Die Weisse Frau von Wolfsegg

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Wolfsegg sml

Seit eh und jeh wird in Wolfsegg von der Weißen Frau erzählt. Immer wieder wurde sie nachts auf der Burg als weiße, nebelartige Erscheinung gesehen. Frau Hedwig Pielmeier, die früher in der Burg wohnte, hatte besonders viele Erlebnisse mit ihr.

Frau Maria Bach hörte einmal in ihrem Haus neben der Dorfkirche ein Klingeln. Vor dem Haus sah sie niemanden. Als sie zur Burg hinaufschaute, sah sie ein Licht, das hell strahlte und wieder erlosch. Sie weckte ihren Mann und beide gingen zur Burg hinauf. Dort fanden sie alles verschlossen und finster.

Georg Rauchenberger machte 1973 eine eigenartige Beobachtung. Im Burghof, an der Stelle ihres vermeintlichen Grabes, sah er nachts einen hellen, nebelartigen Streifen, der sich langsam auflöste.

Immer wieder stellt sich die Frage: Handelt es sich bei diesen Erscheinungen nur um optische Täuschungen oder steckt mehr hinter der sagenhaften Weißen Frau. In der Geschichte der Burg Wolfsegg gibt es im 14. Jahrhundert ein Ereignis, das uns dazu einige Hinweise geben könnte. Bruno Wolf von Schönleiten war der Gründer der Burg. Sein Wappen, der Wolfskopf, ist noch heute auf einigen Wappensteinen zu sehen. Bruno Wolf hatte zwei Töchter: Katharina ging ins Kloster, und Margarete war mit Ulrich dem Lichtenecker zu Eggersberg vermählt. Dieser wurde 1358 der neue Burgherr. Für 700 Pfund Regensburger Pfennige verkauften Ulrich und Margarete am 10. März 1367 die Burg, die damals ein Lehen der Wittelsbacher war, an Ulrich von Laaber und seinen Vetter Hadamar. Im Besitz der Herren von Laaber blieb die Burg bis 1463. Der letzte Laaberer war ebenfalls ein Ulrich, wahrscheinlich Ulrich V.

Dieser war eine bedeutende Persönlichkeit; in der Reichs‑ und Landespolitik spielte er eine herausragende Rolle. Bei kaiserlichen Urkunden siegelte er an vorderster Stelle. Für Heinrich den Reichen machte er eine Wallfahrt nach Rom und führte auch mehrere Kriege für den Landshuter Herzog. Nach allem, was wir über ihn wissen, war er kriegerisch und abenteuerlich veranlagt. Er starb am 2. Oktober 1463. Sein ‚plötzlicher‘ Tod und die folgenden Ereignisse geben uns einige Rätsel auf.

In verschiedenen Berichten ist von Kindern Ulrichs die Rede. Auch soll seine Gattin, Klara von Helfenstein, bei seinem Tod noch ein Kind von ihm erwartet haben. Dennoch zog sich der Streit um Ulrichs Erbe 12 Jahre hin. Die Kinder werden in dieser Zeit eigenartigerweise nirgends mehr erwähnt. Sie sollen bereits im Todesjahr des Vaters verstorben sein. Als 1475 mit dem Salzburger Domdekan Hadamar VII. das edelfreie Geschlecht der Herren von Laaber ausstirbt, wird die Herrschaft Laaber als erledigtes Lehen von den Wittelsbachern eingezogen. 1490 wird Hans Regeldorfer als neuer Burgherr auf Wolfsegg genannt.

Zwischen 1969 und 1986 waren verschiedenen Medien auf Burg Wolfsegg; Personen, die mit übersinnlichen Fähigkeiten ausgestattet sind und nach Ereignisfeldern suchen. Schwerwiegende Ereignisse, so wird behauptet, hinterlassen am Ort des Geschehens energiegeladene Felder, die Jahrhundertelang bestehen bleiben. Tritt ein Medium in ein solches Feld ein. Kann es sich mit den am früheren Geschehen beteiligten Personen identifizieren (wesensgleich machen) und das vergangene Geschehen nacherleben.

Nach Aussagen der Medien ereigneten sich auf Burg Wolfsegg zwei Morde, einer davon im Gobelinzimmer an einer Frau. Die Weiße Frau könnte danach das Opfer eines Mordes sein, das keine Ruhe findet. In den Aussagen des Mediums Lidwina aus München war die ermordete die Burgherrin und der Mörder ihr eigener Mann. Es liegt nun nahe, diesen Mord mit den rätselhaften Ereignissen beim Aussterben der Laaberer in Verbindung zu bringen. Der Mörder wäre dann Ulrich von Laaber und die Ermordete seine Gattin Klara von Helfenstein. Diese Vermutung widerspricht allerdings jenen Berichten, nach denen Klara nach dem Tod ihres Gatten noch ein Kind von ihm erwartete. Wenn wir trotz dieses Widerspruches bei den Aussagen des Mediums Lidwina bleiben, dann hat sich im 15. Jahrhundert auf Burg Wolfsegg folgende Geschichte abgespielt:

Ulrich der Laaberer, Burgherr auf Wolfsegg, liegt im Streit mit einem Wittelsbachischen Hammerherrn im nahen Heitzenhofen. Offensichtlich geht es um den Besitz des Hammers, um ein Haus „mit tief heruntergezogenem Dach, vorne mit abgeschnittenen Walmdach. Es ist mit Gras, Moos, Stroh oder Schilf gedeckt. Es ist nicht sehr hoch und in der oberen Hälfte mit grauen Brettern verschalt; die untere Hälfte besteht aus buckligen Steinen. In der Mitte der Frontseite befindet sich eine ungewöhnlich große Tür, links und rechts daneben je eine rechteckige, schmale Fensterluke.“ (Medium Lidwina). Ulrich hatte die Möglichkeit, dem Hammerherrn das Wasser zu sperren, doch auch damit erreichte er sein Ziel nicht. Er versuchte es nun auf andere Weise; seine Frau sollte ihm behilflich sein. Sie sollte den Hammerherrn umgarnen und ihn zum Verkauf bewegen. Ein gefährlicher Plan, wie sich bald zeigte, denn seine Frau begann den Mann zu lieben, den sie betören sollte. Ihr Gatte hatte vielen politischen Verpflichtungen nachzugehen und dürfte selten zu Hause gewesen sein. Als er merkte, daß ihn seine Frau betrog, sperrte er sie in den eckigen Turm neben der Küche (Turm und Küche stehen heute nicht mehr).

Dort lag Klara „wundet“ eingeschlossen und fühlte sich ungerecht behandelt, „da doch mein Herr mir selbst befohlen hatte, dem Wittelsbacher schönzutun. Ich könnt doch nit dafür, daß mehr daraus geworden sei.“ (Medium Lidwina)

Ulrich, der alles angezettelt hatte, drehte den Spieß um. Seine „Hausehr“ sei verletzt worden, er könne beim Kaiser klagen und „Buß“ verlangen, vielleicht „die Kallmünz“ (also die 9 km entfernte Burg Kallmünz).

Klara durfte zwar bald wieder in die Räume der Burg zurückkehren, doch gab sie ihre Beziehungen zum Hammerherrn nicht auf. Am Tag des Mordes saß sie im Gobelinzimmer am Fenster und wartete auf ihren „Liebsten“.

„Ein Geräusch ließ mich zur Türe blicken. Mein Mann trat ein und mit ihm 3 Mannen. Sein Gesichtsausdruck und sein Blick waren seltsam und unvertraut und flößten mir eisige Furcht ein. Die 3 Männer standen mit verlegenen Gesichtern und Haltungen an der Tür. Mein Herr kam näher und meine Furcht wurde mit jedem Schritt, den er auf mich zutrat, größer. Als er mich fast erreicht hatte, sprang ich auf und wollte davonlaufen. Er hob die Faust, ich sah etwas blitzen und spürte einen dumpfen Schlag auf der linken Seite der Brust. Mir wurde übel und ich fiel seitlich zu Boden.“( Medium Lidwina)

Ulrich hatte seine Frau wahrscheinlich nicht töten wollen. Rasend vor Wut und Eifersucht hatte er auf sie eingestochen. „Ich war voll Entsetzen, daß ich mein Weib niedergestochen hatte. Ich hob sie auf, um sie in die Kemenate zu bringen. Ich ging aus dem Zimmer, bog nach rechts in den Gang ab und öffnete mit dem Arm die letzte Türe rechts. Ich trat ein, ging um das Bett herum und legte sie auf ihre Seite. Da merkte ich, daß sie tot war. Ich bekam einen furchtbaren Schrecken und dachte, sie ist tot! Wohin mit ihr? Ich dachte an den eckigen Turm.“ (Medium Lidwina)

Es ist gut möglich, daß Ulrich seine tote Frau im eckigen Turm begraben hat. Die Medien spüren dort ein Ereignisfeld. Georg Rauchenberger hatte an der entsprechenden Stelle das eingangs erwähnte Erlebnis und bei den Ausgrabungen im Burghof fand man dort eine größere Menge Verwesungserde; sie könnte von einem Leichnam stammen.

Auch wenn wir annehmen, daß dieser Mord tatsächlich geschehen ist. Das Rätsel der Weißen Frau ist damit noch nicht gelöst. Es bleibt weiterhin offen, ob die Ermordete mit der historischen Klara von Helfenstein identisch ist und ob der Mord mit dem in der Sage geschilderten Erscheinen der Weißen Frau etwas zu tun hat.


(Quellen: Hugo Graf von Waldersdorf, Zur Geschichte der Burg Wolfsegg und des Geschlechts der Wolf, VO Band LX. F.X. Scheuerer, Die Herren von Prunn‑Laaber und ihre Herrschaft von 1080‑1475. Zulassungsarbeit an der Universität Regensburg 1980. Historischer Atlas von Bayern. Reihe Altbayern, Heft 51, Parsberg,1981. Medium Lidwina, Burg Wolfsegg und die Weiße Frau, München 1986. Gustl Motyka, Burg und Dorf Wolfsegg, Kallmünz 1978. Mündliche Mitteilungen von Franz Hummel, Wolfsegg.)

 

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Krongut; Markt und Burg Nuorenberc

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Die Anfänge der Reichsstadt Nürnberg
Von Professor Dr. Helmut Weigel, Erlangen

Wie ein Gesetz des Weltenschöpfers mutet es an, daß die Anfänge des Lebens in Dunkel  gehüllt sind. Da hinein mag der Mensch mit seinem wahrheitsuchenden Geist eben noch einige Schritte weit eindringen. Es zu durchdringen, ist ihm nicht gegeben.

Wir wissen: Anfang Juli 1050 weilte Kaiser Heinrich III. auf seinem Krongut Zürich nahe der Grenze Alemanniens, beschäftigt mit Angelegenheiten seines Königreiches Burgund. Da trafen ihn unangenehme Nachrichten aus dem Osten von einem Aufstand ungarischer Adeliger gegen ihren deutschfreundlichen König, von verschärften Spannungen an der polnischen Grenze jenseits der mittleren Elbe. Diese letzteren erforderten des Kaisers persönliche Anwesenheit; Merseburg und die östlich davon gelegenen Krongüter wurden Ziel eines eiligen Rittes. Das Eingreifen in Ungarn konnte Heinrich IIL fürs erste den Großen des Herzogtums Baiern überlassen. Zwecks Besprechung und Beratung über die Führung dieses Grenzkrieges entbot sie der Kaiser zum Hoftag, doch nicht wie üblich nach Regensburg, Baierns Hauptstadt, die viel zu weit ab von der Linie Zürich-Merseburg lag, sondern nach dem

Krongut Nürnberg,

„in fundo suo Nuorenberc“, im äußersten Nordwesten des baierischen Stammesgebietes. Mitten in diese politischen Vorgänge hinein, die uns der Mönch des baierischen Klosters Nieder-Altaich in seinen Annalen erzählt, läßt eine Urkunde der kaiserlichen Kanzlei vom 16. Juli 1050 menschlich-persönliches Schicksal mehr ahnen als erkennen. Unter diesem Datum gab der Kaiser zu Nuorenberc einer Hörigen namens Sigena in der Rechtsform des Schatzwurfes die persönliche Freiheit. Es geschah dies auf den Wunsch ihres Herren Riccolf, eines Adeligen aus dem Umland von Bamberg, vielleicht angehörig jener Sippe, die Eggolsheim, Eggolfsfeld und Egloffstein gegründet hatte und dort begütert war. War es ein ewig menschlicher Roman, der hier zu Nürnberg eine rechtliche Lösung fand? Dann verstummen Urkunden und Chroniken auf mehr denn ein Jahrzehnt.

Wir aber richten unsere Blicke rückwärts, fragen nach der Entstehung des Krongutes Nürnberg. Sie liegt – durch die Forschungen H. H. Hofmanns – heute einigermaßen klar vor unseren Augen, wenn auch nicht mit allen Einzelheiten. Erfolglose Feldzüge gegen den Böhmenherzog Bretislaw in den Jahren 1039 und 1040 veranlaßten Kaiser Heinrich III., sich im Raum der heutigen Oberpfalz zwei Aufmarschgebiete und Nachschubzentren zu schaffen: die Mark Cham an der Further Senke und die Mark Nabburg am Ansatz der Pfreimd-Linie, beide gegen den Raum von Pilsen gerichtet. Beide Gebilde mußten nach rückwärts mit Franken verbunden werden; damit erhielt die Pegnitzlinie erhöhte Bedeutung für den Kaiser. Doch den ausgedehnten Reichsbesitz an für Rednitz und Pegnitz hatte Heinrich II. 1007 und 1021 an seine Bistumsgründung Bamberg weggeschenkt. Dieses Reichsgut zurückzugewinnen (zu revindizieren) und sich dadurch wieder in Rednitzfranken eine Machtstellung zu schaffen, erwies sich so aus innen- wie außenpolitischen Gründen als zweckmäßig, ja notwendig. Dabei war das Gebiet an der unteren Pegnitz von besonderem Wert, da hier der große süddeutsche Fernweg vom Rhein zur Donau, von Mainz nach Regensburg durchzog.

Den kaiserlichen Plänen kam der Tod zu Hilfe. Im Sommer 1040 starb der erste Bamberger Bischof Eberhard. Noch auf dem Rückmarsch vom Böhmenfeldzug ernannte der Kaiser am 8. September seinen getreuen Kaplan Suitgar zum Bischof. Doch erst am 28. Dezember wurde er in sein Bistum eingewiesen. Dazwischen spielten die Verhandlungen um den Preis, den Suitgar für seine Erhebung zahlen mußte: die Rückgabe der ehemaligen Königsgüter Forchheim und Langenzenn, · des einstigen Krongutes Fürth ostwärts der Rednitz. So entstand mit der Jahreswende 1040/41 ein neues Krongut, „fundus“, an der unteren ·Pegnitz um den ,,Felsenbergherum; das will ja der Name „Nuorenberc“ besagen.

Im Jahre 1041 glückte endlich dem Kaiser die völlige und dauernde Unterwerfung des Böhmenherzogs. Doch das bedeutete keine Entwertung des neuen Krongutes, nur eine Achsenverschiebung aus der West-Ost-Richtung in die Richtung Südost-Nord. Die Domäne Nuorenberc wurde Station zwischen Regensburg, der Hauptstadt Baierns, wo der Kaiser im Zusammenhang mit seiner Ungarnpolitik noch öfters weilen sollte, und 1dem Harz, der durch seinen Silberbergbau ein wirtschaftliches und durch den häufigen Aufenthalt des jagdfreudigen Kaisers ein hochpolitisches. Reichszentrum darstellte.

Damit wurde in dem Krongut Nürnberg die Furt durch die Pegnitz im Zug der heutigen Fleischbrücke der wichtigste Punkt. Beiderseits der Furt fand Heinrich III. schon Kleinsiedlungen, Höfe vor, und zwar bei den späteren Kirchen von St. Lorenz und· von St. Sebald. Dafür sprechen nämlich die rechtlichen Verhältnisse beider Kirchen, die, ursprünglich von den Pfarrkirchen zu Fürth und Poppenreuth abhängig, bis zur Reformation von Bamberg aus besetzt wurden. Wären diese Höfe‘ erst nach 1040 angelegt worden, so wäre eine königliche Eigenpfarrei entstanden. Um St. Lorenz herum bot ein kleiner Flecken von Burgsandstein inmitten des diluvialen Sandes besseren Ackerboden. Den Hof um St. Sebald verweisen Scherbenfunde vom Fünferplatz in ·die Zeit um die Jahrhundertwende. Daneben breitete sich wohl ein dritter Hof bei der späteren St. Jakobskirche aus, aus dem der staufische Königshof des 12. Jahrhunderts erwachsen sollte: Diese drei Höfe im Umkreis der Pegnitzfurt verteilen sich auf die großen Fernwege: der Lorenzer Hof leitet die Straßen von Baiern an die Furt heran, am Jakobs-Hof zieht die Straße von Schwaben vorbei zur Furt; Jenseits der Furt, und des anschließenden ·Knüppeldamms durch den versumpften Grund des späteren Marktplatzes gabelt sich beim Sebalder Hof die Straße wieder nordwärts nach Thüringen-Sachsen; nordostwärts in Richtung auf Böhmen.

