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Von Hubertus v. Loefen-Heimhof.

Bis zum Dreißigjährigen Krieg stellte die Eisenindustrie den wohl bedeutendsten Wirtschaftszweig der Oberpfalz dar. Im 15. Jahrhundert war etwa ein Viertel der Bevölkerung in dieser Industrie tätig. Etwa 15% der europäischen Jahreserzeugung kamen aus dem ehemaligen Nordgau.

Der große Krieg brachte das Ende der meisten Hämmer, doch erinnern auch heute noch viele Ortsnamen an die ehemaligen Erzgruben, Hämmer und Hammerschlösser der zu Wohlstand gekommenen Hammerherren, wegen der notwendigen Wasserkraft meist an Flüssen und Bächen gelegen. Wirtschaftler, Heimatforscher und Genealogen haben die Geschichte vieler dieser Hämmer und Hammerfamilien beschrieben, andere sind untergegangen oder in Vergessenheit geraten.

Wenn man von Amberg nach Ursensollen abbiegt und die Landstraße nach Allersburg durch das Hausener Tal fährt, vorbei an den kärglichen Überresten des ehemaligen Schlosses Zant, weithin sichtbar wegen der erhaltenen Schloßkirche, dann Burg und Schloß Heimhof passiert hat, durchfährt man die Siedlung Hammermühle. Hier gibt es kaum etwas zu sehen, und doch — auch hier stand einst ein Blechhammer.

Ein Bauernhof rechts der Straße, an einem künstlich geschaffenen Graben gelegen, einer Ableitung des Hausener Baches, war der Mittelpunkt des einstigen Hammers.
Ein kleiner alter Anbau, direkt am Wasser blieb vom uralten Gebäude erhalten. Wenn man über eine Stiege den Keller erreicht, sieht man heute noch die großen, eisernen Räder, welche die Wasserkraft übertrugen. Der verständliche Abbruch des alten Wohnhauses hat wieder ein Stückchen Oberpfälzer Geschichte vergehen lassen, daher sollten die Schicksale des Hammers, soweit dem Verfasser bekannt, noch einmal dargestellt werden.

Heimhof um 1600

Burg und Hammer Heimhof um 1600

Es begann mit einem Streit, wie immer ging es um Macht und Geld. Anno 1493 — in diesem Jahr stirbt Friedrich III., der letzte in Rom gekrönte deutsche Kaiser — kauft der Amberger Patrizier Hans Modler von dem Landsassen zu Heimhof, Georg Ettlinger, zwei Tagwerk Grund und baut gegen den Willen des Bischofs von Regensburg einen Blechhammer. Hierzu benötigte er das Wasser des Hausener Baches und leitete ihn ab. Diesen Stichgraben können wir heute noch sehen, er mündet unmittelbar hinter der Hammermühle bei einer romantischen alten Steinbrücke wieder in den Hausener Bach.

Die Differenzen mit Regensburg sollten in einer Besprechung beigelegt werden, an der am 19. April 1494 der Regierungskanzler Georg Hornecker und der Domherr Georg v. Rohrbach teilnahmen. Modler fand sich jedoch nicht bereit, den Bischof als seinen Landesfürsten anzuerkennen und weigerte sich den Bach wieder umzuleiten. So wird keine Einigung erzielt, der Hammer nimmt seine Arbeit auf. Modler wird 1527 letztmalig erwähnt. Noch heute erinnert ein Grabstein an der Helenenkapelle in St. Martin zu Amberg an ein anderes Mitglied dieser Hammerfamilie, an den 1471 verstorbenen Lorentz Modler.

Im Jahre 1559 sitzt auf der Hammermühle der Hammermeister Wolf Maurer. Er scheint jedoch schon vorher hier gelebt zu haben; denn er hat 1554 das Widengut zu Heimhof von Veit Dozer gekauft, von seinen Vorgänger Modler übernimmt er die Streitigkeiten mit Regensburg. Sie hatten einen sehr reellen Hintergrund.

Die Produktion des Hammers zu Heimhof wirkte sich nachteilig auf den hundert Jahre älteren Hammer zu Alten-Hohenburg aus. Daher beschränkte Regensburg dem Hammer Heimhof den Holzbezug aus der Herrschaft Hohenburg durch einen besonderen Rezeß.

