Aus der Geschichte der Theuerner

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Aus der Geschichte der Theuerner, eines angesehenen Adelsgeschlechtes unserer Heimat

Von Rudolf Gerstenhöfer

Als unter Kaiser Konrad II. (1024–1029), dem Nachfolger Heinrichs II. Des Heiligen, die Erblichkeit der Ritter-Lehen ausgesprochen wurde und dies sich mehr und mehr einführte und ausbildete, entstanden unter Voraussetzung der Ritterdienste auf völlig sicherem Besitz jene Beruf und Geburt verknüpfenden Geschlechter, die zum sogenannten niederen Adel zählten, der allerdings noch nicht zur eigentlichen Aristokratie gerechnet wurde, sondern ein geachteter und angesehener Mittelstand war. Fast scheint es, daß der König der Fürstenmacht gegenüber auf einen derartigen Mittelstand angewiesen war.

Durch die Kreuzzüge hatte sich dann das Rittertum ausgebildet, herausgewachsen aus der Idee einer allgemeinen christlichen Waffenbrüderschaft, und damit war die Ritterbürtigkeit zum völligen Abschluß gebracht. Der ritterbürtigen Familien gab es eine große Zahl, so allein in Franken 702 1.

Seit dem 11. Jahrhundert sind in Deutschland die ersten, im 12. und 13. Jahrhundert die Mehrzahl der Burgen und Schlösser entstanden. Die Bewohner derselben, die Burgritter oder – was dasselbe ist – der schon genannte niedere Adel, traten anfangs, wie alte Urkunden beweisen, in denen sie als Zeugen genannt sind, nur mit ihrem Vornamen in Erscheinung. In der Mitte des 11. Jahrhunderts legte sich der Adel Namen nach Herkunft und Geschlecht bei, und in den Urkunden finden wir nun nicht nur den Vornamen, sondern auch den Namen des Ortes, in dem der Burgritter seinen Sitz hatte. Man unterzeichnete also die Urkunden nicht bloß mit dem Vornamen Albrecht, Kunz oder Ulrich, sondern schrieb Albrecht von Hohenstein, Kunz von Wildenfels oder Ulrich von Rabenstein2.

Auch der im Landkreis Amberg schon im 11. und 12. Jahrhundert zahlreich ansässige Land- und Dienstadel verdient als Träger und Förderer der Siedlungstätigkeit besondere Beachtung. Der Codex Trad. Mon. Ensd.3 führt eine stattliche Reihe von Geschlechtern auf, die im nahen und weiten Umkreis des Klosters Ensdorf schon vor der Gründung dieses kulturellen Mittelpunktes (1121) ansässig waren und somit bereits vor Ankunft der Mönche auf eine ausgedehnte Rodetätigkeit zurückblicken konnten. Solche Adelssitze waren: Leidersdorf, Wolfsbach, Uschlberg, Hofstetten, Ebermannsdorf, Theuern, Paulsdorf, Wolfring, Thannheim, Rieden, Rostein, Schmidgaden, Haselbach, Sinzersdorf, Winbuch, Bergheim, Emhof. Gewiß eine erstaunliche Reihe von Edelsitzen.

Unter diesen zählt unstreitig auch Theuern zu den bekanntesten, denn jedem, der heute auf der Staatsstraße 2165 von Amberg über Schmidmühlen nach Regensburg fährt, fällt das stattliche im Jahre 1781 in französischem Stil erbaute Schloß und in nächster Nähe der aus dem 12. Jahrhundert stammende Turm der Pfarrkirche auf, die dem hl. Nikolaus geweiht ist. Das Pfarrdorf Theuern hat eine interessante Vergangenheit4, deren Aufzeichnung wir zum größten Teil dem im Jahre 1869 verstorbenen Heimatschriftsteller Joseph Plaß 5 verdanken. Da aber seine „Geschichte der Hofmarken Ebermannsdorf und Theuern aus Urkunden gesammelt“ nicht in Druck erschien, sondern als Manuskript (ohne Jahreszahl, jedoch nach den Angaben zu schließen zwischen 1866 und 1869 niedergeschrieben) der Bibliothek des historischen Vereins in Regensburg (0. M. S. 131) einverleibt wurde, ist es gewiß angezeigt, wenn im folgenden versucht wird, das reichlich vorliegende Material auszuwerten und vor allem der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Das in Theuern zu Beginn des 12. Jahrhunderts lebende Adelsgeschlecht, die Theuerner (Theurer, Tauerner, auch Tawrner), schrieb sich nach dem Orte und kommt mit den Ebermannsdorfern sehr oft in Urkunden vor. Das Wappen der Theuerner stellt einen weiß und schwarz gespaltenen Schild mit einem gleichen Fluge auf dem Helme dar. Der Umstand, daß Ebermannsdorf, heute noch als Kirchdorf (Filiale) zu Theuern gehörend, von diesem nur etwa eine halbe Gehstunde entfernt ist, läßt vermuten, daß beide Geschlechter einen gemeinsamen Stammvater hatten, zu welcher Ansicht das erste Auftreten des Herthnith von Thiuren berechtigt 6.

Im- Jahre 1108 war zwischen dem König Coloman und seinem Bruder Alenos in Ungarn ein Zwist ausgebrochen, und der um Hilfe angerufene deutsche König Heinrich V. (1106-1125) unternahm dahin einen Kriegszug. In Regensburg sammelte sich das Heer. Bei dieser Gelegenheit lagerte der Bamberger Bischof Otto, der Heilige, vor der Stadt und faßte infolge göttlicher Eingebung den Entschluß, das Kloster Prüfling zu gründen, und da, wo sein Lagerzelt stand, sollte der Altar der Kirche errichtet werden. Weil jedoch der zum Kirchenbau in Aussicht genommene Bauplatz der Alten Kapelle in Regensburg gehörte, erwarb der Bischof sofort von dem freien Manne Meribot von Ebermundisdorf sechs Güter in „nanselinesdorf apud amberch“ 7, dessen Ortsbestimmung sehr umstritten ist, und entschädigte damit das Stift. Diese Siedlung ist m. E. vielleicht das 1149 genannte Azelinesdorf, das spätere Hötzelsdorf zwischen Theuern und Hofstetten (heute abgegangen, Flurname Haselsdorf) 8

Unter den Zeugen erscheinen in dem Kaufinstrumente: Hartnith von Thiuren, Gebehart und sein Bruder Gumprecht von Ebermannsdorf, Wicnant von Wolfsbach, sicher Verwandte Meribots. Vermutlich machten Meribot, der in der Übergabsurkunde „nobilis vir“ (Edelfreier) genannt wird 9, und die Theuerner den Zug nach Ungarn mit.

Erst am 11. Dez. 1138 stellte zu Bamberg Otto als 8. Bischof eine diesbezügliche Urkunde für das Kloster Priefling aus. In dieser bekennt er, wie er den Ort Pruveningen zwischen Regensburg und der Donau zum Heile der Seelen auserwählt hat. In diesem Orte besaß ein gewisser Racco (wohl Razzo, von Ebermannsdorph) ein Gut, das zur Kirche, genannt die Alte Kapelle, gehörte. Er tauschte es auf folgende Weise ein: Er erwarb nämlich 6 Mansen bei Amberch und schenkte sie durch die Hand Meribotos, eines freien Mannes, der genannten Kirche und erhielt vom Vogte desselben, Adelbert von Windeberg, das genannte Allod 10.

1112 finden wir Hartnit von tvrin nach Ebermannsdorfern und anderen Adeligen abermals im Gefolge des Kaisers Heinrich V. 11

Nach einer besonders aufschlußreichen Urkunde, die am 27. 4. 1112 zu Münster ausgefertigt worden war 12, hat nämlich der Kaiser dem Bischof Otto von Bamberg wegen seines treuen Dienstes und auf Verwenden der Fürsten . . . und anderer Getreuen die Burg Albewinstein und das darunter gelegene Dorf im Gaue Nordgau und in der Grafschaft Ottos dem h. Petrus und Georg in Bamberg übergeben für den Bischof und seine Nachfolger nach Weise der Könige, d. h. mit aller dazu gehörigen Gerechtsame durch Richwin, seinen Vogt in Lindaha, in die Hand Engilhards, Freiherrn von Ludunbach, zum freien Eigentum. Als Zeugen, die nach bayerischem Brauch am Ohr gefaßt wurden, sind genannt: Otto, Graf von Regensburg, Graf Herimann, Friedrich von Amertal, Friedrich von Bettendorph, Wolker von Vlinspach, Gerhart von Aschaha; Mereboda, Gebehart, Wirnt, Marchwart, Ebbo, diese alle von Ebermoundesdorph, Hartnit von Turin (Theuern) und 9 andere, Ebbo der jüngere von Ebermundisdorph.

Daß diese Männer von Ebermannsdorf und Theuern nicht in Münster gewesen sind bei der Ausfertigung der Urkunde, ist wohl sicher. Sie, wahrscheinlich Leute und Ministerialen (= adelige Dienstmannen) der Bamberger Kirche, waren eben Zeugen der mündlichen Übergabe von Albewinstein zu Regensburg gewesen. Plaß 13 ist anderer Meinung und schreibt: Unsere Ebermannsdorfer hatten sich, wie wir sehen, vollzählig am kaiserlichen Hofe eingefunden. Wo Albewinstein (nach anderer Lesart Alpwinesstein14 zu suchen ist, deuten vielleicht die Zeugen bei der Schenkung an. Graf Otto, in dessen Grafschaft es lag, ist wohl der Burggraf Otto von Regensburg, der Riedenburger15.

Um 1122 begnügt Hertnid von tvern mit Wolfringern und Wolfsbachern eine Schenkung des Conrad von Hule an das Michaelskloster bei Bamberg16 .

Um diese Zeit das Gründungsjahr 1121 steht urkundlich fest17entstand das nur 6,5 km von Theuern entfernte Benediktinerkloster Ensdorf als Hauskloster der Wittelsbacher. Der erste Anstoß zur Gründung ging aus von Graf Friedrich von Lengenfeld-Hopfenohe-Pettendorf, der auf eigenem Grund ein Kloster zu errichten wünschte, aber am 3. 4. 1119 starb. Pfalzgraf Otto von Wittelsbach, der Sohn des Grafen Eckhard von Scheyern, war als Erbe und Schwiegersohn Friedrichs dessen Willensvollstrecker, so daß er und Heilika, seine Gemahlin, mit guter Berechtigung als Stifterpaar bezeichnet werden können; und Bischof Otto von Bamberg förderte die Gründung in seiner Eigenschaft als Kirchenfürst18. Die Bedeutung dieser Gründung für das heimatliche Gebiet geht aus den später als Quellen zitierten Urkunden hervor, die die mannigfaltigen Beziehungen zwischen den Regensburger und Bamberger Kirchenfürsten und dem Landadel unserer Heimat beweisen.

In einer Vertrags-Urkunde der Bischöfe von Regensburg und Bamberg vom 17. 7. 112919 finden wir Hart …. – soll sicher Hartnit heißen – von Tiuren als Zeuge. König Lothar (seit 4. 6. 1133 Kaiser) bestätigt die Verhandlungen in Gegenwart von 45 Grafen und Freien. Unter diesen befindet sich unser Tiurner vor Wicnand von Wolfsbach, Gebhart von Ebermannsdorf u. a., also vor angesehenen Freiherrn.

1133 war Hertnit von Tuwern nach dem Landgrafen Marquard (?) Zeuge bei der Übergabe der Heglinger (Högling im Landkreis Nabburg) Kirche an Ensdorf20. Doch wird die Echtheit der Urkunde wegen einiger nicht zeitgemäßer Namen stark bezweifelt. 

3 Jahre später schenkte Hageno von Thannheim seine im Dorfe Thannheim gelegene und für die Kolonisten erbaute Kirche dem Kloster Ensdorf durch die Hand des Gebehard von Ebermannsdorf in Gegenwart vieler Adeligen. Hartnit von Tuwern steht hier nach dem von Wolfsbach und den Ebermundesdorfern21.

1138 gelangte unter Zeugenschaft des Hartneid von Turin und anderer Adeliger ein Gut an Ensdorf22 In diesem Jahre wird auch nach der Matrikel der Diözese Regensburg ein Ritter „von Thiuren“ erwähnt23.

Um 1144 hielt Pfalzgraf Otto von Wittelsbach bei dem Dorfe Tuwern einen Gerichtstag ab24.

In der Mitte des 12. Jahrhunderts, vielleicht 1146, schenkte die edle Frau Heilwik, die Schwester von Heilika, der Gemahlin Ottos von Wittelsbach, und ihr Sohn Gebehard von Lewgenberg (Leuchtenberg) dem Kloster Ensdorf ein Gut in Cutental (Keitenthal, Lkr. Parsberg) als Seelgerät, da ihr Gemahl, Graf Gebhard, daselbst begraben wurde. Unter den Zeugen sehen wir als den ersten, vornehmsten Hartnid von Tuwern. Ihm folgen Hartnit von Wolfringen, Heinrich von Timice, Gottschalc (?) von Stein (bei Nabburg), Rabeno, Gerung sein Bruder von Lengenrewte (Likenried bei Leuchtenberg) u. a. 25 Sehr wahrscheinlich hatte der Teurner Leuchtenburgische Lehen, weswegen wir jhn in Verbindung mit anderen Leuchtenburger Dienstleuten sehen.

1149 überläßt Razo von Ebermundesdorf dem Kloster 2 Höfe in Azelelinesdorf mit Zustimmung seiner Gemahlin Heilwik und ihrer Tochter Judith zu ihrem und ihrer Söhne und Vorfahren und aller Gläubigen Seelenheil zu einem Jahrtag. Außerdem übergeben Razo und Heilwik dem Kloster ein Gut in Tanernheim (Tanheim) zum Begräbnis ihres Sohnes Chunrad. Als Zeugen wurden berufen die adeligen Nachbarn, und zwar Wicnant und sein Sohn Ulrich von Wolfsbach, Ulrich und Eppo von Ebermannsdorf, Hartnit von Tuwern u. a.26. Azelinesdorf kann in Zusammenhang mit den später auftauchenden Siedlungsnamen Hetzelsdorf, Hetzleinsdorf, Hatzelsdorf und Hasleinsdorf gebracht werden. Die eingegangene Siedlung lag auf dem 1 km von der Vils entfernt liegenden Hang, der von der Hochfläche, die sich von Theuern her erstreckt, gegen den Eselsbach zu abfällt, der von dem Ort den Namen bekam27.

Gerade für die Zeit vor 1150 ist eine ganze Reihe von Schenkungen bemerkenswert, die mit dem 2. Kreuzzug (1147-1149) zusammenhängen, der allerdings scheiterte. So gibt Herman von Schmidgaden „vor Antritt seiner Reise nach Jerusalem“ dem Kloster Ensdorf ein Gut im Dorfe Tundorf durch die Hand des Ulrich von Ebermannsdorf 28.

Den Theuernern dieser Zeit verdankt Theuern auch seine Kirche, eine echte adelige Eigenkirche (Adelspfarrei). Der stattliche Kirchturm zeigt noch heute romanische Anklänge (Klangarkaden in der Glockenstube), so daß als Erbauungszeit die Mitte des 12. Jahrhunderts angenommen werden kann29 Auch das Nikolaus-Patrozinium steht mit dieser Annahme in Zusammenhang (Lieblingspatron des Ritterstandes; von ca. 1024-1254)30

1155 (am 4. 8.) stand Hartnit von Tuwern mit vielen Adeligen zu Ensdorf am Grabe des Pfalzgrafen Otto31.

1160 schenkte Hartnit von Tuwern ein Gut in Hademudeperge (Hammerberg bei Schmidmühlen) dem Kloster Ensdorf. Und bald danach, nämlich 1166, finden wir Hartnit von Tuwern zum letzten Male, und zwar als Zeugen nach Hartnit von Schmidgaden u. a. Leuchtenberger Dienstleuten, als Marquard von Leuchtenberg am Begräbnistag seiner Mutter Heilwik dem Kloster mehrere Güter schenkt32.

Als Kinder Hartnits, dessen Gemahlin nicht bekannt ist, werden anzusehen sein: Ulrich, Rupert und Bertfeld. Udalrich von tuiren wird nur einmal als Zeuge genannt, als Ulrich von Hiltpoltstein durch die Hand des Conrad von Hule dem Kloster Michelsberg ein Gut Rumoldersriut schenkt33.

Ulrichs Bruder Rupert treffen wir im Jahre 1154 am 15. Dezember zu Brixen mit dem Grafen von Hohenburg in einer Urkunde des Bischofs Eberhard von Bamberg34.

Nun wäre die Frage zu beantworten, wie Rupert nach Brixen kam. Kaiser Barbarossa (1152-1190) zog im Winter des Jahres 1154 mit einem mächtigen Heer nach Italien. Darum erscheinen in der obigen Urkunde auch so vornehme Herren, die für uns insofern Interesse haben, da wir einen der Teurner bei ihnen finden. Da sind genannt: Heinrich (der Löwe), Herzog von Sachsen, Heinrich, Herzog von Kärnten, Bertfeld, Herzog von Zähringen, Odokar, Markgraf von Steyer, Graf Ernst von Hohenburg, Walter von Mallentin, Rupert von Tiuren u. a.

Um das Jahr 1155 vertauschte Rupert von Lintahe (Lintach bei Aschach) dem Kloster Ensdorf ein Gut in Tuwern, das 60 Pf. trug, gegen ein anderes bei Lintach, das ein gewisser Arbo vor seinem Abgange nach Jerusalem dahin vertauscht hatte35.Der Lintacher hatte demnach Besitzungen in Tuwern, die er gegen solche bei Lintach vertauschte. Vielleicht war dieser eine Person mit Rupert von Tuwern, der sein Geschlecht nach Lintach verpflanzte. Die Lintacher starben mit Friedrich um 1270 aus.

1169 (2-mal) und 1178 erscheint Berthold von Tuwern als Zeuge bei Schenkungen an Ensdorf36. Am 3. 4. 1184 übergibt der vormalige Pfalzgraf Friedrich, nun Mönch zu Ensdorf, seinem Kloster Güter in Gegenwart sehr vieler Adeligen, darunter auch Berthold von Tuwern, über den nachher weitere Nachrichten fehlen37. Seine Schwester oder Tochter war 1185 Chorfrau im Kloster Niedermünster38.

Als Söhne des genannten Berthold können angesehen werden: Wezil, Gotfrid und Hartnid.

In einer Urkunde des Klosters Ensdorf wird auch (um 1153) eines Marquard von Tuwern gedacht, der in seinem Dorfe ein Gut an Ensdorf gibt unter Zeugschaft seines Bruders Wolfram39. Doch wird dieser Marquard kaum dem Adelsgeschlechte der Theuerner beizuzählen sein; er dürfte ein Dienstmann der Theuerner gewesen sein und war im Dorf begütert. Um 1180 werden in einer Schenkungsurkunde des Klosters Ensdorf genannt: Ulrich und Eppo, Brüder von Ebermundesdorf, dann Dietrich, Ortlieb, Heinrich, Rudiger, Hartwic, Reginbot, Wolfram, Boringer, Gotfried und Wezil von Tuwern40·Ob diese alle von Theuern sind, wie man vermutet, läßt sich nicht entscheiden. Später kommt nur noch Gotfrid vor. Wezil soll der Stammvater der Herren von Freudenberg sein, was sich jedoch urkundlich nicht nachweisen läßt 41.

Um 1191 schenkt Otto von Unzatsdorf (Untersdorf im Landkreis Burglengenfeld) dem Kloster Ensdorf ein Gut in Unzatsdorf. Als Zeugen werden genannt: Albero yon Ebermandesdorf, Gotfrid von Tuwern u. a.42.

Um 1214 verpfändet Wicnand von Haselbach dem Kloster Ensdorf einen Hof in Huolfsbach (Wolfsbach), der nach dessen Tod in klösterlichen Besitz kommt43. Unter den Zeugen sehen wir: Gotfried und seinen Bruder Hartnid von Tuwern44 . . . und Ywan von Tuwern. In welchem Verwandtschaftsverhältnis dieser Ywan zu den beiden Brüdern steht, ist nicht zu ermitteln, da er nicht mehr genannt wird. Für Gotfrieds Sohn kann Chunrad teurer gelten, der um 1236 Zeuge war, als Ekkard Rauptasch durch die Hand des Ulrich von Haselbach dem Kloster Reichenbach ein Gut in Krondorf (bei Schwandorf) gibt45. Wann dieser Chunrad starb, ist nicht bekannt, vielleicht schon in jungen Jahren, da wir nichts mehr über ihn finden. Sein Bruder Friedrich wurde Mönch und erhielt 1263 die Abtei des Klosters Emmeram, regierte 8 Jahre und starb 127146.

Im Jahre 1282 war Hercind, jedenfalls Hartnid, von Teuern Zeuge bei dem Verkaufe der Leuchtenberger Güter an Bayern 47. Dieser Hartnid war, so kann angenommen werden, Chunrads Sohn und die im Kloster Niedermünster 1280 lebende Chorfrau Elsbeth von Theuern seine Schwester 48.

Aus der damaligen Zeit stammt ein wertvolles Verzeichnis der Pfarreien der Diözese Regensburg. Im Jahre 1274 hatte nämlich Papst Gregor X. ein Konzil nach Lyon berufen, auf dem vor allem 3 große Zeitfragen gelöst werden sollten: die Union mit den Griechen, ein Kreuzzug und die deutsche Königswahl – eigentlich drei Anliegen des Papstes, die innerlich in einem gewissen Zusammenhang standen. Da das kirchliche Oberhaupt für die Finanzierung des Kreuzzuges· den 10. Teil vom Einkommen seiner Geistlichen forderte, sollte eine genaue Schätzung der Einkommen vorgenommen werden.

In unserem Bistum wurde diese Schätzung um 1286 durchgeführt und erstreckte sich auf das Einkommen sämtlicher Seelsorgestellen mit Pfründen in der Stadt und in der Diözese Regensburg. Obzwar für diese Art von Zehentleistung bestimmte Abzüge gestattet waren und die Benefizien, deren Einkünfte weniger als 6 Mark betrugen, sowie Armenhäuser, Pilgerhospize und Siechenhäuser zehentfrei waren, so zeichnet sich das Verzeichnis von 1286 doch durch größere Vollständigkeit aus als das von 1326, welches eigentlich teilweise ein falsches Bild ergibt, wie ein gründlicher Vergleich zeigt. Das ältere Register bietet unstreitig einen aufschlußreichen Einblick in die kirchliche Organisation, die um diese Zeit bis zu einem gewissen Grade ihren Abschluß erreicht hatte, und gibt auch einen wertvollen Überblick über die 22 Dekanate mit 425 namentlich genannten Pfarreien. Kirchlicher Mittelpunkt unserer Heimat war damals Schwandorf, wo im Mittelalter das Domkapitel das Besetzungsrecht ausübte. Das alte Dekanat (in Decanatu Schwainikendorf vel Hainbach) umfaßt auch das alte Amberger Land und weist mit seinen 39 Pfarreien unter den einzelnen Dekanaten den höchsten Satz an Abgaben auf. Die Tatsache, daß in diesem älteren Register auch die Pfarrei Theuern (Täurn) in Bezug auf die Zehentleistung an 26. Stelle erscheint, ist ein Beweis dafür, daß der Pfarrsprengel der Adelspfarrei durch die Theuerner, die – wie die obigen Angaben bestätigen – als Bamberger Dienstmannen die kirchlichen Verhältnisse in jeder Hinsicht förderten, ausgebaut worden war und auch, da Ebermannsdorf fehlt, dieses Seelsorgegebiet umfaßte 49.

1293 treffen wir ·einen Heinrich von Teuern als Zeugen in einer Urkunde des Heinrich von Reigering, der dem Katharinenspital zu Regensburg 2 Höfe verkauft50. Dieser Heinrich war vermutlich Hartnids III. Sohn. Er hatte nämlich 3 Söhne: Albrecht, Friedrich und Hartnid.