Wir haben also in dem königlichen fundus Nuorenberc eine Drei-Höfe-Anlage vor uns, die vielleicht schon der Bamberger Zeit (1007-1040) entstammt, vielleicht erst auch unter Kaiser Heinrich III. dazu, ausgebaut wurde. Eine solche Drei-Höfe-Anlage wird gelegentlich in der örtlichen Überlieferung über die Entstehung einer Stadt erkennbar, z. B. bei Ansbach, Schwabach. Sie muß als Verkehrslage auf landwirtschaftlicher Grundlage, in fränkischer Zeit üblich gewesen sein; denn aus dieser Zeit stammt der Fachausdruck „Tribur“ = Drei Häuser, weithin bekannt als Name einer karolingischen und hochmittelalterlichen Königspfalz in Rheinhessen, unbeachtet als Weiler bei Feuchtwangen (Mittelfranken,) an der mittelalterlichen Fernstraße Würzburg-Augsburg. Aber der Stammbaum der, Dreihöfe-Anlage geht noch weiter zurück bis auf die römische Poststation Tres tabernae, heute Zabern im Elsaß. Und daß sie. noch unter Heinrich III. lebendig war, beweist die aus drei Höfen bestehende kaiserliche Jagdpfalz Hasselfelde im Harz zwischen Nordhausen und Halberstadt bzw. Braunschweig. So dürfen wir nach dem Itinerar, den Reisewegen der deutschen Kaiser, auch Nürnberg als königliche Reisepfalz einreihen, die Heinrich III. und Heinrich IV. (als‘ Nachtquartier und zu kurzfristigem Aufenthalt gedient hat. Den steinernen Wohnturm des Herrschers wird man entsprechend der ‚überragenden Bedeutung, die der Linie. Regensburg-Harz unter Heinrich III. zukam, entweder in dem Lorenzer-Hof oder in dem Sebalder-Hof suchen; man könnte. an das Nassauer Haus wie an den zu Ende des 19. Jahrhunderts abgerissenen Turm in der Tetzelgasse oder Vorgänger von ihnen denken. Jedenfalls war von beiden Höfen der bei St. Sebald der wichtigere. Denn hier befand sich der salierzeitliche

Markt.

Als Heinrich III. sich von dem Bamberger Bischof das Land an der Pegnitz abtreten ließ, verlegte er kraft königlicher Macht den Markt, der bisher in ‚Fürth abgehalten worden war, mitsamt den zugehörigen Rechten, der Erhebung eines Marktzolles und der Ausprägung einer den Marktverkehr erleichternden Münze, nach Nürnberg, d. h.. an die Pegnitzfurt unterhalb des Nuorenbergs. Die Lorenzerseite scheidet für diesen ältesten Markt aus; die Altstadt von St. Lorenz ist eine planmäßige Stadtanlage des 12. Jahrhunderts. Auf der Sebalderseite suchen wir den Markt des 11. Jahrhunderts nächst der Straßengabelung, also um St. Sebald. Und hier treten uns die ältesten Gassen-Namen entgegen: die untere und obere Krämersgasse, die untere und obere Schmiedgasse. Hier lagen die Wohnungen, zugleich Werk- und Verkaufsstätten der Kleinkaufleute und der Handwerker (denn das bedeutete einst das Wort smid), Grundstücke von etwa gleicher Größe, 6 m Breite an der Straße, 12 m Tiefe. Wir müssen uns nach dem, was uns Grundrisse ältester Märkte in Niedersachsen aus dem 10.und 11. Jahrhundert gelehrt haben, nur eine bescheidene Siedlungsanlage vorstellen, die ursprünglich nur eine Gasse, die untere Krämersgasse, umfaßte. Erst im Laufe der nächsten 50 Jahre bis etwa 1100 wurden die weiteren Gassen den Burgberg hinauf planmäßig auf Anordnung des für den Markt eingesetzten königlichen Beamten hinzugefügt.

Die untere Krämersgasse öffnete sich auf den Platz vor dem königlichen Hof. Auf diesem Platz unmittelbar nördlich der späteren St. Sebaldus-Kirche wurde der Wochenmarkt abgehalten, der die Bedürfnisse der umliegenden schon vorhandenen oder neu angelegten Bauernsiedlungen und Ministerialenhöfe – Thon, Buch, Kraftshof, Groß- und Kleinreuth, Schnepfenreuth, Wörth, Gründlach und Tennenlohe – befriedigen sollte. Der Zoll, eine Abgabe von jedem Verkauf, wurde von dem königlichen Marktbeamten und dessen Dienern eingehoben. Das dazu benötigte Münzgeld, die Pfennige, wurden in einem besonderen Gebäude unter der Leitung eines Münzmeisters von „Facharbeitern ausgeprägt.

Zu der Marktsiedlung gehörte dann noch“ eine aus der Bamberger Zeit vor 1040 herrührende, dem Apostelfürsten St. Petrus geweihte Kapelle. Sie ging auf die Stiftung eines Bamberger Domherren, der zugleich Pfarrer von Poppenreuth war, namens Sigiwald zurück. Nach deutschen Sprachgesetzen hat sich dieser Name dann zu Seiwald Sebald weiter umgebildet. · .

Drei Höfe und ein Markt, in dieser Form ist Nürnberg als eine königliche Domäne, gestaltet aus inneren und äußeren Bedürfnissen des Reiches, durch Kaiser Heinrich III. im Jahre 1040 ins Leben gerufen worden; 1050 tritt sie in das Licht der Geschichte.

Allzufrüh starb 1056 der Kaiser, Krone und Reich einem Knaben hinterlassend. Die Regentschaft über das Königskind, gefährlich für die deutsche Königsmacht, bedrohte lebensgefährlich auch‘ den jungen Markt Nürnberg. Der zwölfjährige Heinrich IV. mußte, von den Großen des Reiches egoistisch mißleitet, 1062 Markt, Zoll und Münze wieder an den Bischof von Bamberg zurückgeben; die wirtschaftliche Entwicklung Nürnbergs, kaum begonnen, drohte zugunsten Fürths abzubrechen. Doch drei Jahre später wurde der König volljährig; neu erblühte die Hoffnung für die königliche Marktsiedlung Nürnberg. Und wenig später, um 1070, führten Wunderheilungen am Grab des Kirchenstifters Sebald Scharen von Fremden an den Pegnitzmarkt; die religiöse Erregung jener Zeit leitete Nürnberg neue wirtschaftliche Lebenskräfte zu.

Freilich, eine neue Gefahr zog herauf, der Kampf zwischen dem deutschen König einerseits, dem römischen Papst und den deutschen Fürsten andrerseits um die Macht im Reich. Schon 1074 waren zu Nürnberg Verhandlungen zwischen Heinrich IV. und päpstlichen Legaten gepflogen worden. Diese wollten nicht an den Hof des gebannten Bischofs von Bamberg, wo der König eben Ostern gefeiert hatte, kommen. So traf man sich zu Nürnberg. Wie 1050 für Regensburg, so diente es 1074 für Bamberg als Ersatz. Noch war Nürnberg ein Platz dritten Ranges, noch hatte es kein politisches Eigengewicht.

Zwei Jahre später war der Kampf in vollster Schärfe entbrannt. Heinrich IV., zu Canossa durch den Papst widerstrebend vom Kirchenbann gelöst, hatte im Frühjahr 1077 seine Gegner in Schwaben niedergeworfen und beriet nun mit seinen Anhängern aus Franken und Baiern über die Fortführung des Krieges gegen die stärkste Machtstellung des Gegenkönigs in Thüringen und Sachsen. Das war Mitte Juni 1077 in Nürnberg. Es war nicht mehr Ersatz für eine der alten Pfalzen in Bischofsstädten, es war nun ein königlicher Platz mit eigener Aufgabe, Klammer zwischen Franken und Baiern, Versammlungsplatz für das östliche Süddeutschland. Der erste Schritt zur Reichsstadt war getan mitten in schwerster Zeit.

Notzeiten entbinden neue Kräfte; Krisen schaffen neue Gebilde. Das Königsland an der Pegnitz bedurfte in dem inneren Kriege des Waffenschutzes; das Königtum, bisher als Macht unangegriffen mußte sich nunmehr auch militärisch verteidigen; die kriegerischen Operationen gegen Thüringen verlangten einen Rückhalt, einen geschützten Etappenplatz in Franken. Jetzt erst wurde, so nehme ich an, der Plan gefaßt und durchgeführt, auf dem Felsenberg eine

Burg

zu bauen. Eine Sperranlage sollte an der engsten Stelle die breitere westliche Hochfläche, geeignet. als Zuflucht für die Königshofleute, für die Bewohner der Marktsiedlung, für die Bauern der Umgebung, schützend abriegeln gegen die flachere Absenkung nach Osten. Dort steht heute noch der fünfeckige Turm, erbaut aus den Steinen der Brüche von Roßtal, der letzte Rest der „Burggrafenburg“, der salischen Reichsburg. Bau und Dasein der Burg aber machten einen neuen geräumigeren Wirtschaftshof nötig, der rund sieben Jahrzehnte‘ später in ein Benediktinerkloster zu Ehren des hl. Ägidius umgewandelt werden sollte. Die Verteidigung der Burg lag den wehrhaften Bewohnern der Siedlungen rings umher ob; den militärischen Kern für sie gab eine kleine Schar · Berufssoldaten ab, die östlich vor der Burg im Bereich der unteren und oberen Söldnersgasse ihre bescheidenen Behausungen gehabt haben werden. Befehlshaber aber war ein Burggraf, der in der Kemenate der Burg wohnte, entnommen dem niederösterreichischen‘ Geschlecht der Grafen von Raabs. Die kriegerischen Zeiten machten ihn zur wichtigsten Persönlichkeit in Nürnberg, die mit dem militärischen Kommando auch zivile Rechte über die Siedlung am Fuß des Berges in einer Hand vereinigte.

Sinwellturm Burg Nürnberg

So wurde Nürnberg in der Krisis des deutschen Königtums zu einem militärischen Punkt, zu einer Festung, Rückhalt des Königs zwischen Main und Donau, Ausgangspunkt für seine Vorstöße nach Thüringen und Sachsen.

Kurz nach der Jahrhundertwende, im Jahre 1105, im letzten Waffengang des leidgeprüften, doch nie gebrochenen Kaisers gegen seinen Sohn Heinrich erlebte die Burg ihre erste Belastungsprobe; sie hielt aus, bis der Hunger die kaisertreuen Verteidiger zur Übergabe unter günstigen Bedingungen zwang. Zwar die noch nicht ummauerte Marktsiedlung war in Flammen aufgegangen. Doch rasch muß sie die Kriegsschäden überwunden haben; denn 1108 urkundete Kaiser Heinrich V. wieder in Nürnberg und 1112 erscheint es neben Goslar,  Dortmund und Frankfurt als ein von Wormser Kaufleuten ·besuchter kaiserlicher Markt. ·

Wir brechen ab. Die salische Zeit geht zu Ende. Die Hohenstaufen bedeuten den Anfang einer neuen Periode für das Reich und für Nürnberg. Was auch Nürnberg in neun langen Jahrhunderten erleben sollte, es blieb die Stadt der deutschen Könige des Reiches, aufwärts und abwärts mit dessen Schicksalen unlöslich verbunden bis in die lebensbedrohendsten Katastrophen.


Die hier vorgelegte Auffassung von der Entstehung und frühesten Entwicklung Nürnbergs, niedergeschrieben im Jubiläumsjahr 1950, verdankt vielfache Anregung und nicht wenige wichtige Einzelergebnisse den Darstellungen und Untersuchungen, die Dr. H. H. Hofmann damals veröffentlicht hat („Gründung und Frühgeschichte der Stadt Nürnberg“. Fränkische Blätter für Geschichtsforschung und Heimatpflege. Beilage zum „Fränkischen Tag“ Bamberg 2, 1950, 9-12. – . „Nürnberg, Gründung und Frühgeschichte“. Jahrbuch f. fränkische Landesforschung 10, 1950, 1-36), weicht allerdings von diesen auch in vielen Einzelpunkten ab.

 

 

St. Wolfgang bei Velburg

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Ein heute unbekannter Wallfahrtsort
Von H. Jungwirth

Weitab vom Verkehr, zwischen grünen Saatfeldern und schattigen Wäldern liegt am Fuß des mächtigen Hohllochberges, dessen Höhleneingang wie ein riesiges Tor schon von weitem grüßt, die Wallfahrtskirche St. Wolfgang. Die Distriktstraße Velburg — Hohenburg führt in etwa 20 Minuten dorthin zum gleichnamigen Dörflein, ehemals Hollnstein genannt. Der Name rührt von den Höhlen dort her, in denen vorgeschichtliche Funde gemacht wurden, die bezeugen, daß schon zur Bronzezeit die Höhle besiedelt war.

Einst war die Kirche St. Wolfgang weit über die Grenzen der engeren Heimat hinaus bekannt, heute wird sie fast nur mehr von Kunstfreunden besucht, der Strom der Wallfahrer und Wanderer zieht andere Bahnen. Tiefes Dunkel liegt über der Geschichte des Ortes und der Kirche, in die nur spärlich Licht fällt. Die Stürme der Zeit haben auch hier gründliche Arbeit geleistet und so ist die einst berühmte Wallfahrt vergessen und weiten Kreisen unbekannt.

Der Chronist J. Brunner, berichtet in seiner Chronik von Velburg 1818 das Vorhandensein eines Steines mit der Inschrift: „D. M. PEMTENA DALMATA VIX: AN: XXV.“ Daran knüpft er die zweifelhafte Vermutung, daß der Ort schon zur Römerzeit bekannt war und erst nachträglich St. Wolfgang geweiht wurde. Bis heute konnte der Stein nicht mehr aufgefunden werden. Auch Brunner fand ihn nicht mehr vor, er stützte sich bloß auf ältere Urkunde. (v. Windisch, Grundbuch). Ein zweiter Stein von dem er ebenfalls berichtet, steckte unter dem Verputz und wurde gelegentlich der Renovierung wieder aufgefunden. Er gibt uns folgenden Aufschluß: „als peter mavrer vo der beiden (Weiden) den pau gemacht hat mccc LxvII (1467)“. Damit ist nachgewiesen, daß die Kirche 1467 wohl vollendet wurde, sicher aber schon früher ein Teil derselben (Sakristei) bestanden hat. In diesem Raum hängen heute noch vier eiserne Ringe von der Decke, deren Bedeutung noch nicht restlos geklärt ist.

Sankt Wolfgang #1

Alljährlich am Ostermontag strömen die Leute der Umgebung herbei zum Festgottesdienst. Nachdem aber Ostern und St. Wolfgang in keiner engeren Bedeutung stehen liegt die Vermutung nahe, daß hier eine vorchristliche Kultstätte war, zu der an Ostern, also zum Frühlingsfest, gepilgert wurde. Bestärkt wird diese Vermutung durch den alten Brauch des „Pickens“, das nur an diesem Tag und zwar hauptsächlich vor der Kirche betätigt wird. Bunt gefärbte Eier werden mit Spitze oder Kehrseite aneinander geklopft bis eines oder beide brechen worauf der glückliche Sieger das gebrochene Ei als Preis erhält. Hierin finden sich Anklänge an den Ostara-Kult, wenn auch dessen Vorhandensein nicht mehr nachgewiesen werden kann. Zu keiner Zeit und keinem anderen Platz in der Umgebung wird diese Sitte so geübt, als am Ostermontag in St. Wolfgang. Außerdem heißt eine Waldabteilung des Höllenbrands (Collomaner Höhe 632 m) Osterberg, was eine weitere Vermutung zuließe, da der gesamte Hohllochberg ein Ausläufer davon ist. Wenn auch über die Entstehung der Kirche genaue Aufschlüsse wohl nie gemacht werden können, so gibt doch eine alte Pergament-Urkunde davon Zeugnis, daß die Kirche älter ist, als die vorher erwähnte Bauinschrift besagt.

Am Freitag nach St. Andresentag 1460, also sieben Jahre vorher, spricht die Schrift bereits von einer „Kapella.“ Der einfache Bau hat wohl keine so lange Zeit in Anspruch genommen, so daß bereits an eine Vorhandene, wenn auch kleinere Kirche gedacht werden kann. In dieser Urkunde des Bischofs Wilhelm von Aistett (Eichstätt) verzichtet der damalige Pfarrer von Oberweiling, zu dessen Pfarrei Velburg und St. Wolfgang gehörte, auf das Drittel des Almosens so „zu derselben Kapella gefallen uns hierfür gefallen würde“. Es dürfte also damals bereits St. Wolfgang weit bekannt gewesen sein und sich zahlreichen Besuchs erfreut haben, sonst wäre wohl von keinem Almosen die Rede, das sicher weniger von den Bürgern Velburgs gespendet wurde, als vielmehr von Wallfahrern. Der genannte Pfarrer von Oberweiling Matthias Dellnizer oder Dellinger war nach den Urkunden von 1460 bis 1477 dort tätig.