Am 12. April 1570 stirbt der Hammermeister Wolf Maurer. Ein Grabstein für ihn, seine Mutter Cristina „maurherin“ und seine am 14. August 1561 verstorbene 1. Frau Anna geb. Heber verwittert allmählich an der Außenmauer der St. Michaelskirche in Allersburg, es lohnt, den mit Wappen der Maurer und des Hammergeschlechtes der Heber verzierten Grabstein zu besichtigen.

Neben dem Hammer zu Heimhof hatte Maurer auch den Hammer zu Kastl vom Kloster für jährlich 110 Gulden und Lieferung von Eisenschienen und Radeisen gepachtet.

Auch Maurers Nachfolger gehörte einem bekannten Hammergeschlecht an. Es ist Christoph Kotz zu Pürtenreuth, mit Hilfe des Pflegers zu Hohenburg, Jobst von Scharfenberg, versuchte Kotz die Lieferbeschränkungen Hohenburgs zu umgehen. Scharfenberg verkauft ihm als Landsasse zu Allersburg ein Waldstück in der Herrschaft Hohenburg zum Abkohlen. Hiergegen beschwert sich die Hammermeisterin zu Hohenburg Margarethe Knorr beim Fürstbischof. Regensburg erläutert den Rezeß von 1559 so, daß er sich auf jeglichen Wald bezieht. So ergibt sich eine erhebliche Einschränkung des Besitzrechtes des Scharfenbergers, obwohl Regensburg nach wie vor behauptet, der Hammer zu Heimhof läge auf Regensburger Gebiet und mehrfach vergeblich versuchte, hier Steuern zu erheben. Kotz ist Anhänger der Reformation. 1586 wird er vom Fürstbischof aufgefordert, entweder den Hammer zu verkaufen und den Regensburger Herrschaftsbereich zu verlassen oder seine Religion wieder zu wechseln. Kotz sitzt jedoch auch 1597 noch in Heimhof.

Nach seinem Tod betreibt seine Witwe Christina Kotz den Hammer mit Hilfe eines Hilfkapfers Hans Schmid weiter, später erscheint dann als Hammerherr Hans Georg Knorr.

Nach dem Tode der Christina Kotz, um 1614, übernimmt Sigmund Kotz von Thumbach mit seinem Sohn Jakob den Hammer und die inzwischen dazugehörigen Güter.

Trotz der Hemmnisse aus Regensburg blüht der Hammer Heimhof unter Maurer und Kotz auf. Aus dem Jahre 1602 liegt eine bei N. Erb wiedergegebene Beschreibung vor. Danach ist der ganze Hammer von einer Ringmauer umgeben, darin befinden sich neben dem Wohnhaus, Stallungen, Bad- und Waschstube, 2 Schmied Häuser für die Hammerschmiede, die Hammerhütte selbst und 2 Kohlhütten, ferner eine Mühle mit einem Mahlgang. Weiter gehören jetzt zum Hammer umfangreiche Wiesen und Äcker, 24 Tagwerk Waldungen am Prennberg, weitere 75 Tagwerk Wald, die Faulöd genannt, Wald bei Wappersdorf und, durch das Widengut ein Waldstück im Heimholz.

Schon 1616 verkauften die Kotz den Hammer an ihren Pächter Matthias Nägelein, Bürger zu Auerbach, um 4.000 Gulden. Nägelein jedoch ruinierte den Hammer. Bei der Vergantung nach seinem Tode 1630 war der Besitz zersplittert, die Schulden beliefen sich auf 12.000 Gulden.

Den restlichen Besitz kaufte Martha Ficht um 1.000 Gulden, die sie von ihrem Vater Dr. Michael Loefen v. Heimhof und geerbt hatte, am 17. 9. 1630 von Anna Nägelein. Zum Hammer gehörten nur noch ca. 20 Tagwerk Äcker, Wald, Wiesen und Fischwasser. Der Besitz wurde zu dieser Zeit auf 620 Gulden Steuerwert geschätzt, dafür jährlich zu zahlen 4 Gulden 40 Kreuzer.

Martha Ficht, geb. v. Loefen war mit Hans Gabriel Ficht zu Hütten verheiratet. Sie hielt sich nur mühsam 21 Jahre auf dem Hammer. Hier erlebte sie die Schrecken Dreißigjährigen Krieges. Seit 1640 war sie Witwe und starb 1651 im Alter von 59 Jahren. Sie hinterließ 4 Töchter und einen Sohn Hans Gabriel. Auf der Gant erwarb den restlichen Komplex des ehemaligen Hammergutes ihr Bruder Otto Loefen von Heimhof und Eschertshofen.