Am 31. 5. 1303 verkaufen die Brüder Albrecht und Friedrich von Teuern ihre Wiese zu Rehling und ihre Höfe zu Wolfsbach Heinrich dem Ingolstädter zu Regensburg um 20 Pfd. Pfennige. Zu Bürgen stellen sie Heinrich von Parsberg, Chunrad den älteren Paulstorfer und Heinrich den Mistlbeck51.

1304 veräußert Liebhard von Theuern seine zu Theuern gelegenen Besitzungen an Friedrich von Theuern52.

Am 6. 12. 1305 erteilen die Pfalzgrafen und Herzoge Rudolf und Ludwig von Bayern zu Amberg die Bewilligung, daß die Brüder Herdnit, Albrecht und Friedrich, die Taewrner, ihr herzogliches Lehengut zu Ekenberg (Eggenberg bei Ensdorf, heute Waldgebiet) an Ensdorf verkaufen53. Am 28. 6. 1313 war Hertnid, der Teurnaer, Theidinger und Gerichtsbeisitzer zu Amberg54.

Am 22. 11. des Jahres gibt derselbe Hartnid von Tauren dem Kloster Ensdorf ein Drittel an seinem Hof zu Thanhausen55.

1332 gibt das Kloster Ensdorf gegen Tausch 2 Wiesen in der Au (Flur im Süden des Gemeindegebietes) an Friedrich von Theuern56.

1337 finden wir Hartnit Teurnär (auch Hertnanten den Taurner) neben Ulrich dem Zantner als Bürge für Chunrad Oerlheimer von Rostein57 und 3 Jahre später wird er zum letzten Male erwähnt.

Als Hartnits Kinder kommen in Betracht: Friedrich, Heinrich und eine Tochter, die an Goppolt den Nittenauer zu Kallmünz verheiratet war58. 1362 verkauft Friedrich der Teurner zu Tauern seine Gült und Weisat aus dem Hofe zu Hausen an das Kloster Kastl um 24 Pfd. Heller und setzt zu Bürgen Conrad Mendorfer von Hohenburg und Heinrich Lotterbeck, Pfleger zu Velburg59

1370 werden Friedrich und Hartneid die Tauerner auf der Landschranne zu Amberg vom Kloster Kastl (?) verklagt wegen „zwo Holzstat genannt die Sunleyten und Mad bei Tewern“60. Die Gebrüder werden auch zur Pflege des Waldes und zur Überlassung von 2/3 der Nutzung an das Kloster Ensdorf gerichtlich angehalten. Nach der Waldbeschreibung im Kopialbuch B des Klosters Ensdorf (um 1500) sind die Fluren Sommerleiten und Mad (= Wiesland) Holzmarken rechts der Vils an der Wolfsbacher Grenze anschließend an den Spitalschlag (heute F.N. Leprosenstiftung oder Siechenholz)61.

Friedrich Ill. starb bald danach und hinterließ einen minderjährigen Sohn, namens Ruger. Hartnid IV., Friedrichs Bruder, wird noch 1383 und 1401 genannt62 und starb erst 1403. Der Vormund des jungen Ruger von Theuern war Hans Kemnath, der sich daher bereits 1373 Hans Kemnater Von Theuern nennt 63. Sein Mündel, Ruger Tawrner, finden wir schon 1377 als Zeugen in einer Urkunde des Klosters Reichenbach64 und 10 Jahre später nennt sich Ruger Richter zu Treßwitz65;

1392 hat Ruger 2 Weingärten zu Wörth als Regensburger Lehen, die er von seiner Mutter, einer Persingerin (Pösing bei Roding), erhalten hat. Der eine Weingarten war Heiratsgut der Mutter, der andere dagegen ein Vermächtnis der Großmutter für den Enkel66. Damals, und zwar 1398, war Paul Gößl Pfarrer zu Theuern, auf den 1400 Johann Kastner folgte67. Am 11. 5. 1403 wird Ruger Teurner, Pfleger zu Treßwitz, mit den von ·seinem Onkel Hartnit (s. oben!) ererbten Lehenstücken durch den Regensburger Bischof bedacht 68. Dann wird er nur noch ·einmal erwähnt (1408)69.

Nach seinem Tode kamen mehrere Regensburger Lehen an. die Kemnather, nämlich 2 Teile Reutzehent zu Lintenloh bei Köfering (1358 Dorf „Lyntelo“, 1382 bereits verödet)70, Wiesen am Wangenbach, am Durnsfurt genannt, und bis Windischenbruck, das Dorf Gnenbrunn (?) mit Äckern und Wiesen. Davon mußten bei Lehenverwirkung vom Reutzehent zu Weihnachten gedient werden: ein Hase und 4 lebendige Rebhühner71.

Ruger hinterließ, soweit es sich feststellen läßt, 4 Kinder: Friedrich IV., Seitz, Ulrich II., Eberhard und eine Tochter, die an einen Thanhauser (Wernher?) verheiratet war 72.

Am 22. 11. 1414 vermacht Gertraud von Theuern (Rugers Witwe?) dem Kloster Kastl einen Teil an ihrem Hofe zu Thanhausen; Zeuge waren: Friedrich von Hainthal (ehemaliger Edelsitz östl. von Kastl), Conrad von Rohrenstadt … lauter „Herren“ und ferner u. a. auch ·Friedrich von Theuern 73. Seitz der Teurner saß 1425 zu Schwarzenfeld und hatte Güter inne, die Otto von Schwarzenfeld, der Ecker genannt, als bischöfliche Lehen besaß74. Sein Bruder, Ulrich der Tewrner schrieb sich 1431 von Snaitpach und hatte Elspet Negelein zur Frau75.

Eberhardt von Theuern fiel als der Letzte seines Namens und Stammes in der Schlacht zu Hiltersried (1433), in der 9 Ritter, 59 andere Adelige und 14 Mann des Fußvolkes den Tod fanden. Außerdem sind später noch 102 Kämpfer ihren Wunden erlegen76.

Im Stammbuch der Familie Leubelfing auf Rain (um 1694 geschrieben) heißt es darüber: . . . damals umbkhommen in der großen bohemischen Niderlag der Hußiten undt Taborithen zu Hütterzriedt für die Cath. Religion Ritterlich streitendt geweßen … welches aus . . . einem wahrhafften, alten Verzeichnis Georg Zengers ist gezogen im Clost. Schönthal, welcher selbsten mit undt beygeweßen, undt die sachen annotirt 77.

Mit ihm starb das seit 1108, nachweislich also über 300 Jahre, lebende Geschlecht der Theuerner aus, das sich nach der im 11. Jahrhundert, urkundlich erwähnten Siedlung nannte und auch mit deren Geschichte eng verknüpft ist, was die vorliegende, streng nach Quellen bearbeitete Abhandlung beweist.


1. Max. Freiherr Lochner v. Hüttenbach, Die Lochner von Loch, Wiesentfels u. Weyer. S. 9/10 als Quelle: V. Ernst, Die Entstehung des niederen Adels, Stuttg. 1916. 2. H. Janz, Schloß Hüttenbach im Zeitenwandel von 5 Jahrhunderten. Die Fundgrube, Heimatkdl. Beil. d. Pegnitz-Zeitg. 20. Jg. (1950), S. 7; s. auch R. Gerstenhöfer, ln Theuern noch 50 Hausnamen gebräuchlich. Oberpf. Jura, 10. Jg. (59), Nr. 5. 3. H. Zitzelsberger, Die Geschichte d. Kl. Ensdorf (1121-1525). VHO 95. Bd., S. 131. 4. R. Gerstenhöfer, Bedeutsames Geschlecht der Theuerner auf Theuern. Oberpf. Jura 8. Jg. (57), Nr. 21, 22. 5. J. Plaß, Geschichte der Hofmarken Ebermannsdorf u. Theuern. Bibl. d. hist. Vereins in Regensburg, O.M.S. 131. 6. wie 5, Fol. 27. 7. wie 5, als Quelle: Mon. Boic. 13, 2. 8. R. Gerstenhöfer, Ungeschriebene Quellen für die Heimatgeschichte (F.N. ). Oberpf. Jura 9. wie 5: Mon. Boic. 10. [10. Jg., Nr. 20. 21. 10. J. Looshorn, Die Geschichte d. Bistums Bamberg, München 1886, 2. Bd., S. 142. 11. wie 5: Mon. Boic. 29, 232 u. 31, 386. 12. wie 10, II. Bel., S. 46.  13. wie 5. 14. E. Klebel, Städte, Burgen und Siedlungen i. d. Oberpfalz. Opf. Heimat 2, 28. 15. wie 12. 16. wie 5: Bericht des hist. Ver. Bamberg 16, 12. 17. wie, 3, S. 25. 18. wie 3, S. 20 ff. 19. wie 5: Th. Ried, Cod. chronol. diplom. episcopatus Ratisbonensis I, 188. 20. wie 5: Th. Ried I, 192; Mon. Boic. 24, 14. 21. wie 5: Freyberg, Sammlung hist. Schriften II, 243 u. Mon. Boic. 24, 13. 22. wie 5: A. F. Oefeie, Rerum Havarie I, 190a. 23. Matrikel d. Diözese Regensburg, 1916, S. 223. 24. wie 21 II, 206. 25. wie 21 II, 207. 26. wie 21 II, 208. 27. wie 3, S. 88 u. G. Leingärtner, Die Wüstungsbewegungen im Landkr. Amberg. M. Laßleben, Kallmünz 1956, S. 29. 28. wie 21 II, 204. 29. F. Mader, Die Kunstdenkmäler v. Opf. u. Regensburg, Heft 15, S. 123. 30. J. Lehner, Die mittelalterl. Kirchen-Patrozinien d. Bist. Reg., Teil I; VHO 94. Bd., S. 8. 31. wie 21: II, 216. 32. wie 21: II. 226. 33. wie 16: 16, 27. 34. wie 5: Mon. Boic. 3, 428 u. Urk. Buch d. Landes ob der Enns 1, 11. 35. wie 21: II, 207. 36. wie 21: II, 228, 234 u. 239. 37. wie 21: II, 247 u. A. Meiller, Mundi mirac. 305. 38. Paricius, Nachrichten von Regensburg,.199. 39. wie 21: II, 214. 40. wie 21: II, 238. 41. wie 5. 42. wie 1: II, 250. 43. wie 3, S. 119. 44. wie 21: II, 348. 45. wie 3: Mon. Boic. 27, 52. 46. wie 5. 47. Aettenkefer, Bayer. Geschichte 196. 48 wie 38, S. 199. 49. Prof. P. W. Fink, Ein altes Pfarreien Verzeichnis d. Bist. Reg. aus d. J. 1286, Redige 1953. 50. wie 5: Ried, ungedruckte Nachrichten. 51. wie 5: Reg. Boic. 5, 48. 52. wie 5: Reg. Boic. 5, 76. 53. wie 5: Mon. Boic. 24, 61 u. Oefele 1, 589. 54. wie 5: Reg. Boic. 5, 258. 55. wie 5: Reg. Boic. 5, 267. 56. wie 3, S. 73. 57. wie 5: Mon. Boic. 24, 79; vgl. auch VHO 3. Jg. S. 363. 58. wie 5: Rist. Ver. Reg. 1836, 329. 59. wie 5: Mon. Boic. 24, 426 und Copialbuch d. KL Kastl 548b. 60 wie 5: M. B. 24, 125. 61. wie 3, S. 124/5. 62. wie 29, S. 125 als Quelle: Mon. Boic. 24, 295, 297. 63. wie 29, S. 125 als Quelle: M. B. 24, 294. 64. wie 5: M. B. 27, 241. 65. wie 5: Reg. Boic. 10, 311. 66. wie 5: Regensburger Lehenbuch B 27. 67. wie 5. 68. wie 5: Regensburger Lehenbuch A 175. 69. wie 5: M. B. 24, 169. 70. Leingärtner s. bei 27, S. 31. 71. wie 5: Regensburger Lehenbuch A 85b. 72. wie 5. 73. wie 5: Copialbuch p. 749. 74. wie 5: Reg. Lehenbuch 175. 75. wie 5. 76. Generalmajor a. D. Dollacker, Einiges von den Hussitenkriegen. Die Oberpfalz, Jg. 33, s. 105. 77. VHO Bnd. 14 (1850), S. 323 (Hussitenschlacht bei Hiltersried).

© „Die Oberpfalz“, 1962 – Laßleben Verlag, Kallmünz

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Das „Familienbuch“ des kalvinischen Pfarrers Johann Knöttner

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Das „Familienbuch“ des kalvinischen Pfarrers Johann Knöttner 1607 —1625

Von Gustav Fuchs

Es reizt, etwas über das Leben der persönlichen Vorfahren zu erfahren, und man kann verstehen, wenn es auch heute Menschen gibt, die sich mit Ahnenforschung beschäftigen, Ahnenbücher anlegen und Stammbäume aufstellen.

Der kalvinische Pfarrer Johannes Knöttner hat sich in den Kirchenbüchern von Gnadenberg-Hagenhausen selbst sein Familienbuch eingetragen, die Heiratsurkunde und die Geburtsurkunden seiner 10 Kinder sind eigenhändig eingeschrieben.

Wenn wir die genannten Personen aus der Zeit vor 350 Jahren noch in anderen Quellen aufspüren können, dann ist es möglich, uns ein genaueres Bild des Urkundenschreibers zu entwerfen, zeigt es auch nur einen kleinen Ausschnitt aus der engeren Heimat.

Anno 1607 den 20. Oktober hab ich Johann Knöttner von Eger damals der Stadt Schulen Rector zu Newenmarkt mit meiner andern Hausfrau Barbara, weiland deß Ehrenvesten und hochachtbaren Herrn Caspar Euvelstetters H. Verwalters zu Castell hindterlaßener Tochter, zu Castel Hochzeit gehalten. Und haben sich bei solcher hochzeitlich Ehrenfeier neben anderen ansehenlich Herren und Freundten befunden der Ehrenvest und fürgeacht Herr Leonhardt Stadler Capell-Verwalter zu Newenmarkt, der Ehrenw. und Hochgelehrte Herr Jacob Pagany, damals Pfarrer zu Utzenhofen, als beide Heuraths Leuts; Ägidy Steinhaußer, Richter zu Castel, Hans Rab, Bürgermeister, Sebastian Koberger, Herr Georg Böttendörffer, Pfarrer zu Günching etc. Copulator war der Ehrw. und wohlgelehrte Johannes Ludovicy, damals Caplan zu Castel.

Anno 1608. Montags vor Michaelis vor Mittag zwischen 9 und 10 Uhr ward mir mein Erstes Kind und Tochter von obgedachter meiner Hausfrau geboren und nachfolgend Dienstag Herrn Johann Hofmann, Caplan zu Newenmerkt ist getaufft und Barbara Magdalena getaufft worden. Gevatter war Herr Erhardt Schneider Bürger zu Newenmarkt samt seiner Hausfrau Barbara.

Anno 1610. Den 26. Januar ward mir Johann Knötterer, damals Pfarrer zu Pfaffenhofen, mein ander Kind und erster Sohn Johannes Caspar geboren. Ist hernach den 28. Januar von Herrn Jacobo Pagano Pfarrer zu Utzenhoefen getaufft worden.

Gevatter war der ehrenfest und wohlgeacht Herr Hanß Schneider, Bürgermeister zu Lautterhofen, neben seiner Hausfrau Barbara.

Anno 1611 den 16. September ist mein drittes Kind und ander Sohn Georg Friedrich zu Pfaffenhofen geboren und am 18. Sept. von obgedachten Herrn Pagano getaufft worden.

Gevatter war Georg Hemmerlein, Bürger, Beck und Rathsverwandter zu Castel, damals ein Bräutigam mit Margreth Sebastian, Wirths zu Sindelbach Tochter.

Anno 1613 Dienstags den 14. Januar ist mir mein viertes Kind und dritter Sohn Johann-Jakob geboren. Gevatter der Ehrenvest und Hochgelehrt Herr Johann Jakob Heber, damals Churf.-Pfaltz Kirchraths Secretary zu Amberg, neben seiner tugendsamen Hausfrau Christina einer geborenen Lingelsheimin.

Anno 1615 Samstags den 4. November hat Gott diesen meinen lieben Sohn Hans Jakobi durch die Kindsblattern abgefordert und zu sich genommen, ligt allhier in der Kirch unter dem Predigtstuhl am Eck begraben.

Meine andern Kinder, so mir allhier zu Hagenhausen geboren worden, sein in diesem Buch Annis 1615, 1617, 1619 zu finden.

1615, den 4. Februar. Samstag den 4. Februar, grad umb Mitternacht, ward mir Johann Knötterer von Eger derzeit Pfarrer allhier zu Hagenhaußen, meine andere Tochter und fünfftes Kind von meiner anderen Hausfrauen Barbara, weiland des Ehrwürdig, Ehrenvesten und fürnehmen Herrn Caspar Euvelstetters, Verwalters zu Castel Tochter, geboren. Welche hernach Dienstags den 7. Febr. von Herrn M. Francisco Ritter Pfarrer zu Stöckelsberg getaufft und Sabina genannt worden.

Gevatter war Hanns Creutzer, Müllner allhier, neben seiner Hausfrau Sabina.

Mittwochs den 23. Aprilis 1617. Die Georgy ward mir Johann Knöttner der Zeit Pfarrer zu Hagenhaußen von meiner anderen Hausfrau Barbara, weiland Caspar Euvelstters Herrn Verwalters zu Castell Tochter, mein sechstes Kind und vierter Sohn umb 12 Uhr mittags geboren, hernach Freitags den 25. Aprilis von Herrn M. Francisco Rittern Pfarrern zu Stöckelsberg getaufft und Johann-Michael genannt worden. Zeug war der Edel und Vest Johann-Michael Loefenig, damals churf.-Pfalz Richter zu Gnadenberg, neben seiner Tugentlichen Hausfrau Katharina.

Sonntags den 30. May 1619 ein wenig nach 6 Uhr vor Mittag ward mir Johann Knöttner der Zeit Pfarrer zu Hagenhaußen mein siebentes Kind und fünfter Sohn von meiner Hausfrauen Barbara geboren mit Namen Hanß-Adam.

Gevatter war der Ehrenvest und wohlgeacht Hanß-Adam Schneider Bürger zu Altorff neben seiner Hausfrau Kunigund.

Ward getaufft den 1. Juny von dem Ehren und wohlgelehrten Herrn Leonhardo Sutorio der Zeit Pfarrer zu Rohrnstadt.

Nach verrichter Tauff haben sich im Pfarrhof befunden Herr Gevatter Hannß Schneider, Bürgermeister zu Lautterhofen, Herr Gering, Statdschreiber zu Altorff, Herr Martin Brunner, des Raths Bürger und Gastgeb daselbst, Herr Johann Cuner, Inspektor zu Sindelbach, Herr Stephan Übelacker, Schreiber damals zu Haimburg, Hannß Creutzer, Müllner alhier, Ott Scheibel, Papyrer.

Donnerstags den 31. Mai 1621 grad umb Mitternacht ward mir Johann Knöttner der Zeit Pfarrer zu Hagenhausen mein achtes Kind und dritte Tochter Anna Elisabeth geboren.

Gevatter war Ott Scheibel, Papyrer allhier, sampt seiner Hausfrau Anna. Ist samstags hernach den 2. Juni von Herrn Johann Reinhardt Pfarrer von Berg getaufft worden.

Montags den 31. Marti 1623. Ist mein neuntes Kind und vierte Tochter Katharina morgens früh umb 6 Uhr geboren und Dienstags hernach den 1. April von Herrn Engelhardt Gaßner, Pfarrer zu Berg, getaufft worden.

Zeug und Gvatterin Jungfrau Katharina Sedlmaierin. Herr Richters zu Gnadenberg Johann Michael Loeferini Stieftochter neben dero Frau Mutter Katharina.

1625 Mittwogs den 20. July um 10 Uhr in der Nacht ward mir mein Zehndes Kind und sechster Sohn Otto geboren.

Zeuge war Otto Scheibel Pappyrer allhier neben seiner Hausfrau Anna.

Mittwogs den 23. November umb 9 Uhr vormittags hat der liebe Gott diß mein Söhnlein auß diesem jammerthal und elendem Leben wiederumb abgefordert und zu sich genommen. Derne der getreue Gott eine fröliche Auferstehung verleihen wolle Amen.

Zu den in den Kirchenbucheinträgen genannten Personen möchten einige Ergänzungen gegeben werden:

  • Knöttner Johann: Er war, wie er selbst angibt, in Eger geboren, war zweimal verheiratet, wobei er aber über seine 1. Frau keine Angaben macht. Seine „andere Hausfrau“ Barbara, war die Tochter des Kastler Klosterverwalters Kaspar Euvelstetter, der zur Zeit der Hochzeit schon verstorben war. Knöttner besuchte 1598 die Universität Altdorf b. Nürnberg, war laut eigener Angabe Rektor der Stadtschule Neumarkt bis 1610. Ab 1610 war er Pfarrer in Pfaffenhofen bis 1613, von da an bis 1625 Pfarrer in Hagenhausen. 1624 und 1625 finden sich im Gnadenberger Pfarrbuch noch Einträge von Knöttners Hand, ab 1626 schreibt nach Wiedereinführung des katholischen Bekenntnisses Pfarrer Albert Hueber.
  • Kaspar Euvelstetter: Er war der Vater der 2. Frau Knöttners Barbara. Von ihm berichtet Brunner in dem Buch „Das Merkwürdigste von der Herrschaft, dem Gotteshause und Kloster Kastei“: Kaspar Euvelstetter, geboren am 6. Jänner 1519, wurde 1548 Conventual des Klosters Kastl und dann Prediger. 1556 trat er zur neuen Lehre über, wurde 1560, nach dem Tod des letzten Abtes Hanauer, Verwalter des Klosters. Er heiratete Anna Böhmin, die 1581 verstarb. Euvelstetter schloß eine 2. Ehe mit Barbara Schmidin von Amberg, aus dieser Ehe entsprossen 7 Kinder, darunter die 2. Ehefrau Barbara des Pfarrers Knöttner. 1599 ist Euvelstetter verstorben, womit die Angabe im Heiratseintrag übereinstimmt, „weiland des Caspar Euvelstetters hinterlassener Tochter“.
  • Jakob Pagany, Pfarrer zu Utzenhofen: Er ist aufgezählt als zu den beiden Heiratsleuten gehörig, also als Trauzeuge, neben dem Leonhard Stadler, Kapellenverwalter zu Neumarkt. Paganus, auch Pachanus, Jakob war geboren 1568 in Wanfried in Hessen. Er war eingeschrieben 1590 als Studierender der Universität Heidelberg. Von 1593— 1606 war er Prediger im Kloster Kastl und versah von dort Ursensollen und Pfaffenhofen, hat also den Klosterverwalter Euvelstetter persönlich gekannt. Von 1606—1619 war er Pfarrer in Utzenhofen, von 1619—1625 Pfarrer von Lauterhofen, wo er 1625 entlassen wurde. Er muß vor 1627 verstorben sein, denn seine Witwe wartete in diesem Jahr auf den Verkauf ihres Gutes.
  • Böttendörfer, Bettendorfer, Georg: Er war bis 1611 Pfarrer in Günching, von 1612—1625 Pfarrer in Pollanten, wo er entlassen wurde.
  • Ludowico Johannes, Kaplan: Er war der Geistliche, der Knöttner Johann und Euvelstetter Barbara traute. Er war von 1605—1608 Diakon in Kastl bei Amberg, 1612 Pfarrer in Großalfalterbach, 1613—1617 in Ensdorf Prediger und von 1617—1619 Pfarrer in Lauterhofen.
  • Hofmann Johann: Er tauft 1608 das 1. Kind Knöttners. Er war 1561 in Neumarkt geboren und studierte auf der Universität Wittenberg, war 1597—1615 in Neumarkt Kaplan und Rektor, von 1617—1621 Diakon in Regensburg.
  • Franz Ritter, Pfarrer in Stöckelsberg: Er war ein Nürnberger Kind, besuchte die Universitäten Altdorf 1592, Wittenberg 1595 und Heidelberg 1598. 1602 war er Pfarrer in Albertshofen, 1615 in Stöckelsberg, 1617—1625 in Kirchenlaibach. Er war neben seiner Pfarrtätigkeit der Sternkunde zugetan und verfaßte das Buch: Speculum Solis (1613). Daher wurde ihm bei der Visitation 1615 bezeugt, daß er „die Bibel unter die Bank legt und allein Studium astrologicum tractiert“.
  • Michael v. Loefen: Michael Loefen wurde 1546 in Trier geboren, wo sein Vater Amtmann im Trierer Gebiet war, und besuchte dort auch die Schule. Später studierte er in Düsseldorf, Genf, Straßburg und Basel, wo er 1572 die Doktorwürde erhielt. Dann kehrte er wieder nach Straßburg zurück und heiratete 1576 die Tochter des Arztes Lubertus Esthius, die Jungfrau Agnes. Kurfürst Friedrich III. berief kurz darauf Dr. Loefen unter die Assessoren des Hofrates in Heidelberg. Unter Kurfürst Friedrich IV. wurde er kurf. Geheimrat. Für sein Eintreten für den kalvinischen Glauben verlieh ihm Friedrich IV. 1599 die Landsassenfreiheit und den Adel. 1604—1617 war er Verwalter des aufgehobenen Klosters Gnadenberg und war auch mit der Verwaltung des Klosters Kastl betreut. 1614 wurde Dr. M. Loefen Lehensherr auf Oberrohrenstadt. Zu dieser Zeit war er schon Herr auf Heimhof und Ebermannsdorf. Auch das „Brüder- und Mönchshaus“ in Gnadenberg und ein Teil des Klostergartens waren schon in seinen Privatbesitz übergegangen. 1623 wird Loefen im Kirchenbuch noch Klosterrichter genannt. Zu dieser Zeit war er zum 2. Mal verheiratet, nachdem die 1. Frau 1614 verstorben war; ein Jahr darauf heiratete er Aemilia, die Witwe des Lucas Stöckelius, Tochter des Dr. Heinrich Smetius. Nach dem Lebenslauf des Kirchenrats Johannes Salmuth, Amberg, verstarb Loefen am 30. April 1620 im Alter von 74 Jahren. Der Kirchenbucheintrag vom 31. 3. 1623 weist auf die Stieftochter Katharina Sedlmeier und deren Mutter Katharina; es müßte sonach der Dr. Loefen noch ein 3. Mal geheiratet haben.
  • Jungfrau Katharina Sedlmaierin: Beim 9. Kind des Pfarrers Knöttner ist sie neben ihrer Mutter Patin, des Herrn Klosterrichters Johann Michael Loefen Stieftochter. Ihre Mutter, die 3. Frau des Dr. Loefen, könnte die Tochter des Pfarrers Johannes Sedlmaier sein, der von 1585—1611 in Freudenberg-Wutschdorf wirkte.
  • Pfarrer Leonhard Sutorius: taufte am 1. 6. 1619 das 5. Kind des Pfarrers Knöttner. Er war von 1616—1621 Pfarrer in Rohrenstadt und stammte aus Nürnberg. Zur gleichen Zeit finden wir einen Georg Sutorius, es dürfte ein Bruder des Leonhard sein, er war von 1593—1604 Pfarrer in Rohrenstadt.
  • Pfarrer Johann Reinhardt: Eigentlich hätte wieder der Rohrenstädter Pfarrer das 8. Kind des Pfarrers Knöttner taufen sollen, aber in Rohrenstadt war ein Pfarrerwechsel eingetreten; am 2. 6. 1621 war der neue Pfarrer Johann Zacharias noch nicht aufgezogen. Darum mußte der Berger Pfarrer Johann Reinhardt aushelfen. Dessen Vater Christian war ebenfalls Pfarrer in Deining. Sein Sohn Johann dürfte in Traunfeld geboren sein und war von 1604 ab Pfarrer in Berg, dann Pfarrer in Deining bis 1625, wo er dann entlassen wurde.
  • Gaßner Engelhard: folgte dem Pfarrer Johann Reinhardt 1622 in Berg, wo er bis 1625 blieb. Er war 1612—1618 Rektor in Ensdorf, 1618 Pfarrer in Freystadt und zugleich Schulmeister, war 1620—1621 Pfarrer in Hausheim und ging dann nach Berg. Er starb 1638 als Archidiaconus in Dessau. In Berg taufte er das 9. Kind des Pfarrers Knöttner.

Quellenangaben: 1. Kirchenbücher Gnadenberg und Hagenhausen. — 2. Gemeindechronik Stöckelsberg. — 3. Ambergisches Pfarrerbuch von Weigel – Wopper – Ammon. — 4. Götz: Die religiöse Bewegung in der Oberpfalz. — 5. Götz: Die erste Einführung des Kalvinismus in der Oberpfalz. — 6. Die Oberpfalz, sämtl. Bände. — 7. Ried: Neumarkt i. d. Oberpfalz.

© „Die Oberpfalz“ – Jahrgang unbekannt

Drei Steinbeile fanden nach Amberg

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Von Hans Jungwirth

Nicht nur Bücher haben ihre Schicksale, auch vorgeschichtliche Funde gehen oft recht seltsame Wege, bis sie endlich in die rechten Hände kommen. Am Beispiel von drei Steinbeilen im Heimatmuseum Amberg soll das näher gezeigt werden. Als ich 1920 mit meinem verehrten Lehrer und Freund Oberregierungsrat Dollacker die ersten Forschungsarbeiten hier begann, besaß die vorgeschichtliche Abteilung des Museums ein einziges Stück aus der Steinzeit. All unsere Bemühungen, diese Lücke auszufüllen, blieben jahrelang ergebnislos. Und doch mußten in frühester Zeit auch hier Menschen gelebt haben, da das Albgebiet ja in der Eiszeit gletscherfrei war, zahlreiche Höhlen besaß und in seiner Tier- und Pflanzenwelt genug Lebensmöglichkeiten bot.

Da kam der denkwürdige 27. September 1930, an dem die Salesianer Novizen von Ensdorf unter Leitung von Dr. Pils die Funde an der Steinbergwand bei Ensdorf an der Vils erschlossen. Später kamen noch einige Streufunde aus der Umgebung von Amberg dazu und dann war wieder allgemeine Fundleere. Im Jahre 1945 übernahm ich die Leitung des hiesigen Heimatmuseums und damit auch die Sorge um weitere Aufhellung dieser noch immer dunklen Zeitspanne zwischen älterer Steinzeit und Bronzezeit. Wie so oft in der Forschung spielte auch hier der Zufall eine bedeutende Rolle.

So suchte der heimatvertriebene Schreiner Endres im Sommer 1941 im Wald bei Fuchsstein Schwammerln und fand in einem Wurzelstock einen schwarzen Stein, den er aufhob. Schon früher hatte er in Museen solche Gegenstände gesehen und auch diesen richtig erkannt. Nach einem Besuch im wiedereröffneten Museum Amberg brachte er seinen Fund, und die nähere Untersuchung ergab· ein schönes Steinbeil vom Ende der Jungsteinzeit.

Drei Beile #1

Dies Steinbeil ist 13,7 Zentimeter lang, 4 Zentimeter breit, 2 Zentimeter dick und wiegt 260 Gramm. Sein rechteckiger Nacken ist leicht beschädigt, alles übrige fein geschliffen. Das Beil besitzt kein Schaftloch und besteht aus schwarzem Nephrit: der in unserer Gegend fremd ist. Über das sonstige Schicksal dieses Beiles ist nichts bekannt. Wir können nur vermuten, daß dieser einzelne Fund auf Jagd, Wanderung oder Kriegszug verloren wurde, wohl sehr zum Leidwesen seines Besitzers. Aus diesem Einzelfund können auch keine weiteren Schlüsse gezogen werden über eine mögliche Besiedlung in der Gegend, da bis jetzt keine Spuren entdeckt und keine weiteren Funde gemacht wurden. Das Beil gehört wohl der schnurkeramischen Kultur oder Chamer Gruppe an. Nach den Ausführungen von Hans-Jürgen Hundt sind die Funde der Chamer Gruppe an die böhmische Jungsteinzeit anzuschließen. Welche Beziehungen damals zum böhmischen Raum von hier aus bestanden, läßt sich vorerst aber nicht erkennen.

 

Noch interessanter ist ein anderer Fund. Im Jahr 1952 wurde hier im Schlachthof die Kuttelei umgebaut. Dazu wurde zur Betonierung Kies aus der Naab bei Schwarzenfeld verwendet. Er wurde etwa 500 Meter naabaufwärts gewonnen und zur Baustelle gefahren. Hier stand im Dezember 1952 der Arbeiter Pletl an der Betonmischmaschine und sah in dieser, einen größeren schwarzen Stein, den er noch rechtzeitig herausholte. Es war ein prachtvolles unversehrtes Beil, eine Hammeraxt aus Quarzit mit folgenden Ausmaßen: Länge 17 Zentimeter, Breite 5,7 Zentimeter, Dicke an der Schneide 4, in der Mitte 3 und an der Hammerplatte 2,5 Zentimeter. Die Axt ist sehr kräftig, 650 Gramm schwer, fein geschliffen, zur Schneide zu sehr stark abfallend, am Rand in Facetten. Die Durchbohrung ist leicht konisch – 2 bis 2,3 Zentimeter weit und zeigt im Innern leichte Rillen.

Diese stammen von der Bohrung die bei diesem harten Gestein eine ziemlich langwierige Arbeit gewesen sein dürfte, aber auch ein großes handwerkliches Können beweist. Die Technik dieser Art der Durchbohrung ist uns aus einer Reihe von Fundstücken bekannt. In eine einfache Bohrmaschine aus Holz wurde das Werkstück eingespannt und dann ein einfacher Bohrer aus Hartholz mit Hilfe eines Bogens rasch gedreht, indem man den Bogen mit der Tiersehne hin- und herfuhr. In unserem Fall wurde wohl an den Bohrer ein Stück eines Hirschgeweihs angesetzt und auf diese Weise der Bohrkern in mehreren Arbeitsvorgängen herausgeholt). Ob der feine Schliff nur durch längere Bearbeitung mit einem harten Stein entstand oder ob dazu ein Schleifstein verwendet wurde, entzieht sich unserer Kenntnis.

Drei Beile #2

Die Axt hat auch durch die Lagerung im Wasser nicht gelitten. Vermutlich ist sie wegen ihrer Schwere sehr bald in tiefere Schichten, vielleicht in Sand, abgesunken und dadurch vor weiterer Beschädigung bewahrt geblieben. Wie das Stück in das Wasser kam, läßt sich nur vermuten; es kann sich um einen Verlust bei der Arbeit oder auch um eine Opfergabe handeln.

Der interessanteste Fund aber ist der Rest eines Steinbeils, das erst im vorigen Sommer gefunden wurde. Zwei Volksschüler überquerten den Bahndamm bei der Flaschenhütte südlich von Amberg. Dabei stieß der eine von ihnen an einen Stein, der seine Aufmerksamkeit erregte und aufgehoben wurde. Der Finder wollte ihn schon wegwerfen, gab ihn aber auf Verlangen seinem Kameraden und dieser steckte ihn ein – gesegnet sei dessen Sammeltrieb. Im Winter besuchte diese Klasse mit ihrem Lehrer das Museum und dort wurden auch die beiden vorigen Beile gezeigt. Da erinnerte sich der Schüler an seinen Fund, brachte ihn seinem Lehrer und so kam er endlich auch zu mir. Es war das Bruchstück eines Steinbeils und im ersten Augenblick fast nicht mehr als Beil zu erkennen. Die noch feststellbaren Maße waren: Länge 10,5 Zentimeter, Breite 5,8 Zentimeter, Dicke 1,9 Zentimeter, Gewicht 380 Gramm. Wo die Schneide in das Beil übergeht, finden sich noch Reste vom ehemaligen Schliff – die einzigen Spuren der Bearbeitung. Das Material ist Basalt. Nach einem Gutachten des Landesamts für Denkmalpflege ist „die Schneide nach beiden Seiten ausgeschwungen, jedoch nach der einen (oben) in bereits früher d. h. näher zum Schaftloch ansetzendem Bogen, nach unten in einem nur kurzen, aber kräftigen Schwung. Nach der ganzen Figur, die aus ‚der allseitig zerschlagenen Form erschlossen werden muß, kommt nur eine Axt (Steinbeil mit Durchbohrung für den Stiel) in Betracht und zwar etwa von der Form einer Bootsaxt, ohne daß Genaueres über die Form im einzelnen gesagt werden könnte.“

Nun begannen die Nachforschungen nach der Herkunft dieser Axt. Durch die Bahnverwaltung erfuhr ich, daß der Schotter des Bahndamms vom ersten Basaltwerk in Groschlattengrün bei Marktredwitz stammt und bereits vor längerer Zeit dort eingebettet wurde. Anfragen in Groschlattengrün ergaben, daß das ·Schotterwerk sein Material vom sagenumwobenen Teichelberg nimmt, wo aber noch nie ein vorgeschichtlicher Fund nachgewiesen wurde. Eine genauere Festlegung der Fundstelle ist heute nicht mehr möglich, da der Bruch viele Meter weit in den Berg vorgerückt ist und damals keine Beobachtungen gemacht wurden. Die Axt ging mit dem anderen Basalt durch die Steinquetsche und hat darunter natürlich sehr gelitten. Seine ursprüngliche Form läßt sich nur mehr ahnen. Aber auch der arg zerschundene Rest ist immer noch hochinteressant. Das ist vor allem die Form – Anklänge an Bootsaxt –, die hier nicht üblich ist. Dann aber ist der Leidensweg dieses Fundes so eigentümlich, seine Fundumstände sind so merkwürdig, daß wir mit Recht behaupten können, daß Vorgeschichtsfunde oft eigenartige Schicksale erleben. Das sollte mit diesen Zeilen aufgezeigt werden.

Und noch ein anderer Gedanke verdient hervorgehoben zu werden. Nicht Fachleute mit wissenschaftlichen Kenntnissen waren die glücklichen Finder. Nicht durch umfangreiche und kostspielige Grabungen kamen diese Funde ans Tageslicht. Laien haben auch hier wertvolle Hilfe geleistet. Ein Schwammerlsucher, der aber die Augen auch noch auf andere Dinge richtet, ein Arbeiter, der nicht stumpf seine Maschine bedient, sondern auch sonst noch genau beobachtet, Volksschüler, die Interesse an Steinen und anderen merkwürdigen Dingen haben– sie alle waren Helfer der Wissenschaft. Sie haben auch außer ihrer Arbeit Museen besucht und wie sich zeigt, mit Erfolg. Besonders anzuerkennen ist, daß sie ihre Funde an das Heimatmuseum gaben und so weitere wissenschaftliche Auswertung ermöglichen.

 

Quelle: Oberpfälzer Heimat, 1961

 

Ehebruch und Gattenmord

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Ehebruch und angeblicher Gattenmord im Schloss zu Steinling 

Von Anton Dollacker

Das uralte, seinerzeit in der ganzen Oberpfalz und auch in Franken verbreitete Adelsgeschlecht der Steinlinger hatte seinen Stammsitz in Steinling und zugleich die Landsassengüter Sinnleithen und Boden in seinen Händen.

Das Schloss Steinling wurde schon 1807 wegen großer Baufälligkeit bis zum Grund abgebrochen, so daß man von ihm nur mehr den Keller sehen kann, wogegen die Schlösser Sinnleithen und Boden noch als Gasthäuser fortbestehen.

Der alte Hermann Steinlinger hatte 1571 kurz vor seinem Tod das Gut Steinling seinem Sohn Wilhelm und das Gut Sinnleithen seinem Sohn Wolf übergeben, aber die Zugehörigen nicht bezeichnet, weshalb wegen dieser die Gebrüder Steinlinger viele Jahre miteinander in Streit lagen,

Steinling und Sinnleithen waren eigentlich jungpfälzische Lehen, aber zugleich beanspruchte auch die Kurpfalz die Lehensherrschaft, was besonders wegen der Gerichtsbarkeit zu fortgesetzten Streitigkeiten zwischen den Regierungen in Neuburg und Amberg führte.

1584 starb Wilhelm Steinlinger zu Steinling jählings, und da er nur eine Tochter hinterließ, hätte das im Mannesstamm erbliche Lehen Steinling als erledigt seinem Bruder Wolf Steinling in Sinnleithen zufallen müssen.

Dieser wurde aber bald nachher wegen einer Bürgschaft verklagt und auf Betreiben des Klägers in Amberg gerichtlich verstrickt d. h. er musste geloben in Amberg zu bleiben und sich davon ohne Erlaubnis des Landrichters nicht zu entfernen; wohl gleichzeitig sagte ihm die Volksstimme nach, daß er zu Lebzeiten seines Bruders Wilhelm mit dessen Frau, einer geborenen Plassenbergerin, Ehebruch getrieben habe, was damals noch ein mit Todesstrafe bedrohtes Verbrechen war. Offenbar bekam er davon Wind und so kehrte er eines Tages eigenmächtig in sein Schloss Sinnleithen zurück.

Nun entsandte dahin am 19. August 1584 der Amberger Landrichter zu seiner Ergreifung fünfzig bewaffnete zu Ross und zu Fuß, obwohl Sinnleithen im Sulzbacher Gebiet lag und so zweifelsohne eine Grenzverletzung begangen wurde; die Suche nach ihm verlief aber ergebnislos, weil der Vogel vorher entflogen war.

Die über diesen Eingriff in ihre Hoheitsrechte höchst aufgebrachte Sulzbacher Behörde ließ ihrerseits schon am anderen Tag auf die Kunde, daß Wolf Steinlinger sich im Schloss zu Weißenberg sich aufhalte, durch zweiundzwanzig Hakenschützen  dort eine Hausdurchsuchung vornehmen, um ihn für ein gegen ihn wegen Ehebruches anhängiges Gerichtsverfahren zu verhaften; der Verfolgte hatte sich jedoch rechtzeitig nach Vilseck  weiter geflüchtet und auch ein daraufhin vom Sulzbacher Landrichter an den Bambergischen Pfleger zu Vilseck gerichtetes Auslieferungsbegehren blieb ohne Ergebnis, weil bei dessen Eintreffen Wolf Steinlinger das Bamberger Gebiet schon verlassen hatte.

Einige Zeit später aber stellte sich Wolf Steinlinger, einsehend, daß ihm nichts anderes mehr übrigblieb, freiwillig in Amberg dem Landrichter, der ihn in den „Fuchssteiner“, einem als Gefängnis für Adelige verwendeten Schlossturm sperren. ließ und zugleich wegen Ehebruch in Untersuchung nahm.

Am 20. Oktober 1584 ersuchte die Amberger Regierung das Landgericht Sulzbach, zu diesem Zweck den Pfarrer von Edelsfeld zeugenschaftlich einzuvernehmen; das Sulzbacher Gericht aber lehnte dies ab, weil es selbst den Fall behandeln wolle.

Inzwischen muss der Verdacht des Ehebruchs sich gegen Wolf Steinlinger verdichtet haben und dieser außerdem beschuldigt worden sein, seiner Schwägerin zum Vergiften ihres Mannes geholfen zu haben; denn er wurde aus diesem doppelten Grund am 18. November 1584 auf ernstlichen Befehl der Amberger Regierung in das Diebsloch, das ist das Gefängnis unter dem Amberger Rathaus, überführt.

Dies geschah wohl unter dem Druck der öffentlichen Meinung, da man sonst gegen Vornehme die Folter nicht anzuwenden pflegte.

Aber auch der Sulzbacher Landrichter hatte inzwischen nach Gebühr zugegriffen und die Witwe des Wilhelm Steinlinger nach Sulzbach verbringen lassen, wo sie als Untersuchungsgefangene an zwei Ketten angeschmiedet wohl verwahrt wurde.

Vermutlich hat Wolf Steinlinger auf der Folterbank ein Geständnis abgelegt und so wurde er wegen Ehebruchs und anderer Übeltaten mehr, zum Tode verurteilt und am 22. Januar 1585 auf dem Marktplatz in Amberg sitzend auf einem mit schwarzen Tuch beschlagenen Sessel mit dem Schwert hingerichtet, nachdem seine Bitte, ihn gegen Erlage einer Buße von 8.000 fl. zu lebenslänglichem Gefängnis zu begnadigen, keine Berücksichtigung gefunden hatte. (Was unter „anderen Übeltaten“ zu verstehen ist, geht aus der benützten Quelle nicht hervor; wahrscheinlich handelt es sich um den unnatürlichen Tod seines Bruders!)

Die Witwe des Wilhelm Steinlinger wurde anscheinend in der Folge nach Amberg ausgeliefert und fand einen sehr milden Richter: sie wurde nämlich am 2. August 1585 in Amberg, weil sie mit Wolf Steinlinger zugehalten, also nicht wegen Gattenmordes bloß mit Ruten ausgestäupt und des pfälzischen Landes verwiesen.

Sie konnte sich deshalb wieder auf ihr Gut Steinling begeben; aber dieses ging nachher im Lehensweg auf Jobst Christoph Steinlinger, den älteren Sohn des hingerichteten Wolf Steinlinger über.


Benützte Quellen:

Stadtarchiv Amberg Bd. 471 (Tagebuch des Amberger Notars Ph. Göschl von 1583—1586) und Staatsarchiv Amberg Akten „Stadt und Landgericht Sulzbach“. Nr. 167, 680, 4656 und 8981.

Die Oberpfalz, 1936

 

 

 

 

“ … in die Eisen schließen solange, bis sie bezahlen . . . „

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Herrschaft Wißbeck-Velburg, 16. Jahrhundert

Von Dr. Hans Ammon

Wappen der Wißpeck

Wappen der Wißpeck

Nach dem bayerischen Krieg 1504 kam auch der niederbayrische Feldhauptmann Jörg Wisbeck (Wißpeck u. a.) aus dem Salzburgischen 1507 nach Velburg zur Herrschaft. Das alte Heilige Römische Reich Deutscher Nation war in mancher Hinsicht großzügig, aber darum auch vielfach in der Gültigkeit der großen und kleinen Rechte umstritten. So wars auch mit den Herren Wißbeck und der Stadt Velburg.

Aus den umfangreichen Akten jener Zeiten sei Einiges dargeboten zum Verständnis. Da berichtet ein Zech- oder Kirchenprobst jener Velburger Gegend wegen des „lieben Heiligen S. Leonhard in … : „Es ist eine hölzerne Martersäule gesetzt, darein S. Lienhards Pildnus … Dorthin bringen die Leute ihr Almosen. Zwei Zechpröbste sorgen für die Bewahrung des Geldes und die Martersäule …“ Dann berichtet Ottheinrichs Befehlshaber Michael Altmann zu Velburg um 1540: „Wißbeck geht mit den Leuten um, das zu erbarmen ist .. . und nimmt bei allen Gotteshäusern (des Velburger Bereiches) und Pfründen, die ledig sind, was an Getreide, Geld, Groß- und Kleinzehnt zugehört .. . Geben sie nicht, zahlen sie nicht (ihm), so läßt er die Unsern in die Eisen schließen solange, bis die bezahlen!“ Altmann bittet um fürstlichen Befehl, dagegen einzuschreiten; … dann ist die Wahrheit, so ist es ein elend Ding, Wißbeck … sein Schinden und Hochmut also zu gedulden … Ich bin von einem Biedermann (piderman) berichtet, mit Namen Leonhard Hiltel, Bürger zu Veldorf, er sei neun Jahre S. Wolfgangs Zechprobst gewesen und noch … Wißbeck und sein Vater haben S. Wolfgangs (Wallfahrtskirche bei Velburg) Zins, Gült, Getreide und Geld wohl bis in die 30 Jahr eingenommen … das sind bis jetzt (ca. 1540) 3 000 fl. Wißbeck hat ein „prechen Schloß, genannt Velburg, samt Zugehörung um 500 fl. gekauft, die Zechpröbste von S. Wolfgang haben ihm das Geld leihen müssen, er zahlt aber weder Zins noch Hauptgeld. … Bei allen Gotteshäusern hat er jetzt wieder angesucht und befohlen, ihm Rechnung zu tun, ihm Zins, Geld, Gült und Getreide zu überantworten. Er will in Daßwang einen eigenen Kasten aufrichten (für das Getreide)“. Der Landesherr in Neuburg, Ottheinrich, befahl Altmann, das Getreide der Kirchen in Verwahrung zu nehmen und es so vor Wißbecks Zugriff sicherzustellen, 21. 11. 1541. Zudem ließ er Altmann und Wißbeck kundtun, daß er nicht mehr gesonnen sei, weiterhin Wißbecks Vereinnahmung der Kirchenzehnten zu dulden. Die beiden Velburger Bürger und Zechpröbste für S. Wolfgang bei Velburg, Leonhard Hiltel und Jorg Sturm, teilten Herrn Wißbeck Ottheinrichs Befehl mit. Altmann suchte mit dem Velburger Stadtschreiber die Zechpröbste in den Landkirchen auf, aber er mußte einsehen: „Die Leute geben nichts auf mein Geschäft, sie sind dem Wißbeck zugehörig!“ Wißbeck hatte einen Landbüttel, der den Leuten so zusetzte, „daß kein armer Mann auf mein Gebot nichts nicht gibt, sie fürchten sich vor Wißbeck und seinem Weib“. Altmann berichtet, daß Wißbeck ca. 4.000 fl. von S. Wolfgangs Einnahmen genossen habe, jährlich 50 Schaff Getreide und 100 fl. bar, er habe auch 700 fl. davon noch entlehnt und „hat wieder ein zerbrochen Schloß, die Adelburg, erkauft, aber er gibt keinen Zins, um die Hauptsumme zu bezahlen.