Im Jahr 1473 wird die erste Kaplanei in St. Wolfgang bestätigt. 1480 sind zwei Kapläne tätig. 1. Otto Prentmaier, geweiht in Regensburg, Präsentationsrecht hatte Herzog Albrecht von Bayern. 2. Ulrich Püchler von Pfreimd, geweiht in Regensburg. Präsentationsrecht hatte der Bischof von Eichstätt. Einkommen 40 fl.

St Wolfgang war nicht bloß ein vielbesuchter Wallfahrtsort, sondern auch eine reiche Kirche. 22 Höfe waren zins– und zollpflichtig und zwar um das Jahr 1596:

Klapfenberg  4 Höfe;
Freudenricht 2 “
Pathal 1 Hof;
Waldhausen 3  Höfe;
Batzhausen 1 Hof;
Hackenhof 1 “
Seubersdorf 1 “
St. Wolfgang 2 “
Voglbrunn 1 “
Darshofen 1 “
Ronsolden 1 “
Mantlach 1 “
Eglwang 1 “
Hamberg 1 “
Reckenhofen 1 “

2.000 fl. waren 9 Jahre vorher aus dem Kirchenvermögen zur Tilgung städtischer Schulden verwendet worden — eine für die damalige Zeit beträchtliche Summe. Die Begnadigungsbriefe von 1524, 1542, 1544, 1587 sind leider nicht mehr vorhanden.

Über den zahlreichen Besuch sagt Windisch in seinem Grundbuch, daß eine alte Schrift (leider verlorengegangen) vermeldet, daß Neuburg und Weißenburg öfter „processionaliter“ nach St. Wolfgang wallfahrten, — auch große Märkte waren damit verbunden, und daß „zwey andächtige Bürgerstöchter von hier in zwey an dem hinteren Stadtthor gehabte Äcker zu einem Sammelplatz der Pilger verordnet und hergeschenkt, uti formalia sonant: Zum Sammelplatz der Pilger, so zum heiligen Herrn Sanct Wolfgang gehen.“

Heute heißt dieser Platz noch Pilgram (Pilgerraum). Auf dem Weg dorthin verzeichnete Brunner noch zwei Kapellen, 14 Nothelfer und St. Dreifaltigkeit. Beide Bilder waren zu Brunners Zeiten in St. Wolfgang, also die Kapellen damals schon verfallen, ihre Erbauer unbekannt. Der Ausläufer des Schloßbergs aber, auf dem diese Kapellen standen, heißt heute noch Kapellenberg. Über die Kunstschätze dieser Kirche, ist nicht nötig, da berufene Vertreter dazu gesprochen haben, St. Wolfgang ist ein Schmuckkästchen für jeden Kunstfreund.

Reformation und Säkularisation haben gründlichste Arbeit geleistet, das ehemals „oberpfälzische Altötting“ in Vergessenheit geraten zu lassen. Nur noch wenigen Wanderfreunden ist die einst blühende Wallfahrt bekannt.


 

 

 

Der Löwlerbund

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Zur Geschichte des Löwlerbundes

Von Willi Straßer

Nach der Hussitennot, die fast 25 Jahre lang Leid und Elend über unsere engere Heimat brachte, suchte man die Schuld im kläglichen Versagen des aufgebotenen Reichsheeres.

,,Die Landesverteidigung muß neu reformiert und gestaltet werden“, so hieß die Devise. Man warb deshalb verstärkt Söldner oder Landsknechte an, verzichtete auf die adeligen Ritter und die im Waffendienst ungeübten Bauern.

Dem schwerfälligen gepanzerten Ritter zeigten sich die zu Fuß kämpfenden Landsknechte mit ihren Spießen und Hellebarden weit überlegen. Die Zeit des Rittertums war damit abgelaufen, wovon die Ritter aber keineswegs überzeugt waren. Sie hielten sich weiter für unersetzlich.

In Schwaben hatten sich zur selben Zeit 22 Städte zu einem Bund zusammengeschlossen, zum Schwäbischen Städtebund, einer Vereinigung, die den Landfrieden gemeinschaftlich erhalten sollte. Ihr Heer bestand aus 12 000 Fußknechten und 1 200 Reitern. Sie gaben sich außerdem eine eigene Verfassung, ordneten richterliche Gewalt an und übten eine vollziehende Macht aus.

Damit war der Bayernherzog Albrecht IV. der Weise (1447-1508) durchaus nicht einverstanden. Er versuchte, gegen den Schwäbischen Bund ebenfalls ein stehendes Heer aufzustellen, verlangte aber von seinen adeligen Rittern und sonstigen Untertanen nicht mehr Waffenhilfe, sondern eine Wehr- und Kriegshilfesteuer‘ um ein Berufsheer zu schaffen. Zu diesem Zwecke erhöhte er auch die Maut auf der Donau und erhob neue Zölle auf der Naab.

Der niedrige Adel, der bisher das Heer stellte, sah sich dadurch ausgeschaltet, übergangen und in seiner Existenz bedroht. Die Ritter erhoben deshalb lautstark Protest gegen die neuen Steuern des Bayernherzogs. Dieser ließ aber unbekümmert durch die Landrichter die Steuer eintreiben und im Verweigerungsfall sogar pfänden.

So kam es, daß 24 aufgebrachte niederbayerische und oberpfälzische Ritter, unter Berufung auf die alten Freibriefe, sich weigerten, eine Kriegshilfesteuer zu zahlen. Sie pochten auf ihre alten Privilegien (beruhend auf der ,,Ottonischen Handveste“ von 1311). Herzog Albrecht IV. versuchte zunächst mit Güte und Überredungskunst die Ritter zu beruhigen. Aber vergebens. Er konnte sie für seine Pläne nicht gewinnen. Das war der Grund, daß sich am 13. Juli 1489 im Chamer Gasthof ,,Zum goldenen Kranich“, später ,,Goldene Krone“, einem im weiten Umkreis bekannten Haus, indem im Jahre 1344 Kaiser Ludwig der Bayer schon Quartier genommen hatte, sich 46 der vornehmsten Ritter aus Niederbayern und der Oberpfalz mit Gefolge einfanden. Bei der äußerst erregten Versammlung waren sich alle einig, dem Herzog diese ausgeschriebene Kriegshilfesteuer zu verweigern und ihm dagegen zu ,,trotzen“. Zum Bundeshauptmann der rebellischen Ritter wurde der Pfleger von Cham, Sebastian Pflug, Herr von Rabenstein, auf Schwarzenburg und Waldmünchen, gewählt.

Beigestellt wurden ihm die Ritter Heinrich Nothafft zu Wernberg, Hans von Parsberg und Jobst Zenger zum Schneeberg. Außerdem verfaßte man eine aus 22 verschiedenen Punkten bestehende Urkunde auf Pergament, den sogenannten Bundesbrief. Darin legten sie ihre Beschwerden dar, behängten ihn mit ihren Siegeln und schickten ihn dem Herzog. Über die gemachten Beschlüsse und Zusammenkünfte mußte strengstes Stillschweigen bewahrt werden.

Als Wahrzeichen ihres Bundes ließen die Ritter eine sechzehngliedrige silberne Halskette mit einem vergoldeten Löwen anfertigen – ähnlich dem Goldenen Vlies. Bei besonderen Anlässen mußten die Ritter die Kette umlegen, sonst trugen sie kleine vergoldete Löwen am Hut oder der Jacke.

Nebenbei: In Kolmberg, Gemeinde Waffenbrunn, fand man um die Mitte des 18. Jahrhunderts solch eine kostbare Kette. Ein Wiesel verwickelte sich nämlich mit der Pfote in ein Glied der Kette und zog sie so aus einer alten Mauer hervor. Die Kette bestand aus 30 ovalen Gliedern und glich jenen Ketten, welche die Löwlerritter trugen. Sie kam damals angeblich in das kurfürstliche Kunstkabinett nach München.

Die Stadt Cham wählte man deshalb zum Bundessitz, als einen sogenannten neutralen Tagungsort, weil die Grafschaft Cham zwar rechtlich zu Bayern gehörte, aber seit dem Vertrag von Pavia 1329 um 60 000 Gulden an die Pfalzgrafen am Rhein verpfändet war.

Cham blieb der Mittelpunkt der Löwler, die weiter hier ihre Versammlungen abhielten und sich alle Jahre zweimal trafen. Der Bund der Löwler gewann schnell an Macht und Stärke, und viele namhafte Adelige traten dem Bund bei.

Am 6. Oktober 1489 richtete Herzog Albrecht ein Schreiben an die fränkische Ritterschaft. Hierin versuchte er, mit seinen Augen gesehen, das geschehene Unrecht der ungehorsamen niederbayerischen und oberpfälzischen Ritter darzustellen.

Die fränkische Ritterschaft leitete aber dieses Schreiben mit einem ausführlichen Bericht, in dem die Behauptungen des Herzogs widerlegt wurden, dem Löwlerbund zu.

Mittlerweile fand der beschwerdeführende Adel Unterstützung bei Kaiser Friedrich III.:

Herzog Albrecht besetzte nämlich 1486 unerwartet die Freie Reichsstadt Regensburg, die er zur Hauptstadt machen wollte, und löste Stadtamhof aus, das an Regensburg verpfändet war. Damit zog sich der Herzog den Haß Friedrichs III. zu. Das war auch der Grund, warum Friedrich III. den Löwlerbund als begünstigten Ritterverein bestätigte.

Der Löwlerbund vergrößerte und festigte sich weiter, vor allem, als die Brüder des Herzogs, Christoph und Wolfgang, diesem Bund beitraten. Auch versuchte man den Pfalzgrafen Otto von Neumarkt für den Bund zu gewinnen.

Am 15. September 1490 vereinigten sich die Löwler förmlich mit dem Schwäbischen Bund, und am 2. Oktober desselben Jahres schlossen sie mit dem Böhmenkönig Ladislaw ein Schutzbündnis ab.

Es setzten nun verschiedene Vermittlungsversuche angesehener Personen ein, sei es König Maximilian, der Sohn Friedrich III., oder Herzog Georg von Landshut.

So vergingen zwei Jahre ohne wesentliche Vorkommnisse, die Herzog Albrecht aber eifrig nützte, um ein neues, modernes Heer, vor allem mit einer schlagkräftigen Artillerie, aufzustellen. Dazu bediente er sich des berühmten Büchsenmeisters Martin Merz, der 1501 in Amberg starb und in der St.-Martins-Kirche dort begraben liegt. Bereits 1467 holte er ihn nach München und beauftragte Merz mit der hohen Schießkunst. Dieser verbesserte die Zielsicherheit der Kanonen und verstand es vor allem, schwere Geschütze selbst zu gießen, dazu neuartige Metallkugeln.

Inzwischen wurden weitere Vorschläge zur Beilegung der Fehden und Zwistigkeiten eingereicht. So versammelten sich die Löwler erneut im Februar 1491 in Cham. Es gelang aber nicht, den Streit auch nur annähernd zu schlichten. Auch die Unterhandlungen, die König Maximilian und Herzog Georg von Landshut mit den Löwlern in Waldmünchen führten, blieben ohne Erfolg.

Gleich darauf kam es überraschend zum Ausbruch der ersten Feindseligkeiten und Gewalttaten. Hyronimus von Stauf, ein Löwler und naher Verwandter des Herzogs Albrecht, plünderte das Dorf Pfatter, nahm die Beute mit und machte 20 Gefangene. Sein Bruder Bernhardin von Stauf plünderte fünf Dörfer in der Gegend um Hemau. Weitere Überfälle der Löwler auf Ländereien des Herzogs folgten. Auch in der Stadt Cham sammelte sich am 26. Mai 1491 eine Truppe unter der Führung von Heinrich Nothafft von Wernberg, die Miltach angriff und die dortige Wehrkirche und das Schloß im Sturm eroberte. Die Gefangenen, unschuldige Bauern, warfen die Soldaten brutal aus dem Schalloch der Kirche auf die darunter stehenden Landsknechte mit ihren Spießen. Hierauf zogen sie beutesuchend weiter nach Voggenzell, plünderten Moosbach und Prackenbach, überfielen Kaufleute, machten die Straßen unsicher und versuchten auch Viechtach und Kötzting einzunehmen.

Herzog Albrecht sah diesem und anderem Treiben nicht lange zu. In schnellstmöglicher Zeit ließ er ein Landesaufgebot bekanntgeben und Städte, Märkte und Landgerichte, vor allem in Oberbayern, mußten jeweils eine bestimmte Anzahl von Fußgängern und Reitern stellen.

Mit diesem Heer zog er am 21. Dezember 1491 von München nach Regensburg. Unvermutet belagerte er die trotzige Burg des Hyronimus von Stauf in Köfering, schoß sie mit seinen Geschützen, durch konzentriertes Schießen auf eine Stelle, sturmreif und nahm sie ein. Hyronimus von Stauf ging dabei mit 80 Landsknechten in die Gefangenschaft.

Einige Tage später eroberte Herzog Albrecht die Burg Trifteling, hierauf Flügelsberg, eine Felsenfestung der Parsberger im Altmühltal, wobei die Brüder Hans und Georg Parsberger in Gefangenschaft gerieten. Dann besetzte er Beratzhausen, einen Markt der Staufer an der Laaber.

Auch die schwer einnehmbare Burg des Bruders von Hyronimus von Stauf, die des Vizedoms Bernhard von Stauf-Ehrenfels, unweit von Beratzhausen, fiel nach achttägiger hartnäckiger Verteidigung. Nur der Ehefrau mit ihren Kindern gewährte der Herzog freien Abzug. Bernhard von Stauf, einer der bedeutendsten Mitglieder des Löwlerbundes, hatte das Glück, um diese Zeit beim Schwäbischen Bund zu weilen. So fiel eine Burg der Löwler nach der anderen mit ihren Dörfern dem Herzog Albrecht zum Opfer, und viele Ritter gerieten dabei in Gefangenschaft.

Obwohl der Angriff Herzog Albrechts den Burganlagen galt, wurden auch von ihm die Dörfer geplündert und die Bevölkerung unmenschlich mißhandelt. Ein Rauben, Brennen und Morden auf beiden Seiten, gemäß damaligem Kriegsbrauch.

Die Löwler wollten zunächst den Widerstand nicht aufgeben, waren immer noch der Hoffnung, der Schwäbische Bund oder der Böhmenkönig schickten ihnen Hilfstruppen. Allein, es blieb lediglich bei Versprechungen; es geschah nichts. Voll Enttäuschung kapitulierten bald die letzten Löwler, liefen einzeln zum Herzog über und baten demütig um Gnade. Mitte Januar 1492 war der Feldzug nach 30 Tagen von Herzog Albrecht siegreich beendet.

Im Verlauf eines Monates hatte er den Hauptgegner, die rebellischen Ritter, vor allem aus Niederbayern und der Oberpfalz, zu Boden geworfen und die Macht des Bundes gebrochen. Da griff Kaiser Friedrich III. ein, in dem er am 23. Januar 1492 Herzog Albrecht als Landesfriedensbrecher in Acht und Bann setzte und ein starkes Reichsheer gegen ihn aufbot.

Herzog Albrecht brachte seine Bauern in Burgen und Städte in Sicherheit und rückte mit seinem Heer von 17 000 Mann nach Landsberg vor.

Die Reichsexekutionsarmee Friedrich III. bestand im Kern aus schwäbischen Bundestruppen unter dem Kommando von Markgraf Friedrich von Brandenburg-Ansbach. auch die Herzöge Wolfgang und Christoph, die Brüder Herzogs Albrechts, befanden sich dabei. Auf dem Lechfeld standen sich beide Heere am 14. Mai 1492 in Schlachtordnung gegenüber.

In letzter Sekunde erschien König Maximilian, ein Sohn Friedrichs III., der 1486 zum Römischen König gewählt wurde und die Regierungsgeschäfte führte, als Vermittler und mahnte eindringlich zum Frieden. Diesmal mit Erfolg. Herzog Albrecht söhnte sich mit Kaiser Friedrich aus. In München kam es nach längeren Verhandlungen – der Bundeshauptmann der Löwler, Sebastian Pflug, war inzwischen verstorben – am 2. Oktober 1493 zu einem Übereinkommen und zur Beilegung der Feindseligkeiten: Die Acht über Herzog Albrecht und die Stadt Regensburg wurde aufgehoben, Herzog Albrecht söhnte sieh mit seinen beiden Brüdern, Christoph und Wolfgang, aus und gelobte den unzufriedenen Rittern, ihre Freiheit zu bewahren. Die Ritter selbst unterwarfen sich dem Landesfürsten, und der Löwlerbund wurde formell aufgelöst.

Die Kriegsführung und Taktik des weisen Bayernherzogs mit seinem modernen Heer und der hervorragenden Artillerie siegten über die veraltete Waffentechnik und die Uneinigkeit unter den Rittern des Löwlerbundes. Der Hauptfehler der Löwler aber war: Sie glaubten, mit Verhandlungen nichts mehr zu erreichen, begannen mit den Feindseligkeiten und zersplitterten ihre Kraft in Einzelaktionen ohne geschlossene einheitliche Führung.

