Pann,

Waldmünchen, Roßkopf in der Pann,

Freudenberg, Hirschkopf in der Pann,

Oedenmühl (heißt nun Neuenhammer), Sturmhut in der Pann,

Schwarzenfeld, Sittig aufm Ruck,

Feustelberg, Faust, darin ein lateinisch F,

Dießfurth, Rabenkopf in der Pann,

Bechhofen, Rabenkopf in der Pann.

 

Schienhämmer im Sulzbacher Revier:

Altendreswitz, führt die Helmbarten (Hellebarde) in der Pann,

Gmünd, Ochsenkopf in der Pann,

Muzenhammer (Amt Auerbach), Lilie in der Pann,

Thalheim, link Sichel in er Pann,

Lehen, Schwert in der Pann,

Gensles (Gänslas), Schlüssel in der Pann,

Ketzersried (Amt Amberg), Adler auf dem Ruck,

Kastl, Rad in der Pann,

Heringnohe, Feuerhaken in der Pann,

Rosenberg, Schwert in der Pann,

Hirschbach, halben Mond mit einem Kreuz in der Pann,

Bruck, Schlüssel auf dem Ruck,

Unterleubs, zwiefach Eichel,

Schroth (Vilseck), Schrotwurm in der Pann,

Altenweiher, Polz (Bolzen) in der Pann,

Röthenbach, Polz in der Pann,

Rockenbruck (Vilseck), link Sichel in der Pann.

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