Jörg Wißbecks Sohn, Hans Adam, damals (1542 ff.) im bayrischen Dienst zu Stadtamhof, ließ Ottheinrich wissen, daß er das Eingreifen Altmanns bei den Leuten seiner Herrschaft als Unrecht ansehe und vor allem die Besetzung Velburgs durch Ottheinrichs Beamten Altmann – sie ist 1541 geschehen zur Sicherung der Landeshoheit – nicht anerkenne . . . „wie ich denn, weiß Gott, meinethalben unverschuldet des Schlosses und  Fleckens (Velburg) mit Gewalt und ohne Recht entsetzt bin … “ die Herren Wißbeck hielten ihre Herrschaft Velburg für eine unmittelbare Reichsherrschaft, ähnlich den Parsberger Herren, Ottheinrich aber für die mittelbare Herrschaft, die dem Landesherrn untertan ist. Ottheinrich ließ Wißbeck wissen: … „daß die jährlichen Einnahmen der Gotteshäuser im ganzen Lande etwas unordentlich gehaust und sonderlich dergleichen Nutzungen an Gotteshäusern in unserer Herrschaft Velburg zugehörig, mehrerteils zu deinen Händen genommen und deines Gefallens gebraucht würden“. Der Fürst will solche Anmaßung nicht stützen, kann auch die Schädigung der fürstlichen Gerechtigkeit durch Wißbeck nicht dulden. Wißbeck gab aber noch nicht nach; er ließ seine verordneten Zechpröbste nicht zum „eingedrungenen Hauptmann“ ins Schloß Velburg und verbot ihnen Ablieferung irgendeiner Gült etc.

Die Velburger Männer Hiltel und Sturm legten Wißbeck ihre Meinung und Ottheinrichs Weisungen vor, bedauerten die Zwiespältigkeit der „armen Untertanen“ und schrieben: Lieber zehnmal gestorben als schimpflich gelebt! Sie könnten mit Weib und Kind ihr Leben „nicht in Gefahr und Wagnis stellen“. Ihr Amt macht ihnen nur „beschwerliche Mühe mit Versäumnis unserer täglichen Nahrung. Wißbeck möchte sie des fürstlichen Befehls „entladen“.

Unterdessen hatte die Stadt Velburg durch ein Gewitter schweren Schaden an Kirchturm, Glocken und Häusern erlitten und in Speyer beim Reichskammergericht nachgesucht, für den Wiederaufbau Einnahmen von S. Wolfgang darlehensweise einsetzen zu dürfen. König Ferdinand schloß sich dem Rat der Juristen dort an und billigte die Bitte auf Widerruf. Die Glocken von S. Wolfgang wurden nun in der Stadtkirche aufgehängt und die gestifteten Messen und Gottesdienste zu S. Wolfgang auf die Stadtkirche übernommen. Die Wallfahrten nach S. Wolfgang, die das meiste Geld dort einbrachten, wurden weiter gehalten. Ottheinrich ließ durch Richter Altmann in Velburg die beiden Pröbste Hiltel und Sturm anweisen: „Ihr sollt weder der Stadt Velburg noch anderen ohne meinen Willen und Wissen von den Einnahmen S. Wolfgangs . . . auch kein Register noch brieflichen Urkunden zustellen, auch keine Rechnungen ablegen“.

Wißbeck setzte dagegen am 11. Mai 1542: „Mein kaiserlich Konfirmierung (Bestätigung) sein nicht mit Betrug, sondern mit Ehren ausgebracht, dazu älter denn der von Veldorf (Velburg) und wer dawider handelt, ist in die peen, so hoch und ansehnlich darein verleibt ist, gefallen, es möchte noch einer einen unrechten Kefer ( !) schicken . . . “ Velburg bat Ottheinrich gegen Wißbecks Drohen und Verhalten die kaiserliche Begnadung, von S. Wolfgangs Einnahmen Darlehen zu entnehmen zum Wiederaufbau, zu stützen, „daß wir nicht in die Händ unserer Feinde als die Waislosen (Waisen) geantwortet (überantwortet), sondern allein tot und ab sein . . . “ Der Fürst riet ihnen, beim kaiserlichen Kammergericht ein Poenalmandat (Strafmandat) gegen Wißbeck zu erwirken. Die Velburger mußten berichten, daß im letzten Jahr – 1541 – bei der Wallfahrt nach S. Wolfgang etliche 1000 fl. eingegangen seien, die Wißbeck aber an sich gezogen habe. Ottheinrich verbot den Pflichtigen, an Wißbeck etwas zu reichen. Im Schriftwechsel wird hingewiesen auf den ersten Wißbeck, Jörg, der nach dem bayrischen Krieg den Vormund der beiden Waisenprinzen Ottheinrich und Philipp, Pfalzgraf Friedrich, gedrungen hatte, ihn die Herrschaft Velburg 1507 einnehmen zu lassen. Wißbeck erkannte die Landessteuer für Neuburg nicht an und hielt auf die Besteuerung seiner Edelleute durch sich selbst. Auch beanspruchte er die Nutzungen der Kirchen für sich. Ottheinrich verwahrte sich gegen Wißbecks Art; er wußte ja, daß Wißbeck ohne förmlichen Beschluß des Neuburger Landes beim Kaiser Maximilian die Erwerbung Velburger Herrschaft erwirkt hatte.

Der Brand Velburgs 1540 hatte den Bürgern die kaiserliche Begnadung der Einnahmen S. Wolfgangs gebracht, aber Wißbeck hinderte sie an der Nutzung dieser Gelder. Noch am Vortag zum Erlaß Ottheinrichs zur offiziellen Reformation im Fürstentum – diese am 22. 6. 1542 – beschäftigte er sich mit Velburg und Wißbeck. Der abermals angerufene König Ferdinand ließ Ottheinrich bitten, die Velburger Sache zu ordnen. Wißbeck wurde vom König angewiesen, die Velburger am bestätigten Genuß der Wolfgangischen Gelder nicht zu verhindern. Doch der ließ nicht nach und protestierte am 28. 5. 1543 gegen die kaiserliche Begnadung der Bürger. Ottheinrich mühte sich rechtschaffen um die Velburger gegen Wißbecks weiteres Drängen und Drohen. Das zeigte sich auch im Sommer 1544, als der Velburger Kirchenprobst zu Klapfenberg die sog. Kirchtagrechte dort verlas. Da griff Wißbeck zu und ließ ihn „ausschaffen durch seinen Vogt Kaspar Hetzer! mit 50 bewehrten Mannen“.

Neuburg war fern und Wißbeck in Stadtamhof nahe! So wollte er seine unmittelbare Reichsherrschaft – ohne Landesherrn – wahren und durchsetzen. Altmann legte dem Fürsten einen ausführlichen Bericht über Anhörung und Verhörung der Zechpröbste in der Herrschaft Velburg vor. Er zog die Velburger Kaspar Huebell, Bürgermeister, Jorg Hofer, Leonhard Sturm hinzu und den Monheimer Thomas Kratzer. Und da ergab sich dies:

  1. Die Zechpröbste von S. Wolfgang (Velburger Männer) erklären, daß Wißbeck ihnen die Anzeige der Einnahmeregister bei ihm geboten habe.
  1. Die Zechpröbste von Waldhausen legten vor Altmann Gelöbnis ab und beschuldigten Wißbeck, ihrem Gotteshaus 8 oder 10 fl. weggenommen zu haben.
  1. Altenveldorf: die Pröbste geloben Altmann anstatt des Landesherrn. Aber keiner der Pröbste will mit der Sprache heraus.
  1. Rudenzhofen (Rudenshofen): Die Heiligenpfleger legen Register im Stadtschreiberhaus zu Veldorf ( = Velburg) vor und sagen. Wißbeck habe das Original des Salbüchleins zu seinen Händen. Sie zeigen Altmann ihre Rechnung an: jährlich Zins 9 Pfund 2 Schilling 28 Pfennig; 2 Schaff 9 Metzen Korn, ebensoviel Haber, alle kleinen Gerechtigkeiten als Hühner, Hennen, Käs etc. Von dieser Frühmesse zu Rudenzhofen hat Wißbeck 24 fl. 7 Schilling 24 Pfennig erhalten, 6 Schaff und 8 1/2 Metzen Haber. Aber es ist kein Priester auf dieser Messe. Wißbeck befahl ihnen, Korn und Getreide zu verkaufen „und ihm das Geld zuzustellen“. Das Gotteshaus in Rudenzhofen hat geringe Einnahmen: 2 Pfund 2 Schilling 28 Pfennig, 8 Metzen Korn. Wißbeck hat vor 27 Jahren davon 20 fl. genommen, weder Zins noch Hauptgeld gegeben. Rechnung wurde seit 5 Jahren unterlassen. Nun wurden die Heiligenpfleger verpflichtet, Wißbeck nichts mehr zu reichen.
  1. Hollerstetten: Ist Filialkirchlein, Einnahmen: 2 Pfund 2 Schilling 3 Pfennig, 16 Metzen Haber. In 9 Jahren keine Rechnung!
  1. Freudenricht: Die Zechpröbste sind mit den Registern erschienen: Einnahmen ? fl. 5 Schilling 27 Pfennig, 30 Metzen Korn und Haber. Seit 6 Jahren keine Rechnung! „Wißbeck hat von diesem Gotteshaus 30 Metzen Haber genommen, mußten es die Leute bis Regensburg (Stadtamhof) scharwerken (also umsonst liefern!) An Geld nahm Wißbeck 8 fl. Die Pröbste geloben Ottheinrich, nichts mehr an Wißbeck zu geben.
  1. Rammersberg: Einnahme des Gotteshauses: 9 Pfund Pfennig. Ist Filial, 1 Wochenmesse; Wißbeck hat 45 fl. genommen, seine Quittung aber enthält nur 6 fl! Als ein Bauer bei Wißbeck vorsprach, gab es Zusammenstoß. Wißbeck legte dem Bauern 10 fl. Strafe auf, ermäßigte sie dann auf 2 fl. Seit 12 Jahren keine Rechnung! „Man fürchtet Wisbeck an diesem Ort!“
  1. 8. Ronsolden (Altenronsolden): „Das Filial hat nichts mehr einzunehmen, ein ganz armes Kirchlein“, schreibt Altmann ins Protokoll. „Es hatte 3 fl. Zins, aber Wißbeck hat diesen Betrag 12 Jahre lang selber eingenommen, aus den Büchsen 3 1/2 genommen, daß von demselben Bettel (Pettel!) ein wenig Pfennig ungefähr(lich) 9 oder 13 Pfennig überblieben, also daß sie nichts mehr haben.“
  2. Eichenhofen: Pfarrei; Heiligenpfleger haben gelobt. Sie haben Frau Wißbeck 10 fl geben müssen.
  1. Batzhausen: Pfarrei, wollen nichts anzeigen, auch nicht geloben, sagen: „Sie haben einen Herrn, dem haben sie geschworen. Im Feld steht dort ein Kapellein, genannt S. Jobst, hat aber keine Einnahmen, denn nur 1 Fastnachtshenne. Die Zechpröbste haben einen Vorrat von 5 fl., aber Wißbeck hat sie weggenommen. Auch bei der Pfarr hat er 1 fl. weggenommen“.
  1. Oberweiling (Weiling): Pröbste haben gelobt. An Sonntag nach Martini sind sie gekommen und haben Register gebracht, aber die Herrschaft Wißbeck hat es ihnen verboten! Die Frühmesse vaciert (feiert, ruht). Wißbeck hat 65 fl, 13 Schaff Korn genommen, je Schaff 2 fl. verrechnet. Dem Gotteshaus hat er eine Wiese weggenommen, 6 Tagwerk groß. Sie ist aber vier Leuten vererbt. Er gibt sie nicht heraus. Sollte jährlich 10 fl davon reichen ans Gotteshaus, das sind in 13 Jahren 130 fl.! Er hat die Nutzung der Wiese um 16-19 fl. jährlich verkauft. Altmann gab Befehl: „Wißbeck und seinem Weibe nichts reichen!“
  1. Krappenhofen vaciert, Pröbste haben gelobt, sind aber nicht erschienen. Wißbeck hat dort vom Zehnt 16 fl. genommen, einen Bauern gefänglich eingenommen, den Thongrundler.
  1. Seubersdorf (Seufersdorf): Pröbste haben gelobt, sind aber nicht erschienen. Ob Wißbeck etwas genommen hat von den Einkünften des Gotteshauses, haben Altmann und Gefährten nicht erfahren können.
  1. Klapfenberg: vaciert, haben gelobt, sind aber nicht erschienen. „Wißbeck hat 24 fl. weggenommen. Kirchturm ist verbrannt, die Glocken sind zerschmolzen, das Dach ist ungedeckt, die Glockenspeise ist verdorben, der Pfarrhof u. a. ist mitverbrannt.“ Am Montag nach Martini kamen die Pröbste nach Velburg und brachten das Register der Einnahmen und Ausgaben mit. Wenn die Pfarrei besetzt ist, haben sie 36 fl. Einnahmen und Kleinzehnt, Wißbeck hat an Bargeld 51 1/2 fl. weggenommen und nimmt allen Kleinzehnt ein.
  1. Daßwang: Pfarrei, Kirche zu Unserer Frauen. Das Gotteshaus ist arm, man kann es nicht einmal bedachen. „In dem Ort hat die Wißbeckin kein Suppen finden können.“ Die Register sind verbrannt.
  1. Raisch (Reusch): armes Kirchlein, Filial. „Vor etlichen Jahren sind 1 Pfennig oder 50 von einem alten Weib dazu geschafft (gestiftet) worden.“ Wißbeck wollte 16 Schilling Steuer haben.
  1. 17. Hamberg: Filial. Einnahme: 12 Schilling, 20 1/2 Metzen Korn, ebensoviel Vorrat ist vorhanden. Beim Gotteshaus haben sie einen eigenen Kasten. Keiner will das Getreide nach Velburg bringen (zum fürstlichen Kasten!) .
  1. Kerschhofen: Filial, 1 Wochenmesse. 1 Acker, davon 1 Metzen -Korn im 1. Jahr, 1 Metzen Haber im 2., nichts im 3. (weil brach).

Man begreift bei diesen ständigen Entnahmen, daß die Herren Wißbeck von Anfang an sich als reichsfreie Herrschaft fühlten und in keiner Weise geneigt waren, einem Landesfürsten untertan zu sein. Da Wißbeck aber keine Urkunde zur Reichsfreiheit vorlegen konnte, prozessierte man hin und her. Wißbecks Rechtsvertreter Dr. Gugel, Nürnberg, warnte den Auftraggeber vorsichtig, aber deutlich. Die Sache wurde erschwert durch Ottheinrichs offizielle Wendung zum evangelischen Kirchenwesen. Wißbeck blieb aber katholisch. Nun, das hätte ihm ja nicht geschadet, da er als Landsasse in der Konfession geschützt war. Aber er wollte natürlich in seiner Herrschaft die Messe behalten bzw. gegen den Willen des Landesherrn wiedereinsetzen. Noch als Ottheinrich als Kurfürst zu Heidelberg residierte, wehrte sich Wißbeck gegen die Aberkennung des Reichsstandes – ohne Landesherrn. Aber man wies ihm nach, daß er kein Reichsstand sei und deshalb dem Landesherrn untertan. Seine Herrschaft ist nur „utile dominium“, aber nicht „directum dominium“.

Er hat seine Herrschaft als Lehen vom Landesherrn; das war bei Altbayern so, ist auch nun seit 1505 bei Neuburg so.  Er ist kein Gefreiter des Reiches.“ Er hat weder Stimme noch Sitz im Reichstag „wie andere Reichsgefreite, … ist nicht eximiert“ (von der Landsasseneigenschaft). Dr. Gugel in Nürnberg wußte das auch und brachte es dem Auftraggeber Wißbeck mehrmals nahe. Doch der prozessierte weiter, begreiflich aus subjektiver Überzeugung. Aber das kostete viel Geld und das Ende? Seine Herrschaft wurde 1584 von Neuburg käuflich übernommen. Man sieht: auch ohne Krieg und Folgen kann man Recht und Macht und Geld verlieren; denn „Friede ernährt. Unfriede verzehrt! “ Die Herren Wißbeck haben es kräftig bezeugt.


Quelle: Staatsarchiv Amberg, Neuburger Abgabe 1912, Nr. 1731.

© „Die Oberpfalz“

Einiges vom Dreißigjährigen Krieg

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Aus den Kriegsakten des Staatsarchivs Amberg
Von Generalmajor a. D. Dollacker

Am 23. Mai vor 400 Jahren begann der Dreißigjährige Krieg – ein Krieg um Konfessionen und Macht.

Die Schweden kommen

Die Oberpfalz hat im 30-jährigen Krieg mehr Schicksalsschläge als die meisten anderen deutschen Länder, insbesondere mehr als Altbayern hinnehmen müssen. Auf dem hier zur Verfügung stehendem Raum kann leider nur ein Teil der Ereignisse und Leiden geschildert werden, von denen die Oberpfalz heimgesucht wurde.

Nachdem Friedrich V. mit der Schlacht am Weißen Berg am 8. November 1620 Land und Krone verloren hatte, bezog in seinem Auftrag Mansfeld am 19. Juni 1621 ein Lager bei Waidhaus, worauf Tilly sich ihm gegenüber bei Roßhaupt festsetzte. Dann kam Herzog Maximilian von Bayern mit seinem Heer von Straubing und nahm am 25. September die Stadt Cham ein, was den Abzug Mansfelds über Neumarkt gegen Heidelberg zur Folge hatte. Maximilian und Tilly marschierten über Amberg, das am 8. Oktober 1621 besetzt wurde, gegen Nürnberg. Hier teilte sich das Heer. Ein Teil zog auf die Nachricht vom Anmarsch der Braunschweiger gegen die untere Pfalz ab, der andere ging in die Oberpfalz zurück, die von nun ab mit nur kurzen Unterbrechungen bis zum Jahr 1650 dauernd mit zahlreichen Truppen besetzt blieb und alles Ungemach zu erdulden hatte, welches eine Einquartierung zu damaliger Zeit mit sich brachte.

Auf dem Rückmarsch in die Oberpfalz richteten die Reiter des bayerischen Regiments Craz in Etzelwang einen Schaden von 5.136 fl., in Atzmannsricht und Adelholz einen solchen von 2.995 fl. an. Dann plünderten sie Groß– und Kleinschönbrunn, Freihung, Eberbach, Thansüß, Grafenwöhr, Gebenbach und Artheid, erschossen in Kaltenbrunn 6 Bürger und brannten in Ensdorf mehrere Häuser nieder. Da vorher die Mansfelder ebenfalls viel geplündert hatten und die übrigen bayerischen Regimenter gleichfalls viel raubten, so war die Oberpfalz Ende 1621 bereits ein verarmtes Land. Zu allem Überfluß hatten die Bayern den Typhus eingeschleppt, an dem im Dezember 1621 in Amberg täglich 12 Personen starben.

Im November 1621 wurden alle Oberpfälzer entwaffnet. Vom Januar bis Mitte Juli 1622 zogen Kaiserliche und Bayern in der Stärke von 23 Regimentern zu Pferd und 13 Regimentern zu Fuß, ferner 10.000 polnische Kosaken durch das Land. Regelmäßig wurde geplündert, die Frauen wurden geschändet und die Männer mißhandelt, „daß es zum erbarmen“. Der Oberstforstmeister Valentin Fuchs von Dornheim in Wolfring erlitt einen Schaden von 8.000 fl. Am ärgsten trieben es die Kaiserlichen und unter diesen die Spanier und Neapolitaner, die am 14. Mai 1622 über Waidhaus aus Böhmen kamen und in den Gemeinden Möning und Pruppach bei Neumarkt über 280 Häuser niederbrannten.

Dörfer brennen klein

Am 25. Februar 1623 wurde Herzog Maximilian von Bayern mit der Kurwürde belehnt, nachdem Friedrich V. am 22. Januar 1621 in die Acht erklärt worden war und sein Land und die Kurwürde verloren hatte.

Mehrere tausend polnische Kosaken, 20.000 Kaiserliche und 7 — 8 bayerische Regimenter zogen 1623 unter den gewohnten Plünderungen und Gewalttaten durch das Land. Am 7. Februar 1624 schilderte der Pfleger von Treswitz seinen Bezirk als eine „unerbaute Wildnuß“, die Ernte 1624 betrug nur den fünften Teil einer Mittelernte.

Im Jahr 1625 wurden Wernberg, Schnaittenbach, Hirschau, Freihung, Hahnbach und Schlicht durch die Durchzüge besonders arg mitgenommen. Der Herbst sah ebenso wie jener der Jahre 1626 und 1627 eine Mißernte. Trotzdem herrschte große Vergnügungssucht, so daß die Stadt Amberg im Jahr 1627 Veranlassung sah, gegen das nächtliche Singen, Musizieren und sonstige Auswüchse auf der Straße einzuschreiten.

Die Oberpfalz, bisher im Auftrag des Kaisers verwaltet, wurde am 28. April 1628 dem Kurfürsten Maximilian endgültig zugesprochen. Dieser bestimmte, daß alle Oberpfälzer bis zum 1. Oktober 1628 entweder katholisch werden oder auswandern müßten. Den Adeligen wurde Frist bis Neujahr gewährt. Die Bauern konnte man nicht dazu zwingen, wollte man nicht die ganze Ernährung in Frage stellen. Man legte diesen daher Soldaten mit Frauen und Kindern ins Quartier, die sie auf ihre Kosten so lange unterhalten mußten, bis sie katholisch wurden (sogenannte Dragonade). Die Bauern hielten diese Last in der Regel nur kurze Zeit aus.

In den Jahren 1628 — 1630 blieb das Land von Durchzügen und Plünderungen mehr als bisher verschont. Ende November 1631 stand das Heer Tillys vor Nürnberg. Ein Teil davon marschierte Anfang Dezember durch die Oberpfalz nach Böhmen, mehrere Regimenter in die nördliche Oberpfalz. 7.000 Kaiserliche zogen unter Colloredo über Illschwang. Amberg, Schwarzenfeld, Neunburg v. W., Cham, Furth und 10 — 12.000 Kaiserliche unter Gallas über Sulzbach, Hahnbach, Wernberg, Waidhaus nach Böhmen. Beide Kolonnen hausten entsetzlich. Sie hatten Hundemeuten bei sich, die das in den Wäldern versteckte Vieh aufspürten. Gallas äußerte, daß das Plündern nicht zu verhindern sei, „der Teufel steckt in diesen Leuten“.