Die Stadt Cham selbst hatte darunter nicht zu leiden und blieb vollkommen unbeteiligt. Im Jahre 1907 brachte die Stadtverwaltung mit Unterstützung des Historischen Vereins eine Gedenktafel am ehemaligen Gasthof Krone (ehemals Modehaus Kusch) am Marktplatz in Cham an: „In diesem Hause tagten 1489 die Ritter des Löwlerbundes.“

Löwlerbund #2

Die Ordnung der Gesellschaft vom Löwen, ausgestellt in Cham am 14. Juli 1489. (Staatsarchiv Amberg, Fürstentum Obere Pfalz, Regierung Urkunden 549)

Raubmord anno 1519 in Amberg

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Ein dreifacher Raubmord anno 1519 in Amberg und seine Sühne

Von Hans Nikol

 

Vorwort

Im Staatsarchiv Amberg liegt ein gebundener Foliant (großformatiges Buch), der den Titel trägt „Sammlung der von gefangenen Straftätern in verschiedenen oberpfälzischen Ämtern abgelegten Urgichten und Bekenntnissen – 1519 bis 1522.“ (Staatsarchiv Amberg, Oberpfälzer Literalien, Band 2)

Hier sind also die „Urgichten“, das heißt die letzten Aussagen von zum Tode verurteilten Straftätern gesammelt worden. wie auch die Protokolle der Aussagen von „kleineren Fischen“.

Schlägt man diesen Band auf, so ist man sofort gefangen von der Spannung und der Tragik, die diesen Aussagen innewohnen. Oft sind es nur wenige Seiten – von Gerichtsschreibern während der Verhandlung oder gar der Folter mitgeschrieben. Andere Fälle füllen mehrere Seiten.

Alle diese Protokolle waren nach Amberg geschickt worden und dort ließ man sie zu einem Band heften. Wenn hier auch nicht sämtliche Kriminalfälle der Jahre 1519 bis 1522 zusammengefaßt sind, so ergibt sich doch ein Überblick über den „kriminellen Alltag“ dieser Zeit.

Mehr noch geben die Protokolle einen Einblick in die Gerichtspraxis dieser Zeit, die Arbeit der Landrichter und darüber hinaus in das Leben der Menschen im allgemeinen. In diesen „Urgichten“, wie die Aussagen genannt werden, kommen Menschen zu Wort, über deren Existenz sich sonst meist keine anderen Unterlagen erhalten haben. Menschen aus allen Bevölkerungsschichten, über deren Lebensumstände wir nur wenig informiert sind. Somit stellt dieser Band auch ein Stück Sozialgeschichte dar.


Dieser grausame Mord hat damals weit über Amberg hinaus Aufsehen und Abscheu erregt. Die Gerichtsverhandlung, das Geständnis (Urgicht) des Mörders und das Urteil sind in einem umfangreichen Schriftstück erhalten, auf das sich der hier folgende Bericht stützt.

In den Vormittagsstunden des 25. August 1519 verbreitete sich in den Straßen und Gassen der Stadt Amberg mit Windeseile die Kunde von einem schrecklichen Verbrechen. Anna Sauerzapf, die Witwe des ehemaligen Bürgermeisters Paul Sauerzapf, ihre gleichnamige 20jährige Tochter und ein junges Dienstmädchen waren in der vergangenen Nacht auf grausame Weise im Hofe ihres Hauses ermordet worden. Ohne Zweifel hatte es der Mörder auf Geld und Wertsachen abgesehen; denn das Haus war gründlich durchsucht worden. Geld und alles Wertvolle, wie silberne Becher und dergleichen, fehlten, nur eine massive Truhe hatte den Bemühungen des Täters, sie zu öffnen, widerstanden.

Es war ja allgemein bekannt, daß die Sauerzapf zu den reichsten und angesehensten Bürgern der Stadt gehörten, so daß der Täter reiche Beute vermuten konnte. Es scheint vielleicht angebracht, in diesem Zusammenhang einige Angaben über diese bedeutende Familie hier einzufügen: Der verstorbene Ehemann der Ermordeten war Eisengroßhändler gewesen und hatte dabei auch die Hammerwerke Theuern und Leidersdorf betrieben, nachdem er früher (ebenfalls als Großhändler) Bürger und Genannter des Großen Rats in Nürnberg gewesen war. Er stammte aus einem sehr reichen Haus, sein Vater Jakob Sauerzapf, Bürgermeister von Sulzbach, war einer der führenden Männer der damaligen oberpfälzischen Eisenindustrie, besaß eine Anzahl von Hammer- und Eisenbergwerken sowie reichen Haus- und Grundbesitz, er war auch Geldgeber an Fürsten und hohe Herren. Seine Mutter Helene war eine geborene Holzschuher aus dem bekannten Nürnberger Patriziergeschlecht.

Auch die Ermordete stammte aus Nürnberg, ihr Vater Sebald Hornung war ein reicher Handelsherr. Sie hatte vielen Kindern das Leben geschenkt, von denen allerdings vier bald nach der Geburt gestorben waren. Von den überlebenden heiratete die Tochter Veronica 1505 den Peter Portner († 1534) aus einem alten Regensburger Patriziergeschlecht, der später die Hammerwerke Theuern und Wolfsbach erwarb. Sie starb nach 1560. Ihre Schwester Ursula ehelichte 1507 den Wilhelm Kastner, Hammerwerksbesitzer zu Unterteunz († 1539), aus einem Amberger Patriziergeschlecht. (Sie starb 1560.) Die jüngste Tochter Anna fand zusammen mit ihrer Mutter den Tod durch Mörderhand.

Von den Söhnen waren Caspar († 1522) und Paulus († 1532) ledig geblieben, sie betätigten sich im Handel. Ihr Bruder Balthasar war Priester geworden, zuerst in Theuern, dann in Amberg.

Der Sohn Wolfgang, geb. 1489, heiratete 1511 die Tochter Beatrix des Amberger Bürgermeisters Heinrich von Baumgarten und betrieb in der Nachfolge seines Vaters einen ausgedehnten Eisengroßhandel. Infolge ungünstiger Absatzlage, mußte er schon bald als Hauptgläubiger die in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Hammerwerke Theuern und Lauf bei Rohrbach übernehmen. Er hatte einige schwierige Jahre zu überstehen, wurde aber später einer der erfolgreichsten Unternehmer seiner Zeit, erwarb noch weitere 4 Hammerwerke, dazu Güter und Grundbesitz, und kam zu großem Reichtum.

Mit dem Kauf des Landsassengutes Rohrbach wurde er vom Landesfürsten Ottheinrich von Neuburg als Edelmann in den erblichen Adelsstand aufgenommen. Seine 5 Söhne bildeten Zweiglinien, von denen die letzte erst 1861 mit Alexander Freiherr von Sauerzapf, Rittergutsbesitzer von Burggrub, erlosch. Wolfgang und seine um 2 Jahre ältere Gattin starben 1561 zu Rohrbach, wo noch in der dortigen Kirche ihr sehr gut erhaltenes Epitaph zu sehen ist.

Nach dieser kurzen Abschweifung zurück zu unserem Kriminalfall. Das Gericht hatte sich sogleich nach Bekanntwerden des Verbrechens an den Tatort begeben, um Spuren zu sichern und die Fahndung einzuleiten. Bereits am nächsten Tag wurde als tatverdächtig in Theuern ein gewisser Hanns Weber verhaftet und nach Amberg ins Gefängnis eingeliefert, schon am Tag darauf erfolgte die erste Vernehmung.

Anfang des Protokolls #4

Anfang des Protokolls

Es hatten sich dazu eingefunden: Berthold Mulbeck als Gerichtsverweser mit Schreiber und Gerichtsknechten, Erhard Plech, der Bürgermeister von Amberg, dazu Hanns Muntzer und Augustin Zech als Angehörige des Rats.

Der Angeklagte Hanns Weber wurde nun (nach leichter Folterung) darüber vernommen, was er über den Mord auszusagen habe und wo er sich am Mittwoch (S. Bartholomäustag 24. August) aufgehalten habe.

Weber bestritt die Tat, er habe damit nichts zu tun gehabt. Über sein Alibi machte er folgende Aussage: Er habe sich am Mittwoch dem Bartholomäustag vorgenommen, nach Zant zu gehen zum Besuch der Kirche zum heiligen Kreuz, sei aber dann nach Amberg gekommen und dabei auch vor das Haus der Frau Sauerzapf. Diese habe ihn auf der Straße gesehen, in ihr Haus gerufen und ihm dann eine Brotzeit, Bier, Brot und Käse vorgesetzt und ihm dabei auch ein Garn gezeigt. Da es aber bereits Nachmittag gewesen sei, habe er sich nicht länger als eine Viertelstunde dort im Hause aufgehalten und sei dann nach Hahnbach gegangen. Dort habe er die Kirche besucht, auf dem Rückweg sei er nirgends eingekehrt und habe mit niemand gesprochen. Es sei schon Nacht gewesen, als er bei der Neumühle ankam, dort habe er unter einem Stein geschlafen und sei dann am Donnerstag Vormittag nach Hause gekommen. Weiter wisse er nichts.

Wie aus dieser Aussage hervorgeht, hat ihn die Frau Sauerzapf gekannt, was vermuten läßt, daß er auf dem Hammer ihres Sohnes in Theuern beschäftigt gewesen und demnach mit den Verhältnissen der Familie bekannt war.

Das Gericht bezweifelte die Wahrheit der Aussage, und am Samstag nach S. Egidienstag (1. September) erfolgte eine zweite Vernehmung. Diesmal war der kurfürstliche Landrichter selbst anwesend, dazu wieder Hanns Muntzer, ferner Matheus Zäh als Mitglieder des Rats und von der Verwandtschaft Wolfgang Sauerzapf, der Sohn der Ermordeten und Hanns Craiss, ein Vetter.

Der Angeklagte, dem die Unwahrheit seiner ersten Vernehmung mit strengen Worten vorgehalten wurde, machte nun eine ganz andere Aussage. Diesmal schob er die ganze Schuld auf einen Unbekannten. Die Frau Sauerzapf habe, als er bei ihr war, viel von einem kleinen Männlein geredet, das durch seine Zauberkraft vergrabene Schätze finden könne. Sie habe noch am Abend durch ihr Dienstmädchen das Männlein holen lassen, das wieder versicherte, Schätze finden zu können.

Hier fragte der Landrichter den Weber, ob er den Namen des kleinen Männleins nicht habe nennen hören, etwa den Namen „Lachner“. Weber bejahte das und sagte, der wäre der Rechte gewesen.

Er und dieser Lachner seien dann in den Stall gegangen, wo angeblich die Schätze vergraben sein sollten. Dort hätten sie nun gemeinsam den Plan ausgeheckt, die drei Frauen im Haus zu ermorden und alles Geld und die Wertsachen zu rauben. Die Tat sei dann so ausgeführt worden, jedoch – wie er anfangs aussagte – von dem Lachner allein, der zuerst das Dienstmädchen erschlagen habe, dann ins Haus gegangen sei und die Frau und ihre Tochter in den Stall mit dem Vorgeben gelockt habe, die Sache mit dem Schatz stehe gut, dort habe er sie auch erschlagen. Er selbst habe dabei nur auf der Straße Wache gestanden, damit niemand dazu komme. Auf energische Vorhaltungen des Gerichts gab er dann allerdings zu, daß er selbst das Dienstmädchen ermordet habe und Lachner die beiden anderen Frauen. Nach der Tat hätten sie das Haus durchsucht, dabei habe ihm der Lachner ein Säcklein mit ungezähltem Geld und drei silberne Becher gegeben. Lange Zeit habe der Lachner in einer Kammer an einer Truhe gearbeitet, sie aber nicht öffnen können, dann habe er außer einer Summe Gelds auch silberne Becher und mehrere Schlüssel mitgenommen, worauf sie miteinander das Haus verlassen hätten. Unterwegs habe der Lachner ihm befohlen, falls er wegen der Sache ins Gefängnis kommen sollte, ja nichts zu bekennen, sich eher auf der Folter zerreißen lassen. Am Sonntag sollte er unters Tor kommen, da wolle er ihn anlernen, daß er nicht ins Gefängnis komme. Sie seien dann über die Krambrücke bis vor des Velhorns Haus gekommen, wo der Lachner weggegangen sei, er wisse nicht wohin. Er selbst habe in einem Winkel an der Stadtmauer den Morgen abgewartet und habe sich nach der Öffnung des Tores auf den Heimweg gemacht.

Nach dieser Aussage fragte ihn das Gericht, wie der Lachner ausgesehen habe und ob er ihn wiedererkenne, wenn er ihn sehe. Weber antwortete darauf, daß er den Lachner in der Nacht nicht genau gesehen habe, da er den Hut vor das Gesicht gezogen hatte, doch vermeine er, ihn wieder zu erkennen. Daraufhin wurde ihm nun der Lachner gegenübergestellt und Weber bestand darauf, daß es der sei, der die beiden Frauen umgebracht habe. Lachner aber stritt energisch ab, irgendwie an dem Mord beteiligt gewesen zu sein; er kenne den Weber überhaupt nicht und habe ihn nie gesehen. Zu Weber aber sagte er, er solle sich wohl bedenken und ihn nicht zu Unrecht beschuldigen und etwa einen Unschuldigen auf sein Gewissen und seine Seele nehmen. Weber wurde nun doch unsicher, doch dann bestand er weiter darauf, daß der Lachner sein Komplize gewesen sei.

Das Gericht, das Webers Unsicherheit wohl bemerkt hatte, zweifelte an seinen Aussagen, stellte ihm aber noch zwei andere Verdächtige vor, einen gewissen Cuntz Braunheck (einen Seiler) und einen gewissen Schaller (einen Wagner); doch Weber erklärte sie für schuldlos an dem Mord, worauf sie wieder entlassen wurden.

Beim Gericht hatte sich nun die Überzeugung gefestigt – wahrscheinlich hatte man bei einer Haussuchung beim Mord geraubte Sachen gefunden –, daß Weber ganz allein der Mörder der drei Frauen gewesen sei und bei der nächsten Vernehmung wurde ihm nun die schärfste Tortur angedroht, falls er nicht endlich die volle und reine Wahrheit gestehe.

Nun sah dieser keinen Ausweg mehr und gestand, die drei Frauen ganz allein ermordet zu haben. Den Hergang der Tat schilderte er folgendermaßen: Er sei zuerst mit dem Dienstmädchen allein in den Stall gegangen, wo er angeblich einen Schatz finden wollte, habe einige Steine mit einer Hacke aus der Mauer gebrochen und als das Mädchen sich bückte, um die Steine aufzuheben und fortzuschaffen, habe er sie mit der Hacke erschlagen. Bald darauf sei die Frau Sauerzapf in den Stall gekommen und habe gefragt, wo sie so lange blieben, da habe er auch diese erschlagen. Sie habe jedoch noch um Hilfe schreien können, worauf ihre Tochter in den Hof kam, um nachzusehen, warum ihre Mutter schreie. Als sie sah, was geschehen war, wollte sie fortlaufen, aber er holte sie beim Brunnen ein und brachte auch sie ums Leben. Darauf habe er der Frau Sauerzapf den umhängenden Geldbeutel abgeschnitten, habe das Haus durchsucht und alle Wertsachen, Geld, silberne Becher u. a. mitgenommen, sei nach Hause gegangen und habe dort im Stall und auf dem Dachboden unter Stroh das meiste versteckt. Von seiner Tat und auch von den vergrabenen Sachen habe seine Frau nichts gewußt, sie sei in der Sache vollkommen schuldlos.

Nun wurde er noch gefragt, warum er denn den Lachner so hartnäckig belastet und der Mittäterschaft bezichtigt habe. Dazu meinte er, er habe gedacht, „es wäre so spöttlich nit zu zweien zu sterben als allein“. Doch bestätigte er nochmals, daß der Lachner an dem dreifachen Verbrechen vollkommen unschuldig sei.

Am Montag nach Nativitatis Mariae 1519 (= Mariägeburt, 8. September) erging das Urteil. Es soll hier nach dem Protokoll zitiert werden:

Urtheyll.

Auf Clag, Antwort und alles gerichtlich Fürbringen, auch nottürftig wahrhafftig Erfahrung und Erfindung der mörderischen offenbaren getaten die Hanns Weber von Tewern (=Theuern), so gegenwärtig vor diesem Gericht steht, vermessenlich und aus eigner mutwilligen Bewegnuss, laut seiner Urgicht begangen, hat dits löblich Gericht zu Recht erkannt, daß derselbe Weber mit solchen erbärmlichen Übeltaten, sein Leben verwarcht und aus bewegenden sondern Ursachen, anderst denn ein gewöhnlich Mörder vom Leben zum Todt gericht werden soll.

 Und nemlich er soll vor dieser Gerichtsschrann an den Rücken gelegt und in die Behausung darinn er die Mord getan hat, geschlaypfft und daselbst auf einem Wagen in die Höhe gesetzt und ihme vor der Behausung die Glieder aus seinen Henden, mit denen er die Mord getan hat, mit glühenden Zangen zerbrochen werden, darnach soll man ihme zu dreimalen um den Marktplatz führen und etlichmal mit glühenden Zangen in seinen Leib greiffen, dann soll er von dem Wagen auf eine erhebte Pun (Bühne) auch am offenen Platz gefürt. ihme darnach seine Glieder mit dem Rad abgestossen und nach dem allen mit einem Pfal gespießt und mit dem Spieß zu gewönlicher der Mördergerichtsstatt geschleifft, daselbst offentlich auf das Rad gelegt und also vom Leben zum Tod gericht werden, damit land und leuth, weyb und waisen vor Ime unbeschedigt bleiben und versichert sein.