Otto Loefen hatte wenig Freude an diesem Erwerb. Zunächst kommt es zu einem sich von 1654 bis 1670 hinziehenden Prozeß zwischen ihm und Hans Georg Peringer, Bürger zu Amberg, der mit der Schwester des Matthias Nägelein verheiratet war. Es geht um einige zum Hammer gehörige Äcker, die nach Loefens Ansicht Pappenheimische Lehen sind und daher nicht verkauft werden könnten. Nach langem Streit wurden die Grundstücke Peringer zugesprochen.

Die Streitigkeiten um die landesherrliche Hoheit zwischen Kurpfalz und Regensburg, die die Hofmark Heimhof stark in Mitleidenschaft zogen, wirkten sich weiterhin auf den Hammer aus.

Der Pfleger zu Hohenburg, Wilhelm Schedel hat nach Darstellung Otto Loefens 20 Musketiere in das Hammerholz einfallen und auf seinem Hammer Brückenhölzer zerstören lassen.

Johann Joachim Haussner von Winbuch und Schmidmühlen meldet 1660 bei Otto Loefen Ansprüche auf 2½ Tagwerk Äcker beim Hammer Heimhof an, die Loefen bestreitet. Schließlich mußte Otto Loefen wegen ständiger Differenzen auch mit der Amberger Regierung nach Altdorf emigrieren, hier stirbt er am 25. 5. 1663. Seine Söhne erben Heimhof, die Hammermühle und den Streit mit Hohenburg.

Der Hammer ist jetzt nur noch eine Mühle. 1675 läßt Otto Ludwig v. Loefen auf dem Hammer Bauarbeiten verrichten und dazu 12 Stämme Bauholz aus dem mit Regensburg strittigen Heimholz durch seinen Bestandsmüller (Pächter) abfahren, „ohne daß vom Amt Hohenburg das Maul darum aufgetan wurde“.

Über Otto Loefens Sohn Johann Martin, er kam als Leutnant unter Kurfürst Max Emanuel in Ungarn durch ein hitziges Fieber ums Leben, geriet der Hammer an seinen am 14. Juni 1685 in Eschenbach getauften Sohn Johann Karl v. Loefen, dem zugleich ein Viertel der Hofmark gehörte. Sein Bruder Johann Justin erbte das 2. Viertel, während die nach Burg bei Magdeburg emigrierten reformierten Loefen die andere Hälfte besaßen. Johann Karl Loefen oder, wie er im Stil der Zeit in den Kirchenmatrikeln von Allersburg genannt wird, „Joannes Carolus â Levin ab et in Haimbhoff et Rohrenstadt et Ebermannsdorf“ lebte ab 1706 auf dem ehemaligen Hammergut, zuvor war er “Fendrich“ im Kurfürstlich Pettendorfischen Regiment zu Fuß auch Karl v. Loefen kam auf dem Hammer nicht zu Reichtum, wurde aber über 90 Jahre alt und starb am 12. Februar 1777. Er ist in der Familiengruft in der Kirche zu Allersburg beigesetzt.

Von seinen 3 Frauen hatte er 14 Kinder, einige starben noch im Jahr ihrer Geburt. Seine erste Frau Maria Eleonora Franziska Miller, Tochter des jung gefallenen Leutnants Johann Heinrich Miller, wohl aus dem Hammergeschlecht der Miller von Altammertal, starb 42jährig am 17. Juli 1710. Loefens zweite Frau war Maria Johanna v. Mendl, Tochter des Amberger Rates Johann W. Mendl v. Steinfels und Gmünd und der Marianna v. Leiblfing. Sie verstarb mit 46 Jahren am 29. September 1714. Auch Karl Loefens dritte Frau entstammte einem alten Oberpfälzer Hammergeschlecht. Am 15. September 1718 schloß Karl die Ehe mit Maria Anna v. Grafenreuth, Tochter des bayerischen Leutnants Georg Wolfgang v. Grafenreuth auf Grübenstetten und der Maria v. Görring. Seine dritte Frau starb am 9. Mai 1749 nach 21jähriger Ehe und wurde in Allersburg beigesetzt.