Ehe die von Nürnberg abmarschierten Regimenter in der nördlichen Oberpfalz ankamen, fielen am 20. Dezember 2 Cornet sächsische Reiter aus Eger in Waldsassen ein, raubten jedoch nur die Gefällgelder und aus der Kirche mehrere Bilder. Am 24. und 25. kamen sie, 3 Kompanien stark wieder und nahmen Getreide nebst dem Kirchenschatz mit. Nach einem Bericht des Pflegers von Tirschenreuth gaben die Waldsassener „zu Allem Rath und so viel es sein kann auch die Thatt.

Die lange Trockenheit hatte eine Ernte zur Folge, die nur den vierten Teil einer Mittelernte betrug. Am 1. Januar 1632 um 19 Uhr fielen die Schweden und Sachsen aus Eger in Mitterteich ein, wo kurz vorher Teile von 2 Kaiserlichen Regimentern angekommen waren. Die Mitterteicher hatten die Schweden hierzu aufgefordert und dienten ihnen als Führer durch die Städel am Ortseingang. Die Reiter flohen sofort bis Neustadt W. N., das Fußvolk wurde nach kurzer Gegenwehr überwältigt. Zur Strafe für das Verhalten der Einwohner wurde Mitterteich im Sommer 1632 bei Vormarsch Wallensteins niedergebrannt. — 500 Sachsen und 100 Bauern aus Waldsassen und Mitterteich versuchten am 20. April 3 — 4 Uhr morgens einen Angriff auf das von Kaiserlichen besetzte Tirschenreuth, wurde jedoch abgeschlagen.

Der bayerische Oberst von Schönburg fiel am 2. Juni 1632 mit 600 Kroaten in Königstein ein, plünderte den Ort, versuchte am 3. einen vergeblichen Angriff auf Sulzbach und marschierte dann auf Auerbach, wo Bayreuther Truppen angekommen waren. Diese zogen am 4. beim Anmarsch Schönburgs ab, kamen aber am selben Tag mit schwedischer Verstärkung wieder zurück und schlossen Auerbach ein. Am 8. Juni erhielt Schönburg ebenfalls Verstärkung und schlug die Belagerer zurück. Hierauf unternahm Schönburg einen Plünderungszug in das Bayreuther Gebiet. Am 16. Juni zog er nach Vilseck ab und am 17. erschien er mit mehr als 3.000 Mann vor Sulzbach, das angesichts der bedeutenden Übermacht die Tore öffnete.

Am gleichen Tag, am 17. Juni, unternahm Markgraf Hans Georg von Bayreuth einen Plünderungszug nach Speinshart, Eschenbach und erschien am Abend vor Kemnath, das aus 3 Geschützen in Brand geschossen und genommen wurde. Die Besatzung wurde niedergemacht, der Kastner Engelbert von Hirschau gefangen abgeführt. Am 18. Juni nahmen die Bayreuther Grafenwöhr ein, drangen bis Kaltenbrunn vor, gingen jedoch am 19., als Schönburg von Sulzbach anmarschierte, wieder nach Bayreuth zurück.

Im März 1632 war Gustav Adolf von Mainz über Nürnberg gegen den Lech vorgegangen. Tilly wurde am 15. April bei Rain am Lech schwer verwundet und starb am 30. April in Ingolstadt. Gustav Adolf zog dann nach München. Kurfürst Maximilian bezog eine Stellung bei Regensburg, wo er über 6 Wochen vergeblich auf Wallenstein wartete. Sein Heer plünderte während dieser Zeit die ganze südliche Oberpfalz aus. Wallenstein kam nicht, sondern nahm Eger den Schweden ab und blieb dort. Gustav Adolf zog daher zum Schutz Sachsens wieder nach Norden, erfuhr in Nürnberg, daß Maximilian am 15. Juni von Stadtamhof nach Burglengenfeld aufgebrochen sei und vermutete richtig, daß dieser beabsichtigte, sich mit Wallenstein zu vereinigen. Um dies zu verhindern marschierte Gustav Adolf von Nürnberg gegen Weiden ab, nahm am 23. Juni Sulzbach ein, kam noch bis Vilseck, erfuhr hier, daß Maximilian schon bei Weiden stehe und Verstärkungen von Wallenstein erhalte, und trat am 25. den Rückmarsch nach Nürnberg an.

Maximilian zog beim Erscheinen der schwedischen Reiter bei Etzenricht am 24. abends von Weiden nach Tirschenreuth ab, vereinigte sich mit Wallenstein, worauf beide Heere über Weiden, Amberg, Neumarkt, wo am 10. Juli 1632 große Heerschau über 239 Kompanien z. Pf., 20 Kompanien z. F. und 80 Geschütze stattfand, über Schwabach an die Alte Veste bei Fürth marschierten. Hier bezogen die Heere ein befestigtes Lager, in dem sie blieben, bis die Schweden am 18. September von Nürnberg abzogen. Auf dem Marsch nach Neumarkt trafen die Kaiserlichen bei Lauterhofen am 9. Juli auf 2 schwedische Reiterregimenter, die völlig aufgerieben wurden.

Am 9. August nahmen die Schweden Freystadt ein und brannten die Stadt mit dem dort von Wallenstein angelegten reichhaltigen Proviantmagazin nieder. Am 18. September zog Gustav Adolf ab. Am 26. September marschierten Wallenstein und Maximilian aus dem Lager ab, in Lichtenfels trennte sich Maximilian und zog mit seinem Heer über Amberg nach Regensburg, da die Schweden von Nürnberg gegen Schwaben aufgebrochen waren, Wallenstein ging gegen Sachsen vor.

Die Bewegungen dieser starken Heere waren ständig von entsetzlichen Plünderungen begleitet. Schon am 9. Juni konnte der Amberger Rentmeister für die Verproviantierung des Heeres kein Fuhrwerk mehr auftreiben, da alles geplündert und die Einwohner geflohen waren.

In den Akten ist nur ein Teil der Plünderungen erwähnt; der Raummangel erlaubt wieder nur einen Bruchteil hiervon anzuführen. Das bayerische Heer ließ sich während seiner Anwesenheit bei Regensburg in der Zeit vom 1. Mai bis 15. Juni folgende Plünderungen zu Schulden kommen: Am 4. Mai Walderbach, die Kirche in Zell, die Orte Hauzenstein, Kürn, Bernhardswald, Hauzenberg, Hackenberg, Wolfersdorf, Karlstein, Schmidmühlen und Pielenhofen; am 6. Mai Reichenbach, am 20. Mai Kallmünz, wo 4 Personen erschossen und viele verwundet wurden, am 4. Juni Neubäu und Fronau, 7. Juni Haselbach, Neukirchen und Pittersberg. 8. Juni, 13 Dörfer bei Ensdorf. Auf dem Zug von Stadtamhof über Schwandorf nach Tirschenreuth und zurück über Amberg nach der Alten Veste bei Fürth, ging es nicht minder schlimm zu.

Das Jahr 1633 begann in der Oberpfalz mit den Streifzügen des berüchtigten bayerischen Reiterführers Johann von Werth, der mit 23 Reiterkompanien am 13. Februar bei Sulzbach erschien und von da seine Plünderungszüge in die Gebiete von Bayreuth, Nürnberg und Ansbach unternahm. Als am 25. März Creussen von ihm eingenommen war, dann geplündert und niedergebrannt wurde, tanzten seine Reiter nach den Klängen der Musik auf dem nahegelegenen Berg.

Die Nürnberger nahmen am 13. Mai Lutzmannstein, die Bayern eroberten es am 4. Juni wieder zurück. Im Mai kam das bayerische Heer unter Aldringen in die Oberpfalz, wo es zwischen der Naab und der Vils lagerte und bis September blieb. Horn nahm mit den Schweden am 29. Juni Neumarkt ein, zog dann nach Schwaben, hierauf nach Regensburg, das er nach zehntägiger Belagerung am 15, November 1633 zur Übergabe zwang. Dann zogen die schwedischen Obersten Rosa und Taupadel in die Oberpfalz und nahmen am 18. November Burglengenfeld, Nittenau und Cham ein. Die Nittenauer und Chamer öffneten ihnen freiwillig die Tore. Neunburg v. W. und Hohenburg wurden gehalten. Furth wurde nach 12 tägiger Belagerung erobert. Kötzing und Eschlkam wurden niedergebrannt, weil die Bürger sich an der Verteidigung beteiligt hatten. Bei der Einnahme Velburgs am 1. Dezember spielten der Kastner, die Bürgermeister und Stadträte eine verräterische Rolle. Dann besetzten die Schweden Lauterhofen und eroberten Pfaffenhofen und Kastl.

Die Kaiserlichen plünderten im Februar 1633 die Umgebung von Burglengenfeld und Sulzbach und mißhandelten die Leute erbärmlich. Die Bayern unter Aldringen setzten diese Missetaten vom Mai bis September fort. Bruck wurde von ihnen zweimal „bis auf den Nagel“ ausgeplündert. Die Schweden verbrannten am 15. Mai (Pfingstsonntag) in Pressath die Kirche und 175 Häuser, die Kaiserlichen unter Fürst Gonzago plünderten am 15. Mai Tirschenreuth und brannten 78 Gebäude nieder, der Schaden betrug 50.000 fl., die Schweden plünderten Haunritz, Neidstein, Kirchenreinbach, Holstein, Königstein und das Kloster Michelfeld. Die Nürnberger vergalten die Erhebung von Kriegskontribution am 15. Oktober mit der Plünderung von Götzendorf und Viehberg bei Amberg, — Unmittelbar nach dem Fall von Furth erschien dort Wallenstein mit seinem Heer, zog sich jedoch, als Bernhard von Weimar von Straubing kommend anmarschierte, wieder zurück. Sein Heer verursachte dort einen Schaden von 200.000 fl.

Die Ernte fiel schlecht aus, — Im November erfroren bereits einige Leute.

Anfang 1634 kamen die Schweden unter dem General Vitztum von Eckstätt von Regensburg über Neumarkt in die Oberpfalz nahmen am 16. Januar Sulzbach, am 20. Vilseck, dann Hirschau, Nabburg, Schwandorf, am 24. Neunburg v. W., am 6, Februar Neustadt W.N., am 7. Tirschenreuth, am 9. Februar nach zweitägiger Belagerung Weiden. — Bernhard von Weimar zog Anfang März von Regensburg nach Weiden, um Wallenstein, der von Pilsen über Eger marschierte, die Hand zu reichen. Da dieser am 25. Februar in Eger ermordet wurde, fiel der Plan ins Wasser. Bernhard von Weimar zog nach Norden, nahm am 12. März Kemnath, dann Waldeck und marschierte von da nach Kronach, — Furth wurde nach der Ermordung Wallensteins vom dem Kaiserlichen wieder genommen, dagegen fiel Auerbach am 17. März in die Hände der Schweden.

Mitte März kam Gallas mit 15.000 Kaiserlichen aus Böhmen in die Oberpfalz. Waldmünchen, Rötz, Neunburg v. W. und Schwandorf ergaben sich bald. Cham wurde erst nach hartnäckigem Widerstand von Piccolomini am 20. März genommen. Anfang April zog Gallas wieder nach Böhmen ab; seine Truppen haben die ganze Gegend grauenhaft verwüstet. Schönsee wurde am 5., Winklarn am 6. April niedergebrannt.

Die Schweden räumten Anfang April 1634 die Oberpfalz mit Ausnahme von Regensburg, Neumarkt, Auerbach, Weiden Kemnath und Veldenstein. Auerbach wurde von den Bayern am 17. April 2 Uhr morgens durch Überfall genommen und 24 Stunden lang geplündert, Sie hausten ärger als vorher die Schweden.

König Ferdinand kam auf dem Zug von Pilsen nach Regensburg am 23. Mai über die Grenze. Waidhaus, Flossenbürg, Kohlberg und eine große Zahl von Dörfern wurden völlig, in Eslarn 20 Häuser und 18 Städel niedergebrannt, eine große Anzahl von Ortschaften geplündert, bei Eslarn raubten sie 480 Stück Schlachtvieh, 150 Schiebochsen, 120 kleine Rinder, 700 Schafe, 1.200 Eimer Bier. Als Gallas im September von Regensburg zurückmarschierte, wurde erneut alles geplündert und Waidhaus niedergebrannt. — Ferdinand nahm Regensburg nach 62 tägiger Belagerung am 26. Juli 1634 ein. Während dieser Zeit lagerte das Kaiserliche Korps Fürstenberg bei Schwandorf und verheerte die ganze Gegend. Zielheim, Klardorf, Haselbach, Verau, Breitenbrunn waren 1635 ganz öd, in Lappersdorf standen nur mehr 4 Häuser. Viele Anwesen sind ganz ausgestorben und die Leichen von Hunden gefressen worden. Im Landgericht Burglengenfeld waren im Jahr 1635 163 Anwesen ganz öd, 33 niedergebrannt, 34 verwüstet, 64 leer. Von 628 Anwesen Besitzern waren 418 gestorben, 19 von den Kaiserlichen erschlagen worden.

Die Bayern griffen am 15. Juli Veldenstein bei Neuhaus an der Pegnitz, Anfang August Velden dann Weiden vergeblich an, eroberten dagegen am 25. August Kemnath und nahmen am 1. September durch Überfall Velden.

Die Verwilderungen griffen immer mehr um sich. Die verrohte Soldateska ermordete sich gegenseitig, um in den Besitz von Geld und Wertsachen zu gelangen. Bei Sulzbach und Hilpoltstein verzehrten die Leute vor Hunger verendete Tiere. — In Freystadt gab es keine 10 Männer mehr, in den Ämtern Pfaffenhofen und Heimburg nur mehr 170 bzw. 70 Haushaltungsvorstände. — Königstein hatte 1633 und 1634 unter 48 Einfällen und Plünderungen zu leiden.

Die Pest wurde 1631 von den Kaiserlichen eingeschleppt, herrschte 1632 und 1633 in mäßigem Grade, trat jedoch 1634 in verheerender Weise auf. Die Zahl ihrer Opfer ist nur für wenige Orte verzeichnet. In Sulzbach starben in 9 Monaten 1.200, in der Pfarrei Vilseck im Juli 129, im August 140 Personen, in Kemnath 150 Bürger von 180. — In Auerbach waren 1635 nur noch 60 Häuser bewohnt.

Trotz alledem herrschte in manchen Kreisen noch Luxus. Die Stadt Amberg berichtete am 10. Januar und 31. März 1635 an die Regierung über die Üppigkeit bei Hochzeiten, Kindstaufen, Banketten, über die Abstellung der Nachhochzeiten und der Kleiderpracht.

General Wahl griff mit den Bayern am 10. Mai 1635 Velden an und stürmte am 13. Mai um 21 Uhr die Stadt. Diese wurde geplündert, 45 Schweden „jämmerlich zermetzelt“, über 150 Bürger verwundet. Hierauf eroberte Wahl am 26. Mai die Burg Veldenstein, deren Besatzung von 60 Mann mit Frauen und Kindern bis auf einen Büchsenmacher und 2 Frauen niedergemacht wurde. — Ende Mai zogen die Schweden von Neumarkt nach Nürnberg ab.

Vom 1. November bis 31. Januar 1636 marschierten 30.000 polnische Kosaken aus Böhmen durch das Land. Sie hausten noch schlimmer als die Kaiserlichen; am 11. November 1635 brannten sie Neuhaus an der Pegnitz nieder.

Im Jahr 1635 betrug die Zahl der Herdstätten in Windisch-Eschenbach 40, in Thumsenreuth 16, Krummenaab 18, Gerbersdorf 3, Gleißenthal 11, Pullenreuth 10, Bernstein 16, Neuhaus 25, Naabdemenreuth 6, Wurz 8, Denkenreuth 8, Großschönbrunn 20, Krickelsdorf 18, Atzmannsricht 20, Gebenbach 60, Kainsricht 20, Schalkenthan 15, Hahnbach 100, Süß 25, Kötzersricht 12, Schlicht 25, Ebersbach 12, Sigl 13, Hellziechen 5, Haag 20, Sigras 9, Boden 6, Ober- und Unterreinbach 12, Eichenfelden 12. — Waldmünchen war infolge zweimaliger Feuersbrunst zur Hälfte abgebrannt, und ausgestorben. — In Waldau war kaum mehr der fünfte Teil der Männer am Leben, in Bruck gab es keine 10 Männer, die nicht von den Landsknechten zu Krüppeln geschlagen waren.

Im Jahr 1636 wurden die Garnisonen in der Oberpfalz verringert. Dies hatte einerseits eine Erleichterung der Kriegslasten, andererseits aber ein Überhandnehmen von Räuberbanden, die meist aus Söldnern bestanden, zur Folge.

Am 28. April 1636 kamen die Reiter des kaiserl. Regiments Piccolomini in die Landgrafschaft Leuchtenberg ins Quartier. Sie bleiben bis zum 21. Juni und hausten fürchterlich, so daß Maximilian sich darüber bei König Ferdinand beschwerte. Sie plünderten die ganze Umgegend aus, brannten mehrere Gebäude nieder, mißhandelten die Einwohner, so bald sie einen derselben, die alle geflüchtet waren, erwischten und gossen ihm den sogenannten Schwedentrunk ein, um sie zur Angabe zu zwingen, wo noch Wertsachen versteckt seien. (In den 3.700 Akten des Staatsarchivs Amberg über den 30-jährigen Krieg ist kein einziger Fall angeführt, in dem die Schweden diesen Trunk angewandt hätten.) Mehrere Einwohner wurden von den Reitern ermordet. — In Luhe gab es nur noch 15 Bürger, von denen 12 bettelarm waren. — Die bayerischen Regimenter Wahl und Riva verursachten im Jahr 1635 in der Oberpfalz einen Schaden von 17.622 fl.

Schwedentrunk#3

Schwedentrunk

Im Jahr 1637 gab es im ganzen Kastenamt Amberg keine Pferde mehr. Im Landgericht Neunburg v. W. waren die Orte Denglarn, Krimling, Oberaschau, Mallersdorf, Luigendorf, Weidenried, Girnitz, Garatshofen ganz unbewohnt. In 16 Dörfern der Hofmarken Schwarzeneck, Hillstett, Thann, Zangenstein, Hiltersried waren keine 16 Haushaltungen vorhanden. Von 21 Anwesen in Forst bei Schnaittenbach waren nur 7 bewirtschaftet. Im Jahr 1638 gab es in Amberg infolge mehrjährigen Stilliegens des Bergwerks nur 2 Bergknappen.

Im Jahr 1639 zogen viele Kaiserliche unter entsetzlichen Plünderungen durch das Land: Im April 4.000 Reiter unter Graf Fürstenberg, die in Tännesberg allein 43 Häuser, 23 Städel und 60 Stallungen niederbrannten, die Bewohner jämmerlich prügelten und zwangen, die von ihnen geraubten Sachen viele Meilen weit auf dem Rücken nachzutragen. Graf Hatzfeld zog mit 15.000 Kaiserlichen vom 21. bis 27. Mai über Amberg, Schwandorf, Bruck, Cham nach Prag. Sie brannten am 22. Mai in Trasselberg 9 Häuser, 8 Städel, 2 Stallungen nieder Viele andere dem Namen nach nicht bekannte Orte teilten das gleiche Schicksal. Das Verhalten der Kaiserlichen wird in einem Brief aus Prag folgendermaßen geschildert: abends sind sie berauscht, schießen auf einander, so daß in wenigen Tagen 14 Mann morgens tot auf der Straße gefunden wurden. In den letzten Tagen wurde 4 Reiter gehenkt, darunter einer im betrunkenen Zustand, der seinen Wachtmeister erschossen hatte. — Vom 9. — 15. November kam Hatzfeld wieder mit 8.000 Kaiserlichen über Auerbach, Grafenwöhr, Weiden, Waidhaus. Die Plünderungen erfolgten in noch höherem Maße, so daß der Pfleger von Treswitz berichtete, daß dies der schlimmste Durchzug seit 20 Jahren gewesen sei. Alles bisher Dagewesene wurde von 12.000 Kaiserlichen übertroffen, die unter Piccolomini vom 26. November bis 5. Dezember über Lauterhofen, Amberg, Hahnbach, Luhe, Vohenstrauß nach Böhmen marschierten. Um eine reichere Beute zu machen erfolgte der Marsch in einer Frontbreite von 25 — 30 Kilometer und nicht auf den nächsten, sondern auf Umwegen. Der begleitende Kommissär sah viele Orte brennen, konnte jedoch die Namen nicht feststellen. Vom Amberger Pfarrturm konnte man am 30. November viele Brände beobachten. Als einziger Ort ist Illschwang bekannt, was dadurch erklärt wird, daß alle Landbewohner die beim Anmarsch geflohen waren, spät zurückkehrten und von ihren Schäden nichts meldeten, da sie bisher kein einziges Mal eine Entschädigung erhalten hatten.

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Melchior von Hatzfeld

Das Gesamtvermögen der Riedener einschließlich der Kirche betrug im Jahr 1639 8.935 fl. — An Haushaltungen waren vorhanden: Dorf Illschwang 14, Haar 2, Büchelberg 2, Ehenfeld 24, darunter 15 Taglöhner die kein Vieh hatten, Elbart 9, Forst 9, Berngau 20, Möning 14, Deining 14, Stadt Neumarkt 138, Amt Neumarkt 148, Stift Gnadenberg mit 13 Ortschaften 32, Hofkastenamt ohne die Stadt Amberg 163, — darunter Neuricht 1, Höhengau 4. Aschach 18, Raigering 5, Krumbach 7, Engelsdorf 4, Hiltersdorf 12, Paulsdorf 3, Moos 5, Gärmersdorf 6, Kümmersbruck 6, Haselmühle 6, Haag 6, Fuchsstein 1,. — (Im folgenden sind die Ämter bzw. Gerichte bezeichnet:) Murach 224, Ensdorf 55, Nabburg 350, Waldmünchen 132, Holnstein 179, Hartenstein 98, Amberg ohne die Stadt 265, (darunter Hahnbach 25, Schnaittenbach 17, Lintach 10), Hohenfels 57, Pfaffenhofen 267, Heimburg 102, Walderbach 54, Tännesberg 196, Auerbach ohne die Stadt 100, Wetterfeld 192, Freudenberg 65, Bruck 43, Waldsassen 171, Mitterteich 115, Wiesau 93, Konnersreuth 82, Mähring 12, Waldershof 79, Michelfeld 102. — Ganz verödet waren Wernberg, Luhe, Weidelwang, größtenteils abgebrannt Weidensees und Neuzirkendorf, Freystadt war seit dem Brand von 1632 noch nicht wiederaufgebaut, ebensowenig Waldmünchen von den vor einigen Jahren stattgefundenen Bränden.

Im Januar 1641 kamen die Schweden unter Banér in der Stärke von 18.000 Mann über Hof, Bayreuth in die Oberpfalz. Am 12. trafen sie in Auerbach ein, von wo Königsmark mit 6 Regimentern am 13, früh um 6 Uhr bei Hahnbach 250 bayerische Reiter und 150 kaiserliche Musketiere, die eben im Abzug nach Amberg begriffen waren, überfiel und bis Amberg verfolgte. Die Schweden plünderten den Drahthammer und die Neumühle und zündeten auf dem Rückmarsch nach Vilseck Hahnbach an. Am 14. ging Banér von Auerbach nach Vilseck vor, er selbst blieb in Altenweiher. Königsmark unternahm von da einen Plünderungszug über Sulzbach, Kastl, Neumarkt, auf dem er viel erbeutete. Am 18. zog Banér gegen Neumühle: Auerbach und Vilseck bleiben besetzt. Am 20. marschierte an Amberg vorbei nach Schwandorf, die bei ihm befindlichen Franzosen unter General Guébriant nach Burglengenfeld. In der Absicht, den in Regensburg tagenden Reichstag zu überfallen erschien Banér am 21. auf den Höhen bei Stadtamhof und ließ seine Reiter über die zugefrorene Donau setzen. Da aber Tauwetter eintrat, mußten sie wieder zurück. Die Schweden zogen am 28. gegen Schwandorf — Cham, die Franzosen nach Franken ab. Nachdem nachfolgende Schweden am 23. Januar in Kemnath geblieben waren, wurden vom 29. Januar ab noch Burglengenfeld, Schwandorf, Nabburg, Nittenau, Neunburg v. W., Cham und die ganze Umgegend von Cham besetzt. Tirschenreuth nahmen sie am 27, Februar ein.