 Montag, nach Nativitat. Mariae 1519.

 Drei Tage darnach wurde dieses Urteil vollstreckt. Eine ungeheuere Menschenmenge hatte sich eingefunden, um sich dieses schreckliche Schauspiel anzusehen. Vom Tage des Mordes bis zur Hinrichtung des Täters sind kaum 3 Wochen verflossen. Hier folgte also der bösen Tat die Strafe auf dem Fuße nach. Es gab damals für Malefizverbrechen keine Berufungsmöglichkeiten.

Zum Seelenheil der Ermordeten stiftete die Familie Sauerzapf ein entsprechendes Kapital zur Kirche St. Martin in Amberg mit der Bestimmung, daß von den Zinsen jedes Jahr eine Seelenmesse gehalten werden solle. Wie aus den Rechnungen im Pfarrarchiv St. Martin in Amberg hervorgeht, wurde der Jahrtag für Frau Anna Sauerzapf immer am Samstag nach Assumptionis Mariae (Himmelfahrt Mariä 15. August) gehalten.

Quellenangabe: Germ. National-Museum, Nürnberg. Archiv / Herzogtum Bayern Nr. 15.


Aus: „Die Oberpfalz“, 1974 S. 266 ff

Klosterdorf und Hammerstatt Leidersdorf

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Die wechselnden Schicksale eines oberpfälzischen Eisenhammers

Von Rudolf Gerstenhöfer

Zu den ehemaligen Adelssitzen, die im unteren Vilstal südlich von Amberg liegen und später als Wirtschaftsfaktoren eine nicht unbedeutende Rolle spielten, muß man auch Leidersdorf rechnen1, das an der Staatsstraße Amberg-Etterzhausen (Nr. 2165) liegt und als Weiler zur Gemeinde Ensdorf gehört, von dem es bloß 1 ½ km entfernt ist, während die Entfernung zur Kreisstadt Amberg 13,3 km beträgt.

Vorgeschichte

Dieses Gebiet erfuhr wegen seines geschützten und anziehenden Siedlungsraumes und vielleicht auch im Zuge des zwar umstrittenen Bernsteinweges schon sehr früh eine vergleichsweise umfangreiche Besiedlung, denn zwischen Ensdorf und Leidersdorf liegt ja am rechten Vilsufer die sogenannte Steinbergwand, eine alte und mittelsteinzeitliche Siedlungsstelle, eigentlich eine kleine Schutzstelle (als Rastplatz) der wandernden Jäger und Fischer mit Kulturschichten, die nach dem reichen Fundmaterial an Steinwerkzeugen bis etwa 9000 v. Chr. zurückreichen2 .

Außerdem zählt zu den vorgeschichtlichen Bodendenkmälern auch ein kleiner Ringwall auf dem zur Ortsflur Leidersdorf (Seehöhe 368 m) gehörenden Kellerberg (auch Köhlerberg genannt, PI. Nr. 1366)3. Er gilt als Höhensiedlung (419 m), denn auf der Zunge des Kellerberges, die sich nach Westen gegen das Vilstal aus der Hochfläche vorschiebt und nach Norden und Süden in Täler abbricht, konnte man bei Grabungen Siedlungsspuren feststellen. Der Wall, an dessen Ostseite noch der ursprüngliche Toreingang in seiner alten Form erhalten ist, umzieht die Spitze in einer Ausdehnung von ungefähr 28:28 m, und die unter dem Steinkern der südlichen Wallstrecke entdeckten Scherbenfunde sind mit einer einzigen Ausnahme nicht eindeutig bronzezeitlich zu datieren. Der größte Teil gehört einer späteren Zeit an, nämlich der sogenannten Urnenfelderkultur, die auf der Wende von der Bronze– zur Eisenzeit steht (beginnend 1200 v. Chr.). Ähnliche Ringwälle, die als vorgermanische Fluchtstätten angesprochen werden können, finden sich an der Vils zwischen Amberg und Kallmünz allein sieben4. Interessant ist auch der Name, der meines Erachtens mit der Köhlerei nichts zu tun hat, sondern nach E. Schwarz zu den frühgeschichtlichen Namen wie Kallmünz, Kellmünz, Kehlmünz und ähnliche gehört, deren 1.Teil nach der dortigen Deutung auf das angenommene Wort kel zurückzuführen wäre, das bergen (verhüllen) bedeutet. Sonach könnte man unseren Kellerberg als „Versteckberg“ ansprechen, was für eine Fluchtburg auch einleuchtend wäre.

Der Adelssitz Leidersdorf

Den Namen der Siedlung Leidersdorf selbst bringt derselbe Sprachwissenschaftler, der als Kenner der Flur- und Ortsnamen der Oberpfalz bekannt ist, mit dem recht seltenen Personennamen Lagadeo, der sonst in Ortsnamen nicht nachzuweisen ist, in Zusammenhang, denn die älteste Form heißt urkundlich zwischen 975–990 Lagadeosdorf 5. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts (1118/1123) wird ein Acker bei Leidersdorf erwähnt, der zur Ausstattung der Kirche St. Stephan in Ensdorf gehörte6, und um dieselbe Zeit heißt der Ort Laideratesdorf, was A. Knauer auf den Personennamen Leutrat zurückführt7. Leideratsdorf wird nach A. Dollacker auch einmal als vorübergehend verödet erwähnt.

Die anderen Formen Libinsdorff (Lubingisdorf)8 dürften eher auf eine bei Leidersdorf gewesene Ödung zurückgehen und kommen für die Deutung kaum in Betracht. Auf alle Fälle ist der Ortsname eine Zusammensetzung mit einem Personennamen wie bei dem nachbarlichen Ebermannsdorf. Die Ortsnamen auf –dorf, die sowohl im alten als auch im jüngsten Siedlungsland vertreten sind, treten im allgemeinen später auf, beginnen im 8. Jahrhundert, als vor allem die Besiedlung der Hochflächen und weniger guten Talräume einsetzt (sogenannte 1. Rodezeit), aber ihr Höhepunkt wird erst später erreicht9. Im 12. Jahrhundert war Leidersdorf der Sitz eines pfalzgräflichen Ministerialengeschlechtes, das man von Leiteratesdorf nannte10 1149 überließ nämlich Razo von Ebermannsdorf dem Kloster Ensdorf 2 Höfe in Azelinesdorf (das spätere Hetzeisdorf zwischen Wolfsbach und Ebermannsdorf, heute abgegangen) und übergab mit seiner Gemahlin Heilwig ein Gut in Tanernheim (Tanheim); unter den Zeugen werden u. a. die adeligen Nachbarn Friedrich und seine Brüder von Leidersdorf genannt11.

 Leidersdorf wird Klosterbesitz

Nach der Urkunde vom 25. 7. 1179 schenkte der Pfalzgraf Friedrich, der Sohn des Stifterpaares von Kloster Ensdorf und Bruder des Herzogs Otto 1. von Wittelsbach, das ganze Dorf Leidersdorf mit Mühle und Fischrecht dem nahen Kloster Ensdorf, das von Abt Boto regiert wurde, der es besonders verstand, sich und seiner klösterlichen Gemeinschaft Freunde zu gewinnen. Das Ensdorfer Traditionsbuch weist darum gerade für diese Zeit eine große Zahl von Schenkungen auf. Die Übergabsurkunde erwähnt in der Pertinenzformel auch Waldbesitz; allerdings fehlen nähere Bestimmungen (Flurnamen), so daß wir diesen Wald unter den spärlichen Holzmarken vermuten können, die im Umkreis von Leidersdorf liegen12. Nach Aug. Sieghardt besaß Leidersdorf schon in diesem Jahre einen Eisenhammer, was aber nach anderen Quellen kaum den Tatsachen entspricht13. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts (1506) erfahren wir auch, daß hier ein Dorf mit 6 Gütern gewesen sei14. Somit gehörte Leidersdorf wie Thanheim, Seulohe, Uschlberg, Hofstetten und Wolfsbach zu den Klosterdörfern und wird auch im 14. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem Kloster einige Male genannt.

 Leidersdorf als Hammerstätte

Zwischen 1411 und 1422 wurde dann der Eisenhammer errichtet. Doch der damalige Abt Konrad II. trat kein gutes Erbe an, und daher mußten „von notdurft wegen“ Güter abgestoßen werden, um den Finanzhaushalt des Klosters wieder in Ordnung zu bringen. So erzählt der Hammerbrief vom 18.12.1422, daß Abt Konrad die „newe Hamerstat“ zu Leidersdorf an einen Bürger zu Nabburg, namens Nikolaus Romer (auch Römer) verkaufen mußte, und spricht vom Hammer, der ehedem ein Dorf gewesen sei15. Dabei erfahren wir auch, daß der Eisenhammer und der Hof in Leidersdorf die Scharwerksverpflichtung, eine besondere Form von Dienstleistungen der Klosteruntertanen, durch Geldleistungen ablösen konnten16. In der aufschlußreichen Abhandlung über die oberpfälzischen Eisenhämmer nennt deren Verfasser F. M. Ress nach dem Salbuch des bayerischen Herzogs vom Jahre 1326 auch den Hammer Leidersdorf, und in seinem Verzeichnis der Hütten- und Hammerwerke vom 13. Jahrhundert bis um 1630 ist unter Nr. 36 Leidersdorf als Schienhammer angegeben, der zum 1. Male im 14. Jahrhundert urkundlich belegt ist, aber nach Fig. 3 (S. 33) nicht zu der bekannten Hammervereinigung zwischen der Stadt Amberg und Sulzbach des Jahres 1387 gehörte, was deswegen ein Bestehen nicht ausschließt17. Somit ist die Urkunde vom Jahre 1422 so zu verstehen, daß nicht erst eine Hammerstatt, sondern vielmehr eine „neue“ (als zweite) errichtet worden war. Kl. Erga führt vielleicht aus diesem Grunde auf seiner Karte der urkundlich nachgewiesenen Eisenhämmer bei Nr. 50 Leidersdorf- 1 und nachfolgend bei Nr. 51 Leidersdorf-2 an18.

Unter Abt Hermann begann langsam der wirtschaftliche Aufstieg und am 12. 12. 1457 ist er wieder Grund- und Eigenherr des Hammers, den Wilhelm Paulsdorfer innehat, was besagen will, daß dieser ihn betrieb19.  Ähnlich dürfte das Verhältnis noch 1478 gewesen sein, als Paul Sauerzapf von Theuern auch die Eisenhämmer zu Deuerling und Laidersdorf besaß20.

 Die Leidersdorfer Portner

 Am 11. 11. 1498 verkauften Abt Johann II. und der Konvent des Klosters zu Ensdorf ihr eigentümliches Gut des Hammers, des Hofes und der Mühle zu Laidersdorf mit allen Zugehörungen um 3106 rhn. Gulden an die Brüder Wolf, Lienhart, Peter und Hans Portner im Beisein des kurfürstlichen Vizedoms Hannsen von Helmstat zu Amberg21. Aus 6 Urkunden, die aus der Zeit zwischen 1503 und 1524 stammen und Streitsachen mit den Portnern betreffen, geht auch hervor, daß das Kloster Ensdorf noch Zinse aus dem Hammer besaß22. Die Portner gehörten zu den ältesten adeligen Geschlechtern Regensburgs, die ihre traditionelle Tätigkeit als Fernhändler aufgaben, sich später mehr dem Hammerwesen und Eisenhandel widmeten23 und besonders oberpfälzische Hammerwerke in ihren Besitz brachten. Peter Portner (geb. 1466) kaufte 1515 die Wolfsbacher Mühle, die er zu einem Blechhammer ausbaute, und 3 Jahre später erwarb er das Landsassengut Theuern. Von seinen Söhnen Wolf, Hans und Heinrich übernahm Hans (geb. um 1515) später den Hammer Leidersdorf 24. Er war es auch, der auf seinen Gütern der Lehre Luthers Eingang verschaffte, indem er auf der Theuerner Hofmark schon 1548 einen lutherischen Prediger anstellte25. 1584 kaufte dieser Hans Portner „zu Leidersdorf“ mit seinen 3 Söhnen Endres, Hans und Quirin die Burghut zu Rieden26, so daß die Portner damals neben Leidersdorf auch Theuern, Rieden, Haselmühl und Heringnohe besaßen.

Damit nun keine Verwechslungen bezüglich der Herkunft der Eisenfabrikate vorkamen und das Streben, nur vorzüglich Werkzeuge, Waffen und sonstige Roherzeugnisse zu liefern, gab vor allem die Veranlassung dazu, daß die Hüttenherren zur Kennzeichnung des Ursprungs ihre geschmiedeten Erzeugnisse mit einem bestimmten Hammerzeichen (Schlagmarke) versahen, was schon in den Statuten der Hammervereinigung von 1387 festgelegt war. Diese Marke wurde bei Veräußerungen des Hammers ausdrücklich mit verkauft, war gesetzlich geschützt und wurde oft auch als Familienwappen geführt. Die oben genannten Hämmer der Portner führten nun folgende Warenzeichen, die allgemein unterschieden wurden, je nachdem sie sich „aufm Ruck“ oder auf der Seite des Fabrikats befanden: Leidersdorf, Sittig in der Pann; Theuern, Flammen in der Pann; eine Urkunde des Jahres 1855 spricht vom Eisenhammer „mit dem Wappen der 3 Flammen“; Wolfsbach, Ring! in der Pann; Hesselmühl (Haselmühl), den Angel uffm Ruck; Heringnohe (im Sulzbacher Revier), Feuerhaken in der Pann27.

Der Leidersdofer Hammer wird auch 1567 und 1579 in den sogenannten Wasserbüchern des Amberger Stadtarchivs genannt. Darin werden auch die Brücke in Leidersdorf, die als sogenannte offene Brücke nicht mauerumgürtet war, und ein Schiffmeister daselbst erwähnt. Außerdem bestand noch „ein Furth“, dessen Räumung und Befahrbarkeit mit Schiff dem jeweiligen Hammermeister oder Müller und dem Schiffmeister je zur Hälfte aufgelastet war. Der Portner soll auch dafür sorgen, daß der „Sünder“ unterhalb der Brücke nicht fortgetrieben wird. Jedoch auch die Schiffmeister sollen achtgeben, daß ihre Schiffsknechte und Schiffsreuter an der Brücke und an den Wiesen keinen unnötigen Schaden anrichten28. Das Erz bezogen diese Hämmer von Amberg und Sulzbach, sie waren, weil sie in der Nähe Ambergs lagen, auf den Fuhrwerkstransport angewiesen; doch versuchte man auch, den Erzbedarf anderweitig zu decken, was die alten Bergbaupingen in den Wäldern beiderseits der Vils und auch bei Leidersdorf beweisen, aus denen man jedoch erkennen kann, daß es sich stets nur um kleine Schächte handelte29.

Nach dem Tode des Hans Portner (1585/86) bewirtschaftete dessen Sohn Hans Leidersdorf, und als 1602 seine Mutter gestorben war, übernahm er nach der Teilung auch Leidersdorf als seinen Besitz. Am 16. 1. 1613 kaufte seine Schwägerin Katharina, die Witwe Quirins, Leidersdorf um 6 040 fl., da Hans Portner krank und ohne Nachkommen war. Er bedang sich jedoch den Aufenthalt in Theuern aus, wo er auch in einem Neubau beim alten Schloß Aufnahme fand. Im Winter 1518/19 verschied er und hinterließ seinen Neffen eine Erbschaft von ca. 10 000 fl., womit die auf Leidersdorf ruhende Schuldenlast von mehr als 5 000 fl. gelöscht wurde. Weil aber infolge der ungeklärten Verhältnisse auf Theuern die Überschuldung trotzdem weiterhin wuchs, wurde Leidersdorf im Mai 1621 der Frau des Amberger Rentmeisters Saugenfinger verkauft und ging so nach einem ununterbrochenen Besitz von 123 Jahren den Portnern für immer verloren30.

 Besitzverhältnisse nach dem 30-jährigen Kriege

Die Gegenreformation verdarb den Wohlstand des Landes auf 200 Jahre und mehr hinaus. Er beruhte ja hauptsächlich auf der großartigen Eisenindustrie des Landes, die mit dem Jahre 1628 gänzlich aufhörte. Die meisten Hammermeister wanderten aus, die Hämmer standen still. In Leidersdorf sagten die Hammerschmiede: „Falls sich ihr Herr außer Landes begebe und sowohl diese als andre Hämmer nicht getrieben würden, sie sich not halben an andre Orte machen müßten, daher sie sich der katholischen Religion zu bequemen bis Ostern 1629 sparen wollten“. Da ihr Herr ging, mußten sie auch gehen und Tausende mit ihnen, denn überall hörte das Hammerwerk auf, weil schon kein Erz mehr gefördert wurde und die Gruben fürstliches Regal geworden waren31. So kam Leidersdorf an die Regierung, die es 1630 verpachtete32. Eine Verordnung Maximilians vom 13. 3. 1632 wegen der Bergwerke in der oberen Pfalz erwähnt auch „unsere in Bestand habende drey Hammerwerck Wolfsbach, Leitersdorf und Funkenau“33.