Aus verschiedenen Eingaben an die Regierung in Amberg läßt sich erkennen, daß die Familie kriegsbedingt oft Not gelitten hat. Am 5.9.1731 bittet Loefen die Behörden in Amberg „fussfallend, untertänigst, höchst flehentlich ihm und seinen 9 lebenden armen Kindern, die er neben der über die Massen schlechten täglichen Nahrung nicht mehr ehrlich bekleiden, geschweige denn etwas lernen lassen kann, wenigsten die Hälfte seiner für die Jahre 1723/26 ausstehenden Zinsen, also 2,5 %, von seinen Kommissariatskapital freizugeben“. Das Bittgesuch wird abgelehnt, Loefen wird vertröstet auf eine generelle Regelung wegen der Anleihzinsen.

Am 13. 8. 1718 wird Karl v. Loefen im Hirschwald von einem Förster zu Salleröd, Balthasar Winkler, angehalten und dem Oberforstmeisteramt gemeldet, weil er mit Flinten und Hunden gejagt hat, ein Vorrecht welches damals nur dem Kurfürsten zustand.

Sein Sohn Johann Jakob, der mit dem Gschrey’schen Freikorps Neumarkt eroberte, bringt durch seine Heirat mit Ursula v. Dürr Schloß und Hofmark Ebermannsdorf noch einmal an die Loefen zurück.

Wohl in Erinnerung an seine jugendliche Heldentat vor Neumarkt zieht Johann Jakob am 4.3.1762 mit Fast 100 Mann von der Hammermühle aus nach Heimhof und läßt hier den neu errichteten Mühlgraben des Müllers Guttenberger gegen ausdrücklichen Befehl der Regierung zuschütten. Kurfürst Maximilian Joseph läßt ihn dafür vom 23.10. — 13.11. 1762 im Fuchssteiner zu Amberg einsperren.

Karl Loefens Tochter Maria heiratete den Amberger Baukommissar Wolfgang v. Löw. Sein Sohn Wilhelm lebt zunächst auf der Hammermühle zu Pfaffenhofen, dann erbt er mit seinen Töchtern von Maria v. Hauntzenberg die stark verschuldete Hofmark Hohenkemnath. Ein Schmiedeeisernes Grabkreuz der auf der Hammermühle Heimhof geborenen weiteren Tochter Karl Loefens, der Maria Angela, hat sich erhalten und befindet sich im Besitz des Verfassers in Heimhof. Sie ist „in ihrem 67 Jahr zu Ebermannsdorf Gott sellig verschiden“.

Pächter der Mühle des ehemaligen Hammergutes waren um 1740 der Müller Hans Wolf Spiess und seine Frau Apollonia. Beide starben 1746.

Das Landgericht Kastl schätzte in einer durch Premierleutnant v. Bagensky im Juni 1828 veranlaßten Taxation die freiherrlich v. Loefen’sche Hofmark Heimhof auf 38.443 Gulden. Das zu dieser Zeit baufällige Hammerhaus war darin mit 240 Gulden veranschlagt.

Neben dem Oekonomiehaus mit Stadel und Stallungen sind noch 1828 eine Taglöhnerwohnung, Keller und Backofen vorhanden.

Der Wert der ca. 23 Tagwerk Feld, Wald und Äcker wird auf 1.300 Gulden geschätzt, ohne 4 Tagwerk Wald im Heimholz und 280 Gulden Fischwasser im Hausener Bach und der Lauterach.

Noch 1847 gehört das Hammergut mit etwa 90 Tagwerk Wald und Feld zum Allodium der Hofmark Heimhof. Offenbar ging zu dieser Zeit auch die Mühle ein, und der ehemalige Hammer wurde, wie noch heute, zum Bauernhof. Mit dem Verkauf der Hofmark durch die Loefen 1856 kam auch die Hammermühle aus der Familie.

So hat der Hammer im Laufe der Jahrhunderte wechselnden Geschlechtern eine Heimat geboten, der jetzige Neubau wird weiteren Generationen eine Heimstätte sein.

Unverändert aber bleibt die Schönheit und Einsamkeit des Hausener Tales.


 

Quellen: v. Loefen: Kurze Chronik über Heimhof (M. S. um 1720). – Nikolaus Erb: Geschichte des Landsassengutes Heimhof (VHOR, Bd. XVII). – Prof. Bodo Ebhardt: Burg Heimhof,
(1928) . – Rudolf v. Loefen: Familiengeschichte v. Loefen (1940). – Kirchenbücher von
Hausen, Hohenburg, Pfaffenhofen. – Staatsarchiv Amberg: Hochstift Regensburg Nr. 99, 100,
109, 346, Landsassen 231, Amberg-Land 232, Pfalz-Neuburg 239. – Stadtarchiv Amberg: F 159.