Als am 16. März Kaiserliche und Bayern aus Pförring auf Stadtamhof anmarschierten, gingen die Schweden zurück. Bei Neukirchen-Balbini wurden am 19. März 4 Regimenter von den Bayern angefallen und nach Neunburg hineingeworfen. Die Stadt wurde 2 Tage beschossen und von den Schweden am 21, März übergeben.

Banér trat am 19. März von Cham den Rückzug über Böhmen nach Sachsen an. Geleen verfolgte ihn durch Böhmen, Piccolomini und Mercy über Waidhaus, Tirschenreuth, Eger, ohne ihm den Weg durch das Erzgebirge abschneiden zu können. Die Schweden in Auerbach und Vilseck marschierten am 19., jene in Kemnath am 24. März ab.

Die Schweden und insbesondere die Franzosen haben sehr viel geplündert und viele Orte niedergebrannt, jedoch haben die Schweden in den von ihnen besetzten Orten Ordnung gehalten. Die Kaiserlichen und Bayern hingegen haben noch schlimmer gehaust und in ihren Quartieren alles verwüstet und viel niedergebrannt. Kurfürst Maximilian stellte seinen Generalen in einem Erlaß vom 30. März die Ordnung der Schweden als nachahmenswertes Beispiel dar.

Die Bevölkerung hatte in dieser Zeit furchtbares auszustehen. Die Waidhauser brachten bei strenger Kälte3 Wochen in Waldverstecken zu, die Brucker waren ein halbes Jahr von ihren Anwesen fort. Nach dem Abzug der Schweden begannen die Erpressungen durch die bayerischen Garnisonen und Plünderungszüge der Kaiserlichen

Vom 1. — 9. Januar 1643 zogen die bayerische und die kaiserliche Armee unter Plünderungen durch das Land. Am 9. Mai 1643 versuchten die Schweden unter Königsmark zwei vergebliche Stürme auf Tirschenreuth. Der Schaden im dortigen Amt betrug 15.000 fl. In der ganzen Oberpfalz war kaum der dritte Teil der Häuser bewohnt, die Geflohenen erklärten, lieber Haus und Hof zu verlieren als wieder zurückzukehren. — Die Kinder auf dem Land konnten keine Schule besuchen, da sie im Sommer auf dem Felde benötigt wurden, im Winter wegen der vielen Wölfe sich nicht fort wagen durften.

Im Jahr 1644 unternahmen die Schweden von Erfurt aus folgende Einfälle mit Plünderungen; am 29. Juni in Waldershof, am 4. Juli in Oberkotzau, am 11. Juli in Wildenstein bei Staffelstein, am 4. August in Kirchenlaibach, in der Nacht vom 7. auf 8. August in Asch, am 27. August in Büchenbach, Thurndorf, Göttersdorf, Alt– und Neuzirkendorf. Am 9. September in Konnersreuth, wo zur Vergeltung dafür, daß die Einwohner zu Streifen gegen die Schweden verwendet wurden, der Unterrichter, 2 Bürgermeister und der Bräumeister erschossen und 5 Häuser niedergebrannt wurden, am 11. Dezember nochmals in Thurndorf, wo Hans Buchfelder erschossen wurde.

Vom 9. bis 18. Januar 1645 marschierte Johann von Werth mit 3.000 Bayern über Neumarkt, Amberg, Neunburg v. W., Waldmünchen nach Böhmen, woher im März viele Kaiserliche kamen, Beidemal wurde stark geplündert. 200 Schweden plünderten am 22. August Mitterteich.

Vom 14. bis 25. November 1645 zog Erzherzog Leopold Wilhelm mit 16.000 Kaiserlichen über Neumarkt, Velburg, Hohenburg, Rieden, Schwandorf, Bruck, Roding, Cham, Furth nach Böhmen. Die Amberger Regierung berichtete hierüber am 29. November nach München: „. . . was sie nit fortbringen aufs feld getragen in Kott vertreten oder verbrennt . . . Tisch benk, fenster, türen, Pflüge und anders Geschirr zerschlagen, zerhaut . . . alles futter verwüstet und verbrennt. . . Mit einem Wort haben diese undisciplnierten Völckher in diesem langsamen Durchzug übler gehaust als 1641 . . . durch den Banér, der doch feind gewest, in seinem etliche Monat lang gewehrten stilliegen beschehen.“ Der hierdurch verursachte Schaden betrug 89. 613 fl., der Schaden in der Jungpfalz ist hierin nicht eingerechnet.

8.000 Bayern marschierten vom 9. — 19. Januar 1646 über Neumarkt, Lauterhofen, Schwarzenfeld, Rötz, Furth nach Böhmen.

Die kaiserliche und die bayerische Armee kamen aus Böhmen am 17. Februar in die nördliche Oberpfalz blieben hier 5 Wochen und marschierten am 22. März nach Franken ab. Am 15. September zogen sie wieder aus Franken über Amberg, Rieden, Schwandorf nach Regensburg. Die Berichte aus Waldeck, Tirschenreuth und Waldsassen lauten übereinstimmend, daß die Kaiserlichen ärger als der Feind gehaust haben. Sie steckten den Leuten Kämme zwischen die Zehe, riffelten sie so lange, bis ihnen das Blut herausrann, streuten dann Pulver in die Wunden und zündeten es an. Am 7. Mai haben sie 5 Schnaittenbacher nach Holzhammer geschleppt, sie bis aufs Hemd ausgezogen, die Hände auf den Rücken gebunden, in viehischer Weise mißhandelt und sie dann liegengelassen. Sie haben Leute in den Backofen geschoben und davor Feuer angezündet, andere bei den Händen oder Füßen aufgehängt und dann mit dem Messer gestupft. Einen Bauern haben sie gezwungen, seine beiden abgeschnittenen und in Schmalz gebackenen Ohren zu essen. In Kulz und Mosbach haben sie den Leuten den schwedischen Trunk eingegossen. Am 13. März haben sie den Georg Schmid von Kemnath bei Naunaigen jämmerlich mißhandelt, seine Schienbeine zerschmettert, ihm den schwedischen Trunk eingegossen und ihn an einem Baum so aufgehängt, daß die Fußspitzen den Boden berührten. Zum Glück wurde er durch einen barmherzigen Reiter rechtzeitig abgeschnitten. In allen Ämtern haben sie zahlreiche Brände gelegt, im Amt Tirschenreuth allein einen Schaden von 76.724 fl. verursacht. Bei dem Durchzug im September haben sie nicht besser gehaust. Auch die Bayern haben ebenso übel gewirtschaftet.

Die Schweden nahmen am 9. November Sulzbürg, am 11, Weißenburg ein und erhoben von der ganzen Gegend Kontributionen. Als das Schultheißenamt Neumarkt diese nicht bezahlte, brannten sie am 26. November das Dorf Lähr nieder und plünderten am 27, Gnadenberg. 500 Schweden erschienen am 18. Dezember 1646 vor Berching und nahmen den Pfleger Ferstl mit allem Getreide mit nach Weißenburg.

Am 14. März 1647 schloß Bayern mit Frankreich und Schweden einen Waffenstillstand auf 6 Monate. — Die Amberger Garnison nahm am 21. Januar Sulzbürg, die Kaiserlichen und Bayern nahmen am 2. Februar Weißenburg ein, worauf die Bayern mit einem Teil nach Altbayern, mit dem anderen in das Gebiet bei Velburg — Hemau, die Kaiserlichen in das Sulzbacher Gebiet und am 27. März nach Böhmen marschierten.

Der Waffenstillstand brachte für die Oberpfalz nur kurze Zeit eine Erleichterung, am 20. Juni griffen die Schweden Eger an und nahmen es am 17. Juli ein. Dann suchten die Kaiserlichen Eger wieder zu gewinnen, was ihnen nicht gelang aber ununterbrochen Kämpfe in Böhmen bis zum 6. Oktober zur Folge hatte. Da die Gefahr bestand, daß der unterliegende Teil den Krieg in die Oberpfalz trage. Wurde diese die ganze Zeit über mit starker Macht besetzt gehalten. Am 13. September kündigte Maximilian de Waffenstillstand. Worauf 7 — 8.000 Bayern über Cham nach Böhmen marschierten und am 6. Oktober bei Saaz sich mit den Kaiserlichen vereinigten. Eger blieb von den Schweden bis 1650 besetzt, wurde jedoch von den Kaiserlichen und Bayern beobachtet, was für Waldsassen, Tirschenreuth und Umgegend bis zum Zuge Königsmarks im April 1648 wieder starke Belegung brachte. Maximilian hatte zwar am 29. September deren Herabminderung angeordnet, diese aber am 9. Oktober wieder aufgehoben und befohlen, daß die Truppen durch die Oberpfalz zu unterhalten seien, „so vil ohne von Hauß– und Hotreibung sein kann“.

Die Kaiserlichen haben überall und das ganze Jahr hindurch entsetzlich gehaust. Schon vor ihrem Einmarsch beschwerte sich Maximilian am 21. Januar bei Gallas, daß sie in Parteien in Stärke bis zu 600 Mann auf Plünderung ausziehen, viele Orte, u. a. Eslarn, Mosbach, Tännesberg, Schwarzhofen, Schönthal, Winklarn heimgesucht, die Leute mißhandelt, die Frauen geschändet, bei Eslarn und Mosbach an 1.000 Stück Rindvieh geraubt haben. Im weiteren Verlauf des Jahres haben sie wie auch die Bayern in der gleichen Weise geplündert und viele Orte niedergebrannt.

Am 1. Dezember 9 Uhr vormittags erschienen 1.200 Schweden von Waldsassen, beschossen die Stadt, brannten die Vorstadt und in Kondrau 7 Höfe nieder, worauf sie 14 Uhr mit 500 Stück Vieh nach Albenreuth abzogen.

Im Amt Nabburg waren am 6. Februar folgende Orte öd und ohne Bewohner: Högling, Ettsdorf, Jeding, Penathing, Knölling, Dürnsricht, Neunaigen, Wernberg, Treswitz, Ermried, Mertenberg, Trichenricht, Kemnath, Schwarzenfeld, Deichselkühn, Irrenlohe, Pretzabruck, Traunricht, Asbach und Frotzersricht. Bei einer Nachschau nach Lebensmitteln fand Major Freihammer im Februar Ensdorf, Hohenfels, Pfaffenhofen, Heimburg, und Holnstein ganz leer von Einwohnern, Getreide und Futter, in Rieden 2 alte Weiber und einen Knaben sowie ein kleines Fuder Heu, in Kastl 10 Säcke Getreide (die Jesuiten verwehrten den Zutritt zum Kloster!), in Lengenfeld einige Einwohner aber weder Getreide noch Futter.

Das Viertel (69 Liter) Weizen kostete in Amberg 2 fl. Korn 1 fl. 12 Kreuzer, in Böhmen dagegen 1 Viertel Korn 9 fl.

Ende Februar 1648 zogen die Armeen der Kaiserlichen und Bayern aus Franken über Berching, Kipfenberg, Beilngries nach Schwaben. Die Schweden folgten unter Wrangel und Königsmark nach und wandten sich Ende März gegen die Oberpfalz. Ihre Vortruppen erschienen schon am 1. April in Lauterhofen und brannten dort 165 Gebäude nieder. Königsmark kam am 3., Wrangel am 4. April nach Neumarkt, in dessen Umgebung viele Dörfer ein Opfer der Flammen wurden. Hohenburg wurde am 2., Burglengenfeld am 4. besetzt.

Am 5. April erschienen sie bei Waldmünchen, am 6. bei Wernberg, Pfreimd und Nabburg.

Zur Verproviantierung von Eger zog Königsmark am 4. April mittags an Amberg vorbei und ließ die Stadt 2 Stunden mit glühenden Kugeln beschießen. Er nächtigte in Hirschau und marschierte am 5. April über Weiden nach Neustadt W.N., am 6. nach Tirschenreuth, wo er bis zum 10. April blieb. Pressath wurde am 5., Bärnau am 6. geplündert. Am 7. April wurde Waldsassen genommen und der Provianttransport auf 300 Wagen nach Eger gebracht. Am 10. April marschierte er von Tirschenreuth nach Falkenberg, konnte es aber nicht nehmen, nächtigte in Erbendorf und zog am 11. April nach Kemnath, das an 3 Stellen in Brand geschossen, am 11. die Tore öffnete. Als die Kaiserlichen und Bayern sich näherten, trat er am 12. den Rückmarsch über Bayreuth, Bamberg an.

Von den Kaiserlichen waren schon am 29. März 5 — 6.000 Reiter ohne Pferde von Regensburg in das Amt Wetterfeld gekommen. Auf die Nachricht von dem Marsch der Schweden gegen die Oberpfalz zogen die Kaiserlichen und Bayern aus Schwaben über Regensburg — Schwandorf nach Amberg, wo sie am 16. April „General Rendezvous“ hatten. Sie blieben bis zum 26. in der Gegend von Sulzbach — Kastl. Eine Erkundungsabteilung überfiel am 13. April 70 Schweden, die in Auerbach Rast hielten, machten 5 nieder und 53 gefangen. Nach dem 26. zogen die Kaiserlichen und Bayern wieder nach Schwaben ab.

Die Amberger Regierung berichtete am 30. April nach München, daß die Schweden alle Orte plünderten, daß hierauf die Kaiserlich und Bayern „alles zerschlagen und verwiest, theils Zimmer ab– und niedergerissen und ganze Dörfer in Asche gelegt“ haben. Viele Leute hätten sie erschossen, andern Kreuze in die Stirne geschnitten oder die Fußsohlen abgeschält. Von Mißhandlung der Einwohner durch die Schweden erwähnt dieser Bericht nichts.

Ende Mai kam Königsmark über Franken wieder in die Oberpfalz. am 28. nach Hahnbach, am 29. nach Weiden, das nun bis 17. August 1650 besetzt blieb. Ein Regiment zweigte auf dem Vormarsch vom Gros ab, kam am 28. Mai nach Rieden, am 29. nach Nittenau, am 30. über Roding, das geplündert wurde, nach Rötz, von wo es über Neunburg nach Etzenricht bei Weiden marschierte. Hier hatte das Korps Königsmark ein Lager bezogen, von dem aus verschiedene Züge unternommen wurden. Die Schweden trieben nun von allen erreichbaren Orten starke Kontributionen ein. Am 1. Juni kamen 450 Schweden nach Burglengenfeld und nahmen von dort 2 Geschütze und 15 Doppelhacken mit nach Weiden. Auerbach wurde am 2. Juni besetzt und da es die geforderte Brandschatzung von 4.000 fl. nicht bezahlen konnte, wurde vom 11. — 13. Juni geplündert. Aus dem gleichen Grund brannten die in Hirschau liegenden Schweden kurz vorher in Hahnbach 14 Anwesen nieder. Am 14. Juni raubten Schweden die aus Weiden kamen, auf dem Anger bei Amberg eine Viehherde. Sie war offenbar für die Verproviantierung des Zugs bestimmt, den Königsmark am 16. Juni von Weiden über Waidhaus nach Böhmen antrat, von dem er am 5. Juli nach Weiden zurückkam. — Amberger Reiter trafen am 2. Juli bei Burglengenfeld auf 45 Schweden von denen 15 gefangen wurden.

Nach der Rückkehr Königsmarks griffen die Schweden am 5. Juli Falkenberg und Waldeck an. Ersteres wurde am 10., Waldeck am 15. Juli genommen. Der Waldecker Landrichter de Quesnoy hatte den Kommandanten zur vorzeitigen Übergabe überredet und wurde deshalb in Untersuchung gezogen. Im Dezember 1649 war er noch in Haft.

Am 11. Juli raubten die Schweden von der Witzelhofer Heide bei Amberg abermals eine Viehherde. Am 15, Juli zog Königsmark unter Belassung einer Garnison von Weiden nach Böhmen ab, um Prag zu belagern.

Am 2. August raubten die Schweden in Hopfenohe, Ober– und Unterhopfenohe über 1.000 Stück Rinder, wofür die Amberger am 12. bei Velden 250 Stück holten. — Schweden aus Neumarkt schlugen am 14. August bei Roding 200 bayerische Reiter und brannten die Stadt nieder, weil aus ihr auf sie geschossen wurde; das gleiche Los ereilte am 15. September aus dem selben Grund Niedertraubling. — Am 10. September überfielen die Schweden Regen, machten einen Teil der dort liegenden Bayern nieder und legten den Markt in Asche.

Königsmark erhielt vor Prag bedeutende Verstärkungen und bedrohte die Stadt aufs Ernstliche. Die Kaiserlichen und Bayern zogen daher Ende Oktober aus Schwaben durch die Oberpfalz gegen Böhmen. Als sie am 4. November in der Gegend von Bruck — Cham waren, kam die Nachricht von dem am 24. Oktober abgeschlossenen Frieden. Die Kaiserlichen marschierten nach Böhmen weiter, die Bayern blieben in der dortigen Gegend. Als die Schweden am 22. November Tirschenreuth und Waldsassen besetzten, rückten die Bayern von Cham weiter vor und legten ihre Regimenter in das bis dahin neutrale Gebiet von Sulzbach und jenen Teil des Gemeinschaftsamtes Parkstein — Weiden, der von den Schweden nicht besetzt war; offenbar in der Absicht um den noch bevorstehenden Verhandlungen über die näheren Friedensbedingungen den bayerischen Forderungen mehr Nachdruck verleihen zu können. Auch die Jungpfalz erhielt stärkere Einquartierung.

Schweden, Kaiserliche und Bayern haben viele Orte niedergebrannt, die größere Hälfte des Amts Holnstein war im Mai eine Brandstätte, Freystadt ganz verwüstet. Nach dem Durchzug der Kaiserlichen und Bayern standen die Ämter Sallern und Zeitlarn, die Orte Karlstein und Hauzenstein ganz öd, viele Orte waren gänzlich abgebrannt, im Stift Ensdorf waren Lammerthal, Hammerberg, Eggenberg, Pottenstetten, Pabenhof, Vilshofen, Oberhof, Altenricht und Engelsdorf ganz verwüstet. In Thanheim war von 20 Besitzern nur ein Häusler anwesend. In Freudenberg, Wutschdorf, Högling, Krumbach, Gailohe, Lengenlohe, Rammertshof, Ammerthal und in vielen anderen von der Regierung nicht erfaßten Orten war ein großer Teil der Anwesen abgebrannt. Die Ämter Vohenstrauß und Floß zählten nur mehr 300 Untertanen. im Dezember wanderten dort 42 Bürger mit ihren Familien aus. Amberg hatte nur mehr 3274 Einwohner.

Die Auerbacher sollten am 7. Juni 4.000 fl. nach Etzenricht, am 9. Juni 420 fl. an die Amberger Regierung, am 13. Juni an die Schweden in Neumarkt, wohin sie seit April zahlten, den Monatsbeitrag abliefern. Bei Waldsassen begann die Ernte erst am 16. August, bei Sulzbach stand das unreife Getreide noch am 9. Dezember auf den Feldern.

Mit dem Westfälischen Frieden am 24. Oktober 1648 waren die Leiden der Oberpfälzer noch nicht beendet. Die Verhandlungen über die Einzelheiten desselben dauerten noch bis 2. Juli 1650 fort. Die Schweden räumten erst am 5. Oktober 1649 Neumarkt, Falkenberg und Waldeck, am 17. August 1650 Weiden. So lange blieben auch die benachbarten Gebiete der Oberpfalz von Jungpfalz und Sulzbach von bayerischen Truppen besetzt.

Deutschland hat in diesen 30 Jahren mehr als die Hälfte seiner Bewohner und mehr als zwei Drittel seines Volksvermögens verloren, die Oberpfalz sicher weit mehr als diesen Durchschnittsbetrag. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts erholte sich die Oberpfalz wieder und kam wirtschaftlich wieder auf jene Höhe, die es vor diesem Krieg einnahm.


(Aus: Karl Winkler – Oberpfälzisches Heimatbuch, 1929)

Die Weisse Frau von Wolfsegg

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Wolfsegg sml

Seit eh und jeh wird in Wolfsegg von der Weißen Frau erzählt. Immer wieder wurde sie nachts auf der Burg als weiße, nebelartige Erscheinung gesehen. Frau Hedwig Pielmeier, die früher in der Burg wohnte, hatte besonders viele Erlebnisse mit ihr.

Frau Maria Bach hörte einmal in ihrem Haus neben der Dorfkirche ein Klingeln. Vor dem Haus sah sie niemanden. Als sie zur Burg hinaufschaute, sah sie ein Licht, das hell strahlte und wieder erlosch. Sie weckte ihren Mann und beide gingen zur Burg hinauf. Dort fanden sie alles verschlossen und finster.

Georg Rauchenberger machte 1973 eine eigenartige Beobachtung. Im Burghof, an der Stelle ihres vermeintlichen Grabes, sah er nachts einen hellen, nebelartigen Streifen, der sich langsam auflöste.

Immer wieder stellt sich die Frage: Handelt es sich bei diesen Erscheinungen nur um optische Täuschungen oder steckt mehr hinter der sagenhaften Weißen Frau. In der Geschichte der Burg Wolfsegg gibt es im 14. Jahrhundert ein Ereignis, das uns dazu einige Hinweise geben könnte. Bruno Wolf von Schönleiten war der Gründer der Burg. Sein Wappen, der Wolfskopf, ist noch heute auf einigen Wappensteinen zu sehen. Bruno Wolf hatte zwei Töchter: Katharina ging ins Kloster, und Margarete war mit Ulrich dem Lichtenecker zu Eggersberg vermählt. Dieser wurde 1358 der neue Burgherr. Für 700 Pfund Regensburger Pfennige verkauften Ulrich und Margarete am 10. März 1367 die Burg, die damals ein Lehen der Wittelsbacher war, an Ulrich von Laaber und seinen Vetter Hadamar. Im Besitz der Herren von Laaber blieb die Burg bis 1463. Der letzte Laaberer war ebenfalls ein Ulrich, wahrscheinlich Ulrich V.

Dieser war eine bedeutende Persönlichkeit; in der Reichs‑ und Landespolitik spielte er eine herausragende Rolle. Bei kaiserlichen Urkunden siegelte er an vorderster Stelle. Für Heinrich den Reichen machte er eine Wallfahrt nach Rom und führte auch mehrere Kriege für den Landshuter Herzog. Nach allem, was wir über ihn wissen, war er kriegerisch und abenteuerlich veranlagt. Er starb am 2. Oktober 1463. Sein ‚plötzlicher‘ Tod und die folgenden Ereignisse geben uns einige Rätsel auf.

In verschiedenen Berichten ist von Kindern Ulrichs die Rede. Auch soll seine Gattin, Klara von Helfenstein, bei seinem Tod noch ein Kind von ihm erwartet haben. Dennoch zog sich der Streit um Ulrichs Erbe 12 Jahre hin. Die Kinder werden in dieser Zeit eigenartigerweise nirgends mehr erwähnt. Sie sollen bereits im Todesjahr des Vaters verstorben sein. Als 1475 mit dem Salzburger Domdekan Hadamar VII. das edelfreie Geschlecht der Herren von Laaber ausstirbt, wird die Herrschaft Laaber als erledigtes Lehen von den Wittelsbachern eingezogen. 1490 wird Hans Regeldorfer als neuer Burgherr auf Wolfsegg genannt.