1639 wurde das Hammergut Leidersdorf ganz niedergebrannt, und in dem Bericht des Amberger Bergwerksbeamten Johann German Barbing vom 16. 1. 1666 über die im „Churfürstentum der oberen Pfalz vorhandenen gangbaren und öden Schin-, Blech und Drahthämmer“ heißt es auf S. 196 unter Laydersdorf: Der allda gestandene Eisenhammer, so ganz eingegangen gewesen, ist ungefähr vor 3 Jahren vom obenbenannten Hammermeister zu Wolfsbach Hans Stainer erkauft, erbaut und bereits alles unter Dach gebracht und so gerichtet worden, daß man, wenn man will oder der Inhaber Verlagsmittel hätte, innerhalb 1/4 Jahr darauf schmieden könne, wozu das Arzt von Sulzbach und Ihrer Churf. Durchl. Vorrat gebraucht würde34.

Der Wolfsbacher Hammermeister Stainer war ein hochangesehener Mann und sehr tüchtiger Werkmeister, der in seiner Zunft großen Einfluß hatte35. 1715 wurde der Leidersdorfer Hammer jedoch wieder vom Staat in Regiebetrieb übernommen36. Zwei Jahre später kauft ihn der Ensdorfer Abt Anselm Meiller, ein gebürtiger Amberger, von Bartholomäus von Reiz wieder zurück37. 1783 wird auch Leidersdorf unter den wenigen Eisenhämmern genannt, die trotz des großen Holzmangels noch arbeiteten38.

Die königliche Hütte Leidersdorf

1802/3 teilte das Kloster Ensdorf die Schicksale und Leiden aller säkularisierten Besitzungen. Schon als am 11. 11. 1801 der letzte Abt Diepold Ziegler starb, verbot die Regierung die Wahl eines Nachfolgers. Am 25. 1. 1802 erschien eine Instruktion, die die sofortige Auflösung des Klosters verfügte. Die wenigen vorhandenen Wertsachen, die ausgedehnten Waldungen wurden beschlagnahmt39, und das Hüttenwerk Leidersdorf kam so abermals in Staatsbesitz. Das war für Leidersdorf eigentlich nur ein Vorteil, denn die seit 1823 der kgl. Bergwerks- und Salinen-Administration (als oberster Bergbehörde) unterstehenden Staatswerke waren von alters her kapitalmäßig, technisch und wirtschaftlich den privaten Werken bevorzugt. Sie waren von allem Weggeld befreit, erhielten aus den kgl. Waldungen das Kohlholz zu einem um 25 % niedrigeren Preis als die Privathütten, soweit diese überhaupt Holz aus den kgl. Forsten bezogen. Außerdem hatten die ärarischen Betriebe in der Oberpfalz das alleinige Recht, Gußwaren erster Schmelzung und Roheisen zum Verschmieden herzustellen. Sie galten allmählich als Musterwerke, bei denen weniger auf Gewinn gesehen wurde40.

Nach einer Aufstellung des Jahres 1820 betrug der Jahresdurchschnitt nach mehrjähriger Beobachtung für den Leidersdorfer Hammer 1400 Ztr. Roheisen, womit dieser im Vergleich zu den Nachbarwerken an der Spitze stand. Der staatliche Betrieb, der bis 1836 unter Leitung eines Exkonventualen als „kgl. Hüttenfaktor“ stand, erwies sich damals mit der enormen Summe von 90 000 fl. noch als außerordentlich gewinnbringend41. Noch zwischen 1842 und 1845 bezog der Hammer Leidersdorf Erz von der Sct. Michaels-Eisensteinzeche nächst Krumbach, und 1848/49 ist er der einzige kgl. Betrieb im Berg- und Hüttenamt, der neben einem Blauofen ein Frisch- und Streckfeuer hatte42. 1855 schloß die Maxhütte (Eisenwerk im Sauforst bei Burglengenfeld), die kurz vorher (1851) errichtet worden war und unter chronischem Roheisenmangel zu leiden hatte, mit der Hütte Leidersdorf einen Liefervertrag über 200 t Roheisen. Trotz mehrerer solcher Verträge mit noch anderen Werken, deren Lieferungen jedoch nur Notbehelf blieben, war der Erwerb eigener Hochöfen nicht zu umgehen. Deshalb beschloß die Generalversammlung der Maxhütte am 30. 5. 1855, einige ärarische oder private Hochöfen zu erwerben oder zu pachten. Daher stellte das neue Werk noch in demselben Jahre an die kgl. Bergwerks- und Salinen-Administration den Antrag, ihre ärarischen Werke Weiherhammer und Leidersdorf entweder käuflich zu überlassen oder wenigstens für 15 Jahre zu verpachten.

Obwohl um 1850 die jährliche Zubuße bei Leidersdorf allein nicht weniger als 9 900 fl. betrug43, wurden dieser Antrag und eine zweite Bitte 1856 abgelehnt, so daß private Holzkohlen-Hochöfen erworben wurden. Doch bald danach konnte es nicht ausbleiben, daß gerade infolge des durch die Gründung der Maxhütte erfolgten Einzuges der modernen Erzeugungsmethoden die alten Hochöfen, deren Umstellung auf Koksroheisen unmöglich war, dem beschleunigten Untergange preisgegeben wurden. Besonders als das neue Werk die Rosenberger Kokshochöfen in Betrieb nahm (1864 – 1870), verloren die alten Holzkohlen-Hochöfen ihren einzigen bedeutenden Abnehmer und wurden von da ab fast alle für immer ausgeblasen44.

So wurde damals auch der Leidersdorfer Betrieb wegen ungenügender Rente an Private verkauft45 und schon vor 1864 stillgelegt46, und 1866 waren im Bergamtsbezirk Amberg von den 11 vorhandenen Hochöfen nur noch 4 in Betrieb47.

Und heute?

Seitdem hat sich vieles geändert. An Stelle des alten Hammerwerkes entstand eine Mahlmühle und ein Sägewerk (Sept. 1931 stillgelegt), eine Umstellung, wie sie allenthalben im Vilstal zu beobachten war. Das große Einfahrtstor des ehedem geschlossenen Besitzes mit Inschrift mußte sogar dem Verkehr weichen, und vielleicht trifft auch bald die Kapelle das gleiche Los, denn gerade hier ist der Talboden sehr eng, der Hirschwald tritt fast bis an die Ufer der Vils, und die alte Vilsstraße wurde 1959 zur Staatsstraße als wichtige Verbindung zwischen Amberg und Regensburg ausgebaut, ein Gebot der Zeit, die ohne weiteres auf die fast vergessene bayerische Handelsstraße, den Schiffahrtsweg (Traidelweg) auf Vils, Naab und Donau, verzichten kann.


  1. H. Zitzelsberger, Die Geschichte des Klosters Ensdorf (1121-1525), VHO Bd. 95 (1954), S. 131. – 2. M. Herrmann, Die Steinzeitfunde an der Steinbergwand Ensdorf, Heimatbeil. Oberpf. Jura, Jg. 1963, Nr. 2 ff. – 3. M. Hardt, Vor- und frühgesch. Ring- u. Abschnittswälle i. d. Opf„ Die Oberpfalz, 43. Jg. (1955), S. 47. – 4. W. Torbrügge, Die Bronzezeit i. d. Opf., Kallmünz 1959, S. 104. – 5. E. Schwarz, Sprache und Siedlung in Nordostbayern, Nürnberg 1960, S. 89, 109, 8. – 6. Wie Anm. 1, S. 94. – 7. A. Knauer, Personennamen in Ortsbezeichnungen, Die Oberpfalz, 44. Jg. (1956), S. 183. – 8. A. Dollacker, Untergegangene Ortschaften der Amberger Gegend, Die Oberpfalz, 38. Jg. (1950), S. 223. – 9. Wie Anm. 5, S. 87. – 10..J.B. Laßleben, Leidersdorf, Die Oberpfalz, Jg. 1930, S. 115. – 11. J. Plaß, Gesch. d. Hofmarken Ebermannsdorf und Theuern, Bibi. d. hist. Ver. in Regensburg, 0. M. S. 131, als Quelle: Freyberg, Sammlung historischer Schriften II, 208. – 12. Wie Anm. 1, S. 94, 132, 144, 28/29. – 13. Aug. Sieghardt, Oberpfälzer Jura, Nürnberg 1958, S. 113. – 14. Wie Anm. 1, S. 94. – 15. Wie Anm. 1, S. 37, 154. – 16. Wie Anm. 1, S. 94, 158. – 17. F. M. Ress, Gesch. u. wirtschaftl. Bedeutung d. opf. Eisenindustrie, VHO 91. Bd. (1950), S. 22, 172, 33. – 18. KI. Erga, Das Ruhrgebiet des Mittelalters, Oberpfälzer Heimat, 5. Bd. (1960), S. 22/23. – 19. Wie Anm. 1. S. 94. – 20. Anm. 11. – 21.]. v. Fink, über die Privilegien d. KI. Ensdorf, VHO 7. Bd. (1843), S. 244. – 22. Wie Anm. 1, S. 94. – 23. W. Fürnrohr, Das Patriziat der Freien Reichsstadt Regensburg z. Zeit d. Immerwährenden Reichstages, VHO 93. Bd. (1952), S. 199. – 24. J. Dollacker, Die Portner von und zu Theuern, Staatsarchiv Amberg, Amberger Wochenblatt 1922, Nr. 5-15; Siehe auch R. Gerstenhöfer, Das Geschlecht der Portner und seine Bedeutung f. d. Opf., Die Oberpfalz, 55. Jg. (1967), S. 61 ff. – 25. Wie Anm. 11. – 26. Wie Anm. 24. – 27. H . Wagner, Die Hammerwerkszeichen i. d. Opf., Oberpf. Heimatbuch, S. 40/41. – 28. Dr. R. Regler, Mühlen und Hammerwerke a. d. Vils, Die Oberpfalz, 47. Jg. (1959), S. 255, 292. – 29. Wie Anm. 17, S. 67, 48. – 30. Wie Anm. 24. – 31. Fr. Lippert, Gesch. d. Gegenreformation … z. Z. d. 30-jähr. Krieges, 1901, S. 151. – 32. Wie Anm. 10. – 33. J. G. Lori, Sammlung d. bairischen Bergrechtes, 1764, S. 463, 466. – 34. Dr. ]. Denk, Beiträge zur Gesch. d. Berg- u. Hammerwesens i. d. churf. Opf., VHO 46. Bd. (1902), S. 196. – 35. R. Gerstenhöfer, Wolfsbach – das ehemalige Hammergut, Opf. Jura, 1961, Nr. 25. – 36. J. B. Laßleben, Eine halbvergessene Handelsstraße, Die Oberpfalz, Jg. 1931, S. 149. – 37. Der Landkreis Amberg in Verg. u. Gegenw., Kallmünz 1966, S. 284. – 38. Jg. Biechl, Vollständige Beschreibung. . . . d. Opf., 1783, S. 9. – 39. V. Schlichtner, Ensdorf – das ehemalige Benediktinerstift, München 1940, S. 16. – 40. Dr. V. Nickelmann, Beitrag zur Darstellung d. Entwicklg. d. eisenschaffenden Industrie i. d. Opf., VHO 97. Jg. (1956), S. 63, 67, 53. – 41. Wie Anm. 37, S. 357, 100. – 42. Wie Anm. 40, S. 106, 96, 57. – 43. W. Brenner-Schäffer, Versuch einer Gesch. d. Landgerichtsbez. Weiden, VHO 17. Bd. (1856), S. 117, 221. 44. Wie Anm. 40, S. 133. – 45. Wie Anm. 10. – 46. Wie Anm. 37, S. 358. – 47. Wie Anm. 40, s. 64.

 

© Die Oberpfalz, 1970, 30

Josef von Lehmeier

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Vom Volksschullehrer zum Kabinettsreferenten des Königs.

Zu allen Zeiten haben Persönlichkeiten aus der vergessenen Oberpfalz in schwierigen Diensten ihren Mann gestellt. Die Geschichte bietet viele Beispiele hierfür. Das junge Bayrische Königreich hatte in den ersten Jahrzehnten mit auffallender Vorliebe verantwortungsvolle Stellen mit Männern aus der Oberpfalz besetzt. Auch Josef von Lehmeier ist dazu zu zählen. Diese kurze Lebensgeschichte ist zugleich ein Zeitbild für die Spanne von Napoleons Feldzug gegen Rußland bis zur Gründung des zweiten Reiches.

Zu den verdienten Persönlichkeiten der Oberpfalz gehörte ohne Zweifel der am 27. April 1872 in München verstorbene Generalmajor Josef von Lehmeier.

Als Sohn einfacher Bauersleute erblickte er am 19. März 1790 in Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz das Licht der Welt. Im Jahre 1807 trat er in das Lehrerseminar in Amberg ein. Die vorgesetzte Behörde rühmte in einem Zeugnis seinen bescheidenen und sittlich guten Charakter, seine Kenntnisse und Fähigkeiten der französischen Sprache und das unermüdliche Streben nach höherer Ausbildung. Von 1811 – 1813 wirkte er als Lehrer zu Amberg. Zwei seiner Brüder waren im Jahr 1812 unter Napoleon nach Rußland gezogen und sahen ihre oberpfälzische Heimat niemals wieder. Josef Lehmeier begegnet uns am 21. Juni 1813 als Unterleutnant in der mobilen Region des Regenkreises. Um die Feldzugsjahre 1813/14 schreibt er in seinem Abschiedsgesuch vom 1. Oktober 1867, bin ich dadurch gekommen, daß ich im Juli 1813 aus dem Lager bei München zu einer Kommission nach Passau beordert wurde, welche damals als Bayern noch mit Frankreich alliierte und ein österreichisches Armeekorps zur Beobachtung Bayerns in Linz aufgestellt war, alle aus Österreich kommenden Briefe zu öffnen und zu lesen hatte.

Als die Schlacht bei Hanau geschlagen war, hatte Lehmeier die in Kriegsgefangenschaft geratenen französischen Offiziere und Mannschaften, welche für Österreich bestimmt waren, in Passau zu übernehmen und nach Bayerbach in Österreich zu führen. Dort erkrankte er an Typhus, so daß er erst am 1. März 1814 nach Augsburg zum 3. Infanterieregiment abgehen konnte, wohin er schon am 31. Dezember 1813 versetzt worden war. Als der Emporkömmling der französischen Revolution der Gefangenschaft auf der kleinen Insel Elba entflohen war und Paris sich ihm ohne Schwertstreich ergeben hatte (20. März 1815), da stellte auch Bayern den verbündeten Mächten Österreich, Rußland und England 80.000 Mann zur Verfügung. Am 8. April marschierte auch Lehmeier gegen Frankreich, am 22. Juni beteiligte er sich an der Erstürmung des Brückenkopfes von Saargemünd. Nach dem Einzug der Verbündeten in Paris am 7. Juli 1615 wurde er nach Chaumont la ville beordert. Am 9. November 1815 begann der Rückmarsch in die Heimat. Beim Heer verblieben, kam nun für Lehmeier eine lange Pause; am 1. Mai 1831 wurde er endlich Oberleutnant, obwohl er seit 1. März 1815 als Batl. Adjutant seine militärische Tauglichkeit erwiesen hatte. Neues Leben brachte das Jahr 1832. Prinz Otto von Bayern, Sohn des Kunstliebenden Königs Ludwig I. wurde zu Beginn des Jahres 1832 von den Großmächten England, Frankreich und Rußland zum König von Griechenland erwählt. Zum Sekretär des jugendlichen Fürsten des neugeschaffenen Königreiches wurde der Oberpfälzer Josef Lehmeier am 1. November bestimmt. Am 6. Dezember gleichen Jahres erfolgte die Abreise von München über Innsbruck, Verona, Florenz, am 20. Dezember 1832 kam man in Rom an. Am 10 Januar 1833 schiffte sich König Otto in Venedig nach Griechenland ein, die Landung erfolgte am 13. Januar.

Am 15. Februar 1835 ernannte König Ludwig I. den Sekretär seines Sohnes Otto zum Hauptmann II. Klasse während er am 1. Juni zum Kabinettssekretär und am 30. September gleichen Jahres zum Kabinettsreferendar emporstieg. Doch allzulange scheint es Lehmeier in Griechenland nicht gefallen zu haben. Am 26. Juli 1839 legte er sein Amt nieder. Seine Rückkehr erfolgte am 9. August, wo er am 27. August von König Ludwig I. in Berchtesgaden in Audienz empfangen wurde. Am 6. Oktober trat er in das Inf.-Leib.-Rgt. ein und wurde nach Ernennung zum Hauptmann I, Klasse zum Kriegsministerium abkommandiert. 1847 rückte er zum Major, 1859 zum Oberst empor. Zu Neujahr 1860 wurde er mit dem Verdienstorden der Bayr. Krone, welcher bekanntlich mit dem persönlichen Adelstitel verbunden ist, als „von Lehmeier“ ausgezeichnet. Am 16. Februar 1860 erhielt er den Ludwigsorden für 50 Dienstjahre um bald zum Generalmajor befördert zu werden. Am 1. Oktober 1867 reichte „von Lehmeier“, der nunmehr im 78. Lebensjahr stand, und mit der Einrechnung der Kriegsjahre 58 Dienstjahre aufzuweisen hatte, sein Abschiedsgesuch ein, welches am 1. November allerhöchst bewilligt wurde.