Zwischen 1969 und 1986 waren verschiedenen Medien auf Burg Wolfsegg; Personen, die mit übersinnlichen Fähigkeiten ausgestattet sind und nach Ereignisfeldern suchen. Schwerwiegende Ereignisse, so wird behauptet, hinterlassen am Ort des Geschehens energiegeladene Felder, die Jahrhundertelang bestehen bleiben. Tritt ein Medium in ein solches Feld ein. Kann es sich mit den am früheren Geschehen beteiligten Personen identifizieren (wesensgleich machen) und das vergangene Geschehen nacherleben.

Nach Aussagen der Medien ereigneten sich auf Burg Wolfsegg zwei Morde, einer davon im Gobelinzimmer an einer Frau. Die Weiße Frau könnte danach das Opfer eines Mordes sein, das keine Ruhe findet. In den Aussagen des Mediums Lidwina aus München war die ermordete die Burgherrin und der Mörder ihr eigener Mann. Es liegt nun nahe, diesen Mord mit den rätselhaften Ereignissen beim Aussterben der Laaberer in Verbindung zu bringen. Der Mörder wäre dann Ulrich von Laaber und die Ermordete seine Gattin Klara von Helfenstein. Diese Vermutung widerspricht allerdings jenen Berichten, nach denen Klara nach dem Tod ihres Gatten noch ein Kind von ihm erwartete. Wenn wir trotz dieses Widerspruches bei den Aussagen des Mediums Lidwina bleiben, dann hat sich im 15. Jahrhundert auf Burg Wolfsegg folgende Geschichte abgespielt:

Ulrich der Laaberer, Burgherr auf Wolfsegg, liegt im Streit mit einem Wittelsbachischen Hammerherrn im nahen Heitzenhofen. Offensichtlich geht es um den Besitz des Hammers, um ein Haus „mit tief heruntergezogenem Dach, vorne mit abgeschnittenen Walmdach. Es ist mit Gras, Moos, Stroh oder Schilf gedeckt. Es ist nicht sehr hoch und in der oberen Hälfte mit grauen Brettern verschalt; die untere Hälfte besteht aus buckligen Steinen. In der Mitte der Frontseite befindet sich eine ungewöhnlich große Tür, links und rechts daneben je eine rechteckige, schmale Fensterluke.“ (Medium Lidwina). Ulrich hatte die Möglichkeit, dem Hammerherrn das Wasser zu sperren, doch auch damit erreichte er sein Ziel nicht. Er versuchte es nun auf andere Weise; seine Frau sollte ihm behilflich sein. Sie sollte den Hammerherrn umgarnen und ihn zum Verkauf bewegen. Ein gefährlicher Plan, wie sich bald zeigte, denn seine Frau begann den Mann zu lieben, den sie betören sollte. Ihr Gatte hatte vielen politischen Verpflichtungen nachzugehen und dürfte selten zu Hause gewesen sein. Als er merkte, daß ihn seine Frau betrog, sperrte er sie in den eckigen Turm neben der Küche (Turm und Küche stehen heute nicht mehr).

Dort lag Klara „wundet“ eingeschlossen und fühlte sich ungerecht behandelt, „da doch mein Herr mir selbst befohlen hatte, dem Wittelsbacher schönzutun. Ich könnt doch nit dafür, daß mehr daraus geworden sei.“ (Medium Lidwina)

Ulrich, der alles angezettelt hatte, drehte den Spieß um. Seine „Hausehr“ sei verletzt worden, er könne beim Kaiser klagen und „Buß“ verlangen, vielleicht „die Kallmünz“ (also die 9 km entfernte Burg Kallmünz).

Klara durfte zwar bald wieder in die Räume der Burg zurückkehren, doch gab sie ihre Beziehungen zum Hammerherrn nicht auf. Am Tag des Mordes saß sie im Gobelinzimmer am Fenster und wartete auf ihren „Liebsten“.

„Ein Geräusch ließ mich zur Türe blicken. Mein Mann trat ein und mit ihm 3 Mannen. Sein Gesichtsausdruck und sein Blick waren seltsam und unvertraut und flößten mir eisige Furcht ein. Die 3 Männer standen mit verlegenen Gesichtern und Haltungen an der Tür. Mein Herr kam näher und meine Furcht wurde mit jedem Schritt, den er auf mich zutrat, größer. Als er mich fast erreicht hatte, sprang ich auf und wollte davonlaufen. Er hob die Faust, ich sah etwas blitzen und spürte einen dumpfen Schlag auf der linken Seite der Brust. Mir wurde übel und ich fiel seitlich zu Boden.“( Medium Lidwina)

Ulrich hatte seine Frau wahrscheinlich nicht töten wollen. Rasend vor Wut und Eifersucht hatte er auf sie eingestochen. „Ich war voll Entsetzen, daß ich mein Weib niedergestochen hatte. Ich hob sie auf, um sie in die Kemenate zu bringen. Ich ging aus dem Zimmer, bog nach rechts in den Gang ab und öffnete mit dem Arm die letzte Türe rechts. Ich trat ein, ging um das Bett herum und legte sie auf ihre Seite. Da merkte ich, daß sie tot war. Ich bekam einen furchtbaren Schrecken und dachte, sie ist tot! Wohin mit ihr? Ich dachte an den eckigen Turm.“ (Medium Lidwina)

Es ist gut möglich, daß Ulrich seine tote Frau im eckigen Turm begraben hat. Die Medien spüren dort ein Ereignisfeld. Georg Rauchenberger hatte an der entsprechenden Stelle das eingangs erwähnte Erlebnis und bei den Ausgrabungen im Burghof fand man dort eine größere Menge Verwesungserde; sie könnte von einem Leichnam stammen.

Auch wenn wir annehmen, daß dieser Mord tatsächlich geschehen ist. Das Rätsel der Weißen Frau ist damit noch nicht gelöst. Es bleibt weiterhin offen, ob die Ermordete mit der historischen Klara von Helfenstein identisch ist und ob der Mord mit dem in der Sage geschilderten Erscheinen der Weißen Frau etwas zu tun hat.


(Quellen: Hugo Graf von Waldersdorf, Zur Geschichte der Burg Wolfsegg und des Geschlechts der Wolf, VO Band LX. F.X. Scheuerer, Die Herren von Prunn‑Laaber und ihre Herrschaft von 1080‑1475. Zulassungsarbeit an der Universität Regensburg 1980. Historischer Atlas von Bayern. Reihe Altbayern, Heft 51, Parsberg,1981. Medium Lidwina, Burg Wolfsegg und die Weiße Frau, München 1986. Gustl Motyka, Burg und Dorf Wolfsegg, Kallmünz 1978. Mündliche Mitteilungen von Franz Hummel, Wolfsegg.)

 

Krongut; Markt und Burg Nuorenberc

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Die Anfänge der Reichsstadt Nürnberg
Von Professor Dr. Helmut Weigel, Erlangen

Wie ein Gesetz des Weltenschöpfers mutet es an, daß die Anfänge des Lebens in Dunkel  gehüllt sind. Da hinein mag der Mensch mit seinem wahrheitsuchenden Geist eben noch einige Schritte weit eindringen. Es zu durchdringen, ist ihm nicht gegeben.

Wir wissen: Anfang Juli 1050 weilte Kaiser Heinrich III. auf seinem Krongut Zürich nahe der Grenze Alemanniens, beschäftigt mit Angelegenheiten seines Königreiches Burgund. Da trafen ihn unangenehme Nachrichten aus dem Osten von einem Aufstand ungarischer Adeliger gegen ihren deutschfreundlichen König, von verschärften Spannungen an der polnischen Grenze jenseits der mittleren Elbe. Diese letzteren erforderten des Kaisers persönliche Anwesenheit; Merseburg und die östlich davon gelegenen Krongüter wurden Ziel eines eiligen Rittes. Das Eingreifen in Ungarn konnte Heinrich IIL fürs erste den Großen des Herzogtums Baiern überlassen. Zwecks Besprechung und Beratung über die Führung dieses Grenzkrieges entbot sie der Kaiser zum Hoftag, doch nicht wie üblich nach Regensburg, Baierns Hauptstadt, die viel zu weit ab von der Linie Zürich-Merseburg lag, sondern nach dem

Krongut Nürnberg,

„in fundo suo Nuorenberc“, im äußersten Nordwesten des baierischen Stammesgebietes. Mitten in diese politischen Vorgänge hinein, die uns der Mönch des baierischen Klosters Nieder-Altaich in seinen Annalen erzählt, läßt eine Urkunde der kaiserlichen Kanzlei vom 16. Juli 1050 menschlich-persönliches Schicksal mehr ahnen als erkennen. Unter diesem Datum gab der Kaiser zu Nuorenberc einer Hörigen namens Sigena in der Rechtsform des Schatzwurfes die persönliche Freiheit. Es geschah dies auf den Wunsch ihres Herren Riccolf, eines Adeligen aus dem Umland von Bamberg, vielleicht angehörig jener Sippe, die Eggolsheim, Eggolfsfeld und Egloffstein gegründet hatte und dort begütert war. War es ein ewig menschlicher Roman, der hier zu Nürnberg eine rechtliche Lösung fand? Dann verstummen Urkunden und Chroniken auf mehr denn ein Jahrzehnt.

Wir aber richten unsere Blicke rückwärts, fragen nach der Entstehung des Krongutes Nürnberg. Sie liegt – durch die Forschungen H. H. Hofmanns – heute einigermaßen klar vor unseren Augen, wenn auch nicht mit allen Einzelheiten. Erfolglose Feldzüge gegen den Böhmenherzog Bretislaw in den Jahren 1039 und 1040 veranlaßten Kaiser Heinrich III., sich im Raum der heutigen Oberpfalz zwei Aufmarschgebiete und Nachschubzentren zu schaffen: die Mark Cham an der Further Senke und die Mark Nabburg am Ansatz der Pfreimd-Linie, beide gegen den Raum von Pilsen gerichtet. Beide Gebilde mußten nach rückwärts mit Franken verbunden werden; damit erhielt die Pegnitzlinie erhöhte Bedeutung für den Kaiser. Doch den ausgedehnten Reichsbesitz an für Rednitz und Pegnitz hatte Heinrich II. 1007 und 1021 an seine Bistumsgründung Bamberg weggeschenkt. Dieses Reichsgut zurückzugewinnen (zu revindizieren) und sich dadurch wieder in Rednitzfranken eine Machtstellung zu schaffen, erwies sich so aus innen- wie außenpolitischen Gründen als zweckmäßig, ja notwendig. Dabei war das Gebiet an der unteren Pegnitz von besonderem Wert, da hier der große süddeutsche Fernweg vom Rhein zur Donau, von Mainz nach Regensburg durchzog.

Den kaiserlichen Plänen kam der Tod zu Hilfe. Im Sommer 1040 starb der erste Bamberger Bischof Eberhard. Noch auf dem Rückmarsch vom Böhmenfeldzug ernannte der Kaiser am 8. September seinen getreuen Kaplan Suitgar zum Bischof. Doch erst am 28. Dezember wurde er in sein Bistum eingewiesen. Dazwischen spielten die Verhandlungen um den Preis, den Suitgar für seine Erhebung zahlen mußte: die Rückgabe der ehemaligen Königsgüter Forchheim und Langenzenn, · des einstigen Krongutes Fürth ostwärts der Rednitz. So entstand mit der Jahreswende 1040/41 ein neues Krongut, „fundus“, an der unteren ·Pegnitz um den ,,Felsenbergherum; das will ja der Name „Nuorenberc“ besagen.

Im Jahre 1041 glückte endlich dem Kaiser die völlige und dauernde Unterwerfung des Böhmenherzogs. Doch das bedeutete keine Entwertung des neuen Krongutes, nur eine Achsenverschiebung aus der West-Ost-Richtung in die Richtung Südost-Nord. Die Domäne Nuorenberc wurde Station zwischen Regensburg, der Hauptstadt Baierns, wo der Kaiser im Zusammenhang mit seiner Ungarnpolitik noch öfters weilen sollte, und 1dem Harz, der durch seinen Silberbergbau ein wirtschaftliches und durch den häufigen Aufenthalt des jagdfreudigen Kaisers ein hochpolitisches. Reichszentrum darstellte.

Damit wurde in dem Krongut Nürnberg die Furt durch die Pegnitz im Zug der heutigen Fleischbrücke der wichtigste Punkt. Beiderseits der Furt fand Heinrich III. schon Kleinsiedlungen, Höfe vor, und zwar bei den späteren Kirchen von St. Lorenz und· von St. Sebald. Dafür sprechen nämlich die rechtlichen Verhältnisse beider Kirchen, die, ursprünglich von den Pfarrkirchen zu Fürth und Poppenreuth abhängig, bis zur Reformation von Bamberg aus besetzt wurden. Wären diese Höfe‘ erst nach 1040 angelegt worden, so wäre eine königliche Eigenpfarrei entstanden. Um St. Lorenz herum bot ein kleiner Flecken von Burgsandstein inmitten des diluvialen Sandes besseren Ackerboden. Den Hof um St. Sebald verweisen Scherbenfunde vom Fünferplatz in ·die Zeit um die Jahrhundertwende. Daneben breitete sich wohl ein dritter Hof bei der späteren St. Jakobskirche aus, aus dem der staufische Königshof des 12. Jahrhunderts erwachsen sollte: Diese drei Höfe im Umkreis der Pegnitzfurt verteilen sich auf die großen Fernwege: der Lorenzer Hof leitet die Straßen von Baiern an die Furt heran, am Jakobs-Hof zieht die Straße von Schwaben vorbei zur Furt; Jenseits der Furt, und des anschließenden ·Knüppeldamms durch den versumpften Grund des späteren Marktplatzes gabelt sich beim Sebalder Hof die Straße wieder nordwärts nach Thüringen-Sachsen; nordostwärts in Richtung auf Böhmen.

Wir haben also in dem königlichen fundus Nuorenberc eine Drei-Höfe-Anlage vor uns, die vielleicht schon der Bamberger Zeit (1007-1040) entstammt, vielleicht erst auch unter Kaiser Heinrich III. dazu, ausgebaut wurde. Eine solche Drei-Höfe-Anlage wird gelegentlich in der örtlichen Überlieferung über die Entstehung einer Stadt erkennbar, z. B. bei Ansbach, Schwabach. Sie muß als Verkehrslage auf landwirtschaftlicher Grundlage, in fränkischer Zeit üblich gewesen sein; denn aus dieser Zeit stammt der Fachausdruck „Tribur“ = Drei Häuser, weithin bekannt als Name einer karolingischen und hochmittelalterlichen Königspfalz in Rheinhessen, unbeachtet als Weiler bei Feuchtwangen (Mittelfranken,) an der mittelalterlichen Fernstraße Würzburg-Augsburg. Aber der Stammbaum der, Dreihöfe-Anlage geht noch weiter zurück bis auf die römische Poststation Tres tabernae, heute Zabern im Elsaß. Und daß sie. noch unter Heinrich III. lebendig war, beweist die aus drei Höfen bestehende kaiserliche Jagdpfalz Hasselfelde im Harz zwischen Nordhausen und Halberstadt bzw. Braunschweig. So dürfen wir nach dem Itinerar, den Reisewegen der deutschen Kaiser, auch Nürnberg als königliche Reisepfalz einreihen, die Heinrich III. und Heinrich IV. (als‘ Nachtquartier und zu kurzfristigem Aufenthalt gedient hat. Den steinernen Wohnturm des Herrschers wird man entsprechend der ‚überragenden Bedeutung, die der Linie. Regensburg-Harz unter Heinrich III. zukam, entweder in dem Lorenzer-Hof oder in dem Sebalder-Hof suchen; man könnte. an das Nassauer Haus wie an den zu Ende des 19. Jahrhunderts abgerissenen Turm in der Tetzelgasse oder Vorgänger von ihnen denken. Jedenfalls war von beiden Höfen der bei St. Sebald der wichtigere. Denn hier befand sich der salierzeitliche

Markt.

Als Heinrich III. sich von dem Bamberger Bischof das Land an der Pegnitz abtreten ließ, verlegte er kraft königlicher Macht den Markt, der bisher in ‚Fürth abgehalten worden war, mitsamt den zugehörigen Rechten, der Erhebung eines Marktzolles und der Ausprägung einer den Marktverkehr erleichternden Münze, nach Nürnberg, d. h.. an die Pegnitzfurt unterhalb des Nuorenbergs. Die Lorenzerseite scheidet für diesen ältesten Markt aus; die Altstadt von St. Lorenz ist eine planmäßige Stadtanlage des 12. Jahrhunderts. Auf der Sebalderseite suchen wir den Markt des 11. Jahrhunderts nächst der Straßengabelung, also um St. Sebald. Und hier treten uns die ältesten Gassen-Namen entgegen: die untere und obere Krämersgasse, die untere und obere Schmiedgasse. Hier lagen die Wohnungen, zugleich Werk- und Verkaufsstätten der Kleinkaufleute und der Handwerker (denn das bedeutete einst das Wort smid), Grundstücke von etwa gleicher Größe, 6 m Breite an der Straße, 12 m Tiefe. Wir müssen uns nach dem, was uns Grundrisse ältester Märkte in Niedersachsen aus dem 10.und 11. Jahrhundert gelehrt haben, nur eine bescheidene Siedlungsanlage vorstellen, die ursprünglich nur eine Gasse, die untere Krämersgasse, umfaßte. Erst im Laufe der nächsten 50 Jahre bis etwa 1100 wurden die weiteren Gassen den Burgberg hinauf planmäßig auf Anordnung des für den Markt eingesetzten königlichen Beamten hinzugefügt.

Die untere Krämersgasse öffnete sich auf den Platz vor dem königlichen Hof. Auf diesem Platz unmittelbar nördlich der späteren St. Sebaldus-Kirche wurde der Wochenmarkt abgehalten, der die Bedürfnisse der umliegenden schon vorhandenen oder neu angelegten Bauernsiedlungen und Ministerialenhöfe – Thon, Buch, Kraftshof, Groß- und Kleinreuth, Schnepfenreuth, Wörth, Gründlach und Tennenlohe – befriedigen sollte. Der Zoll, eine Abgabe von jedem Verkauf, wurde von dem königlichen Marktbeamten und dessen Dienern eingehoben. Das dazu benötigte Münzgeld, die Pfennige, wurden in einem besonderen Gebäude unter der Leitung eines Münzmeisters von „Facharbeitern ausgeprägt.

Zu der Marktsiedlung gehörte dann noch“ eine aus der Bamberger Zeit vor 1040 herrührende, dem Apostelfürsten St. Petrus geweihte Kapelle. Sie ging auf die Stiftung eines Bamberger Domherren, der zugleich Pfarrer von Poppenreuth war, namens Sigiwald zurück. Nach deutschen Sprachgesetzen hat sich dieser Name dann zu Seiwald Sebald weiter umgebildet. · .

Drei Höfe und ein Markt, in dieser Form ist Nürnberg als eine königliche Domäne, gestaltet aus inneren und äußeren Bedürfnissen des Reiches, durch Kaiser Heinrich III. im Jahre 1040 ins Leben gerufen worden; 1050 tritt sie in das Licht der Geschichte.

Allzufrüh starb 1056 der Kaiser, Krone und Reich einem Knaben hinterlassend. Die Regentschaft über das Königskind, gefährlich für die deutsche Königsmacht, bedrohte lebensgefährlich auch‘ den jungen Markt Nürnberg. Der zwölfjährige Heinrich IV. mußte, von den Großen des Reiches egoistisch mißleitet, 1062 Markt, Zoll und Münze wieder an den Bischof von Bamberg zurückgeben; die wirtschaftliche Entwicklung Nürnbergs, kaum begonnen, drohte zugunsten Fürths abzubrechen. Doch drei Jahre später wurde der König volljährig; neu erblühte die Hoffnung für die königliche Marktsiedlung Nürnberg. Und wenig später, um 1070, führten Wunderheilungen am Grab des Kirchenstifters Sebald Scharen von Fremden an den Pegnitzmarkt; die religiöse Erregung jener Zeit leitete Nürnberg neue wirtschaftliche Lebenskräfte zu.

Freilich, eine neue Gefahr zog herauf, der Kampf zwischen dem deutschen König einerseits, dem römischen Papst und den deutschen Fürsten andrerseits um die Macht im Reich. Schon 1074 waren zu Nürnberg Verhandlungen zwischen Heinrich IV. und päpstlichen Legaten gepflogen worden. Diese wollten nicht an den Hof des gebannten Bischofs von Bamberg, wo der König eben Ostern gefeiert hatte, kommen. So traf man sich zu Nürnberg. Wie 1050 für Regensburg, so diente es 1074 für Bamberg als Ersatz. Noch war Nürnberg ein Platz dritten Ranges, noch hatte es kein politisches Eigengewicht.

Zwei Jahre später war der Kampf in vollster Schärfe entbrannt. Heinrich IV., zu Canossa durch den Papst widerstrebend vom Kirchenbann gelöst, hatte im Frühjahr 1077 seine Gegner in Schwaben niedergeworfen und beriet nun mit seinen Anhängern aus Franken und Baiern über die Fortführung des Krieges gegen die stärkste Machtstellung des Gegenkönigs in Thüringen und Sachsen. Das war Mitte Juni 1077 in Nürnberg. Es war nicht mehr Ersatz für eine der alten Pfalzen in Bischofsstädten, es war nun ein königlicher Platz mit eigener Aufgabe, Klammer zwischen Franken und Baiern, Versammlungsplatz für das östliche Süddeutschland. Der erste Schritt zur Reichsstadt war getan mitten in schwerster Zeit.

Notzeiten entbinden neue Kräfte; Krisen schaffen neue Gebilde. Das Königsland an der Pegnitz bedurfte in dem inneren Kriege des Waffenschutzes; das Königtum, bisher als Macht unangegriffen mußte sich nunmehr auch militärisch verteidigen; die kriegerischen Operationen gegen Thüringen verlangten einen Rückhalt, einen geschützten Etappenplatz in Franken. Jetzt erst wurde, so nehme ich an, der Plan gefaßt und durchgeführt, auf dem Felsenberg eine

Burg

zu bauen. Eine Sperranlage sollte an der engsten Stelle die breitere westliche Hochfläche, geeignet. als Zuflucht für die Königshofleute, für die Bewohner der Marktsiedlung, für die Bauern der Umgebung, schützend abriegeln gegen die flachere Absenkung nach Osten. Dort steht heute noch der fünfeckige Turm, erbaut aus den Steinen der Brüche von Roßtal, der letzte Rest der „Burggrafenburg“, der salischen Reichsburg. Bau und Dasein der Burg aber machten einen neuen geräumigeren Wirtschaftshof nötig, der rund sieben Jahrzehnte‘ später in ein Benediktinerkloster zu Ehren des hl. Ägidius umgewandelt werden sollte. Die Verteidigung der Burg lag den wehrhaften Bewohnern der Siedlungen rings umher ob; den militärischen Kern für sie gab eine kleine Schar · Berufssoldaten ab, die östlich vor der Burg im Bereich der unteren und oberen Söldnersgasse ihre bescheidenen Behausungen gehabt haben werden. Befehlshaber aber war ein Burggraf, der in der Kemenate der Burg wohnte, entnommen dem niederösterreichischen‘ Geschlecht der Grafen von Raabs. Die kriegerischen Zeiten machten ihn zur wichtigsten Persönlichkeit in Nürnberg, die mit dem militärischen Kommando auch zivile Rechte über die Siedlung am Fuß des Berges in einer Hand vereinigte.

Sinwellturm Burg Nürnberg

So wurde Nürnberg in der Krisis des deutschen Königtums zu einem militärischen Punkt, zu einer Festung, Rückhalt des Königs zwischen Main und Donau, Ausgangspunkt für seine Vorstöße nach Thüringen und Sachsen.