Seine Ehe, welche er am 7. August 1849 mit Adelheid Dillmann einging, war kurz und ohne Nachkommen. Am 27. November 1852 starb seine Gattin. Aus seinem Personalakt im Kriegsministerium ist zu entnehmen, daß seine Heirat mehr Liebes- als Geldheirat war. Vom Elternhaus ohne Vermögen hat er sich die für die damalige Zeit außerordentliche Summe von 10.000 Gulden Heiratskaution von 12 Geldgebern zusammengetragen, wobei er 3219 Gulden durch Eigenverkauf von Reitpferd, Bibliothek und Mobiliar selbst stellte. Bereits am 13. Dezember 1852 erhielt er seine gestellte Kaution wieder zurück.

An weiteren Auszeichnungen besaß „von Lehmeier“ noch: den Verdienstorden zum hl. Michael, das Griechische Denkzeichen, den Griechischen Erlöserorden, das Ritterkreuz des spanischen Ordens Karls III. und das Ritterkreuz des schwedischen Nordstern-Ordens.

In seinem langen arbeitsreichen Leben hat „von Lehmeier“ viel gesehen und erlebt, hat als junger Leutnant Frankreich kennengelernt, war mit König Otto nach Griechenland gezogen, erfreute sich in Bayern der Gunst der Könige und als Greis feierte er noch die Wiedererstehung des Deutschen Reiches durch die glanzvollen Siege von 1870/71 mit.

 

(Kriegsministerium Akt. Zeich. 1542. XIX. Generalmajor Josef von Lehmeier).

 

Der Hammer zu Heimhof

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Von Hubertus v. Loefen-Heimhof.

Bis zum Dreißigjährigen Krieg stellte die Eisenindustrie den wohl bedeutendsten Wirtschaftszweig der Oberpfalz dar. Im 15. Jahrhundert war etwa ein Viertel der Bevölkerung in dieser Industrie tätig. Etwa 15% der europäischen Jahreserzeugung kamen aus dem ehemaligen Nordgau.

Der große Krieg brachte das Ende der meisten Hämmer, doch erinnern auch heute noch viele Ortsnamen an die ehemaligen Erzgruben, Hämmer und Hammerschlösser der zu Wohlstand gekommenen Hammerherren, wegen der notwendigen Wasserkraft meist an Flüssen und Bächen gelegen. Wirtschaftler, Heimatforscher und Genealogen haben die Geschichte vieler dieser Hämmer und Hammerfamilien beschrieben, andere sind untergegangen oder in Vergessenheit geraten.

Wenn man von Amberg nach Ursensollen abbiegt und die Landstraße nach Allersburg durch das Hausener Tal fährt, vorbei an den kärglichen Überresten des ehemaligen Schlosses Zant, weithin sichtbar wegen der erhaltenen Schloßkirche, dann Burg und Schloß Heimhof passiert hat, durchfährt man die Siedlung Hammermühle. Hier gibt es kaum etwas zu sehen, und doch — auch hier stand einst ein Blechhammer.

Ein Bauernhof rechts der Straße, an einem künstlich geschaffenen Graben gelegen, einer Ableitung des Hausener Baches, war der Mittelpunkt des einstigen Hammers.
Ein kleiner alter Anbau, direkt am Wasser blieb vom uralten Gebäude erhalten. Wenn man über eine Stiege den Keller erreicht, sieht man heute noch die großen, eisernen Räder, welche die Wasserkraft übertrugen. Der verständliche Abbruch des alten Wohnhauses hat wieder ein Stückchen Oberpfälzer Geschichte vergehen lassen, daher sollten die Schicksale des Hammers, soweit dem Verfasser bekannt, noch einmal dargestellt werden.

Heimhof um 1600

Burg und Hammer Heimhof um 1600

Es begann mit einem Streit, wie immer ging es um Macht und Geld. Anno 1493 — in diesem Jahr stirbt Friedrich III., der letzte in Rom gekrönte deutsche Kaiser — kauft der Amberger Patrizier Hans Modler von dem Landsassen zu Heimhof, Georg Ettlinger, zwei Tagwerk Grund und baut gegen den Willen des Bischofs von Regensburg einen Blechhammer. Hierzu benötigte er das Wasser des Hausener Baches und leitete ihn ab. Diesen Stichgraben können wir heute noch sehen, er mündet unmittelbar hinter der Hammermühle bei einer romantischen alten Steinbrücke wieder in den Hausener Bach.

Die Differenzen mit Regensburg sollten in einer Besprechung beigelegt werden, an der am 19. April 1494 der Regierungskanzler Georg Hornecker und der Domherr Georg v. Rohrbach teilnahmen. Modler fand sich jedoch nicht bereit, den Bischof als seinen Landesfürsten anzuerkennen und weigerte sich den Bach wieder umzuleiten. So wird keine Einigung erzielt, der Hammer nimmt seine Arbeit auf. Modler wird 1527 letztmalig erwähnt. Noch heute erinnert ein Grabstein an der Helenenkapelle in St. Martin zu Amberg an ein anderes Mitglied dieser Hammerfamilie, an den 1471 verstorbenen Lorentz Modler.

Im Jahre 1559 sitzt auf der Hammermühle der Hammermeister Wolf Maurer. Er scheint jedoch schon vorher hier gelebt zu haben; denn er hat 1554 das Widengut zu Heimhof von Veit Dozer gekauft, von seinen Vorgänger Modler übernimmt er die Streitigkeiten mit Regensburg. Sie hatten einen sehr reellen Hintergrund.

Die Produktion des Hammers zu Heimhof wirkte sich nachteilig auf den hundert Jahre älteren Hammer zu Alten-Hohenburg aus. Daher beschränkte Regensburg dem Hammer Heimhof den Holzbezug aus der Herrschaft Hohenburg durch einen besonderen Rezeß.

Am 12. April 1570 stirbt der Hammermeister Wolf Maurer. Ein Grabstein für ihn, seine Mutter Cristina „maurherin“ und seine am 14. August 1561 verstorbene 1. Frau Anna geb. Heber verwittert allmählich an der Außenmauer der St. Michaelskirche in Allersburg, es lohnt, den mit Wappen der Maurer und des Hammergeschlechtes der Heber verzierten Grabstein zu besichtigen.

Neben dem Hammer zu Heimhof hatte Maurer auch den Hammer zu Kastl vom Kloster für jährlich 110 Gulden und Lieferung von Eisenschienen und Radeisen gepachtet.

Auch Maurers Nachfolger gehörte einem bekannten Hammergeschlecht an. Es ist Christoph Kotz zu Pürtenreuth, mit Hilfe des Pflegers zu Hohenburg, Jobst von Scharfenberg, versuchte Kotz die Lieferbeschränkungen Hohenburgs zu umgehen. Scharfenberg verkauft ihm als Landsasse zu Allersburg ein Waldstück in der Herrschaft Hohenburg zum Abkohlen. Hiergegen beschwert sich die Hammermeisterin zu Hohenburg Margarethe Knorr beim Fürstbischof. Regensburg erläutert den Rezeß von 1559 so, daß er sich auf jeglichen Wald bezieht. So ergibt sich eine erhebliche Einschränkung des Besitzrechtes des Scharfenbergers, obwohl Regensburg nach wie vor behauptet, der Hammer zu Heimhof läge auf Regensburger Gebiet und mehrfach vergeblich versuchte, hier Steuern zu erheben. Kotz ist Anhänger der Reformation. 1586 wird er vom Fürstbischof aufgefordert, entweder den Hammer zu verkaufen und den Regensburger Herrschaftsbereich zu verlassen oder seine Religion wieder zu wechseln. Kotz sitzt jedoch auch 1597 noch in Heimhof.

Nach seinem Tod betreibt seine Witwe Christina Kotz den Hammer mit Hilfe eines Hilfkapfers Hans Schmid weiter, später erscheint dann als Hammerherr Hans Georg Knorr.

Nach dem Tode der Christina Kotz, um 1614, übernimmt Sigmund Kotz von Thumbach mit seinem Sohn Jakob den Hammer und die inzwischen dazugehörigen Güter.

Trotz der Hemmnisse aus Regensburg blüht der Hammer Heimhof unter Maurer und Kotz auf. Aus dem Jahre 1602 liegt eine bei N. Erb wiedergegebene Beschreibung vor. Danach ist der ganze Hammer von einer Ringmauer umgeben, darin befinden sich neben dem Wohnhaus, Stallungen, Bad- und Waschstube, 2 Schmied Häuser für die Hammerschmiede, die Hammerhütte selbst und 2 Kohlhütten, ferner eine Mühle mit einem Mahlgang. Weiter gehören jetzt zum Hammer umfangreiche Wiesen und Äcker, 24 Tagwerk Waldungen am Prennberg, weitere 75 Tagwerk Wald, die Faulöd genannt, Wald bei Wappersdorf und, durch das Widengut ein Waldstück im Heimholz.

Schon 1616 verkauften die Kotz den Hammer an ihren Pächter Matthias Nägelein, Bürger zu Auerbach, um 4.000 Gulden. Nägelein jedoch ruinierte den Hammer. Bei der Vergantung nach seinem Tode 1630 war der Besitz zersplittert, die Schulden beliefen sich auf 12.000 Gulden.

Den restlichen Besitz kaufte Martha Ficht um 1.000 Gulden, die sie von ihrem Vater Dr. Michael Loefen v. Heimhof und geerbt hatte, am 17. 9. 1630 von Anna Nägelein. Zum Hammer gehörten nur noch ca. 20 Tagwerk Äcker, Wald, Wiesen und Fischwasser. Der Besitz wurde zu dieser Zeit auf 620 Gulden Steuerwert geschätzt, dafür jährlich zu zahlen 4 Gulden 40 Kreuzer.

Martha Ficht, geb. v. Loefen war mit Hans Gabriel Ficht zu Hütten verheiratet. Sie hielt sich nur mühsam 21 Jahre auf dem Hammer. Hier erlebte sie die Schrecken Dreißigjährigen Krieges. Seit 1640 war sie Witwe und starb 1651 im Alter von 59 Jahren. Sie hinterließ 4 Töchter und einen Sohn Hans Gabriel. Auf der Gant erwarb den restlichen Komplex des ehemaligen Hammergutes ihr Bruder Otto Loefen von Heimhof und Eschertshofen.

Otto Loefen hatte wenig Freude an diesem Erwerb. Zunächst kommt es zu einem sich von 1654 bis 1670 hinziehenden Prozeß zwischen ihm und Hans Georg Peringer, Bürger zu Amberg, der mit der Schwester des Matthias Nägelein verheiratet war. Es geht um einige zum Hammer gehörige Äcker, die nach Loefens Ansicht Pappenheimische Lehen sind und daher nicht verkauft werden könnten. Nach langem Streit wurden die Grundstücke Peringer zugesprochen.

Die Streitigkeiten um die landesherrliche Hoheit zwischen Kurpfalz und Regensburg, die die Hofmark Heimhof stark in Mitleidenschaft zogen, wirkten sich weiterhin auf den Hammer aus.

Der Pfleger zu Hohenburg, Wilhelm Schedel hat nach Darstellung Otto Loefens 20 Musketiere in das Hammerholz einfallen und auf seinem Hammer Brückenhölzer zerstören lassen.

Johann Joachim Haussner von Winbuch und Schmidmühlen meldet 1660 bei Otto Loefen Ansprüche auf 2½ Tagwerk Äcker beim Hammer Heimhof an, die Loefen bestreitet. Schließlich mußte Otto Loefen wegen ständiger Differenzen auch mit der Amberger Regierung nach Altdorf emigrieren, hier stirbt er am 25. 5. 1663. Seine Söhne erben Heimhof, die Hammermühle und den Streit mit Hohenburg.

Der Hammer ist jetzt nur noch eine Mühle. 1675 läßt Otto Ludwig v. Loefen auf dem Hammer Bauarbeiten verrichten und dazu 12 Stämme Bauholz aus dem mit Regensburg strittigen Heimholz durch seinen Bestandsmüller (Pächter) abfahren, „ohne daß vom Amt Hohenburg das Maul darum aufgetan wurde“.

Über Otto Loefens Sohn Johann Martin, er kam als Leutnant unter Kurfürst Max Emanuel in Ungarn durch ein hitziges Fieber ums Leben, geriet der Hammer an seinen am 14. Juni 1685 in Eschenbach getauften Sohn Johann Karl v. Loefen, dem zugleich ein Viertel der Hofmark gehörte. Sein Bruder Johann Justin erbte das 2. Viertel, während die nach Burg bei Magdeburg emigrierten reformierten Loefen die andere Hälfte besaßen. Johann Karl Loefen oder, wie er im Stil der Zeit in den Kirchenmatrikeln von Allersburg genannt wird, „Joannes Carolus â Levin ab et in Haimbhoff et Rohrenstadt et Ebermannsdorf“ lebte ab 1706 auf dem ehemaligen Hammergut, zuvor war er “Fendrich“ im Kurfürstlich Pettendorfischen Regiment zu Fuß auch Karl v. Loefen kam auf dem Hammer nicht zu Reichtum, wurde aber über 90 Jahre alt und starb am 12. Februar 1777. Er ist in der Familiengruft in der Kirche zu Allersburg beigesetzt.

Von seinen 3 Frauen hatte er 14 Kinder, einige starben noch im Jahr ihrer Geburt. Seine erste Frau Maria Eleonora Franziska Miller, Tochter des jung gefallenen Leutnants Johann Heinrich Miller, wohl aus dem Hammergeschlecht der Miller von Altammertal, starb 42jährig am 17. Juli 1710. Loefens zweite Frau war Maria Johanna v. Mendl, Tochter des Amberger Rates Johann W. Mendl v. Steinfels und Gmünd und der Marianna v. Leiblfing. Sie verstarb mit 46 Jahren am 29. September 1714. Auch Karl Loefens dritte Frau entstammte einem alten Oberpfälzer Hammergeschlecht. Am 15. September 1718 schloß Karl die Ehe mit Maria Anna v. Grafenreuth, Tochter des bayerischen Leutnants Georg Wolfgang v. Grafenreuth auf Grübenstetten und der Maria v. Görring. Seine dritte Frau starb am 9. Mai 1749 nach 21jähriger Ehe und wurde in Allersburg beigesetzt.

Aus verschiedenen Eingaben an die Regierung in Amberg läßt sich erkennen, daß die Familie kriegsbedingt oft Not gelitten hat. Am 5.9.1731 bittet Loefen die Behörden in Amberg „fussfallend, untertänigst, höchst flehentlich ihm und seinen 9 lebenden armen Kindern, die er neben der über die Massen schlechten täglichen Nahrung nicht mehr ehrlich bekleiden, geschweige denn etwas lernen lassen kann, wenigsten die Hälfte seiner für die Jahre 1723/26 ausstehenden Zinsen, also 2,5 %, von seinen Kommissariatskapital freizugeben“. Das Bittgesuch wird abgelehnt, Loefen wird vertröstet auf eine generelle Regelung wegen der Anleihzinsen.

Am 13. 8. 1718 wird Karl v. Loefen im Hirschwald von einem Förster zu Salleröd, Balthasar Winkler, angehalten und dem Oberforstmeisteramt gemeldet, weil er mit Flinten und Hunden gejagt hat, ein Vorrecht welches damals nur dem Kurfürsten zustand.

Sein Sohn Johann Jakob, der mit dem Gschrey’schen Freikorps Neumarkt eroberte, bringt durch seine Heirat mit Ursula v. Dürr Schloß und Hofmark Ebermannsdorf noch einmal an die Loefen zurück.

Wohl in Erinnerung an seine jugendliche Heldentat vor Neumarkt zieht Johann Jakob am 4.3.1762 mit Fast 100 Mann von der Hammermühle aus nach Heimhof und läßt hier den neu errichteten Mühlgraben des Müllers Guttenberger gegen ausdrücklichen Befehl der Regierung zuschütten. Kurfürst Maximilian Joseph läßt ihn dafür vom 23.10. — 13.11. 1762 im Fuchssteiner zu Amberg einsperren.

Karl Loefens Tochter Maria heiratete den Amberger Baukommissar Wolfgang v. Löw. Sein Sohn Wilhelm lebt zunächst auf der Hammermühle zu Pfaffenhofen, dann erbt er mit seinen Töchtern von Maria v. Hauntzenberg die stark verschuldete Hofmark Hohenkemnath. Ein Schmiedeeisernes Grabkreuz der auf der Hammermühle Heimhof geborenen weiteren Tochter Karl Loefens, der Maria Angela, hat sich erhalten und befindet sich im Besitz des Verfassers in Heimhof. Sie ist „in ihrem 67 Jahr zu Ebermannsdorf Gott sellig verschiden“.

Pächter der Mühle des ehemaligen Hammergutes waren um 1740 der Müller Hans Wolf Spiess und seine Frau Apollonia. Beide starben 1746.

Das Landgericht Kastl schätzte in einer durch Premierleutnant v. Bagensky im Juni 1828 veranlaßten Taxation die freiherrlich v. Loefen’sche Hofmark Heimhof auf 38.443 Gulden. Das zu dieser Zeit baufällige Hammerhaus war darin mit 240 Gulden veranschlagt.

Neben dem Oekonomiehaus mit Stadel und Stallungen sind noch 1828 eine Taglöhnerwohnung, Keller und Backofen vorhanden.

Der Wert der ca. 23 Tagwerk Feld, Wald und Äcker wird auf 1.300 Gulden geschätzt, ohne 4 Tagwerk Wald im Heimholz und 280 Gulden Fischwasser im Hausener Bach und der Lauterach.

Noch 1847 gehört das Hammergut mit etwa 90 Tagwerk Wald und Feld zum Allodium der Hofmark Heimhof. Offenbar ging zu dieser Zeit auch die Mühle ein, und der ehemalige Hammer wurde, wie noch heute, zum Bauernhof. Mit dem Verkauf der Hofmark durch die Loefen 1856 kam auch die Hammermühle aus der Familie.

So hat der Hammer im Laufe der Jahrhunderte wechselnden Geschlechtern eine Heimat geboten, der jetzige Neubau wird weiteren Generationen eine Heimstätte sein.

Unverändert aber bleibt die Schönheit und Einsamkeit des Hausener Tales.


 

Quellen: v. Loefen: Kurze Chronik über Heimhof (M. S. um 1720). – Nikolaus Erb: Geschichte des Landsassengutes Heimhof (VHOR, Bd. XVII). – Prof. Bodo Ebhardt: Burg Heimhof,
(1928) . – Rudolf v. Loefen: Familiengeschichte v. Loefen (1940). – Kirchenbücher von
Hausen, Hohenburg, Pfaffenhofen. – Staatsarchiv Amberg: Hochstift Regensburg Nr. 99, 100,
109, 346, Landsassen 231, Amberg-Land 232, Pfalz-Neuburg 239. – Stadtarchiv Amberg: F 159.

Christopherus Rex Daniae

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Ein Dänenkönig aus der Oberpfalz.

Wer das Grabdenkmal des Pfalzgrafen Rupprecht in der St. Martinskirche, oder die einfache Marmorplatte in der Pfarrkirche von Neunburg v. W. betrachtet, unter der die Gebeine von Pfalzgraf Johann ruhen, wird sich selten bewußt sein, daß der Sohn des letzteren vor nunmehr bald sechshundert Jahren die Kronen der Skandinavischen Reiche getragen hat. Die Feen haben es dem Knaben, dessen Wiege 1416 in Neumarkt stand, auch sicher nicht gesungen. Denn die oberpfälzische Linie der Wittelsbacher gehörte nicht zu den reichsten im Land, und als Nebenzweig des stolzen Hauses hatte sie wenig Aussicht, einen Reis zu treiben, dem einmal eine besondere Rolle in der Weltgeschichte zufallen sollte. Aber an der Schwelle des Mittelalters, wo Kronen nicht selten verschenkt und ganze Länder verkauft wurden, geschah es noch häufiger, daß ein edles Geschlecht über Nacht durch irgendeine verwandtschaftliche Beziehung auf einen Thron gelangte, und diesem Umstand verdankte auch der junge Pfalzgraf Christoph und Herzog von Bayern seinen plötzlichen Aufstieg zur höchsten weltlichen Macht, weit ab von seiner väterlichen Burg.

Seine Mutter war die pommersche Herzogin Katharina und als solche die einzige Schwester des Königs Erich VII., der seit 1412 unter Führung Dänemarks, jedoch unter Wahrung der Selbständigkeit von Schweden und Norwegen, über die drei Länder in einer Person herrschte. Aber diese sogenannte „Kalmarische Union“ erwies sich ebenso wenig dauerhaft, als frühere Versuche in derselben Richtung. Nach mehrjährigem Kampfe des dänischen und des schwedischen Adels gegen den Unionskönig wurde derselbe 1439 abgesetzt, und die Reichsstände riefen den 23-jährigen Wittelsbacher aus Neumarkt in der Oberpfalz auf den Thron am blauen Oeresund.

Mit ihm zogen eine ganze Reihe von oberpfälzischen Grafen und Edlen durch die deutschen Lande und übers Meer nach Dänemark, deren Blut noch heute in bekannten Namen dort fortlebt. Als solche wurden von dem im XVIII. Jahrhundert lebenden dänischen Historiker Holmbergs selbst genannt: die Parsberger, die Poisaecker (Poißl), die Lindenauer (wahrscheinlich aus der Gegend von Viechtach), die Valkendorper (vielleicht aus Falkendorf bei Höchstädt a./Aisch) und nicht zuletzt die Ulfelds, deren Nachkomme Graf Kornitz Ulfeld, unter der Regierung Christian VI. und Friedrich III. von Dänemark die höchsten Ämter bekleidete, dann aber sein Land verriet, und als Heimatloser Abenteurer. Landflüchtig und zum Tode verurteilt 1664 im Rhein ertrank.

Von der kurzen Regierungszeit Christoph III. ist nicht viel zu erzählen. Er wurde 1441 zu Uppsala zum schwedischen, 1442 zu Oslo zum norwegischen König gekrönt, und erhielt zuletzt am Neujahrstage 1443 vom Erzbischof von Lund zu Ripen auch die Krone Dänemarks aufs Haupt gesetzt, wobei nach der geschichtlichen Überlieferung neben anderen auch noch ein bayerischer Herzog, dessen Name aber nicht erwähnt wird, die Reichsinsignien trug. Von seinen Taten kann uns noch am meisten die Belehnung des Grafen Adolf als erblichen Herzog von Schleswig interessieren, dessen Nachfolger die bekannten und nachhaltigen Worte des „up ewig ungedeelten“ Landes geprägt hat.

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Hochosterwitz bei Klagenfurt

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Die Burg der oberpfälzischen Kevenhüller in Kärnten.

Von August Sieghardt

Das Reiseziel einer Urlaubsfahrt im Herbst 1956 war das sonnige Land Kärnten mit dem berühmten Wörthersee und die Landeshauptstadt Klagenfurt mit ihrer burgenreichen Umgebung. Wer in Kärnten reist, dem begegnet auf Bahnhöfen und in Reisebüros immer wieder ein von der österreichischen Verkehrswerbung herausgegebenes künstlerisches Plakat, das in Wort und Bild die Fremden zu einer Fahrt nach Burg Hochosterwitz einlädt. Die bildliche Darstellung dieser Burg ist so, daß sie jeden Burgenfreund in Begeisterung versetzt, denn das Bergschloß Hochosterwitz thront auf einem freistehenden 175 m hohen Kalkfelsen und gilt als die schönste und größte Burganlage Österreichs. Ihre Besitzer sind seit vier Jahrhunderten die ehemaligen Grafen und nunmehrigen Fürsten v. Khevenhüller (so ist die Schreibweise der,“ fürstlichen Familie) , die am Fuße der Burg, in einem parkumfriedeten schloßartigen Landhaus, ihren Wohnsitz haben. Die Burg selbst steht ganz im Dienste des Fremdenverkehrs und sie ist als Schauobjekt so berühmt, daß es so gut wie kein Fremder in Kärnten versäumt, ihr einen Besuch zu machen. Autobusse aus allen Himmelsrichtungen fahren Tag für Tag zur Burg Hochosterwitz, dem Burgenkleinod Osterreichs.

Wenn wir nachstehend eine gedrängte Schilderung dieser Burg Hochosterwitz auf Grund unseres Besuches geben, so geschieht dies deshalb, weil ihre Besitzer Beziehungen zur Oberpfalz haben, ja sogar aus der Oberpfalz abstammen. Die Urheimat der Fürsten Khevenhüller ist nämlich das auf einsamer Jurahochfläche zwischen dem Sulztal und dem Labertal nordöstlich .von Beilngries gelegene Pfarrdorf Kevenhüll. An der Stelle, an der heute die katholische St. Ulrichs-Pfarrkirche steht (sie befindet sich seit 1413 unter dem Patronat des Klosters Plankstetten), erhob sich im frühen Mittelalter die Stammburg der Edlen v. Kevenhüller. Sie diente nicht nur als Rittersitz, sondern auch zugleich als Bethaus. Um das Jahr 1148 soll der Überlieferung. nach (urkundliche Nachweise darüber sind nicht vorhanden) ein Ritter Richard der Kevenhüller von Kevenhüll in der Oberpfalz ausgewandert sein und zwar nach Kärnten, wo das neugegründete Bistum Bamberg durch Schenkungen Kaiser Heinrich II. ausgedehnte Besitzungen hatte (Carinthiae Bambergenses).

In Kärnten erwarben die Ritter v. Kevenhüller im Lauf der Zeit zahlreiche Besitzungen und Bergwerke, rund zwei Dutzend Burgen, Schlösser und Güter, darunter die etwa 25 km nördlich von Klagenfurt unweit der herzoglichen Residenzstadt St. Veit a. Glan auf einem riesigen Bergkegel gelegene, urkundlich erstmals um das Jahr 1200 genannte Burg Osterwitz. Diese Burg erhielt der Landeshauptmann von Kärnten, Christoph .v. Khevenhüller zu Aichelberg, im Jahre 1541 als Pfandobjekt von König Ferdinand I. Im Jahre 1571 hat dann der Freiherr Georg v. Khevenhüller, der ebenfalls Landeshauptmann von Kärnten war, Burg Hochosterwitz käuflich erworben und sie zu einer unüberwindlichen Festung ausgebaut, in erster Linie ·deshalb, um das Land vor den drohenden Einfällen der Türken zu schützen. Den steilen Aufstieg zur Burg ließ er in den Jahren 1570-86 durch zahlreiche Türme, Bastionen und Wälle, sowie durch nicht weniger als 14 feste, z. Tl. mit Zugbrücken versehene Tore versehen, die heute noch vorhanden sind und die man alle durchschreiten muß, wenn man zur eigentlichen Burg gelangen will. Es gibt in Osterreich und auch in Deutschland keine zweite Burg, deren Burgweg derart umfassend gesichert wäre. Jedes dieser Tore führt einen eigenen Namen, ist mit Wappen, Inschriften· und Bildnissen versehen, der Weg durch sie führt manchmal über grausige Schluchten und schwindelnde Abgründe hinweg. Seit dieser Zeit, seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, ist Burg Hochosterwitz baulich in unverändertem Zustand, das mittelalterliche Antlitz der Burg ist geblieben und darüber hinaus befindet sich die Burg mit ihren unzähligen Baulichkeiten, dank der großen Opferwilligkeit der fürstlichen Familie, in ausgezeichnetem Zustand. Die Fürsten v. Khevenhüller (die Familie wurde 1566 in den Grafen- und 1763 in den Fürstenstand erhoben) erfüllten und erfüllen mit der kostspieligen Erhaltung .dieses riesigen Bergschlosses nicht zuletzt ein Vermächtnis ihres Ahnen, des genannten Freiherrn Georg Khevenhüller, der, wie eine große Marmortafel im Burghof verkündet, in seinem Testament den Wunsch aussprach, daß die Burg Hochosterwitz immer und für ewige Zeiten in dem Eigentum seiner Nachkommen bleiben und von ihnen erhalten werden möge. Diese Verpflichtung wird auch von dem jetzigen Burgherrn, dem Fürsten Franz Khevenhüller-Metsch, dessen Bruder Georg wir übrigens eine (im Selbstverlag erschienene) 62 Seiten starke geschichtliche Darstellung der Burg verdanken, opferwillig erfüllt.

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Burg Hochosterwitz

Der Anblick der Burg Hochosterwitz auf der 175 m hohen Felsenkuppe, die an die Lage der Burg Hohentwiel (688 m) bei Singen im Hegau erinnert, ist schon aus der Ferne bezaubernd. Wie eine Gralsburg steht dieses einzigartige Bergschloß mit seiner verwirrenden Zahl von Gebäudeteilen und Befestigungsanlagen, mit dem Hauptschloß und der Burgkirche, in der von hohen Bergen und prachtvollen Wäldern umgebenen Landschaft und die Rundsicht, die man von ihr genießt, bleibt jedem Besucher unvergeßlich. Im Burghof versorgt uns eine vortreffliche Burgschenke mit Speis‘ und Trank; wer bei einem Glaserl Wachauer oder steierischen Weines oder bei einem Schalerl Kaffee mit Schlag auf der Burgterrasse sitzt und über Wälder, Berge, Dörfer und Burgen ins Land schaut, dem fällt es schwer, sich von dieser Burg zu trennen. Mit einem historisch kostümierten sprachkundigen Führer werden die reichen Sammlungen, die in der Burg untergebracht sind, besichtigt; bei der Erklärung derselben weist der Führer darauf hin, daß die Fürsten Khevenhüller aus Kevenhüll bei Beilngries in der Oberpfalz stammen und im Jahre 1628 ihres evangelischen Glaubens wegen Kärnten verlassen und ihre zwei Dutzend Güter und Schlösser im Stich lassen mußten. Etliche Mitglieder der Familie kehrten damals in ihre oberpfälzische Urheimat zurück, sie ließen sich in Regensburg nieder; andere wurden in Nürnberg seßhaft. Das im Luftkrieg zerstörte schöne Schloß Oberbürg bei Nürnberg (im Pegnitztal) wurden von den Khevenhüller erworben; in den evangelischen Pfarrkirchen zu Nürnberg-Mögeldorf und Nürnberg-St. Johannis befinden sich heute noch Grabdenkmäler der Khevenhüller. Verwandtschaftliche Bande verknüpften die Khevenhüller mit der Nürnberger Patrizierfamilie der Herren Kreß v. Kressenstein und mit der gräflichen Familie v. Giech in Thurnau in Oberfranken. Hans v. Khevenhüller, der als Oberst im Heer Gustav Adolfs diente, wurde 1632 bei einem Ritt durch Freystadt i.d. Opf. durch einen unglücklichen Schuß getötet. Am kaiserlichen Hof in Wien spielten die Grafen und Fürsten Khevenhüller eine große Rolle; Ludwig van Beethoven hat im Palais Khevenhüller in Wien wiederholt konzertiert und der fürstlichen Familie, die zu seinen Gönnern zählte, eine Sonate gewidmet.

Im Jahre 1953 traten die Fürsten v. Khevenhüller in ein verwandtschaftliches Verhältnis zum bayerischen Königshaus, als die Tochter des jetzigen Fürsten Franz, Gräfin Helene Khevenhüller, auf Burg Hochosterwitz den Prinzen Konstantin von Bayern, Sohn des Deutschen Botschafters Prinzen Dr. Adalbert von Bayern heiratete. Die Trauung fand in der Burgkirche auf Hochosterwitz statt, das Hochzeitsmahl in der großen Halle der Burg. In der Nachkriegszeit gingen der fürstlichen Familie Khevenhüller, den „Freiherrn von Landskron, den Herren von Aichlberg zu Frankenburg, Hochosterwitz und Karlsberg“, die in Böhmen und Ungarn gelegenen Güter und Schlösser verloren. Das stolze Renaissanceschloß der Khevenhüller in Villach mit seinem prachtvollen Arkadenhof, zuletzt als Rathaus verwendet, wurde ein Opfer des Luftkrieges; erhalten blieben dagegen die vielen prunkvollen Grabdenkmäler der Khevenhüller in der Villacher Stadtpfarrkirche. Die stilvolle Burggaststätte wird vom jetzigen Fürsten in eigener Regie betrieben, die Bedienungen sind als Burgfräuleins gekleidet. Tausende von Fremden aus aller Herren Länder sind das Jahr über auf Burg Hochosterwitz zu Gast. Sie ist ein Anziehungspunkt des österreichischen Fremdenverkehrs ersten Ranges.

In der Khevenhüller’schen Urheimat zu Kevenhüll bei Beilngries erkennt man beim Betrachten des jetzigen Gotteshauses, das 1739 mit Benutzung des uralten quadratischen Turmchores neu aufgeführt und 1752 geweiht wurde, noch den ursprünglichen Burgcharakter, nicht nur im genannten frühmittelalterlichen Turmchor, sondern auch in der einstigen Befestigungsanlage unweit des ehemaligen Karners. Einige Quellen besagen, daß die sog. Ritterkapelle (Turmkapelle) in Kevenhüll von den Rittern v. Kevenhüll schon im 12. Jahrhundert erbaut worden sei. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts hat man anstelle der romanischen Burgkirche ein gotisches Gotteshaus gesetzt, das 1739 dem jetzigen Neubau weichen mußte. Eine Ansicht der Kevenhüller Pfarrkirche befindet sich in dem genealogischen Werk über „Die Khevenhüller“ von Bernhard Czerwenka, das 1867 in Wien erschienen ist.


© August Sieghardt