Kurz nach der Jahrhundertwende, im Jahre 1105, im letzten Waffengang des leidgeprüften, doch nie gebrochenen Kaisers gegen seinen Sohn Heinrich erlebte die Burg ihre erste Belastungsprobe; sie hielt aus, bis der Hunger die kaisertreuen Verteidiger zur Übergabe unter günstigen Bedingungen zwang. Zwar die noch nicht ummauerte Marktsiedlung war in Flammen aufgegangen. Doch rasch muß sie die Kriegsschäden überwunden haben; denn 1108 urkundete Kaiser Heinrich V. wieder in Nürnberg und 1112 erscheint es neben Goslar,  Dortmund und Frankfurt als ein von Wormser Kaufleuten ·besuchter kaiserlicher Markt. ·

Wir brechen ab. Die salische Zeit geht zu Ende. Die Hohenstaufen bedeuten den Anfang einer neuen Periode für das Reich und für Nürnberg. Was auch Nürnberg in neun langen Jahrhunderten erleben sollte, es blieb die Stadt der deutschen Könige des Reiches, aufwärts und abwärts mit dessen Schicksalen unlöslich verbunden bis in die lebensbedrohendsten Katastrophen.


Die hier vorgelegte Auffassung von der Entstehung und frühesten Entwicklung Nürnbergs, niedergeschrieben im Jubiläumsjahr 1950, verdankt vielfache Anregung und nicht wenige wichtige Einzelergebnisse den Darstellungen und Untersuchungen, die Dr. H. H. Hofmann damals veröffentlicht hat („Gründung und Frühgeschichte der Stadt Nürnberg“. Fränkische Blätter für Geschichtsforschung und Heimatpflege. Beilage zum „Fränkischen Tag“ Bamberg 2, 1950, 9-12. – . „Nürnberg, Gründung und Frühgeschichte“. Jahrbuch f. fränkische Landesforschung 10, 1950, 1-36), weicht allerdings von diesen auch in vielen Einzelpunkten ab.

 

 

St. Wolfgang bei Velburg

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Ein heute unbekannter Wallfahrtsort
Von H. Jungwirth

Weitab vom Verkehr, zwischen grünen Saatfeldern und schattigen Wäldern liegt am Fuß des mächtigen Hohllochberges, dessen Höhleneingang wie ein riesiges Tor schon von weitem grüßt, die Wallfahrtskirche St. Wolfgang. Die Distriktstraße Velburg — Hohenburg führt in etwa 20 Minuten dorthin zum gleichnamigen Dörflein, ehemals Hollnstein genannt. Der Name rührt von den Höhlen dort her, in denen vorgeschichtliche Funde gemacht wurden, die bezeugen, daß schon zur Bronzezeit die Höhle besiedelt war.

Einst war die Kirche St. Wolfgang weit über die Grenzen der engeren Heimat hinaus bekannt, heute wird sie fast nur mehr von Kunstfreunden besucht, der Strom der Wallfahrer und Wanderer zieht andere Bahnen. Tiefes Dunkel liegt über der Geschichte des Ortes und der Kirche, in die nur spärlich Licht fällt. Die Stürme der Zeit haben auch hier gründliche Arbeit geleistet und so ist die einst berühmte Wallfahrt vergessen und weiten Kreisen unbekannt.

Der Chronist J. Brunner, berichtet in seiner Chronik von Velburg 1818 das Vorhandensein eines Steines mit der Inschrift: „D. M. PEMTENA DALMATA VIX: AN: XXV.“ Daran knüpft er die zweifelhafte Vermutung, daß der Ort schon zur Römerzeit bekannt war und erst nachträglich St. Wolfgang geweiht wurde. Bis heute konnte der Stein nicht mehr aufgefunden werden. Auch Brunner fand ihn nicht mehr vor, er stützte sich bloß auf ältere Urkunde. (v. Windisch, Grundbuch). Ein zweiter Stein von dem er ebenfalls berichtet, steckte unter dem Verputz und wurde gelegentlich der Renovierung wieder aufgefunden. Er gibt uns folgenden Aufschluß: „als peter mavrer vo der beiden (Weiden) den pau gemacht hat mccc LxvII (1467)“. Damit ist nachgewiesen, daß die Kirche 1467 wohl vollendet wurde, sicher aber schon früher ein Teil derselben (Sakristei) bestanden hat. In diesem Raum hängen heute noch vier eiserne Ringe von der Decke, deren Bedeutung noch nicht restlos geklärt ist.

Sankt Wolfgang #1

Alljährlich am Ostermontag strömen die Leute der Umgebung herbei zum Festgottesdienst. Nachdem aber Ostern und St. Wolfgang in keiner engeren Bedeutung stehen liegt die Vermutung nahe, daß hier eine vorchristliche Kultstätte war, zu der an Ostern, also zum Frühlingsfest, gepilgert wurde. Bestärkt wird diese Vermutung durch den alten Brauch des „Pickens“, das nur an diesem Tag und zwar hauptsächlich vor der Kirche betätigt wird. Bunt gefärbte Eier werden mit Spitze oder Kehrseite aneinander geklopft bis eines oder beide brechen worauf der glückliche Sieger das gebrochene Ei als Preis erhält. Hierin finden sich Anklänge an den Ostara-Kult, wenn auch dessen Vorhandensein nicht mehr nachgewiesen werden kann. Zu keiner Zeit und keinem anderen Platz in der Umgebung wird diese Sitte so geübt, als am Ostermontag in St. Wolfgang. Außerdem heißt eine Waldabteilung des Höllenbrands (Collomaner Höhe 632 m) Osterberg, was eine weitere Vermutung zuließe, da der gesamte Hohllochberg ein Ausläufer davon ist. Wenn auch über die Entstehung der Kirche genaue Aufschlüsse wohl nie gemacht werden können, so gibt doch eine alte Pergament-Urkunde davon Zeugnis, daß die Kirche älter ist, als die vorher erwähnte Bauinschrift besagt.

Am Freitag nach St. Andresentag 1460, also sieben Jahre vorher, spricht die Schrift bereits von einer „Kapella.“ Der einfache Bau hat wohl keine so lange Zeit in Anspruch genommen, so daß bereits an eine Vorhandene, wenn auch kleinere Kirche gedacht werden kann. In dieser Urkunde des Bischofs Wilhelm von Aistett (Eichstätt) verzichtet der damalige Pfarrer von Oberweiling, zu dessen Pfarrei Velburg und St. Wolfgang gehörte, auf das Drittel des Almosens so „zu derselben Kapella gefallen uns hierfür gefallen würde“. Es dürfte also damals bereits St. Wolfgang weit bekannt gewesen sein und sich zahlreichen Besuchs erfreut haben, sonst wäre wohl von keinem Almosen die Rede, das sicher weniger von den Bürgern Velburgs gespendet wurde, als vielmehr von Wallfahrern. Der genannte Pfarrer von Oberweiling Matthias Dellnizer oder Dellinger war nach den Urkunden von 1460 bis 1477 dort tätig.

Im Jahr 1473 wird die erste Kaplanei in St. Wolfgang bestätigt. 1480 sind zwei Kapläne tätig. 1. Otto Prentmaier, geweiht in Regensburg, Präsentationsrecht hatte Herzog Albrecht von Bayern. 2. Ulrich Püchler von Pfreimd, geweiht in Regensburg. Präsentationsrecht hatte der Bischof von Eichstätt. Einkommen 40 fl.

St Wolfgang war nicht bloß ein vielbesuchter Wallfahrtsort, sondern auch eine reiche Kirche. 22 Höfe waren zins– und zollpflichtig und zwar um das Jahr 1596:

Klapfenberg  4 Höfe;
Freudenricht 2 “
Pathal 1 Hof;
Waldhausen 3  Höfe;
Batzhausen 1 Hof;
Hackenhof 1 “
Seubersdorf 1 “
St. Wolfgang 2 “
Voglbrunn 1 “
Darshofen 1 “
Ronsolden 1 “
Mantlach 1 “
Eglwang 1 “
Hamberg 1 “
Reckenhofen 1 “

2.000 fl. waren 9 Jahre vorher aus dem Kirchenvermögen zur Tilgung städtischer Schulden verwendet worden — eine für die damalige Zeit beträchtliche Summe. Die Begnadigungsbriefe von 1524, 1542, 1544, 1587 sind leider nicht mehr vorhanden.

Über den zahlreichen Besuch sagt Windisch in seinem Grundbuch, daß eine alte Schrift (leider verlorengegangen) vermeldet, daß Neuburg und Weißenburg öfter „processionaliter“ nach St. Wolfgang wallfahrten, — auch große Märkte waren damit verbunden, und daß „zwey andächtige Bürgerstöchter von hier in zwey an dem hinteren Stadtthor gehabte Äcker zu einem Sammelplatz der Pilger verordnet und hergeschenkt, uti formalia sonant: Zum Sammelplatz der Pilger, so zum heiligen Herrn Sanct Wolfgang gehen.“

Heute heißt dieser Platz noch Pilgram (Pilgerraum). Auf dem Weg dorthin verzeichnete Brunner noch zwei Kapellen, 14 Nothelfer und St. Dreifaltigkeit. Beide Bilder waren zu Brunners Zeiten in St. Wolfgang, also die Kapellen damals schon verfallen, ihre Erbauer unbekannt. Der Ausläufer des Schloßbergs aber, auf dem diese Kapellen standen, heißt heute noch Kapellenberg. Über die Kunstschätze dieser Kirche, ist nicht nötig, da berufene Vertreter dazu gesprochen haben, St. Wolfgang ist ein Schmuckkästchen für jeden Kunstfreund.

Reformation und Säkularisation haben gründlichste Arbeit geleistet, das ehemals „oberpfälzische Altötting“ in Vergessenheit geraten zu lassen. Nur noch wenigen Wanderfreunden ist die einst blühende Wallfahrt bekannt.


 

 

 

Der Löwlerbund

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Zur Geschichte des Löwlerbundes

Von Willi Straßer

Nach der Hussitennot, die fast 25 Jahre lang Leid und Elend über unsere engere Heimat brachte, suchte man die Schuld im kläglichen Versagen des aufgebotenen Reichsheeres.

,,Die Landesverteidigung muß neu reformiert und gestaltet werden“, so hieß die Devise. Man warb deshalb verstärkt Söldner oder Landsknechte an, verzichtete auf die adeligen Ritter und die im Waffendienst ungeübten Bauern.

Dem schwerfälligen gepanzerten Ritter zeigten sich die zu Fuß kämpfenden Landsknechte mit ihren Spießen und Hellebarden weit überlegen. Die Zeit des Rittertums war damit abgelaufen, wovon die Ritter aber keineswegs überzeugt waren. Sie hielten sich weiter für unersetzlich.

In Schwaben hatten sich zur selben Zeit 22 Städte zu einem Bund zusammengeschlossen, zum Schwäbischen Städtebund, einer Vereinigung, die den Landfrieden gemeinschaftlich erhalten sollte. Ihr Heer bestand aus 12.000 Fußknechten und 1.200 Reitern. Sie gaben sich außerdem eine eigene Verfassung, ordneten richterliche Gewalt an und übten eine vollziehende Macht aus.

Damit war der Bayernherzog Albrecht IV. der Weise (1447-1508) durchaus nicht einverstanden. Er versuchte, gegen den Schwäbischen Bund ebenfalls ein stehendes Heer aufzustellen, verlangte aber von seinen adeligen Rittern und sonstigen Untertanen nicht mehr Waffenhilfe, sondern eine Wehr- und Kriegshilfesteuer‘ um ein Berufsheer zu schaffen. Zu diesem Zwecke erhöhte er auch die Maut auf der Donau und erhob neue Zölle auf der Naab.

Der niedrige Adel, der bisher das Heer stellte, sah sich dadurch ausgeschaltet, übergangen und in seiner Existenz bedroht. Die Ritter erhoben deshalb lautstark Protest gegen die neuen Steuern des Bayernherzogs. Dieser ließ aber unbekümmert durch die Landrichter die Steuer eintreiben und im Verweigerungsfall sogar pfänden.

So kam es, daß 24 aufgebrachte niederbayerische und oberpfälzische Ritter, unter Berufung auf die alten Freibriefe, sich weigerten, eine Kriegshilfesteuer zu zahlen. Sie pochten auf ihre alten Privilegien (beruhend auf der ,,Ottonischen Handveste“ von 1311). Herzog Albrecht IV. versuchte zunächst mit Güte und Überredungskunst die Ritter zu beruhigen. Aber vergebens. Er konnte sie für seine Pläne nicht gewinnen. Das war der Grund, daß sich am 13. Juli 1489 im Chamer Gasthof ,,Zum goldenen Kranich“, später ,,Goldene Krone“, einem im weiten Umkreis bekannten Haus, indem im Jahre 1344 Kaiser Ludwig der Bayer schon Quartier genommen hatte, sich 46 der vornehmsten Ritter aus Niederbayern und der Oberpfalz mit Gefolge einfanden. Bei der äußerst erregten Versammlung waren sich alle einig, dem Herzog diese ausgeschriebene Kriegshilfesteuer zu verweigern und ihm dagegen zu ,,trotzen“. Zum Bundeshauptmann der rebellischen Ritter wurde der Pfleger von Cham, Sebastian Pflug, Herr von Rabenstein, auf Schwarzenburg und Waldmünchen, gewählt.

Beigestellt wurden ihm die Ritter Heinrich Nothafft zu Wernberg, Hans von Parsberg und Jobst Zenger zum Schneeberg. Außerdem verfaßte man eine aus 22 verschiedenen Punkten bestehende Urkunde auf Pergament, den sogenannten Bundesbrief. Darin legten sie ihre Beschwerden dar, behängten ihn mit ihren Siegeln und schickten ihn dem Herzog. Über die gemachten Beschlüsse und Zusammenkünfte mußte strengstes Stillschweigen bewahrt werden.

Als Wahrzeichen ihres Bundes ließen die Ritter eine sechzehngliedrige silberne Halskette mit einem vergoldeten Löwen anfertigen – ähnlich dem Goldenen Vlies. Bei besonderen Anlässen mußten die Ritter die Kette umlegen, sonst trugen sie kleine vergoldete Löwen am Hut oder der Jacke.

Nebenbei: In Kolmberg, Gemeinde Waffenbrunn, fand man um die Mitte des 18. Jahrhunderts solch eine kostbare Kette. Ein Wiesel verwickelte sich nämlich mit der Pfote in ein Glied der Kette und zog sie so aus einer alten Mauer hervor. Die Kette bestand aus 30 ovalen Gliedern und glich jenen Ketten, welche die Löwlerritter trugen. Sie kam damals angeblich in das kurfürstliche Kunstkabinett nach München.

Die Stadt Cham wählte man deshalb zum Bundessitz, als einen sogenannten neutralen Tagungsort, weil die Grafschaft Cham zwar rechtlich zu Bayern gehörte, aber seit dem Vertrag von Pavia 1329 um 60.000 Gulden an die Pfalzgrafen am Rhein verpfändet war.

Cham blieb der Mittelpunkt der Löwler, die weiter hier ihre Versammlungen abhielten und sich alle Jahre zweimal trafen. Der Bund der Löwler gewann schnell an Macht und Stärke, und viele namhafte Adelige traten dem Bund bei.

Am 6. Oktober 1489 richtete Herzog Albrecht ein Schreiben an die fränkische Ritterschaft. Hierin versuchte er, mit seinen Augen gesehen, das geschehene Unrecht der ungehorsamen niederbayerischen und oberpfälzischen Ritter darzustellen.

Die fränkische Ritterschaft leitete aber dieses Schreiben mit einem ausführlichen Bericht, in dem die Behauptungen des Herzogs widerlegt wurden, dem Löwlerbund zu.

Mittlerweile fand der beschwerdeführende Adel Unterstützung bei Kaiser Friedrich III.:

Herzog Albrecht besetzte nämlich 1486 unerwartet die Freie Reichsstadt Regensburg, die er zur Hauptstadt machen wollte, und löste Stadtamhof aus, das an Regensburg verpfändet war. Damit zog sich der Herzog den Haß Friedrichs III. zu. Das war auch der Grund, warum Friedrich III. den Löwlerbund als begünstigten Ritterverein bestätigte.

Der Löwlerbund vergrößerte und festigte sich weiter, vor allem, als die Brüder des Herzogs, Christoph und Wolfgang, diesem Bund beitraten. Auch versuchte man den Pfalzgrafen Otto von Neumarkt für den Bund zu gewinnen.

Am 15. September 1490 vereinigten sich die Löwler förmlich mit dem Schwäbischen Bund, und am 2. Oktober desselben Jahres schlossen sie mit dem Böhmenkönig Ladislaw ein Schutzbündnis ab.

Es setzten nun verschiedene Vermittlungsversuche angesehener Personen ein, sei es König Maximilian, der Sohn Friedrich III., oder Herzog Georg von Landshut.

So vergingen zwei Jahre ohne wesentliche Vorkommnisse, die Herzog Albrecht aber eifrig nützte, um ein neues, modernes Heer, vor allem mit einer schlagkräftigen Artillerie, aufzustellen. Dazu bediente er sich des berühmten Büchsenmeisters Martin Merz, der 1501 in Amberg starb und in der St.-Martins-Kirche dort begraben liegt. Bereits 1467 holte er ihn nach München und beauftragte Merz mit der hohen Schießkunst. Dieser verbesserte die Zielsicherheit der Kanonen und verstand es vor allem, schwere Geschütze selbst zu gießen, dazu neuartige Metallkugeln.

Inzwischen wurden weitere Vorschläge zur Beilegung der Fehden und Zwistigkeiten eingereicht. So versammelten sich die Löwler erneut im Februar 1491 in Cham. Es gelang aber nicht, den Streit auch nur annähernd zu schlichten. Auch die Unterhandlungen, die König Maximilian und Herzog Georg von Landshut mit den Löwlern in Waldmünchen führten, blieben ohne Erfolg.

Gleich darauf kam es überraschend zum Ausbruch der ersten Feindseligkeiten und Gewalttaten. Hyronimus von Stauf, ein Löwler und naher Verwandter des Herzogs Albrecht, plünderte das Dorf Pfatter, nahm die Beute mit und machte 20 Gefangene. Sein Bruder Bernhardin von Stauf plünderte fünf Dörfer in der Gegend um Hemau. Weitere Überfälle der Löwler auf Ländereien des Herzogs folgten. Auch in der Stadt Cham sammelte sich am 26. Mai 1491 eine Truppe unter der Führung von Heinrich Nothafft von Wernberg, die Miltach angriff und die dortige Wehrkirche und das Schloß im Sturm eroberte. Die Gefangenen, unschuldige Bauern, warfen die Soldaten brutal aus dem Schalloch der Kirche auf die darunter stehenden Landsknechte mit ihren Spießen. Hierauf zogen sie beutesuchend weiter nach Voggenzell, plünderten Moosbach und Prackenbach, überfielen Kaufleute, machten die Straßen unsicher und versuchten auch Viechtach und Kötzting einzunehmen.

Herzog Albrecht sah diesem und anderem Treiben nicht lange zu. In schnellstmöglicher Zeit ließ er ein Landesaufgebot bekanntgeben und Städte, Märkte und Landgerichte, vor allem in Oberbayern, mußten jeweils eine bestimmte Anzahl von Fußgängern und Reitern stellen.

Mit diesem Heer zog er am 21. Dezember 1491 von München nach Regensburg. Unvermutet belagerte er die trotzige Burg des Hyronimus von Stauf in Köfering, schoß sie mit seinen Geschützen, durch konzentriertes Schießen auf eine Stelle, sturmreif und nahm sie ein. Hyronimus von Stauf ging dabei mit 80 Landsknechten in die Gefangenschaft.

Einige Tage später eroberte Herzog Albrecht die Burg Trifteling, hierauf Flügelsberg, eine Felsenfestung der Parsberger im Altmühltal, wobei die Brüder Hans und Georg Parsberger in Gefangenschaft gerieten. Dann besetzte er Beratzhausen, einen Markt der Staufer an der Laaber.

Auch die schwer einnehmbare Burg des Bruders von Hyronimus von Stauf, die des Vizedoms Bernhard von Stauf-Ehrenfels, unweit von Beratzhausen, fiel nach achttägiger hartnäckiger Verteidigung. Nur der Ehefrau mit ihren Kindern gewährte der Herzog freien Abzug. Bernhard von Stauf, einer der bedeutendsten Mitglieder des Löwlerbundes, hatte das Glück, um diese Zeit beim Schwäbischen Bund zu weilen. So fiel eine Burg der Löwler nach der anderen mit ihren Dörfern dem Herzog Albrecht zum Opfer, und viele Ritter gerieten dabei in Gefangenschaft.

Obwohl der Angriff Herzog Albrechts den Burganlagen galt, wurden auch von ihm die Dörfer geplündert und die Bevölkerung unmenschlich mißhandelt. Ein Rauben, Brennen und Morden auf beiden Seiten, gemäß damaligem Kriegsbrauch.

Die Löwler wollten zunächst den Widerstand nicht aufgeben, waren immer noch der Hoffnung, der Schwäbische Bund oder der Böhmenkönig schickten ihnen Hilfstruppen. Allein, es blieb lediglich bei Versprechungen; es geschah nichts. Voll Enttäuschung kapitulierten bald die letzten Löwler, liefen einzeln zum Herzog über und baten demütig um Gnade. Mitte Januar 1492 war der Feldzug nach 30 Tagen von Herzog Albrecht siegreich beendet.

Im Verlauf eines Monates hatte er den Hauptgegner, die rebellischen Ritter, vor allem aus Niederbayern und der Oberpfalz, zu Boden geworfen und die Macht des Bundes gebrochen. Da griff Kaiser Friedrich III. ein, in dem er am 23. Januar 1492 Herzog Albrecht als Landesfriedensbrecher in Acht und Bann setzte und ein starkes Reichsheer gegen ihn aufbot.

Herzog Albrecht brachte seine Bauern in Burgen und Städte in Sicherheit und rückte mit seinem Heer von 17.000 Mann nach Landsberg vor.

Die Reichsexekutionsarmee Friedrich III. bestand im Kern aus schwäbischen Bundestruppen unter dem Kommando von Markgraf Friedrich von Brandenburg-Ansbach. auch die Herzöge Wolfgang und Christoph, die Brüder Herzogs Albrechts, befanden sich dabei. Auf dem Lechfeld standen sich beide Heere am 14. Mai 1492 in Schlachtordnung gegenüber.

In letzter Sekunde erschien König Maximilian, ein Sohn Friedrichs III., der 1486 zum Römischen König gewählt wurde und die Regierungsgeschäfte führte, als Vermittler und mahnte eindringlich zum Frieden. Diesmal mit Erfolg. Herzog Albrecht söhnte sich mit Kaiser Friedrich aus. In München kam es nach längeren Verhandlungen — der Bundeshauptmann der Löwler, Sebastian Pflug, war inzwischen verstorben — am 2. Oktober 1493 zu einem Übereinkommen und zur Beilegung der Feindseligkeiten: Die Acht über Herzog Albrecht und die Stadt Regensburg wurde aufgehoben, Herzog Albrecht söhnte sieh mit seinen beiden Brüdern, Christoph und Wolfgang, aus und gelobte den unzufriedenen Rittern, ihre Freiheit zu bewahren. Die Ritter selbst unterwarfen sich dem Landesfürsten, und der Löwlerbund wurde formell aufgelöst.

Die Kriegsführung und Taktik des weisen Bayernherzogs mit seinem modernen Heer und der hervorragenden Artillerie siegten über die veraltete Waffentechnik und die Uneinigkeit unter den Rittern des Löwlerbundes. Der Hauptfehler der Löwler aber war: Sie glaubten, mit Verhandlungen nichts mehr zu erreichen, begannen mit den Feindseligkeiten und zersplitterten ihre Kraft in Einzelaktionen ohne geschlossene einheitliche Führung.

Die Stadt Cham selbst hatte darunter nicht zu leiden und blieb vollkommen unbeteiligt. Im Jahre 1907 brachte die Stadtverwaltung mit Unterstützung des Historischen Vereins eine Gedenktafel am ehemaligen Gasthof Krone (ehemals Modehaus Kusch) am Marktplatz in Cham an: „In diesem Hause tagten 1489 die Ritter des Löwlerbundes.“

Löwlerbund #2

Die Ordnung der Gesellschaft vom Löwen, ausgestellt in Cham am 14. Juli 1489. (Staatsarchiv Amberg, Fürstentum Obere Pfalz, Regierung Urkunden 549)